Emanuel von Galen

Ema­nu­el Graf von Ga­len (-Be­ver­sun­dern) (* 6. Ok­to­ber 1877 in Müns­ter; † 20. Ok­to­ber 1950 in Lin­gen) war ein deut­scher Guts­be­sit­zer, Land­rat und MdL (Deut­sche Par­tei).

Leben und Tätigkeit bis 1945

Wil­helm Ema­nu­el Ma­ria Bru­no Jo­han­nes Cle­mens An­to­ni­us Hu­ber­tus Flo­ren­ti­nus von Ga­len ent­stammt dem Adels­ge­schlecht Ga­len. Der äl­tes­te Sohn ei­nes Bru­ders des Zen­trums-Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ten Fer­di­nand He­ri­bert von Ga­len (1831–1906) be­such­te die Gym­na­si­en in Feldkirch/Österreich und Lin­gen. Im Je­sui­ten­gym­na­si­um Stel­la Ma­tu­ti­na Feld­kirch lern­te er zu­sam­men mit sei­nen Cou­sins Cle­mens Au­gust von Ga­len (1878–1946), dem spä­te­ren Müns­te­ra­ner Kar­di­nal, und des­sen Bru­der Franz von Ga­len (1879–1961). Die­ser wur­de spä­ter preu­ßi­scher Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter der Zen­trums­par­tei und kam als ent­schie­de­ner NS-Geg­ner 1944 bis zur Be­frei­ung in das KZ Sach­sen­hau­sen. Alle drei blie­ben ihr Le­ben lang eng be­freun­det.

Ema­nu­el von Ga­len stu­dier­te Jura in Mün­chen, Lau­sanne, Kiel und Müns­ter. Er schied nach der Re­fe­ren­dar­zeit aus dem Staats­dienst aus und über­nahm das vä­ter­li­che Gut Be­ver­sun­dern bei Lin­gen. Nach der Teil­nah­me am Ers­ten Welt­krieg wur­de er 1920 der 3. Vor­sit­zen­de des Land­wirt­schaft­li­chen Kreis­ver­eins Lin­gen und ge­hör­te dem er­wei­ter­ten Vor­stand des „Ems­län­di­schen Bau­ern­ver­eins“ (EBV) an. Er nahm an zahl­rei­chen Ta­gun­gen der christ­lich ori­en­tier­ten „Ver­ei­ni­gung der deut­schen Bau­ern­ver­ei­ne“ teil, in der u. a. der EBV or­ga­ni­siert war. Durch fa­mi­liä­re und freund­schaft­li­che Be­zie­hun­gen wur­de Ga­len über In­ter­na in zahl­rei­chen ein­fluss­rei­chen Ver­bän­den und Ver­ei­nen auf dem Lau­fen­den ge­hal­ten. Der Ju­rist war ein prin­zi­pi­el­ler Ver­fech­ter des un­ein­ge­schränk­ten Ei­gen­tums­rechts, so dass er sich en­er­gisch den For­de­run­gen der Heu­er­lin­ge und ih­res „Ver­eins Christ­li­cher Heu­er­leu­te“ nach der Öd­land­sied­lung im Ems­land, not­falls durch Ent­eig­nung ge­gen Ent­schä­di­gung von Moor- und Hei­de­flä­chen, stell­te. Dazu en­ga­gier­te er sich als Lin­ge­ner Kreis­vor­sit­zen­der im „Ver­band der Päch­ter und Grund­ei­gen­tü­mer Nie­der­sach­sens“. Über­dies war er Vor­sit­zen­der des „Ems­län­di­schen Renn­ver­eins“, der in Lin­gen eine Pfer­de­renn­bahn un­ter­hielt, ein ge­frag­ter Preis­rich­ter auf Tur­nie­ren und en­ga­gier­te sich po­li­tisch.

Bis zur Re­vo­lu­ti­on von 1918 wohl Zen­trums­an­hän­ger, wand­te sich der Aris­to­krat von der ka­tho­li­schen Par­tei ab, als die­se ver­stärkt Ge­werk­schaf­ter in ihre Füh­rungs­gre­mi­en auf­nahm und mit der So­zi­al­de­mo­kra­tie Ko­ali­tio­nen schloss. 1920 als För­de­rer der Deutsch-Han­no­ver­schen Par­tei (DHP) greif­bar, ver­such­te er 1924, mit dem Kreis­bau­ern­ver­ein Lin­gen ei­nen agra­ri­schen Kan­di­da­ten der DHP oder der Deutsch­na­tio­na­len Volks­par­tei ge­gen den sehr so­zi­al ein­ge­stell­ten neu­en Zen­trums­kan­di­da­ten im Wahl­kreis We­ser-Ems, den Reichs­ar­beits­mi­nis­ter Dr. Hein­rich Brauns, zu lan­cie­ren. Dies schei­ter­te eben­so wie sein Ver­such, 1930 den Vor­sit­zen­den des EBV, den Land­wirt und Zen­trums­po­li­ti­ker He­ri­bert Schul­te-Eis­sing aus Aschen­dorf zu stür­zen. Die Not­la­ge der Land­wirt­schaft be­traf den Gra­fen auch per­sön­lich, da die­ser ver­hält­nis­mä­ßig we­nig Grund­be­sitz, dar­un­ter noch viel Wald, hat­te. 1931 schloss er sich der NSDAP an, im Ems­land eine Au­ßen­sei­ter­par­tei, die vom re­gio­na­len Zen­trum hef­tig be­kämpft wur­de. Ga­lens Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit war öf­fent­lich nicht be­kannt. Als sein west­fä­li­scher Stan­des­kol­le­ge Franz von Pa­pen, den er per­sön­lich kann­te, 1932 Reichs­kanz­ler wur­de, un­ter­stütz­te er die­sen. 1933 im Zuge der NS-Gleich­schal­tung der Land­wirt­schaft in der Re­gi­on Emsland/Bentheim zum Lin­ge­ner Kreis­bau­ern­füh­rer er­nannt, wur­de der Aris­to­krat be­reits nach we­ni­gen Wo­chen ge­stürzt, da er sich dem Land­wirt­schaft­li­chen Ab­schnitts­fach­be­ra­ter der NSDAP nicht un­ter­ord­nen woll­te. Der als Nach­rü­cker der NS­DAP-Lis­te in den Kreis­aus­schuss ge­lang­te Ga­len wur­de 1935 kurz­fris­tig we­gen Be­lei­di­gung des „Drit­ten Reichs“ ver­haf­tet und in ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Pro­zess in Os­na­brück zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt. Dies hat­te auch sei­nen Par­tei­aus­schluss zur Fol­ge.

Ema­nu­el von Ga­len war rö­misch-ka­tho­lisch. Er war Eh­ren­kom­tur des Haus­rit­ter­or­dens vom Hei­li­gen Ge­org.

Politische Tätigkeit nach 1945

Da­her setz­ten ihn die Bri­ten 1945 zum Land­rat des Krei­ses Lin­gen ein. In sei­nem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren be­haup­te­te Ga­len, nur von 1933 bis 1934 und le­dig­lich als Par­tei­an­wär­ter in der NSDAP ge­we­sen zu sein, ein Sta­tus, der je­doch erst 1937 im Zuge der Mit­glie­der-Auf­nah­me­sper­re der NSDAP ein­ge­führt wur­de. Ga­len wur­de Mit­glied des er­nann­ten Nie­der­säch­si­schen Land­tags vom De­zem­ber 1946. Hier war er Vor­sit­zen­der des Wahl­rechts­aus­schus­ses. Er schloss sich der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­par­tei (NLP) an, die sich 1947 in Deut­sche Par­tei um­be­nann­te und im Kern eine Nach­fol­ge­par­tei der DHP war. 1947 wur­de Ga­len für die Par­tei, de­ren Kreis­vor­sit­zen­der er vom Au­gust 1948 bis zum Fe­bru­ar 1949 war, auch in den Nie­der­säch­si­schen Land­tag in der ers­ten Wahl­pe­ri­ode vom 28. Mai 1947 bis zum 20. Ok­to­ber 1950 ge­wählt. Er en­ga­gier­te sich an füh­ren­der Stel­le im Deut­schen Rat der Eu­ro­päi­schen Be­we­gung (Eu­ro­pa-Uni­on) und war Vor­sit­zen­der des wie­der­ge­grün­de­ten Lin­ge­ner Hei­mat- und Ver­kehrs­ver­eins.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Ema­nu­el von Ga­len aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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