Duell Ketteler–Lohmann

Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler (1811–1877), Bi­schof von Mainz

Das Du­ell Ketteler–Lohmann war ein Du­ell auf Korb­schlä­ger, das 1830 zwi­schen dem da­ma­li­gen Göt­tin­ger Stu­den­ten Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler und sei­nem Kom­mi­li­to­nen Fried­rich Wil­helm Theo­dor Loh­mann aus­ge­tra­gen wur­de. Es han­delt sich da­bei um den ein­zi­gen Zwei­kampf mit Waf­fen, in den mit Ket­te­ler ein (spä­te­rer) rö­misch-ka­tho­li­scher Bi­schof ver­wi­ckelt war.

Beteiligte Personen

Ket­te­ler stu­dier­te zum Zeit­punkt des Du­ells Rechts­wis­sen­schaft in Göt­tin­gen und war dort seit 1829 Mit­glied des Corps Guest­pha­lia. Loh­mann, der aus Sot­trum stamm­te und spä­ter Rechts­an­walt in Sta­de wur­de, stu­dier­te das­sel­be Fach und war An­ge­hö­ri­ger der ri­va­li­sie­ren­den Bre­men­sia. Ket­telers Se­kun­dant war Graf Max von Korff ge­nannt Schmi­sing auf Ta­ten­hau­sen, als Un­par­tei­ischer fun­gier­te Karl Ernst Fe­lix Graf von Pla­ten zu Hal­ler­mund aus Han­no­ver. Pau­karzt war der Pro­sek­tor der Uni­ver­si­tät, Dr. Jo­seph Ignatz Pau­li.

Verlauf

Bild einer Göttinger Mensur 1837 im Deutschen Haus. Erkennbar die Möglichkeit einer Verwundung von Gesicht und Oberkörper

Bild ei­ner Göt­tin­ger Men­sur 1837 im Deut­schen Haus. Er­kenn­bar die Mög­lich­keit ei­ner Ver­wun­dung von Ge­sicht und Ober­kör­per

Die bei­den Kon­tra­hen­ten tra­fen im Som­mer 1830 zu­fäl­lig in der Gast­stät­te Deut­sches Haus des Wirts Kai­ser in der Rein­häu­ser Land­stra­ße in Göt­tin­gen auf­ein­an­der. Da­bei soll Loh­mann ver­se­hent­lich Ket­te­ler auf den Fuß ge­tre­ten ha­ben. Der von Ket­te­ler zur Rede ge­stell­te Loh­mann stell­te die­se Tat­sa­che in Ab­re­de, wor­auf es zu ei­nem Wort­wech­sel zwi­schen bei­den kam. In des­sen Ver­lauf sprach Ket­te­ler mit der Be­mer­kung, „er fin­de es doch son­der­bar, dass Loh­mann sei­ne Un­art nicht ein­se­hen wol­le“ nach da­ma­li­gem stu­den­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis eine for­mel­le Be­lei­di­gung aus. Loh­mann for­der­te ihn dar­auf zu ei­ner Par­tie auf Korb­schlä­ger zu 12 Gän­gen. Der Zwei­kampf fand ei­ni­ge Tage spä­ter im Lo­kal Ul­ri­cis Ke­gel­bahn (Gro­ner Land­stra­ße 8) in Göt­tin­gen statt. Da­bei wur­de Ket­te­ler im vier­ten Gang durch ei­nen Hieb in die Na­sen­spit­ze so ver­wun­det, dass ein Teil der Nase blu­tend her­ab­hing. Da­mit galt die Sa­tis­fak­ti­on als ge­ge­ben, eine förm­li­che Ver­söh­nung fand in­fol­ge­des­sen nicht statt. Ket­te­ler wur­de von Dr. Pau­li so­fort ver­sorgt; die Wun­de ver­heil­te je­doch nicht rich­tig. Ket­te­ler riss sich selbst die nicht ver­hei­len­de Na­sen­spit­ze ab und be­gab sich in ärzt­li­che Be­hand­lung nach Ber­lin. Dort war eine Re­kon­struk­ti­on der Na­sen­spit­ze durch eine Rhi­no­plas­tik teil­wei­se er­folg­reich. Ket­te­ler be­hielt je­doch eine le­bens­lang sicht­ba­re Nar­be an der Na­sen­spit­ze.

Folgen

Ob­wohl das Du­ell nicht mit Pis­to­le oder Sä­bel, son­dern mit Korb­schlä­gern aus­ge­tra­gen wur­de, war es nicht un­ge­fähr­lich. Da die Fech­ter nach da­ma­li­gen Re­geln nicht durch eine Pauk­bril­le ge­schützt wa­ren, be­stand vor al­lem die Ge­fahr von Au­gen­ver­let­zun­gen. Es hät­te auch töd­li­che Fol­gen ha­ben kön­nen. Die Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen er­öff­ne­te des­halb ge­gen die Kon­tra­hen­ten ein uni­ver­si­täts­ge­richt­li­ches Un­ter­su­chungs­ver­fah­ren. In die­sem wur­de bei­den Be­tei­lig­ten mit Ur­teil vom 30. Au­gust 1830 die Fort­set­zung ih­rer Aus­ein­an­der­set­zung un­ter An­dro­hung der Re­le­ga­ti­on ver­bo­ten. Der be­reits in an­de­ren Sa­chen von der Uni­ver­si­tät vor­be­straf­te Loh­mann wur­de mit dem bis Os­tern 1831 be­grenz­ten Con­si­li­um abe­un­di be­legt. Der bis da­hin un­auf­fäl­li­ge Ket­te­ler wur­de zu 14 Ta­gen Kar­zer ver­ur­teilt, die Se­kun­dan­ten zu je drei Ta­gen.
Nach­wir­kun­gen

Ob­wohl von Ket­te­ler we­gen des Du­ells ver­ur­teilt wur­de und die Haft­stra­fe im Kar­zer ab­saß, hat­te dies kei­ne nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen für sei­ne Kar­rie­re als Pries­ter und Po­li­ti­ker, so dass er Bi­schof und Mit­glied des Reichs­tags wur­de. Zum Du­ell er­läu­ter­te Ket­te­ler als Bi­schof, in ei­nem Hir­ten­brief 1866, dass die Kir­che zwar nicht den Du­el­lan­ten ver­dam­me, aber den Zwei­kampf als sol­chen ab­leh­ne. Vor dem Hin­ter­grund die­ser Dif­fe­ren­zie­rung konn­te er von sich selbst im Al­ter sa­gen: „Ge­wiß war ich ein flot­ter Stu­dent, aber vor Din­gen, de­ren ich mich vor der Welt zu schä­men hät­te, hat mich Gott be­wahrt.“

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Du­ell Ketteler–Lohmann aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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