Dez 292016
 
Franz von Fürstenberg

Franz von Fürs­ten­berg

Franz Fried­rich Wil­helm Frei­herr von Fürs­ten­berg (* 7. Au­gust 1729 in Schloss Her­drin­gen, Arns­berg; † 16. Sep­tem­ber 1810 in Müns­ter) war der wich­tigs­te Staats­mann im Fürst­bis­tum Müns­ter in der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts. Fürs­ten­berg war ei­nem vor­sich­tig-auf­klä­re­ri­schen Re­form­kurs ver­pflich­tet.

Leben

Werdegang

Fürs­ten­berg stamm­te aus dem west­fä­li­schen Adels­ge­schlecht von Fürs­ten­berg. Er stu­dier­te von 1746 bis 1748 an der Je­sui­ten­schu­le in Köln, von 1750 bis 1751 an der Uni­ver­si­tät Salz­burg und von 1751 bis 1753 in Rom. 1748 wur­de er be­reits Dom­ka­pi­tu­lar in Müns­ter und Pa­der­born. Das Müns­te­ra­ner Dom­ka­pi­tel setz­te sich da­mals tra­di­tio­nell aus Söh­nen des west­fä­li­schen Adels zu­sam­men. 1762 er­nann­te ihn der Kur­fürst von Köln und Bi­schof von Müns­ter, Ma­xi­mi­li­an Fried­rich von Kö­nig­segg-Ro­then­fels, zum Mi­nis­ter für das Fürst­bis­tum Müns­ter und 1770 zum Ge­ne­ral­vi­kar.

Der Staatsmann

Fürs­ten­berg wur­de be­son­ders die Re­gie­rung des ma­ro­den und ver­schul­de­ten müns­ter­schen Lan­des über­tra­gen, und es ge­lang ihm schließ­lich, die Fol­gen des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges im Müns­ter­land zu über­win­den. Fürs­ten­berg sa­nier­te den Haus­halt, för­der­te Acker­bau und Ge­wer­be, ver­bes­ser­te die Jus­tiz­ver­wal­tung, re­gel­te das Po­li­zei­we­sen und dräng­te die Geist­lich­keit zur Fort­bil­dung. Er setz­te die Be­steue­rung der Geist­lich­keit ge­gen ei­nen Sturm der Ent­rüs­tung durch. Au­ßer­dem soll­te nicht mehr Reich­tum, son­dern die Ernst­haf­tig­keit des re­li­giö­sen Le­bens Kri­te­ri­um sein für die Auf­nah­me in ein Klos­ter. Des Wei­te­ren ver­bes­ser­te Fürs­ten­berg das Mi­li­tär­we­sen durch eine der Land­wehr ähn­li­che Volks­be­waff­nung und durch Grün­dung ei­ner Mi­li­tär­aka­de­mie. Er er­ließ eine Me­di­zi­nal­ord­nung für das Müns­ter­land, die als mo­derns­te ih­rer Art in Deutsch­land galt. 1780 wur­de Fürs­ten­berg aus sei­nem Mi­nis­ter­amt ent­las­sen, weil er sich für die Ein­füh­rung ei­nes ste­hen­den Hee­res stark­ge­macht hat­te, Plä­ne hat­te, ei­nen Ka­nal Rich­tung Rhein aus­zu­he­ben, und da­bei auf en­er­gi­schen Wi­der­stand ge­sto­ßen war. Der Frei­herr blieb aber bis 1807 Ge­ne­ral­vi­kar und be­hielt die Auf­sicht über das Schul­we­sen, bei des­sen Re­form ihn vor al­lem sein Freund Bern­hard Hein­rich Over­berg un­ter­stütz­te.

Der Schulreformer

Im Mit­tel­punkt der Fürs­ten­berg­schen Re­for­men stand das Schul­we­sen. Der Ge­ne­ral­vi­kar ver­öf­fent­lich­te 1776 eine re­vo­lu­tio­nä­re „Schul­ord­nung“ für das Gym­na­si­um, die den Fä­cher­ka­non zu­guns­ten der Ma­the­ma­tik und der Na­tur­wis­sen­schaf­ten gründ­lich än­der­te. 1777 wur­de die all­ge­mei­ne Schul­pflicht im Fürst­bis­tum Müns­ter ver­schärft. Zu­sam­men mit Bern­hard Hein­rich Over­berg er­ar­bei­te­te er in den 1780er Jah­ren eine Neu­ord­nung der Ele­men­tar­schu­len. Auf sei­ne In­itia­ti­ve be­gann 1780 ein Schul­ver­such am Gym­na­si­um Pau­li­num: Hoch­deutsch wur­de Schul­fach. Er lei­te­te eine Re­form des Gym­na­si­ums ein, grün­de­te die Uni­ver­si­tät Müns­ter so­wie ein Pries­ter­se­mi­nar. 1807 leg­te er schließ­lich auch das Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at nie­der.

Der Stenograf

Franz Frei­herr von Fürs­ten­berg war auch ein be­deu­ten­der Ste­no­graf. Er ver­wen­de­te für sei­ne Ta­ge­buch­auf­zeich­nun­gen in fran­zö­si­scher Spra­che ab 1761 das eng­li­sche Ste­no­gra­fie­sys­tem von Au­lay Ma­cau­lay und nahm in­ner­halb die­ses Sys­tems auch ei­ge­ne schöp­fe­ri­sche Ver­än­de­run­gen vor.

Fürstenberg und die Fürstin Amalie von Gallitzin

In Müns­ter ge­hör­te Fürs­ten­berg zum ka­tho­li­schen Müns­ter­schen Kreis (fa­mi­lia sa­cra) um die Fürs­tin Ama­lie von Gal­lit­zin, die seit 1779 in Müns­ter leb­te und mit der ihn eine enge Freund­schaft ver­band. Sei­ne Brie­fe an die Fürs­tin sind ein be­deu­ten­des li­te­ra­ri­sches Zeug­nis des Jahr­hun­derts. Fürs­ten­berg küm­mer­te sich nach der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on 1789, wäh­rend der Re­vo­lu­ti­ons­krie­ge und der Na­po­leo­ni­schen Krie­ge zu­sam­men mit Ama­lie von Gal­lit­zin in­ten­siv um flüch­ten­de Kle­ri­ker aus Flan­dern und Bra­bant, die in Müns­ter stran­de­ten.

Fürs­ten­berg wur­de auf dem Über­was­ser­fried­hof in Müns­ter be­stat­tet; seit dem 21. Ok­to­ber 1929 be­fin­det sich sein Grab auf dem Dom­her­ren­fried­hof des St.-Paulus-Doms zu Müns­ter.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Franz von Fürs­ten­berg aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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