Jan 252017
 
Franz Arnold Fürstbischof von Paderborn und Münster. Kupferstich von Pieter Stevens van Gunst, vor 1707

Franz Ar­nold Fürst­bi­schof von Pa­der­born und Müns­ter. Kup­fer­stich von Pie­ter Ste­vens van Gunst, vor 1707

Franz Ar­nold von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht (* 9. Mai 1658 auf Schloss Gracht in Li­blar, heu­te zu Erft­stadt; † 25. De­zem­ber 1718 in Schloss Ahaus) war Fürst­bi­schof von Pa­der­born und Müns­ter.

Familie

Er stamm­te aus dem Ge­schlecht der Wolff-Met­ter­nich zur Gracht. Sein Va­ter war der kur­köl­ni­sche Obrist­stall­meis­ter De­gen­hard Adolf von Wolff ge­nannt Met­ter­nich, ein Sohn des im Haus Wit­tels­bach tä­ti­gen Prin­zen­er­zie­hers Jo­hann Adolf Wolff Met­ter­nich zur Gracht (1592–1669). Die Mut­ter war Phil­ip­pi­na Agnes (geb. Frei­frau von Reu­schen­berg zu Set­ter­nich). Franz Ar­nold war das fünf­te von ins­ge­samt neun Kin­dern aus die­ser Ehe. Der Va­ter hei­ra­te­te nach dem Tod von Phil­ip­pi­na Agnes in zwei­ter Ehe Mar­ga­re­tha Alex­an­dra von Hoens­bro­eck. Ei­ner der jün­ge­ren Halb­brü­der aus die­ser Ehe war der Dom­probst Wil­helm Her­mann Ignatz Wolff-Met­ter­nich zur Gracht.

Frühe Jahre

Als nach­ge­bo­re­ner Sohn schlug er, wie im nord­west­deut­schen Stifts­adel üb­lich, eine kirch­li­che Lauf­bahn ein. Er be­such­te das Gym­na­si­um in Hil­des­heim und er­hielt 1670 die ers­te Ton­sur. Von 1674 bis 1676 stu­dier­te er am Col­le­gi­um Ger­ma­ni­cum in Rom. Er er­hielt 1678 eine Dom­her­ren­stel­le in Os­na­brück. Dort wur­de er spä­ter Dom­propst und war Propst des Stifts St. Jo­hann. Ab 1681 war er auch Dom­herr in Pa­der­born. Im Jahr 1698 er­hielt er die Nie­de­ren Wei­hen und die Wei­he zum Sub­dia­kon. In die­ser Zeit hoff­te er zum Bi­schof von Os­na­brück ge­wählt zu wer­den. Die­se Hoff­nung zer­schlug sich, als Karl III. Jo­seph von Loth­rin­gen sich durch­setz­te. Ab 1706 war er auch Dom­herr in Müns­ter.

Bischof in Paderborn

1703 wur­de er zum Dia­kon und kurz da­nach zum Pries­ter ge­weiht. Franz Ar­nold wur­de, trotz er­heb­li­cher Wi­der­stän­de ei­ner Ge­gen­par­tei, zum Ko­ad­ju­tor sei­nes On­kels Her­mann Wer­ner von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht ge­wählt, mit dem Recht zur Nach­fol­ge als Bi­schof von Pa­der­born. Papst Cle­mens XI. be­stä­tig­te die Wahl und er­nann­te ihn zum Ti­tu­lar­bi­schof von Ni­co­po­lis in Ar­me­nia. Am 9. März 1704 weih­te ihn der Weih­bi­schof in Os­na­brück Otto Wil­helm von Bronck­horst zu Grons­feld in Pa­der­born zum Bi­schof. Nach dem Tod des On­kels am 21. Mai 1704 wur­de er Fürst­bi­schof von Pa­der­born.

Konflikt um die Wahl in Münster

Die Wahl in Müns­ter war nach dem Tod von Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg im Jahr 1706 schwie­rig. Da­bei spiel­ten auch aus­wär­ti­ge In­ter­es­sen eine gro­ße Rol­le. So en­ga­gier­ten sich die Re­pu­blik der Sie­ben Ver­ei­nig­ten Pro­vin­zen aus macht­po­li­ti­schen Grün­den in die­ser Sa­che. Au­ßer­dem woll­ten sie die, von Kai­ser Leo­pold I. und nach des­sen Tod von Jo­sef I. an­ge­streb­te Wahl von Karl Jo­seph von Loth­rin­gen, ver­hin­dern. Nach ei­ni­gem Zö­gern stell­te sich Franz Ar­nold der von der Nie­der­län­dern un­ter­stütz­ten Par­tei als Kan­di­dat zur Ver­fü­gung. Er schloss ei­nen Ver­trag mit den Ver­ei­nig­ten nie­der­län­di­schen Pro­vin­zen ab. Dar­in ver­pflich­te­te er sich Karl von Loth­rin­gen nur mit Zu­stim­mung der Nie­der­län­der zum Ko­ad­ju­tor zu er­nen­nen. Es wur­den die freund­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se bei­der Sei­ten be­kräf­tigt und Franz Ar­nold ver­pflich­te­te sich die müns­te­ra­ner Trup­pen aus der Burg Bent­heim ab­zu­zie­hen. Er sag­te auch die To­le­rie­rung der Pro­tes­tan­ten im Hoch­stift Müns­ter zu und er­hielt da­für Sub­si­di­en von 200.000 Li­v­res.

Bei­de Sei­ten such­ten mit ho­hen Be­stechungs­gel­dern die Dom­her­ren für sich zu ge­win­nen. Die Wahl von Franz Ar­nold schien si­cher zu sein, als der Papst die Wahl um ei­nen Mo­nat ver­schob. Der Kai­ser übte in­zwi­schen Druck aus und der Papst ließ die Wahl er­neut ver­schie­ben. Die Mehr­heit des Dom­ka­pi­tels hielt sich nicht dar­an und wähl­te Franz Ar­nold, ob­wohl auch der Dom­de­chant, als An­hän­ger der Ge­gen­par­tei, die Teil­nah­me ver­bo­ten hat­te. Franz Ar­nold ver­schaff­te sich Zu­gang zum ver­schlos­se­nen Haus der Rit­ter­schaft und voll­zog da­mit for­mal aber nicht fak­tisch den Re­gie­rungs­wech­sel. Ei­nen Mo­nat spä­ter kam es dann zu ei­ner Dop­pel­wahl, wenn­gleich eine Mehr­heit auf Sei­ten von Franz Ar­nold stand. Bei­de Sei­ten pro­kla­mier­ten ih­ren Kan­di­da­ten zum Bi­schof. An­fangs wag­te der Papst nicht ge­gen den kai­ser­li­chen Wil­len zu ent­schei­den. Die Nie­der­län­der for­der­ten Franz Ar­nold auf, trotz­dem die Macht zu über­neh­men und setz­ten Trup­pen in Marsch. Aus Angst vor der Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on lehn­te Franz Ar­nold ab. Im April 1707 be­gann Jo­seph I. eine ver­söhn­li­che­re Hal­tung ein­zu­neh­men. Dar­auf­hin er­klär­te der Papst die bei­den Wah­len für un­gül­tig und er­klär­te Franz Ar­nold auf Ba­sis päpst­li­cher Macht zum Ad­mi­nis­tra­tor. Am 8. Juni 1707 er­folg­te dann die end­gül­ti­ge Er­nen­nung zum Bi­schof. Gleich­zei­tig be­stimm­te er, dass Franz Ar­nold als Ad­mi­nis­tra­tor auch Pa­der­born wei­ter re­gie­ren konn­te. Al­ler­dings wag­te Franz Ar­nold es nicht vor der päpst­li­chen Be­stä­ti­gung of­fi­zi­ell die Re­gie­rung zu über­neh­men. Die welt­li­chen Rech­te er­hielt er erst 1708 voll­stän­dig.

Handeln als Fürstbischof

In der Fol­ge schloss Franz Ar­nold am 21. Juni 1708 mit den Nie­der­lan­den eine De­fen­sival­li­anz ab. Die­se soll­te nach dem Ende des spa­ni­schen Erb­fol­ge­krie­ges für wei­te­re zwölf Jah­re gel­ten. Franz Ar­nold trat dem Bünd­nis von Kai­ser, Eng­land und den Nie­der­län­dern ge­gen Frank­reich bei. Er sag­te ge­gen die Zah­lung von Sub­si­di­en die Stel­lung von 3900 Sol­da­ten aus den Hoch­stif­ten Müns­ter und Pa­der­born zu. Franz Ar­nold schloss 1715 mit Fried­rich Chris­ti­an von Schaum­burg-Lip­pe ein Schutz­ab­kom­men. Im Jahr 1716 stell­te er den Eng­län­dern vier Ba­tail­lo­ne zur Ver­fü­gung.

In geist­li­cher Hin­sicht wur­de Franz Ar­nold im Bis­tum Müns­ter von den Weih­bi­schö­fen Jo­hann Pe­ter von Quen­tell und Agosti­no Stef­fa­nie un­ter­stützt. Er hat sich aber auch selbst um geist­li­che Din­ge ge­küm­mert. Er ließ zwi­schen 1711 und 1715 eine Vi­si­ta­ti­on des Ems­lan­des durch­füh­ren und 1712 eine neue Agen­de dru­cken. Er weih­te 1713 selbst die neue Kir­che der Deutsch­or­dens­kom­men­de Mül­heim. Des Wei­te­ren leg­te er 1717 den Grund­stein für die Kir­che des Mi­no­ri­ten­klos­ters Zwill­brock. Er stif­te­te auch Geld für den Bau ei­ner ka­tho­li­schen Kir­che in Han­no­ver. Auch im Hoch­stift Pa­der­born küm­mer­te er sich per­sön­lich um kirch­li­che Fra­gen und spen­de­te selbst die Sa­kra­men­te und weih­te Pries­ter. Im Jahr 1706 schuf er die Pfar­rei Hö­vel­hof und ließ dort eine Kir­che bau­en. Da­durch för­der­te er auch die stär­ke­re Be­sie­de­lung der Ge­gend. Er ließ 1710 die Pfarr­kir­che in Her­stel­le und 1715 in Wes­ten­hol­te bau­en. Die theo­lo­gi­sche Uni­ver­si­tät Pa­der­born hat er fi­nan­zi­ell un­ter­stützt und ließ 1715 eine Sä­ku­lar­fei­er zur Fei­er der Grün­dung ab­hal­ten.

In welt­li­cher Hin­sicht kauf­te er die Herr­schaf­ten Werth und Wert­her­bruch. Die seit Jahr­hun­der­ten strit­ti­gen Grenz- und Ho­heits­fra­gen im Be­reich von Stein­furt, Borg­horst und Laer wur­den durch ei­nen Ver­trag von 1716 bei­gelegt. Dem stimm­te das Reichs­kam­mer­ge­richt 1718 und der Kai­ser 1719 zu. Un­ge­klärt blieb der Streit mit dem Hoch­stift Os­na­brück um das Ge­richt Dam­me. Noch 1718 kam es zum Ein­fall und Plün­de­rung von 800 Os­na­brü­ckern ins Kirch­spiel Stein­feld.

Um die Schul­den des Stifts Müns­ter ab­zu­bau­en, be­gann er mit der Prä­gung von min­der­wer­ti­gen Mün­zen. Da­mit fi­nan­zier­te er auch den Bau von Kir­chen in Hö­vel­hof und Stu­ken­brock. We­gen der schlech­ten Mün­zen kam es zum Kon­flikt mit den Land­stän­den, und Franz Ar­nold muss­te die­se ein­zie­hen und die Prä­ge­stem­pel zer­stö­ren las­sen. An­sons­ten gab es kei­ne nen­nens­wer­ten Kon­flik­te mit den Stän­den im Hoch­stift Müns­ter.

Der Ver­such der Schiff­bar­ma­chung der Ems scheint von Franz Ar­nold auf­ge­ge­ben wor­den zu sein. Er be­müh­te sich um eine Ver­bes­se­rung der Stra­ßen­ver­hält­nis­se und ein ver­bes­ser­tes Post­we­sen. Im Hoch­stift Pa­der­born ver­such­te Franz Ar­nold, dem will­kür­li­chen Ab­hol­zen der Wäl­der durch Ord­nungs­maß­nah­men ent­ge­gen­zu­tre­ten. Eben­so ver­such­te er die Pa­tri­mo­ni­al­ge­richts­bar­keit des Adels zu re­for­mie­ren. Im Jahr 1717 be­stä­tig­te er ein Sta­tut des Dom­ka­pi­tels Pa­der­born und des Adels, dass die Er­schwe­rung der Zu­las­sung zum Land­tag zum Ziel hat­te.

Der Bi­schof lieb­te eine ma­gni­fi­que ta­fel und un­ter­hielt eine pracht­vol­le Hof­hal­tung in Müns­ter und Pa­der­born. Dies hat­te zur Fol­ge, dass zu­min­dest das Bis­tum Pa­der­born am Ende sei­ner Herr­schaft hohe Schul­den hat­te. Per­sön­lich neig­te er zur Kränk­lich­keit und be­such­te da­her öf­ter den Mi­ne­ral­brun­nen in Bad Dri­burg. Die Ei­gen­schaf­ten des Was­sers ließ er che­misch un­ter­su­chen.

Sei­ne Be­stat­tung fand in der Je­sui­ten­kir­che in Coes­feld in al­ler Stil­le und ohne gro­ße Ze­re­mo­ni­en statt. Auch das Lei­chen­be­gäng­nis in Müns­ter war schlicht.

Jo­hann Wil­helm Wolff von Met­ter­nich zur Gracht (1624–1694), Dom­propst in Mainz, Pa­der­born und Müns­ter war ein wei­te­rer On­kel von ihm.

Lizenz

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