Franz von Papen

Franz von Papen, 1945/46

Franz von Pa­pen, 1945/46

Franz Jo­seph Her­mann Mi­cha­el Ma­ria von Pa­pen, Erb­säl­zer zu Werl und Neu­werk (* 29. Ok­to­ber 1879 in Werl; † 2. Mai 1969 in Ober­sas­bach) war ein deut­scher Po­li­ti­ker (1921 bis 1932 Zen­trum, dann par­tei­los, 1938 NSDAP). Nach ei­ner Kar­rie­re als Be­rufs­of­fi­zier und län­ge­rer Ab­ge­ord­ne­ten­tä­tig­keit im Preu­ßi­schen Land­tag am­tier­te Pa­pen von Juni bis De­zem­ber 1932 als Reichs­kanz­ler und von Ja­nu­ar 1933 bis Juli 1934 als Vi­ze­kanz­ler im Ka­bi­nett Hit­ler. An­schlie­ßend war er Ge­sand­ter und Bot­schaf­ter des Deut­schen Rei­ches in Wien und An­ka­ra. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de er im Nürn­ber­ger Pro­zess ge­gen die Haupt­kriegs­ver­bre­cher vor dem In­ter­na­tio­na­len Mi­li­tär­ge­richts­hof an­ge­klagt und zu­nächst frei­ge­spro­chen. Am 24. Fe­bru­ar 1947 wur­de er je­doch in ei­nem Spruch­kam­mer­ver­fah­ren im Rah­men der Ent­na­zi­fi­zie­rung als „Haupt­schul­di­ger“ ein­ge­stuft und zu acht Jah­ren Ar­beits­la­ger ver­ur­teilt.

Leben und Wirken

Leben im Kaiserreich (1879–1919)

Un­ter­schrift „von Pa­pen“

Franz von Pa­pen ent­stamm­te der Fa­mi­lie von Pa­pen-Koe­nin­gen, der äl­te­ren Li­nie des west­fä­li­schen Adels­ge­schlech­tes von Pa­pen, das als Erb­säl­zer, das heißt durch Salz­ge­win­nung, in Werl zu Reich­tum und Adels­ti­tel ge­kom­men war. Er wur­de als drit­tes von fünf Kin­dern des ka­tho­li­schen Of­fi­ziers und Grund­be­sit­zers Fried­rich von Pa­pen-Kö­nin­gen ge­bo­ren. Als er elf Jah­re alt war, schick­ten ihn sei­ne El­tern auf sei­nen ei­ge­nen Wunsch hin auf eine Ka­det­ten­schu­le. Die Aus­bil­dung dort leg­te den Grund­stein für sei­ne wei­te­re mi­li­tä­ri­sche Kar­rie­re. Sie führ­te ihn über das Kö­nig­li­che Pa­gen­korps am Hof des Kai­sers und das West­fä­li­sche Ula­nen-Re­gi­ment Nr. 5 in Düs­sel­dorf bis in den Ge­ne­ral­stab, dem er ab 1913 als Haupt­mann an­ge­hör­te. Dort mach­te er zahl­rei­che, für sei­ne spä­te­re Lauf­bahn ent­schei­den­de Be­kannt­schaf­ten, so un­ter an­de­rem mit Kurt von Schlei­cher. Au­ßer­dem galt Pa­pen als be­geis­ter­ter und er­folg­rei­cher Reit­sport­ler.

Franz von Papen als Page am Kaiserlichen Hof in Berlin (1897).

Franz von Pa­pen als Page am Kai­ser­li­chen Hof in Ber­lin (1897).

1905 hei­ra­te­te Pa­pen Mar­tha von Boch-Gal­hau (1880–1961), eine der Er­bin­nen der be­kann­ten Ke­ra­mik­dy­nas­tie Vil­leroy & Boch. Sie brach­te ne­ben be­trächt­li­chen Fi­nanz­mit­teln auch ein Hof­gut in Wal­ler­fan­gen (Saar) in die Ehe ein, das seit 1905 als Gut Pa­pen be­kannt war und das sich noch heu­te im Be­sitz der Fa­mi­lie be­fin­det. Au­ßer­dem ge­wann Pa­pen durch sei­ne Frau für sei­nen spä­te­ren Wer­de­gang ent­schei­den­de Kon­tak­te zu rhei­ni­schen In­dus­tri­el­len­krei­sen.

Aus Pa­pens Ehe gin­gen ein Sohn, Fried­rich Franz von Pa­pen (1911–1983), und vier Töch­ter her­vor: An­toi­net­te (1906–1993), Mar­ga­re­tha (1908–1995), Isa­bel­la (1914–2008) und Ste­fa­nie von Pa­pen (1919−2016). An­toi­net­te von Pa­pen war seit 1926 mit dem Ju­ris­ten und Staats­be­am­ten Max von Stock­hau­sen ver­hei­ra­tet, wäh­rend Isa­bel­la von Pa­pen mit Wil­helm Frei­herr von Ket­te­ler ver­lobt war, ei­nem en­gen Mit­ar­bei­ter Pa­pens, der 1938 von der Ge­sta­po er­mor­det wur­de.

Militärattaché in Washington (1913–1915)

1913 er­hielt von Pa­pen ei­nen di­plo­ma­ti­schen Pos­ten als Hee­res­at­ta­ché an der deut­schen Bot­schaft in den USA, zu­stän­dig für die USA und Me­xi­ko, den er vor al­lem den gu­ten Be­zie­hun­gen sei­nes Va­ters zu Kai­ser Wil­helm II. zu ver­dan­ken hat­te, mit dem die­ser ge­mein­sam stu­diert hat­te. In den USA lern­te er zahl­rei­che Per­sön­lich­kei­ten der po­li­ti­schen und po­li­tik­na­hen Sze­ne ken­nen, die da­mals un­ter­ge­ord­ne­te Füh­rungs­po­si­tio­nen be­klei­de­ten und spä­ter etwa zur sel­ben Zeit wie er selbst in die obers­ten Staats­po­si­tio­nen auf­rück­ten, so etwa Fran­k­lin D. Roo­se­velt oder Dou­glas Ma­cAr­thur, dem er wäh­rend der Wir­ren der me­xi­ka­ni­schen Re­vo­lu­ti­on 1914 zur Flucht aus Ver­a­cruz ver­half. Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs kam dem Dop­pel­pos­ten in Wa­shing­ton und Me­xi­ko eine Be­deu­tung zu, der Pa­pen nicht ge­wach­sen war.

Er soll­te in den USA kon­spi­ra­tiv tä­tig wer­den und eine deutsch­freund­li­che Hal­tung in Me­xi­ko be­stär­ken. Ge­mein­sam mit Karl Boy-Ed und Hein­rich Al­bert, den At­ta­chés für Ma­ri­ne- bzw. Han­dels­an­ge­le­gen­hei­ten, bau­te Pa­pen ei­nen Spio­na­ge- und Sa­bo­ta­ge­ring in New York City auf. Die­se Grup­pe ver­teil­te un­ter an­de­rem ge­fälsch­te Päs­se neu­tra­ler Staa­ten an deut­sche Hee­res­re­ser­vis­ten, die in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten weil­ten, um die­sen die Ein­rei­se nach Deutsch­land durch die bri­ti­sche See­blo­cka­de hin­durch zu er­mög­li­chen. Sie ver­sorg­ten deut­sche Schif­fe im Pa­zi­fik von San Fran­cis­co aus mit Ver­sor­gungs­gü­tern und mel­de­ten die Ab­fahrt­zei­ten und La­dung US-ame­ri­ka­ni­scher Schif­fe nach Ber­lin. In ame­ri­ka­ni­schen Zei­tun­gen ließ Pa­pen An­non­cen dru­cken, die im Na­men der deut­schen Bot­schaft ame­ri­ka­ni­sche Staats­bür­ger aus­drück­lich vor der Rei­se auf bri­ti­schen Schif­fen warn­ten. In letz­te­rer Sa­che wur­de Pa­pen in Zu­sam­men­hang mit der Ver­sen­kung der RMS Lu­si­ta­nia ge­bracht.

Die von ihm ge­grün­de­te Schein­fir­ma „Brid­ge­port Pro­jec­tile Com­pa­ny“ in Con­nec­ti­cut hat­te die Auf­ga­be, die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten je­ner ame­ri­ka­ni­schen In­dus­trie­be­trie­be, die für den eu­ro­päi­schen Kriegs­schau­platz ver­wen­dungs­fä­hi­ge Gü­ter fa­bri­zier­ten, mit „Pri­vat­auf­trä­gen“ der­art zu über­las­ten, dass kei­ne Ka­pa­zi­tä­ten mehr frei sein soll­ten, um für die En­tente-Staa­ten Waf­fen, Mu­ni­ti­on und ähn­li­che kriegs­re­le­van­te Gü­ter her­zu­stel­len. So ver­such­te er etwa, sämt­li­che Toluol-Res­sour­cen in den USA auf­zu­kau­fen, um so die TNT-Pro­duk­ti­on in Ame­ri­ka un­mög­lich zu ma­chen.

Den Vor­wurf, er sei für die Pla­nung der 1916 er­folg­ten Spren­gung von Black Tom Is­land, dem wich­tigs­ten Um­schlags­platz für Mu­ni­ti­ons­gü­ter aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach Eu­ro­pa, ver­ant­wort­lich ge­we­sen, be­stritt Pa­pen sein Le­ben lang en­er­gisch, so noch zu Be­ginn der 1950er-Jah­re in ei­nem Le­ser­brief an das Time-Ma­ga­zi­ne.

Ins­ge­samt un­ter­lie­fen ihm bei sei­ner Ar­beit, die ihn un­ter an­de­rem nach Me­xi­ko führ­te, so vie­le Miss­ge­schi­cke, dass er im Ja­nu­ar 1916 des Lan­des ver­wie­sen wur­de. Bei sei­ner Heim­rei­se konn­te er dank ei­nes Di­plo­ma­ten­pas­ses die bri­ti­sche See­blo­cka­de mit frei­em Ge­leit pas­sie­ren und so deut­schen Bo­den er­rei­chen. Pa­pens nai­ver Glau­be, dass die di­plo­ma­ti­sche Im­mu­ni­tät sei­ner Per­son auch für sein Ge­päck gel­ten wür­de, er­füll­te sich je­doch nicht: Wäh­rend sei­ner Kon­trol­le durch die bri­ti­sche Ma­ri­ne wur­den ihm sämt­li­che Un­ter­la­gen, die er mit sich führ­te, ab­ge­nom­men, so dass die Bri­ten in den Be­sitz um­fang­rei­cher Ge­heim­in­for­ma­tio­nen ka­men und durch Quit­tun­gen, Rech­nungs­bü­cher und ähn­li­che Da­ten zahl­rei­che An­ge­hö­ri­ge Pa­pens ame­ri­ka­ni­scher Agen­ten­grup­pe iden­ti­fi­zier­ten, was eine Rei­he von Ver­haf­tun­gen nach sich zog.

Kriegsteilnahme

Nach sei­ner Rück­kehr nach Deutsch­land wur­de Pa­pen vom Kai­ser mit dem Ei­ser­nen Kreuz aus­ge­zeich­net und dann dem Deut­schen Heer zur Ver­fü­gung ge­stellt. Im Ers­ten Welt­krieg dien­te er zu­nächst als Ba­tail­lons­kom­man­deur an der West­front. Spä­ter war er Ge­ne­ral­stabs­of­fi­zier im Na­hen Os­ten, da­nach Ma­jor in der os­ma­ni­schen Ar­mee in Pa­läs­ti­na. Wäh­rend sei­ner dor­ti­gen Tä­tig­keit im Stab von Erich von Fal­ken­hayn lern­te er Joa­chim von Rib­ben­trop ken­nen, eine Be­kannt­schaft, die für die po­li­ti­schen Vor­gän­ge in Deutsch­land An­fang 1933 noch gro­ße Be­deu­tung ha­ben soll­te. Erst durch Rib­ben­trops Für­spra­che bei Adolf Hit­ler zu­guns­ten Pa­pens ge­lang es, des­sen zu­nächst feind­se­li­ge Hal­tung ge­gen­über dem re­ak­tio­nä­ren ka­tho­li­schen Aris­to­kra­ten aus­zu­räu­men und ihn ei­nem Zweck­bünd­nis ge­wo­gen zu ma­chen. Auf der Heim­fahrt nach Deutsch­land mach­te Pa­pen eine wei­te­re wich­ti­ge Be­kannt­schaft, die mit Paul von Hin­den­burg.

Leben in der Weimarer Republik

Der „Herrenreiter“: Papen 1903 in Reitbekleidung.

Der „Her­ren­rei­ter“: Pa­pen 1903 in Reit­be­klei­dung.

Nach der deut­schen Nie­der­la­ge nahm Pa­pen im Früh­jahr 1919 als Oberst­leut­nant sei­nen Ab­schied aus dem Mi­li­tär. Mit dem Zu­sam­men­bruch der Mon­ar­chie in Deutsch­land wur­de er zeit sei­nes Le­bens nicht fer­tig, und da­her woll­te er nicht in ei­ner re­pu­bli­ka­ni­schen Ar­mee die­nen. Franz von Pa­pen ließ sich im sel­ben Jahr in Dül­men im Müns­ter­land nie­der und be­wohn­te bis zum Jahr 1930 das Haus Mer­feld. Er be­gann po­li­tisch tä­tig zu wer­den und war zu­nächst von 1921 bis 1928 für den Wahl­kreis West­fa­len-Nord Mit­glied des Preu­ßi­schen Land­tags. Dort ver­trat er als Vor­stands­mit­glied des West­fä­li­schen Bau­ern­ver­eins und wei­te­rer land­wirt­schaft­li­cher Ver­bän­de die agra­ri­schen In­ter­es­sen sei­nes Wahl­krei­ses und den mon­ar­chis­ti­schen Flü­gel der ka­tho­li­schen Zen­trums­par­tei. Da­mit be­stan­den star­ke Span­nun­gen zwi­schen ihm und dem re­pu­bli­ka­nisch-de­mo­kra­tisch aus­ge­rich­te­ten lin­ken Flü­gel der Zen­trums­par­tei, wel­cher die Zen­trums­par­tei wäh­rend der An­fangs­jah­re der Wei­ma­rer Re­pu­blik do­mi­nier­te. Pa­pens Welt­an­schau­ung ba­sier­te auf ei­nem kon­ser­va­ti­ven Chris­ten­tum, und sei­ne Po­li­tik hat­te lang­fris­tig das Ziel der Wie­der­her­stel­lung ei­ner christ­li­chen und kon­ser­va­ti­ven au­to­ri­tä­ren Mon­ar­chie. Er ver­ur­teil­te die Par­tei­füh­rung des Zen­trums für die Zu­sam­men­ar­beit mit der „athe­is­ti­schen“ SPD und dem „ra­tio­na­lis­ti­schen“ Links­li­be­ra­lis­mus. Im Land­tags­wahl­kampf 1924 en­ga­gier­te sich Pa­pen ge­gen die aus Zen­trum, SPD, DDP und DVP be­stehen­de gro­ße Ko­ali­ti­on in Preu­ßen. Er for­der­te statt­des­sen die Bil­dung ei­ner „Bür­ger­block­re­gie­rung“, also das Er­set­zen der SPD durch die DNVP. Sein spek­ta­ku­lä­res Auf­tre­ten bei der Be­hand­lung meh­re­rer Miss­trau­ens­an­trä­ge ge­gen Mi­nis­ter­prä­si­dent Otto Braun (SPD) er­reg­te in der Pres­se all­ge­mei­nes Auf­se­hen. Wei­ter­hin ver­sag­te Pa­pen bei der Reichs­prä­si­den­ten­wahl 1925 dem Kan­di­da­ten sei­ner ei­ge­nen Par­tei, Wil­helm Marx, die Un­ter­stüt­zung und trat statt­des­sen öf­fent­lich für die Wahl Paul von Hin­den­burgs ein, was die­ser ihm nie ver­gaß. Das Zen­trum woll­te ihn dar­auf­hin aus­schlie­ßen, je­doch hat­te Pa­pen im Som­mer 1924 ein be­deu­ten­des Ak­ti­en­pa­ket der Par­tei­zei­tung Ger­ma­nia er­wor­ben und wur­de im fol­gen­den Jahr zu de­ren Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­dem ge­wählt, wo­durch er über ei­nen pu­bli­zis­ti­schen Sperr­rie­gel ver­füg­te. In der Zeit zwi­schen 1928 und 1930 kon­zen­trier­te Pa­pen sei­ne po­li­ti­sche Tä­tig­keit auf ver­schie­de­ne kon­ser­va­ti­ve Or­ga­ni­sa­tio­nen, wie zum Bei­spiel den Deut­schen Her­ren­klub. 1930 sie­del­te er auf den Be­sitz sei­ner Schwie­ger­el­tern nach Wal­ler­fan­gen an der Saar über. Im glei­chen Jahr zog er wie­der in den Preu­ßi­schen Land­tag ein, dem er bis zum 24. April 1932 als Ab­ge­ord­ne­ter an­ge­hör­te. In die­ser Funk­ti­on for­der­te er wei­ter­hin das Ende der gro­ßen Ko­ali­ti­on in Preu­ßen und ein Bünd­nis zwi­schen Zen­trum und DNVP.

Pläne für ein antikommunistisches Bündnis

Pa­pen war ein en­ger Freund des für sei­ne an­ti­so­wje­ti­schen Plä­ne be­kann­ten In­dus­tri­el­len Ar­nold Rech­berg. Am 31. Juli 1927 schrieb Pa­pen an den Zen­trums­po­li­ti­ker und Mit­glied des Auf­sichts­rats der Deut­schen Bank Hans Graf Prasch­ma:

[Es] scheint mir eins das Vor­dring­lichs­te der eu­ro­päi­schen Po­li­tik: Die Be­sei­ti­gung des bol­sche­wis­ti­schen Brand­her­des

In ei­nem Ant­wort­brief vom 12. Au­gust 1927 stimm­te Prasch­ma dem aus­drück­lich zu. Am 10. Juni 1932, zehn Tage nach­dem Pa­pen Reichs­kanz­ler ge­wor­den war, hielt er im Deut­schen Her­ren­klub, dem un­ter an­de­rem 100 füh­ren­de In­dus­tri­el­le und Ban­kiers, 62 Groß­grund­be­sit­zer und 94 ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter an­ge­hör­ten, im Bei­sein der füh­ren­den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten Her­mann Gö­ring, Ernst Röhm und Jo­seph Go­eb­bels eine Rede, in der er sein Pro­jekt ei­ner ge­gen die So­wjet­uni­on ge­rich­te­ten deutsch-fran­zö­si­schen Ko­ali­ti­on vor­stell­te und rief dazu auf, dass sich alle Staa­ten un­ter der Pa­ro­le „Tod dem Bol­sche­wis­mus“ zu­sam­men­tun soll­ten. In meh­re­ren Ge­sprä­chen mit fran­zö­si­schen Po­li­ti­kern un­ter­brei­te­te Pa­pen sein an­ti­so­wje­ti­sches Bünd­nis­an­ge­bot. Sei­ne Plä­ne schei­ter­ten je­doch, und die so­wje­ti­sche Re­gie­rung wur­de von fran­zö­si­scher Sei­te über Pa­pens Ak­ti­vi­tä­ten in­for­miert.

Reichskanzler

Nachfolge Brünings

Am 1. Juni 1932 wur­de Pa­pen auf Be­trei­ben sei­nes al­ten Freun­des Kurt von Schlei­cher durch den Reichs­prä­si­den­ten Paul von Hin­den­burg als Nach­fol­ger von Hein­rich Brü­ning zum Reichs­kanz­ler er­nannt. Die Er­nen­nung lös­te in der deut­schen Öf­fent­lich­keit, in der Pa­pen da­mals weit­ge­hend un­be­kannt war, zu­nächst Ver­blüf­fung aus. Über die Mo­ti­ve Schlei­chers, Pa­pen vor­zu­schla­gen, sind seit­her um­fang­rei­che his­to­ri­sche Be­trach­tun­gen an­ge­stellt wor­den. Schlei­chers Freund Wer­ner von Rhein­ba­ben fass­te des­sen ver­mut­li­che Be­weg­grün­de 1965 auf die fol­gen­de Wei­se zu­sam­men:

[Die Über­le­gun­gen] gin­gen da­hin, ei­nen Mann zum Kanz­ler vor­zu­schla­gen, der drei Be­din­gun­gen er­füll­te: Er muss­te Hin­den­burg lie­gen, d. h. ihm nach Her­kunft und Denk­art ge­nehm sein, denn nur ein sol­cher Kanz­ler konn­te bei der ein­fa­chen Den­kungs­art des selbst­be­wusst ge­wor­de­nen Reichs­prä­si­den­ten hin­fort hof­fen, sei­ne Un­ter­schrift un­ter die im­mer in­halts­rei­cher wer­den­den Vor­la­gen auf­grund des Ar­ti­kels 48 der Ver­fas­sung zu er­hal­ten. Nach Schlei­chers Il­lu­si­on soll­te der neue Mann fer­ner die Vor­aus­set­zung ei­ner Un­ter­stüt­zung durch die Na­zis er­fül­len. Drit­tens soll­te er ge­eig­net sein, in en­ger Füh­lung mit ihm, d. h. also nach Schleicher’schen Ide­en, zu re­gie­ren.“

Wäh­rend sei­ner ge­sam­ten Amts­zeit re­gier­te Pa­pen mit den Not­ver­ord­nun­gen des Reichs­prä­si­den­ten und war – Kenn­zei­chen je­des Prä­si­di­al­ka­bi­netts – von sei­nem Ein­ver­ständ­nis ab­hän­gig.

Regierungsbildung: Das „Kabinett der nationalen Konzentration“

Pa­pen bil­de­te nach sei­ner Er­nen­nung aus par­tei­lo­sen Fach­mi­nis­tern so­wie Mit­glie­dern der DNVP eine Min­der­heits­re­gie­rung, die als „Ka­bi­nett der Ba­ro­ne“ be­zeich­net wur­de, weil sie­ben von zwölf Re­gie­rungs­mit­glie­dern Ad­li­ge wa­ren. Sei­nem Aus­schluss aus der Zen­trums­par­tei kam er zu­vor, in­dem er am 3. Juni 1932 aus­trat.

Papens Programm eines „neuen Staats“

Die neue Re­gie­rung, die ein rei­nes Prä­si­di­al­ka­bi­nett ohne Aus­sicht auf par­la­men­ta­ri­sche Mehr­hei­ten war, streb­te eine tief­ge­hen­de Ver­fas­sungs­re­form an, für die sich der Name „Der neue Staat“ ein­ge­bür­gert hat. So lau­te­te der Ti­tel ei­ner im Herbst 1932 er­schie­ne­nen Bro­schü­re des rechts­kon­ser­va­ti­ven Pu­bli­zis­ten Walt­her Schot­te, für das Pa­pen ein Vor­wort ver­fasst hat­te. Hier wa­ren an­ti­de­mo­kra­ti­sche Ide­en zu­sam­men­ge­fasst, die zu­vor schon län­ger in den Krei­sen des Deut­schen Her­ren­clubs dis­ku­tiert wor­den wa­ren und die Vor­stel­lun­gen ver­schie­de­ner Rechts­in­tel­lek­tu­el­ler wie Ar­thur Mo­el­ler van den Bruck, Carl Schmitt oder von Pa­pens spä­te­rem Re­den­schrei­ber Ed­gar Jung auf­grif­fen. Im Kern ging es dar­um, durch eine Ver­fas­sungs­än­de­rung die Wei­ma­rer Re­pu­blik von ei­ner par­la­men­ta­ri­schen zu ei­ner au­to­ri­tär-prä­si­dia­len Re­pu­blik zu ma­chen. Das Amt des Reichs­prä­si­den­ten soll­te mit dem neu zu schaf­fen­den Amt ei­nes preu­ßi­schen Staats­prä­si­den­ten ver­schmol­zen wer­den; durch Än­de­rung des Ar­ti­kel 54 aus der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung soll­te die Reichs­re­gie­rung nicht mehr vom Ver­trau­en des Reichs­tags ab­hän­gig sein, son­dern nur noch von dem des Reichs­prä­si­den­ten; der Ein­fluss des Reichs­tags soll­te durch Än­de­run­gen des Wahl­rechts und durch Schaf­fung ei­ner zwei­ten Kam­mer, die nicht aus Wah­len her­vor­ge­hen wür­de, wei­ter ge­schmä­lert wer­den. Am Ende der Ver­fas­sungs­re­form soll­te nach Pa­pens Vor­stel­lung die Wie­der­ein­füh­rung der Mon­ar­chie ste­hen. Über den Weg, auf dem die­ses am­bi­tio­nier­te Pro­gramm ver­wirk­licht wer­den könn­te, für das ei­gent­lich eine für Pa­pens Min­der­heits­re­gie­rung un­er­reich­ba­re ver­fas­sungs­än­dern­de Zwei­drit­tel­mehr­heit im Reichs­tag nö­tig war, exis­tier­ten je­doch kei­ne kla­ren Vor­stel­lun­gen.

Tolerierungsbündnis mit den Nationalsozialisten

Ins­be­son­de­re Reichs­wehr­mi­nis­ter Schlei­cher er­schien es zur Sta­bi­li­sie­rung der neu­en Re­gie­rung not­wen­dig, Hit­lers NSDAP für ei­nen Un­ter­stüt­zungs­kurs zu ge­win­nen. Lang­fris­tig kön­ne die Par­tei dann durch Re­gie­rungs­be­tei­li­gung „ge­zähmt“ und in den Kurs Pa­pens ein­ge­bun­den wer­den. Be­reits vor Brü­nings Sturz hat­te er da­her Kon­tak­te zu den Spit­zen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf­ge­nom­men. Die­se sag­ten un­ter zwei Be­din­gun­gen zu, Pa­pens Re­gie­rung zu to­le­rie­ren: Ers­tens soll­te es Neu­wah­len ge­ben, zwei­tens müs­se das un­ter Brü­ning ver­häng­te Ver­bot der SA und der SS auf­ge­ho­ben wer­den. Bei­den Bit­ten kam die neue Re­gie­rung nach: Am 4. Juni 1932 lös­te der Reichs­prä­si­dent den Reichs­tag auf, am 16. Juni 1932 fiel das SA-Ver­bot. Eine bei­spiel­lo­se Wel­le po­li­ti­scher Ge­walt im Wahl­kampf war die Fol­ge.

Neue Lage in Preußen nach dem Sieg der NSDAP bei Landtagswahlen

Bei den preu­ßi­schen Land­tags­wah­len vom 24. April 1932 hat­ten die seit 1920 re­gie­ren­den Par­tei­en der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on (be­stehend aus SPD, DStP und Zen­trum) durch den ho­hen Wahl­sieg der NSDAP ihre par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit ver­lo­ren – an­de­re Ko­ali­ti­ons­bil­dun­gen wa­ren nicht mög­lich. Man hat­te da­her not­ge­drun­gen auf die in an­de­ren deut­schen Län­dern be­reits an­ge­wand­te Lö­sung zu­rück­ge­grif­fen: Die alte Lan­des­re­gie­rung wur­de als „ge­schäfts­füh­ren­des“ Gre­mi­um bei­be­hal­ten. Pa­pen woll­te für Preu­ßen eine Ko­ali­ti­on von Mit­te und Rechts, wes­halb er Ge­sprä­che über ein mög­li­ches Zu­sam­men­wir­ken von NSDAP, Deutsch­na­tio­na­len und Zen­trum in­iti­ier­te – die­se schei­ter­ten je­doch we­gen des To­ta­li­täts­an­spru­ches der NSDAP. Dar­auf­hin vi­sier­te Pa­pen Mög­lich­kei­ten an: Die ers­te be­stand in der Durch­füh­rung ei­ner schon län­ger de­bat­tier­ten Reichs­re­form, die den Frei­staat Preu­ßen auf­lö­sen wür­de.

Plan des „Preußenschlags“

Franz von Papen als deutscher Militärattaché in Washington, D.C. (1914).

Franz von Pa­pen als deut­scher Mi­li­tär­at­ta­ché in Wa­shing­ton, D.C. (1914).

Weil die­ser Weg al­ler­dings erst mit­tel­fris­tig zum Ziel füh­ren wür­de, wähl­te Pa­pen die Al­ter­na­ti­ve, die Reichs­wehr in Preu­ßen ein­zu­set­zen, sich selbst zum Reichs­kom­mis­sar be­ru­fen zu las­sen und so das größ­te deut­sche Land un­ter sei­ne Kon­trol­le zu brin­gen. Reichs­prä­si­dent Hin­den­burg un­ter­zeich­ne­te am 14. Juli 1932 eine Not­ver­ord­nung, die Pa­pen als Reichs­kom­mis­sar für Preu­ßen ein­setz­te und ihn be­voll­mäch­tig­te, die am­tie­ren­de preu­ßi­sche Re­gie­rung ab­zu­set­zen, weil die „öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung“ in Preu­ßen ge­fähr­det sei und wie­der­her­ge­stellt wer­den müs­se. Ein Da­tum setz­te Hin­den­burg nicht ein – Pa­pen konn­te die Not­ver­ord­nung zu ei­nem ihm ge­eig­net er­schei­nen­den Zeit­punkt in Kraft set­zen. Pa­pen wähl­te den 20. Juli 1932 als Tag der In­kraft­set­zung. Als Vor­wand dien­ten die bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen des Al­to­na­er Blut­sonn­tags vom 17. Juli 1932. Die Ab­set­zung der am­tie­ren­den Lan­des­re­gie­rung wird als „Preu­ßen­schlag“ be­zeich­net. Die Re­gie­rung be­haup­te­te, sich da­bei auf das ver­fas­sungs­mä­ßi­ge In­stru­ment ei­ner Reichs­exe­ku­ti­on zu stüt­zen, wie sie zu­vor be­reits un­ter Reichs­prä­si­dent Fried­rich Ebert ge­gen Sach­sen und Thü­rin­gen durch­ge­führt wor­den war.

Konferenz von Lausanne

In die­sen Ta­gen hielt sich Pa­pen mit wich­ti­gen Mi­nis­tern sei­nes Ka­bi­netts zu­meist nicht in Ber­lin auf, son­dern in Lau­sanne, wo vom 16. Juni bis 9. Juli 1932 die Kon­fe­renz von Lau­sanne tag­te. Hier woll­te Pa­pen eine Strei­chung der deut­schen Re­pa­ra­ti­ons­ver­pflich­tun­gen durch­set­zen, die sein Vor­gän­ger Brü­ning seit Ja­nu­ar 1932 öf­fent­lich ge­for­dert hat­te. Auf­grund der Zah­lungs­un­fä­hig­keit Deutsch­lands in der Welt­wirt­schafts­kri­se wur­den die Re­pa­ra­tio­nen be­reits seit 1931 nicht mehr be­zahlt. Der in­ter­na­tio­nal we­nig er­fah­re­ne und mit­un­ter un­ge­schickt agie­ren­de Pa­pen er­reich­te die­ses Ziel mit Un­ter­stüt­zung des Kon­fe­renz­vor­sit­zen­den, des bri­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ters Ram­say Mac­Do­nald, je­doch mit ei­ner Ein­schrän­kung: Es wur­de eine Ab­schluss­sum­me von drei Mil­li­ar­den Gold­mark ver­ein­bart, de­ren Zah­lung dem Deut­schen Reich ge­stun­det wur­de. Pa­pens Hoff­nung, dass sich die­ser au­ßen­po­li­ti­sche Er­folg in den Wah­len po­si­tiv für sei­ne Re­gie­rung nie­der­schla­gen wür­de, trog: Die ge­sam­te deut­sche Pres­se miss­bil­lig­te ein­hel­lig, dass er kei­ne voll­stän­di­ge Strei­chung der Re­pa­ra­tio­nen hat­te durch­set­zen kön­nen. Be­son­ders schar­fe An­grif­fe ka­men von Sei­ten der NSDAP, ein In­diz da­für, dass die­se ihr To­le­rie­rungs­ver­spre­chen durch­aus nicht ein­zu­hal­ten ge­willt war.

Bruch der NSDAP mit Papen nach dem Wahlsieg am 31. Juli 1932

Zum Bruch der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten mit Pa­pen kam es nach dem Wahl­sieg der NSDAP bei der Reichs­tags­wahl vom 31. Juli 1932. Die Par­tei ver­dop­pel­te ihre Sit­ze und ver­dräng­te die SPD als stärks­te Kraft im Par­la­ment. Zu­sam­men mit der KPD ver­füg­te sie nun über eine „ne­ga­ti­ve Mehr­heit“, die jede sinn­vol­le Ar­beit des Par­la­ments il­lu­so­risch mach­te. In Son­die­run­gen mit Mit­glie­dern der Re­gie­rung Pa­pen ver­lang­te Hit­ler kom­pro­miss­los die Kanz­ler­schaft und ver­schie­de­ne Schlüs­sel­mi­nis­te­ri­en für eine Ko­ali­ti­ons­be­tei­li­gung. Als ihm dies von Hin­den­burg ver­wei­gert wur­de, kün­dig­te er jeg­li­che Un­ter­stüt­zung für die Re­gie­rung Pa­pen auf.

Misstrauensantrag und Auflösung des neugewählten Reichstags am 12. September 1932

Als Ver­tre­ter der nun­mehr stärks­ten Par­tei wur­de Her­mann Gö­ring auch von der de­mo­kra­ti­schen Mit­te zum Reichs­tags­prä­si­den­ten ge­wählt. Als der neu­ge­wähl­te Reichs­tag am 12. Sep­tem­ber zu­sam­men­trat und Pa­pen sei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung ab­ge­ben woll­te, be­an­trag­te die KPD die Än­de­rung der Ta­ges­ord­nung und die so­for­ti­ge Aus­spra­che des Miss­trau­ens ge­gen die Re­gie­rung. Gö­ring über­sah ab­sicht­lich die Wort­mel­dung des Reichs­kanz­lers, der den Reichs­tag nach Ar­ti­kel 25 der Reichs­ver­fas­sung gleich wie­der auf­lö­sen woll­te, und ließ über den An­trag der KPD ab­stim­men, der schließ­lich eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit fand. Die Ab­stim­mung war je­doch un­gül­tig, weil Pa­pen gleich­zei­tig die Auf­lö­sungs­or­der des Reichs­prä­si­den­ten auf Gö­rings Pult ge­legt hat­te und so­mit Neu­wah­len aus­zu­schrei­ben wa­ren. Das po­li­ti­sche Si­gnal er­wies sich je­doch als ver­hee­rend für die Re­pu­ta­ti­on der Re­gie­rung, stimm­ten doch 9/10 al­ler Ab­ge­ord­ne­ten ge­gen sie (512:42).

Letzte Unterstützung für Papen

Öf­fent­li­che Un­ter­stüt­zung er­hielt Pa­pens Ka­bi­nett nur von der DNVP und der mitt­ler­wei­le mar­gi­na­li­sier­ten DVP, so­wie von Krei­sen der Groß­in­dus­trie, die die au­to­ri­tä­ren Uto­pi­en des Kanz­lers stark un­ter­stütz­ten. Der Groß­teil ih­rer Spen­den­gel­der ging in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 1932 an Pa­pen und ihn un­ter­stüt­zen­de Grup­pen, im Herbst 1932 wur­de der Auf­ruf ei­nes DNVP-na­hen „Deut­schen Aus­schus­ses“, der sich un­ter der Über­schrift „Mit Hin­den­burg für Volk und Reich!“ für die Re­gie­rung Pa­pen und da­mit ge­gen die NSDAP aus­sprach, von zahl­rei­chen Groß­in­dus­tri­el­len un­ter­zeich­net. Hier las man so pro­mi­nen­te Na­men wie Ernst von Bor­sig, der Vor­sit­zen­de des Berg­bau­ver­eins Ernst Bran­di, Erich von Gil­sa, Fritz Springo­rum und Al­bert Vög­ler.

Reichstagswahlen am 6. November 1932 und Plan einer Ausschaltung des Parlament

Die Reichs­tags­wah­len vom 6. No­vem­ber 1932 brach­ten deut­li­che Ver­lus­te für die NSDAP, aber Ge­win­ne für die DNVP, die ein­zi­ge grö­ße­re Par­tei, die den Reichs­kanz­ler un­ter­stütz­te. Aber auch die KPD konn­te zu­le­gen, die bei­den ra­di­ka­len Par­tei­en be­hiel­ten ihre Sperr­ma­jo­ri­tät. Der Reichs­tag war so­mit wei­ter­hin lahm­ge­legt. SPD und Zen­trum schlu­gen ein Ko­ali­ti­ons­an­ge­bot Pa­pens aus un­ter­schied­li­chen Mo­ti­ven aus. Pa­pen und sein In­nen­mi­nis­ter Wil­helm Frei­herr von Gayl plan­ten nun, die Ver­fas­sung aus­zu­set­zen und Neu­wah­len auf un­be­stimm­te Zeit zu ver­schie­ben, um so das Par­la­ment für we­nigs­tens ein hal­bes Jahr aus­zu­schal­ten. Am Ende kön­ne eine durch eine Volks­be­fra­gung le­gi­ti­mier­te Ver­fas­sungs­än­de­rung ste­hen, die den ge­wünsch­ten Staats­um­bau her­bei­füh­ren soll­te. Ge­stützt wer­den soll­te die­se Po­li­tik durch die Reichs­wehr, die den zu er­war­ten­den Wi­der­stand von Lin­ken und Na­tio­nal­so­zia­lis­ten im Kei­me er­sti­cken soll­te.

Scheitern Papens mit seinem Umsturzplan, Spaltungsplan Schleichers

Hin­den­burg stimm­te dem Plan zu­nächst zu, doch stell­te sich Reichs­wehr­mi­nis­ter Schlei­cher ge­gen den Plan und über­zeug­te die wei­te­ren Ka­bi­netts­mit­glie­der mit Hil­fe des Plan­spiels Ott, sol­chen Plä­nen ent­schie­den ab­zu­schwö­ren und statt­des­sen auf eine Spal­tung der NSDAP zu set­zen. Pa­pen ver­such­te noch ver­geb­lich, bei Hin­den­burg eine Neu­be­set­zung des Reichs­wehr­mi­nis­te­ri­ums durch­zu­set­zen, be­vor der Reichs­prä­si­dent, der das Ri­si­ko ei­nes Bür­ger­kriegs scheu­te, schließ­lich sei­nen „Lieb­lings­kanz­ler“ am 3. De­zem­ber 1932 fal­len und durch Schlei­cher er­set­zen ließ.

Wirtschaftspolitik Papens

Wirt­schafts­po­li­tisch war die Re­gie­rungs­zeit Pa­pens durch eine Ab­kehr von den di­ri­gis­ti­schen und de­fla­tio­nä­ren Zie­len der Vor­gän­ger­re­gie­rung ge­kenn­zeich­net. Im Spät­som­mer be­schloss die Re­gie­rung per Not­ver­ord­nung ein staat­li­ches Kon­junk­tur­pro­gramm, das durch Er­leich­te­run­gen für die Pri­vat­wirt­schaft eine Wirt­schafts­be­le­bung ein­zu­lei­ten ver­such­te. Be­reits zu­vor wa­ren Maß­nah­men zur Sa­nie­rung des Haus­halts vor al­lem durch Kür­zung der So­zi­al­aus­ga­ben be­schlos­sen wor­den, die die so­zia­le Lage im Land wei­ter ver­schärf­ten. Die von sei­nem Ka­bi­nett auf den Weg ge­brach­te Wirt­schafts­po­li­tik der In­iti­al­zün­dung, die ein be­schei­de­nes Ar­beits­be­schaf­fungs­pro­gramm in Gang ge­bracht hat­te und ei­nen ers­ten Aus­weg aus der Kri­se wies, führ­te zu ei­nem be­gin­nen­den Rück­gang der Ar­beits­lo­sen­zah­len. Die Plä­ne zum ver­stärk­ten Au­to­bahn­bau und zur Schaf­fung ei­ner Wehr­pflicht­ar­mee muss­ten aber vor­erst in der Schub­la­de ver­wei­len, da de­ren Um­set­zung bis zum De­zem­ber 1932 auf­grund von Be­schrän­kun­gen des Ver­sail­ler Ver­tra­ges nicht mög­lich war. Spä­ter griff Hit­ler auf die­se Plä­ne zu­rück.

Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

Anbahnung der Regierung Hitler

Am 4. Ja­nu­ar 1933 traf sich Pa­pen ins­ge­heim mit Adolf Hit­ler im Haus des Ban­kiers Kurt Frei­herr von Schrö­der, um über die Re­gie­rungs­be­tei­li­gung der NSDAP zu be­ra­ten. An ei­nem spä­te­ren Tref­fen am 22. Ja­nu­ar nah­men auch Staats­se­kre­tär Otto Meiss­ner und Os­kar von Hin­den­burg teil. Al­len drei Ver­trau­ten Paul von Hin­den­burgs wird zu­ge­schrie­ben, dass sie in den letz­ten Ja­nu­ar­ta­gen den Reichs­prä­si­den­ten zur Er­nen­nung Hit­lers zum Reichs­kanz­ler über­zeug­ten. Pa­pens Plan war es, Hit­ler „ein­zu­rah­men“, ihn und sei­ne Stim­men zu kau­fen und in Wirk­lich­keit selbst die Macht aus­zu­üben. Er soll dazu ge­äu­ßert ha­ben: „In zwei Mo­na­ten ha­ben wir Hit­ler in die Ecke ge­drückt, dass er quietscht!“

Papen als Vizekanzler Hitlers (1933–1934)

Be­reits im Fe­bru­ar 1933 ent­mach­te­te sich Pa­pen weit­ge­hend selbst, in­dem er Hin­den­burg dazu be­wog, nach dem Reichs­tags­brand am 28. Fe­bru­ar die ihm von Hit­ler vor­ge­leg­te Ver­ord­nung zum Schutz von Volk und Staat zu un­ter­zeich­nen, die Hit­ler in Kom­bi­na­ti­on mit dem Er­mäch­ti­gungs­ge­setz vom 23. März eine qua­si dik­ta­to­ri­sche Stel­lung ver­lieh, die die­ser voll aus­nut­zen konn­te. Hin­den­burgs ei­ge­ne Po­si­ti­on, die Po­si­ti­on des Reichs­prä­si­den­ten, des­sen Ver­trau­en letzt­lich Pa­pens ein­zi­ge wirk­li­che Macht­grund­la­ge war, wur­de da­durch er­heb­lich ge­schwächt.

Für den Wahl­kampf für die Reichs­tags­wahl am 5. März 1933 schloss Pa­pen sich mit DNVP-Chef Al­fred Hu­gen­berg so­wie Franz Sel­dte und Theo­dor Du­es­ter­berg, den Füh­rern des Front­sol­da­ten­bun­des Stahl­helm, in der am 11. Fe­bru­ar 1933 ge­grün­de­ten Lis­ten­ver­bin­dung Kampf­front Schwarz-Weiß-Rot zu­sam­men. Wäh­rend des Wahl­kamp­fes be­müh­te Pa­pen sich ins­be­son­de­re, par­tei­unge­bun­de­ne Kon­ser­va­ti­ve so­wie kon­ser­va­tiv-ka­tho­li­sche Wäh­ler, die bis­her das Zen­trum ge­wählt hat­ten, dazu zu be­we­gen, ihre Stim­me der Kampf­front zu ge­ben. In Pa­pens Wahl­re­den – die zahl­rei­che An­lei­hen aus dem Vo­ka­bu­lar der Kon­ser­va­ti­ven Re­vo­lu­ti­on mach­ten – vom Fe­bru­ar und März 1933 wur­de auch erst­mals der Ein­fluss des Schrift­stel­lers Ed­gar Jung, der An­fang Fe­bru­ar 1933 als Be­ra­ter und Re­den­schrei­ber in den Dienst des Vi­ze­kanz­lers ge­tre­ten war, sicht­bar. Am Wahl­tag konn­te die Kampf­front 8 % der ab­ge­ge­be­nen Stim­men auf sich ver­ei­ni­gen. Im ers­ten Reichs­tag der NS-Zeit ver­füg­te sie da­mit über 52 Man­da­te. Pa­pens An­teil an dem oh­ne­hin sehr be­grenz­ten Er­folg der kon­ser­va­ti­ven Sam­mel­lis­te ist in der For­schung als eher ge­ring ver­an­schlagt wor­den. Al­ler­dings wur­de sei­nen Wahl­kampf­re­den zu­ge­stan­den, dass sie ein „we­sent­li­ches Ak­ti­vum“ der Kampf­front ge­we­sen sei­en.

In den Mo­na­ten nach der Reichs­tags­wahl ero­dier­te Pa­pens macht­po­li­ti­sche Stel­lung in der „Re­gie­rung Hit­ler-Pa­pen“ rasch zu­guns­ten des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Re­gie­rungs­flü­gels: So muss­te er die Stel­lung des Reichs­kom­mis­sars für Preu­ßen, die ne­ben der Vi­ze­kanz­ler­schaft sei­ne wich­tigs­te Macht­bas­ti­on in der ge­mein­sa­men Re­gie­rung hat­te sein sol­len, be­reits am 7. April 1933 an Her­mann Gö­ring ab­tre­ten, der zu die­ser Zeit in das wie­der­her­ge­stell­te Amt des Preu­ßi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ein­ge­führt wur­de. Um den ver­lo­re­nen Bo­den zu­rück­zu­ge­win­nen und sei­ne Stel­lung in­ner­halb des Staats­ge­fü­ges wie­der auf­zu­wer­ten, ver­such­te Pa­pen sich im Lau­fe des Jah­res 1933 eine neue Ba­sis zu schaf­fen, wo­bei er hoff­te, ins­be­son­de­re die Kräf­te des ka­tho­li­schen Kon­ser­va­ti­vis­mus so­wie po­li­tisch un­ge­bun­de­ner Rechts­krei­se, zu­mal der jün­ge­ren Ge­nera­ti­on hin­ter sich ver­ei­ni­gen zu kön­nen. Zu die­sem Zweck schuf er de­zi­diert ka­tho­lisch-kon­ser­va­ti­ve Auf­fang­or­ga­ni­sa­tio­nen, die mit den Wor­ten Joa­chim Pet­zolds „als eine Form des Wi­der­stan­des ge­gen­über der NS-All­macht be­trach­tet wer­den konn­ten“. Tat­säch­lich dien­ten sie Pa­pens il­lu­so­ri­scher Mis­si­on, eine Brü­cke zwi­schen Ka­tho­li­zis­mus und Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu schla­gen. Den An­fang mach­te der Bund ka­tho­li­scher Deut­scher «Kreuz und Ad­ler» (BkD), den Pa­pen be­reits im März 1933 ge­grün­det hat­te. In die­sem über­nahm er die Schirm­herr­schaft, wäh­rend per­sön­li­che Ver­trau­ens­leu­te von ihm (erst Emil Rit­ter, dann Ro­de­rich von Thun) als Ge­ne­ral­se­kre­tär die täg­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ar­beit über­nah­men. Nach­dem es dem Bund nicht ge­lun­gen war, das er­wünsch­te po­li­ti­sche Ei­gen­ge­wicht zu er­lan­gen, wan­del­te Pa­pen ihn im Ok­to­ber in eine so­ge­nann­te Ar­beits­ge­mein­schaft ka­tho­li­scher Deut­scher (AKD) um. Als Ge­ne­ral­se­kre­tär wur­de er­neut der Graf Thun be­stallt. Den Zweck der AKD sah Pa­pen in ei­nem Schrei­ben an den deut­schen Bot­schaf­ter beim Hei­li­gen Stuhl von Ber­gen dar­in, „das Ver­ständ­nis für die NS-Be­we­gung und ihre gro­ßen his­to­ri­schen Auf­ga­ben zu för­dern.“ Die Ar­beits­ge­mein­schaft hat­te nach Vor­stel­lung der Reichs­par­tei­lei­tung der NSDAP im Sep­tem­ber 1934 „in dem ihr zu­ge­wie­se­nen Be­rei­che wirk­sam zu ei­ner Ver­söh­nung bei­getra­gen“ und wur­de auf­ge­löst. Gleich­zei­tig ver­such­ten Ed­gar Jung, der als Grün­der des Jung­aka­de­mi­schen Clubs über ein­schlä­gi­ge Er­fah­run­gen ver­füg­te, so­wie die Pa­pen-Mit­ar­bei­ter Wil­helm von Ket­te­ler und Fried­rich-Carl von Sa­vi­gny die stu­den­ti­schen Ju­gend für die kon­ser­va­ti­ve Fron­de um Pa­pen zu ge­win­nen. Dem­entspre­chend lie­ßen sie Pa­pen häu­fig Re­den vor Stu­den­ten hal­ten, die vom Ge­dan­ken­gut der Kon­ser­va­ti­ven Re­vo­lu­ti­on ge­prägt wa­ren und lan­cier­ten Ver­trau­ens­leu­te des Pa­pen­krei­ses wie Ed­mund Forsch­bach oder Sa­vi­gny selbst auf ein­fluss­rei­che Pos­ten in Or­ga­ni­sa­tio­nen, in de­nen sich die kon­ser­va­ti­ve Stu­den­ten­schaft bün­del­te. Über­dies ge­lang es ih­nen in der Reichs­tags­wahl vom No­vem­ber 1933, ei­ni­ge nicht der NSDAP zu­ge­hö­ri­ge Män­ner als Ab­ge­ord­ne­te in den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichs­tag zu schleu­sen, de­nen Ed­gar Jung die Auf­ga­be ei­ner heim­li­chen Op­po­si­ti­on in War­te­stel­lung zu­schrieb. All die­se Maß­nah­men konn­ten je­doch nicht ver­hin­dern, dass Pa­pen zu­min­dest in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung im Lau­fe des Jah­res 1933 zu ei­ner „fast lä­cher­li­chen Ga­li­ons­fi­gur“ (Heinz Höh­ne) her­ab­sank.

Im Juli 1933 schloss Pa­pen als Be­voll­mäch­tig­ter der Reichs­re­gie­rung das bis heu­te gül­ti­ge so­ge­nann­te Reichs­kon­kor­dat ab, das das Ver­hält­nis des deut­schen Staa­tes zur ka­tho­li­schen Kir­che re­gelt. Mit dem Ver­trag wur­de das Ende des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus be­sie­gelt. Den in Eile und un­ter Druck aus­ge­han­del­ten Ver­trag leg­te das NS-Re­gime nicht nur will­kür­lich aus, son­dern ver­stieß ge­gen ihn in den Fol­ge­jah­ren in wach­sen­dem Um­fang.

Im Zu­sam­men­hang mit dem na­hen­den Tod Hin­den­burgs be­müh­te Pa­pen sich im Früh­jahr 1934 ver­ge­bens um ein Tes­ta­ment aus des­sen Hand, in dem öf­fent­lich die Wie­der­her­stel­lung der Mon­ar­chie emp­foh­len wer­den soll­te. In der be­rühmt ge­wor­de­nen Mar­bur­ger Rede mahn­te er: „Deutsch­land darf kein Zug ins Blaue wer­den!“. Hin­den­burg sand­te ihm dar­auf­hin ein Glück­wunsch­te­le­gramm. Die Rede be­deu­te­te kei­nen ‚frü­hen Wi­der­stand aus spä­ter Ein­sicht‘ (Benz). Pa­pen gei­ßel­te Aus­wüch­se des NS-Re­gimes in Form von SA-Über­grif­fen und Go­eb­bel­scher Rhe­to­rik, übte aber kei­ne Kri­tik an Hit­ler. Wäh­rend der Nie­der­schla­gung des an­geb­li­chen „Röhm-Put­sches“ stand Pa­pen auf Wei­sung Gö­rings un­ter Haus­ar­rest und über­leb­te das Mas­sa­ker. Die Er­mor­dung sei­ner en­gen Mit­ar­bei­ter Her­bert von Bose und Ed­gar Ju­li­us Jung, der die Mar­bur­ger Rede ver­fasst hat­te, hin­der­te ihn in der Fol­ge nicht dar­an, nach der Nie­der­le­gung des Am­tes des Vi­ze­kanz­lers im Juli sei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit dem Re­gime fort­zu­set­zen. Noch im sel­ben Mo­nat ging er als Son­der­ge­sand­ter Hit­lers nach Wien, um dort die di­plo­ma­ti­schen Wo­gen zu glät­ten, die nach der Er­mor­dung des ös­ter­rei­chi­schen Kanz­lers En­gel­bert Dollfuß durch An­ge­hö­ri­ge des ös­ter­rei­chi­schen Zwei­ges der NS-Par­tei ent­stan­den wa­ren.

Diplomat im Dienst Hitlers (1934–1944)

Leiter einer Sondermission im Auftrag Hitlers

Von 1934 bis 1938 am­tier­te Pa­pen als Ge­sand­ter be­zie­hungs­wei­se ab 1936 als Bot­schaf­ter des Deut­schen Rei­ches in Wien. Auf­grund ei­ner be­son­de­ren Ver­ein­ba­rung zwi­schen ihm und Hit­ler war er wäh­rend die­ser Zeit nicht in den Ap­pa­rat des Aus­wär­ti­gen Am­tes ein­ge­glie­dert, son­dern als Lei­ter ei­ner Son­der­mis­si­on dem Dik­ta­tor un­mit­tel­bar per­sön­lich un­ter­stellt (Im­me­diatver­hält­nis).

Vorbereitung des Anschlusses Österreichs

Wäh­rend sei­ner drei­ein­halb­jäh­ri­gen Dienst­stel­lung be­rei­te­te Pa­pen den An­schluss Ös­ter­reichs an das Deut­sche Reich vor. Er wur­de am 4. Fe­bru­ar 1938, dem Tag des Re­vi­re­ments an der Spit­ze der Wehr­macht (Blom­berg-Fritsch-Kri­se), un­er­war­tet aus Wien ab­be­ru­fen, we­ni­ge Wo­chen vor dem An­schluss Ös­ter­reichs an das Deut­sche Reich. Die Er­mor­dung sei­nes Freun­des und Mit­ar­bei­ters Wil­helm Frei­herr von Ket­te­ler durch den SD, un­mit­tel­bar nach dem Ein­marsch der deut­schen Ar­me­en, hielt Pa­pen nicht da­von ab, das ihm für sei­ne Ver­diens­te um den „An­schluss“ ver­lie­he­ne Gol­de­ne Par­tei­ab­zei­chen der NSDAP an­zu­neh­men. Au­ßer dem Par­tei­ab­zei­chen nahm Pa­pen auch die Mit­glied­schaft in der NSDAP an (Mit­glieds­num­mer 5.501.100; Auf­nah­me­tag 13. Au­gust 1938).

Botschafter in Ankara: Neues Europa und Friedensaktionen

Nach dem er­folg­rei­chen An­schluss Ös­ter­reichs stell­te sich Pa­pen ab dem Früh­jahr 1938 dem NS-Re­gime mit dem Ti­tel Bot­schaf­ter zur be­son­de­ren Ver­wen­dung wei­ter zur Ver­fü­gung. Ende April 1939 über­nahm er den Bot­schaf­ter­pos­ten in An­ka­ra, den er ge­gen­über dem neu­en Reichs­au­ßen­mi­nis­ter Joa­chim von Rib­ben­trop laut ei­ge­nen Aus­sa­gen mehr­fach ab­ge­lehnt hat­te. Die ge­wach­se­ne Be­deu­tung der Tür­kei nach der Be­set­zung Al­ba­ni­ens durch Mus­so­li­ni An­fang April 1939 sprach schließ­lich für die An­nah­me des Pos­tens, eben­so wie die be­vor­ste­hen­de Ein­zie­hung zur Wehr­macht. An­ders als in Wien un­ter­stand Pa­pen in An­ka­ra dem Au­ßen­mi­nis­ter und nicht Hit­ler, den er al­ler­dings mehr als ein Dut­zend Mal zu Ge­sprä­chen auf­such­te. Den Wei­sun­gen Ber­lins fol­gend be­müh­te sich Pa­pen in An­ka­ra ver­geb­lich, die Tür­kei von ih­rer „ak­ti­ven Neu­tra­li­tät“ ab­zu­brin­gen und für ein „Neu­es Eu­ro­pa“ un­ter Füh­rung des Deut­schen Reichs zu ge­win­nen. Par­al­lel zu sei­nen loy­al ver­folg­ten Amts­ge­schäf­ten un­ter­nahm Pa­pen ab Be­ginn des 2. Welt­kriegs und bis ins Früh­jahr 1944 eine gro­ße Zahl von Frie­dens­in­itia­ti­ven und be­müh­te sich um Ver­mitt­ler bei den Al­li­ier­ten und Neu­tra­len. Sei­ne so­ge­nann­ten „Frie­dens­ope­ra­tio­nen“ schei­ter­ten am Miss­trau­en der po­ten­ti­el­len Ver­mitt­ler, die Zwei­fel an Pa­pens Le­gi­ti­mie­rung hat­ten, eben­so wie an In­ter­views, die er in Ein­zel­fäl­len Me­di­en­ver­tre­tern aus Pro­fi­lie­rungs­sucht gab. 1941 schloss Pa­pen mit dem Au­ßen­mi­nis­ter von der Re­pu­bli­ka­ni­schen Volks­par­tei (CHP) des tür­ki­schen Staats­grün­ders Ata­türk, Şü­krü Sa­ra­coğlu, den Deutsch-tür­ki­schen Freund­schafts­ver­trag.

Botschaftertätigkeit und Vatikan

Ein Jahr nach Pa­pens Amts­an­tritt in An­ka­ra be­müh­te sich Rib­ben­trop, den un­kal­ku­lier­ba­ren Bot­schaf­ter an die we­ni­ger be­deu­ten­de Va­ti­kan­ver­tre­tung in Rom zu ver­set­zen. Papst Pius XII. kon­sul­tier­te im Vor­feld des Agré­ment­er­su­chens den Ber­li­ner Bi­schof Graf von Prey­sing, der Vor­be­hal­te aus Rom mit der Be­grün­dung be­stä­tig­te, dass dann der „Typ ei­nes hoch­ge­stell­ten ka­tho­li­schen Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ir­gend­wie als mit kirch­li­cher Sank­ti­on ver­se­hen er­schie­ne.“ Mit dem De­le­ga­ten des Va­ti­kans in Is­tan­bul, An­ge­lo Ron­cal­li, dem spä­te­ren Papst Jo­han­nes XXIII., un­ter­hielt Pa­pen bis zum Ende sei­ner Dienst­zeit in der Tür­kei im Au­gust 1944 ei­nen en­gen Kon­takt. Von ihm er­fuhr er früh über Ver­nich­tungs­ak­tio­nen an Ju­den in Po­len. Im Ge­gen­satz zu sei­nen ei­ge­nen Aus­sa­gen un­ter­stütz­te Pa­pen kei­ne der zahl­rei­chen Ret­tungs­ak­tio­nen Ron­cal­lis zu­guns­ten von Ju­den aus den na­tio­nal­so­zia­lis­tisch be­setz­ten Staa­ten. Nach dem Ab­bruch der di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen durch die Tür­kei An­fang Au­gust 1944 kehr­te Pa­pen nach Deutsch­land zu­rück. Aus Hit­lers Hän­den nahm er Mit­te Au­gust das Rit­ter­kreuz zum Kriegs­ver­dienst­kreuz für sei­nen di­plo­ma­ti­schen Ein­satz in der Tür­kei ent­ge­gen.

Flucht und Festnahme

Nach der letz­ten Be­geg­nung mit Hit­ler im Au­gust 1944 ge­riet Pa­pen in den Stru­del der mi­li­tä­ri­schen Nie­der­la­ge. Vor den an­rü­cken­den Al­li­ier­ten floh er zu­nächst auf sein Hof­gut im saar­län­di­schen Wal­ler­fan­gen und an­schlie­ßend auf das An­we­sen sei­nes Schwie­ger­sohns Max von Stock­hau­sen in Stock­hau­sen bei Me­sche­de. Am 10. April 1945 wur­de Pa­pen ei­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt von Schloss Stock­hau­sen in der Jagd­hüt­te sei­nes Schwie­ger­sohns von US-Sol­da­ten fest­ge­nom­men.

Nachkriegszeit und Lebensabend (1945–1969)

Sei­ne Hei­mat­stadt Werl ent­zog ihm 1945 die 1933 ver­lie­he­ne Eh­ren­bür­ger­wür­de. 1946 wur­de er im Nürn­ber­ger Pro­zess ge­gen die Haupt­kriegs­ver­bre­cher frei­ge­spro­chen. Am 24. Fe­bru­ar 1947 wur­de er in ei­nem Spruch­kam­mer­ver­fah­ren im Rah­men der Ent­na­zi­fi­zie­rung als „Haupt­schul­di­ger“ ein­ge­stuft und zu acht Jah­ren Ar­beits­la­ger ver­ur­teilt; die in Haft ver­brach­ten Jah­re seit 1945 wur­den ihm auf die Stra­fe an­ge­rech­net.
1949 wur­de er vor­zei­tig ent­las­sen und die ver­füg­te Ver­mö­gens­ein­zie­hung rück­gän­gig ge­macht. In der Fol­ge­zeit be­wohn­te er für ei­ni­ge Jah­re Schloss Ben­zen­ho­fen in der ober­schwä­bi­schen Ge­mein­de Berg und ver­such­te er­folg­los eine neue po­li­ti­sche Kar­rie­re. Sei­ne lang­jäh­ri­gen Be­mü­hun­gen um Pen­si­ons­zah­lun­gen in An­er­ken­nung sei­ner di­plo­ma­ti­schen und mi­li­tä­ri­schen Dienst­zei­ten schei­ter­ten we­gen sei­ner en­gen Ver­bin­dung zum Na­tio­nal­so­zia­lis­mus (Aus­wär­ti­ges Amt) bzw. we­gen schuld­haf­ter Ver­stö­ße ge­gen Grund­sät­ze der Rechts­staat­lich­keit (Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Ba­den-Würt­tem­berg).

Pa­pen starb am 2. Mai 1969 in Ober­sas­bach und wur­de auf dem Fried­hof in Wal­ler­fan­gen be­gra­ben.

Autobiografische und zeitgeschichtliche Werke

In den Jah­ren nach der Haft­ent­las­sung schrieb Pa­pen un­ter an­de­rem sei­ne Au­to­bio­gra­fie Der Wahr­heit eine Gas­se (1952) und Vom Schei­tern ei­ner De­mo­kra­tie (1968).

Bei­de Bü­cher wur­den und wer­den von His­to­ri­kern scharf kri­ti­siert, weil Pa­pens Dar­stel­lung sei­ne Rol­le beim Schei­tern der Wei­ma­rer Re­pu­blik ver­harm­lo­se. Theo­dor Eschen­burg (1904–1999) kri­ti­sier­te 1953 sei­ne „kind­lich-pri­mi­ti­ve Vor­stel­lung von Po­li­tik“ und re­sü­mier­te: „Ei­tel­keit und po­li­ti­sche Be­ga­bung ste­hen in um­ge­kehr­tem Ver­hält­nis zu­ein­an­der“.

Bewertung durch Zeitgenossen und Nachwelt

Kurt von Schlei­cher woll­te nach der Bil­dung der „Re­gie­rung Pa­pen“ im Mai 1932, wie er Jour­na­lis­ten ge­gen­über äu­ßer­te, in dem neu­en Kanz­ler nichts wei­ter se­hen als „ei­nen Hut“, den er, Schlei­cher – als der ei­gent­li­che Kopf der „Re­gie­rung Pa­pen“ – sich auf sein ei­ge­nes Haupt set­zen wür­de. Die­se Ein­schät­zung er­wies sich noch im sel­ben Jahr als eine ka­pi­ta­le po­li­ti­sche Fehl­kal­ku­la­ti­on: So ge­lang es „Fränz­chen“, wie Schlei­cher Pa­pen im Pri­va­ten spöt­tisch nann­te, nicht nur sich der Kon­trol­le des Ge­ne­rals zu ent­win­den und ei­nen ei­ge­nen, den Schleicher’schen Plä­nen zu­wi­der­lau­fen­den Kurs ein­zu­schla­gen. Au­ßer­dem ge­lang es ihm, Schlei­cher in der Gunst des grei­sen Hin­den­burg den Rang ab­zu­lau­fen.

Hit­ler sah Pa­pen zu­nächst als Ri­va­len um die Macht. Nach­dem er aus­ge­schal­tet wor­den war, zoll­te er ihm An­er­ken­nung: So er­blick­te er 1942 sein gro­ßes „Ver­dienst“ dar­in, dass die­ser 1932 durch die Ab­set­zung der preu­ßi­schen Lan­des­re­gie­rung „den Ein­bruch in die hei­li­ge Ver­fas­sung voll­zo­gen“ und so den ers­ten Schritt zur Be­sei­ti­gung des „Wei­ma­rer Sys­tems“ ge­tan hät­te. Hin­den­burg, der – nach den Wor­ten Se­bas­ti­an Haff­ners – in Pa­pen „spät im Le­ben“ sein „Männ­lich­keits­ide­al“ ge­fun­den ha­ben soll, brach­te sei­ne enge Ver­bun­den­heit mit Pa­pen zum Aus­druck, als er die­sem im De­zem­ber 1932 ein Bild von sich mit der Wid­mung „Ich hatt’ ei­nen Ka­me­ra­den“ schick­te. Hit­ler be­haup­te­te spä­ter, Hin­den­burg habe Pa­pen zwar „ganz gern“ ge­habt, in ihm aber auch „eine Art Wind­hund“ ge­se­hen. Der ehe­ma­li­ge Wirt­schafts­mi­nis­ter Hans von Rau­mer äu­ßer­te 1963, dass Pa­pen die „Se­re­nis­si­mus­tak­tik“, mit der die Män­ner um den Reichs­prä­si­den­ten auf die­sen ein­ge­wirkt hät­ten, am bes­ten be­herrscht und so ei­nen un­heil­vol­len Ein­fluss auf den „Er­satz­mon­ar­chen“ ge­won­nen habe. Pa­pen müs­se des­we­gen als der „Haupt­schul­di­ge“ für die fa­ta­len Ent­schei­dun­gen des Staats­ober­haup­tes in den Jah­ren 1932/1933 an­ge­se­hen wer­den.

Hans-Otto Meiss­ner, der – als Sohn von Hin­den­burgs engs­tem Mit­ar­bei­ter Otto Meiss­ner – Pa­pen aus nächs­ter Nähe be­ob­ach­ten konn­te, ur­teil­te, die­ser sei „auf das hohe Amt in kei­ner Wei­se vor­be­rei­tet“ ge­we­sen. Mensch­lich er­schien ihm Pa­pen als „be­son­ders un­sym­pa­thisch“. Eben­so habe der Va­ter „vom ers­ten Au­gen­blick den Herrn von Pa­pen ab­so­lut nicht lei­den“ kön­nen. Au­ßer­dem sei er „über­aus gel­tungs­be­dürf­tig“ ge­we­sen: „Man ge­wann den Ein­druck, dass ihm sehr dar­an ge­le­gen war, von der ers­ten Mi­nu­te sei­nes Auf­tre­tens an bis zu letz­ten be­ach­tet zu wer­den.“ „Ich ver­ges­se nie den Aus­druck sei­nes Ge­sich­tes, es war die Bla­siert­heit in Per­son, wie man rings­her­um flüs­ter­te. Die hoch­ge­zo­ge­nen Au­gen­brau­en, die leicht vor­ge­beug­te Hal­tung und sein her­ab­las­sen­der Blick auf die an­de­ren Men­schen sind mir bis heu­te un­ver­gess­lich.“ Im üb­ri­gen sei Pa­pen „tat­säch­lich, wie sei­ne Geg­ner im­mer be­haup­te­ten, der Typ ei­nes Her­ren­rei­ters [ge­we­sen]: schon rein äu­ßer­lich war das voll­kom­men rich­tig. Aber der Wort­be­griff ging wei­ter, sah man doch nach land­läu­fi­ger Mei­nung im Her­ren­rei­ter ei­nen hoch­mü­ti­gen, hohl­köp­fi­gen, bla­sier­ten und zu­dem ad­li­gen Rei­ters­mann. Mit leicht vor­hän­gen­den Schul­tern ritt er über die ei­ge­nen Län­de­rei­en. Wie es in ei­nem Spott­lied der Zeit hieß, hat­te er kei­ne an­de­ren In­ter­es­sen als […] Pfer­de, Sekt und Wei­ber.“

Et­was mil­der – aber un­ge­min­dert ne­ga­tiv – ur­teil­te Fritz Gün­ther von Tschirsch­ky, der von 1933 bis 1935 sei­ne Stel­lung als Mit­ar­bei­ter Pa­pens nutz­te, um – ohne Pa­pens Wis­sen – ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu kämp­fen, im Rück­blick über sei­nen Chef:

Pa­pens Han­deln war nie vor­be­dacht bös­wil­lig, wenn auch vie­le sei­ner Hand­lun­gen un­ver­ständ­lich zwei­deu­tig wa­ren und, ich muss es lei­der aus­spre­chen, von un­ver­ant­wort­li­cher Ober­fläch­lich­keit her­rühr­ten. Er war ein Mann mit den Ei­gen­schaf­ten ei­nes jun­gen Ka­val­le­rie­of­fi­ziers, der vie­le Hür­den neh­men kann, die an­de­ren als un­über­wind­li­che Hin­der­nis­se er­schei­nen. Er war aber un­fä­hig, län­ge­re Zeit die ein­mal ein­ge­schla­ge­ne Rich­tung bei­zu­be­hal­ten. Er hat­te auch die Ei­gen­schaf­ten ei­nes ge­schul­ten Ge­ne­ral­stäb­lers, die­je­ni­gen ei­nes Di­plo­ma­ten und Edel­man­nes al­ter Schu­le und die ei­nes gläu­bi­gen Ka­tho­li­ken. All die­se Ei­gen­schaf­ten wa­ren in ihm aber nicht zu ei­ner ge­sun­den Har­mo­nie ver­bun­den, son­dern be­fan­den sich so­zu­sa­gen in se­pa­ra­ten Ab­tei­lun­gen ne­ben­ein­an­der. Dar­um war sein Bild so ver­zerrt. Bei vie­len galt er als ver­schla­gen, ver­lo­gen und ver­ant­wor­tungs­los, bei an­de­ren wie­der­um als fä­hig und ver­ant­wor­tungs­wür­dig. […] Ich muss­te [je­den Tag aufs neue] fest­stel­len: wer sitzt heu­te am Schreib­tisch: der jun­ge Ka­val­le­rie­of­fi­zier, der Di­plo­mat, der Ka­tho­lik? Je nach­dem wel­cher Pa­pen dort saß, trug ich vor.

Zu­dem be­merk­te Tschirsch­ky, dass er oft be­ob­ach­ten muss­te, wie von ihm ge­mach­te Vor­schlä­ge durch Pa­pens un­über­leg­tes Han­deln ins Ge­gen­teil um­schlu­gen. Von sich selbst und sei­nen „si­cher lau­te­ren Ab­sich­ten ein­ge­nom­men“, habe er gar nicht be­merkt, „wel­chen Scha­den er oft an­rich­te­te durch sein ego­zen­tri­sches, ober­fläch­li­ches Han­deln“. Kon­rad Ade­nau­er, in den 1920er-Jah­ren bis zu des­sen Aus­tritt ein „Par­tei­freund“ Pa­pens in der Zen­trums­par­tei, äu­ßer­te sich kurz nach dem Zwei­ten Welt­krieg ei­ner Be­kann­ten ge­gen­über in ähn­li­cher Wei­se. Er schrieb, er habe in Pa­pen schon in den 1920er-Jah­ren ei­nen Kon­junk­tur­rit­ter ge­se­hen, der in un­ver­ant­wort­li­cher Wei­se al­les dem Ziel un­ter­ge­ord­net habe, eine per­sön­li­che Rol­le zu spie­len. Pa­pens Amts­vor­gän­ger als Kanz­ler, Hein­rich Brü­ning, nann­te die­sen kurz „un­ver­ant­wort­lich“.

Noch ent­schie­de­ner war die Ab­leh­nung Pa­pens auf der po­li­ti­schen Lin­ken: Der Schrift­stel­ler und Pu­bli­zist Kurt Tu­chol­sky er­blick­te in Pa­pen „ein an­ci­en re­gime der bö­ses­ten Art“. Der Jour­na­list Al­fred Pol­gar wie­der­um fäll­te in den spä­ten 1930er-Jah­ren in ei­ner Glos­se un­ter dem Ti­tel Der Her­ren­rei­ter ein ver­nich­ten­des Ur­teil über Pa­pen, des­sen „Cha­rak­ter­lo­sig­keits­bild in der Ge­schicht“ fest­ste­hen wür­de, denn: „Fun­da­men­tal­satz sei­ner sämt­li­chen Ge­sin­nung ist: kei­ne zu ha­ben. Sein per­sön­li­ches po­li­ti­sches Cre­do lau­tet: um je­den Preis oben blei­ben. Sein Wahl­spruch: ich dien’ … egal wem.“

In der au­ßer­deut­schen Pres­se und Li­te­ra­tur be­stand in den 1930er- und 1940er-Jah­ren zu­nächst eine Ten­denz zur Dä­mo­ni­sie­rung Pa­pens. Bei­na­he leit­mo­ti­visch war die Cha­rak­te­ri­sie­rung Pa­pens als „Meis­ter­spi­on“ und als „skru­pel­lo­ser In­tri­gant“. Das ame­ri­ka­ni­sche Time Ma­ga­zi­ne kenn­zeich­ne­te ihn 1941 bei­spiels­wei­se als ei­nen ele­gan­ten Di­plo­ma­ten, der in al­lem ein „preu­ßi­sches Ab­bild“ des da­ma­li­gen bri­ti­schen Au­ßen­mi­nis­ters An­tho­ny Eden sei – „mit Aus­nah­me sei­ner [feh­len­den] In­te­gri­tät“. Der Un­gar Ti­bor Kö­vès be­ti­tel­te sei­ne im sel­ben Jahr er­schie­ne­ne Pa­pen­bio­gra­fie, dem glei­chen Ge­dan­ken ver­pflich­tet, Sa­tan in Top Hat („Teu­fel mit Zy­lin­der­hut“).

Die his­to­ri­sche For­schung malt in ih­rer Mehr­heit ein aus­ge­spro­chen ne­ga­ti­ves Bild von Per­son und Wir­ken Pa­pens. Ge­flü­gel­te Wor­te, die bei­na­he for­mel­haft be­nutzt wer­den, wenn von ihm die Rede ist, sind zwei Spott­na­men, die ihn als „Her­ren­rei­ter“ und als „Hit­lers Steig­bü­gel­hal­ter“ be­nen­nen. Die dar­in ent­hal­te­ne Schuld­zu­wei­sung, Pa­pen sei ein Haupt­ver­ant­wort­li­cher da­für, dass Hit­ler den letz­ten Schritt zur Macht ge­hen konn­te, wird bis heu­te von ei­ner gro­ßen Zahl von His­to­ri­kern ver­tre­ten. Der Pa­pen-Bio­graf Joa­chim Pet­zold de­kla­riert Pa­pen be­reits im Un­ter­ti­tel sei­ner Stu­die als „Ein deut­sches Ver­häng­nis“.

An­de­re For­scher se­hen in ihm vor al­lem ei­nen kurz­sich­ti­gen Re­ak­tio­när und ei­nen po­li­ti­schen Di­let­tan­ten. So wur­de etwa die The­se auf­ge­stellt, dass die zahl­rei­chen di­plo­ma­ti­schen Un­ge­schick­lich­kei­ten, die dem un­er­fah­re­nen Pa­pen bei den Re­pa­ra­ti­ons­ver­hand­lun­gen in Lau­sanne un­ter­lie­fen, eine Ei­ni­gung über­haupt erst mög­lich mach­ten, weil sie die deut­sche Ver­hand­lungs­po­si­ti­on schwäch­ten. Ri­chard Rolfs ver­gleicht Pa­pen in sei­ner Bio­gra­fie pro­gram­ma­tisch mit der li­te­ra­ri­schen Fi­gur des Zau­ber­lehr­lings, der in eit­ler Selbst­über­schät­zung Kräf­te her­auf­be­schwört, die jen­seits sei­ner Kon­trol­le lie­gen.

Mit den Ame­ri­ka­nern Hen­ry Ma­son Adams und Ro­bin K. Adams fand Pa­pen so­gar zwei lei­den­schaft­li­che Ver­tei­di­ger, die in ihm ei­nen „re­bel­li­schen Pa­trio­ten“ se­hen woll­ten. Fried­rich-Karl von Pleh­we sieht in Pa­pen zwar eine Un­glücks­fi­gur und kri­ti­siert ihn nach­drück­lich für sein Ver­hal­ten im De­zem­ber 1932/Januar 1933 so­wie für sei­ne ver­fehl­te Po­li­tik als Kanz­ler im Som­mer und Herbst 1932, wen­det sich aber ge­gen den leit­mo­ti­vi­schen Ge­brauch des Eti­ketts Her­ren­rei­ter, das er als will­kür­lich und un­ge­recht er­ach­tet.

Mitgliedschaften und kirchliche Ehren

Pa­pen war Mit­glied des Rit­ter­or­dens vom Hei­li­gen Grab zu Je­ru­sa­lem und Rit­ter des Mal­te­ser­or­dens.

1923 er­nann­te ihn Papst Pius XI. zum päpst­li­chen Ge­heim­käm­me­rer. Die­se Er­nen­nung wur­de 1939 von Papst Pius XII. nicht be­stä­tigt, da von Pa­pen ver­säumt hat­te, ei­nen ent­spre­chen­den An­trag zu stel­len. 1959 wie­der­hol­te Papst Jo­han­nes XXIII. aber die Er­nen­nung. Der spä­te­re Papst Jo­han­nes XXIII. war wäh­rend sei­ner Zeit in An­ka­ra (1934–1944) als Apos­to­li­scher Le­gat für die Tür­kei und Grie­chen­land mit Pa­pen be­kannt.

Nachlass

Pa­pen selbst nahm nach dem Zwei­ten Welt­krieg an, dass sein Pri­vat­ar­chiv in sei­ner Woh­nung in der Ber­li­ner Len­né­stra­ße ein Op­fer des Bom­ben­krie­ges ge­wor­den und rest­los zer­stört wor­den sei. Tat­säch­lich wur­de eine grö­ße­re Zahl von Ak­ten bei Kriegs­en­de von der Ro­ten Ar­mee si­cher­ge­stellt und in das zur Ver­wah­rung deut­scher Beuteak­ten ein­ge­rich­te­te Son­der­ar­chiv Mos­kau ver­bracht. Die Exis­tenz die­ses mehr als acht­zig Ak­ten um­fas­sen­den Nach­las­ses Pa­pens wur­de erst An­fang der 1990er Jah­re be­kannt. An­hand der Mos­kau­er Ak­ten konn­ten seit­her zahl­rei­che Ir­re­füh­run­gen und Falsch­be­haup­tun­gen in Pa­pens Me­moi­ren nach­ge­wie­sen wer­den. In den 1990er Jah­ren über­gab der da­ma­li­ge rus­si­sche Staats­prä­si­dent dem da­ma­li­gen deut­schen Bun­des­kanz­ler Hel­mut Kohl bei ei­nem Staats­be­such als Ge­schenk Mi­kro­fil­me des Nach­las­ses von Wal­ter Ra­then­au aus dem Mos­kau­er Son­der­ar­chiv un­ter de­nen sich auch Ko­pi­en von neun­zehn Ak­ten des Mos­kau­er Pa­pen­nach­las­ses fan­den, die heu­te als Be­stand N 1649 im Bun­des­ar­chiv auf­be­wahrt wer­den. Ei­ni­ge be­son­ders bri­san­te Ak­ten von Pa­pens Mos­kau­er Nach­lass – dar­un­ter eine Ab­schrift des an­der­wei­tig ver­schol­le­nen Ori­gi­nal­tes­ta­men­tes von Paul von Hin­den­burg aus dem Jah­re 1934 – wur­den in den 1950er Jah­ren dem Ar­chiv des da­ma­li­gen So­wje­ti­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums über­ge­ben. Da­nach ver­liert sich ihre Spur. Heu­te gel­ten die­se Un­ter­la­gen als ver­schol­len.

Ein wei­te­rer Teil­nach­lass Pa­pens be­fin­det sich im Be­sitz des fran­zö­si­schen Na­tio­nal­ar­chivs. Die­ser be­steht aus Un­ter­la­gen, die er bis 1944 auf sei­nem Gut Wal­ler­fan­gen auf­be­wahrt und kurz vor Kriegs­en­de im Kel­ler des Schlos­ses Ge­mün­den ver­steckt hat­te, wo sie im Herbst 1945 von den fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­be­hör­den ent­deckt wur­den.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Franz von Pa­pen aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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