Dez 302016
 
Ferdinand Graf von Galen (1831-1906)

Fer­di­nand Graf von Ga­len (1831–1906)

Fer­di­nand He­ri­bert Graf von Ga­len (* 31. Au­gust 1831 in Müns­ter; † 5. Ja­nu­ar 1906 in Din­kla­ge) war Po­li­ti­ker der Zen­trums­par­tei.

Familie

Ga­len ge­hör­te dem al­ten west­fä­li­schen Adels­ge­schlecht Ga­len an und ent­stamm­te ei­ner tief re­li­giö­sen Fa­mi­lie. Er wur­de als vier­tes von 13 Kin­dern ge­bo­ren und wuchs auf dem Fa­mi­li­en­sitz, der Burg Din­kla­ge im Ol­den­bur­ger Müns­ter­land, auf. Sei­ne El­tern wa­ren der Erb­käm­me­rer Jo­hann Mat­thi­as Graf von Ga­len (* 1800; † 1880) und Anna geb. Frei­in von Ket­te­ler zu Har­kot­ten (* 1803; † 1884), die Schwes­ter des So­zi­al­po­li­ti­kers und Main­zer Bi­schofs Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler (1811–1877).

Am 7. Mai 1861 hei­ra­te­te er die Reichs­grä­fin Eli­sa­beth Frie­de­ri­ke von Spee (1842–1920), eine Toch­ter des Hof­be­am­ten Au­gust von Spee. Die­ser war in zwei­ter Ehe mit Fer­di­nands Schwes­ter Ma­ria Anna (1826–1939) ver­hei­ra­tet. Fer­di­nands Frau Eli­sa­beth brach­te zwölf Kin­der zur Welt: Eli­sa­beth Fer­di­nan­da (* 1862; † 1870), Ma­ria Anna (* 1863; † 1930, Or­dens­schweas­ter), Fried­rich Ma­thi­as von Ga­len (Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter), Au­gust Aloys (* 1866; † 1912, ∞ 1896 Grä­fin Li­vina von Korff gen. Schmi­sing)), Ma­ria Fran­zis­ka Chris­ti­na (* 1869; † 1938 in St. Lou­is, Or­dens­schwes­ter), Ma­ria Fran­zis­ka Eli­sa­beth (* 1869; † 1876), Wil­helm Ema­nu­el von Ga­len (Au­gus­ti­ner­mönch), Ma­ria Ger­trud Agnes (* 1872; † 1943, ∞ 1901 Con­rad Frei­herr von Wendt)), Jo­seph Fer­di­nand Hu­bert (* 1873; † 1876), Ma­ria Pau­la An­to­nia (* 1876; † 1923, Or­dens­schwes­ter), der Bi­schof von Müns­ter und Kar­di­nal Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len und der Be­ne­dik­ti­ner­mönch Wil­helm Ema­nu­el von Ga­len.

Leben und Wirken

Ga­len be­such­te die Rhei­ni­sche Rit­ter­aka­de­mie in Bed­burg, dann das Gym­na­si­um in Müns­ter und stu­dier­te an­schlie­ßend Rechts­wis­sen­schaf­ten in Mün­chen, Lö­wen und Bonn. Ver­schie­de­ne Rei­sen führ­ten ihn nach Frank­reich, Ita­li­en und Spa­ni­en. 1849 be­gann er eine mi­li­tä­ri­sche Lauf­bahn im 1. Gar­de-Ula­nen-Re­gi­ment. 1853 trat er ins 11. Hu­sa­ren-Re­gi­ment in Düs­sel­dorf ein, und schied 1858 als Pre­mier­leut­nant des 13. Land­wehr-Re­gi­ments in Wa­ren­dorf aus. In der Fol­ge­zeit ar­bei­te­te von Ga­len in der Ver­wal­tung des Fa­mi­li­en­be­sit­zes in Din­kla­ge. Im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870/71 war er Kriegs­teil­neh­mer.

Zwi­schen 1872 und 1875 war er Mit­glied des Ol­den­bur­gi­schen Land­ta­ges. Von 1874 bis 1903 war er Mit­glied des Reichs­ta­ges für die Zen­trums­par­tei. Er ver­trat als Ab­ge­ord­ne­ter den Wahl­kreis Groß­her­zog­tum Ol­den­burg 3 (Del­men­horst – Vech­ta – Clop­pen­burg). Von 1898 bis 1903 war von Ga­len Mit­glied des Frak­ti­ons­vor­stan­des.

Im Jahr 1880 über­nahm er dann die Fa­mi­li­en­gü­ter in Ol­den­burg und West­fa­len und ar­bei­te­te ne­ben sei­ner Tä­tig­keit im Reichs­tag füh­rend in meh­re­ren ka­tho­li­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen und Ver­ei­nen mit. Von Ga­len war 1883 Vi­ze­prä­si­dent und ab 1893 Prä­si­dent des Deut­schen Ka­tho­li­ken­ta­ges. Au­ßer­dem war er seit 1890 Vor­stands­mit­glied des Volks­ver­eins für das ka­tho­li­sche Deutsch­land, ge­hör­te dem Ver­ein ka­tho­li­scher Edel­leu­te so­wie dem Main­zer Ver­ein deut­scher Ka­tho­li­ken an. Zwi­schen 1898 und 1906 war von Ga­len Vor­sit­zen­der des Pro­vin­zi­al­ko­mi­tees der Zen­trums­par­tei in West­fa­len.

Von po­li­ti­scher Be­deu­tung war der im Reichs­tag 1877 ein­ge­brach­te „An­trag Ga­len“, in dem sich Ga­len hin­ter For­de­run­gen zum Ar­bei­ter­schutz und zur Sonn­tags­ru­he stell­te. Ur­he­ber die­ses An­trags war al­ler­dings der west­fä­li­sche Zen­trums­po­li­ti­ker Burg­hard von Schor­le­mer-Alst, des­sen Vor­schlä­ge von ei­ner klei­nen Grup­pe von Ab­ge­ord­ne­ten re­di­giert wur­den. Auf sei­nen Vor­schlag hin be­auf­trag­te die Zen­trums­frak­ti­on Ga­len, auf­grund sei­nes ho­hen An­se­hen auch bei den üb­ri­gen Par­tei­en, mit der Ein­brin­gung des An­tra­ges. Der An­trag wur­de am 19. März 1877 im Reichs­tags­ple­num ein­ge­bracht. Ne­ben dem Ver­bot der Sonn­tags­ar­beit ent­hielt der An­trag auch For­de­run­gen zu Ein­schrän­kun­gen der Kin­der- und Frau­en­ar­beit, Ein­schrän­kung der Ge­wer­be­frei­heit, Ein­füh­rung kor­po­ra­ti­ver Or­ga­ni­sa­tio­nen im Hand­werk und Schutz der Fa­mi­lie. In der Be­grün­dung des An­tra­ges ent­wi­ckel­te Ga­len sein christ­lich-ethisch so­zi­al-ro­man­tisch ver­klär­tes Welt­bild. Die For­de­run­gen wur­den von der Re­gie­rung und den sie stüt­zen­den Par­tei­en als An­griff auf die bis­he­ri­ge Wirt­schafts­po­li­tik auf­ge­fasst und eine wei­te­re Prü­fung und eine Be­hand­lung im zu­stän­di­gen Reichs­tags­aus­schuss ab­ge­lehnt. Wenn der „An­trag Ga­len“ da­mit auch kei­ne un­mit­tel­ba­ren prak­ti­schen Er­geb­nis­se her­vor­brach­te, stand er je­doch am Be­ginn der So­zi­al­po­li­tik der Zen­trums­par­tei.

Ehrungen und Auszeichnungen

  • Er­nen­nung zum Päpst­li­chen Ge­heim­käm­me­rer mit Schwert und Man­tel durch Papst Pius IX. (1853)
  • Kö­nig­li­cher Kro­nen-Or­den (Preu­ßen) (4. Klas­se mit Schwertern/ Rit­ter­kreuz)
  • Haus­rit­ter­or­den vom Hei­li­gen Ge­org (Rit­ter­kreuz)
  • Ol­den­bur­gi­scher Haus- und Ver­dienst­or­den (2. Klas­se mit Schwertern/Ritterkreuz)
  • Eh­ren­rit­ter des Mal­te­ser­or­dens

Siehe auch

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Fer­di­nand He­ri­bert von Ga­len aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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