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Droste zu Hülshoff
Droste zu Hülshoff (auch Droste-Hülshoff) ist der Name eines ursprünglich edelfreien Adelsgeschlechts aus Westfalen, das dem Uradel des Münsterlandes angehört und als Erstbezeichnung den Namen von Deckenbrock führte. Bekannt ist es vor allem durch die bedeutendste Dichterin des 19. Jahrhunderts, Annette von Droste-Hülshoff. Es ist eines von drei heute noch blühenden münster'schen Erbmännergeschlechtern und hat viele katholische Geistliche, Gutsbesitzer, Generäle, Bürgermeister, hohe Beamte, Wissenschaftler und Künstler hervorgebracht.
Der Name Droste
Der Familienname aller Familien Droste leitet sich ab vom gleichnamigen Amt des Drosten. Das Drostenamt konnte im Mittelalter gelegentlich mit dem Hofamt des Truchsess, lat.dapifer verbunden sein. Aus der nachmaligen Adelsfamilie Droste zu Hülshoff trägt diese Amtsbezeichnung z. B. der Ritter Engelbert von Deckenbrock (1266–1298) in Urkunden. Von solchen Ämtern, die erblich wurden, übernahmen verschiedene Adelsfamilien den Namen Droste. Wie die Deckenbrock/Droste zu Hülshoff besaßen ursprünglich auch die Droste zu Vischering (Eigentümer des Erbdrostenhofes in Münster), die mit ihnen stammesverwandten Droste zu Senden und die Droste zu Schwenkhausen auf Schloss Erwitte einen anderen Familiennamen. Nur gelegentlich gab es verwandtschaftliche Verbindungen dieser ganz verschiedenen Familien: beispielsweise war Anna Brigitta von Droste zu Hülshoff, die Urgroßmutter der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, eine Tochter des "Erbdrosten" aus der FamilieDroste zu Vischering. Die Verweigerung der Mitgift für diese Ehe war allerdings Ursache eines Rechtsstreits zwischen beiden Familien, der 1737 damit endete, dass Heidenreich von Droste zu Vischering seinem Schwiegersohn Heinrich Wilhelm I. von Droste zu Hülshoff (1704–1754) und dessen Nachkommen zusichern musste, dass beim Aussterben seiner Familie die Droste zu Hülshoff deren Güter erben sollte. Diese beiden Adelsgeschlechter Droste blühen immer noch. Der Name Droste (ohne Zusatz) kommt in Norddeutschland recht häufig vor, wobei auch eine Abstammung von nicht-legitimierten Nachkommen von Adelsfamilien vorliegen kann. Namensgeberin vieler Schulen, Straßen und kultureller Einrichtungen mit dem Namen „Droste“ – beispielsweise für die Droste-Hülshoff-Gymnasien – ist zumeist die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.
Gut Hülshoff
Hülshoff ist der Name einer Wasserburg und eines Gutes in Havixbeck, Kreis Coesfeld, Nordrhein-Westfalen, deren Bezeichnung sich von "Hülse" (auch "Hülsbusch", "Holst" bzw. englisch: "holly") für Stechpalme ableitet.
Geschichte
Ursprung
In einer Urkunde der Äbtissin des adeligen Damenstiftes zu Überwasser in Münster, Westfalen wird 1209 als Zeuge der Ritter (miles) Bernhardus de Thekenbroke, Herr des Oberhofs Deckenbrock bei Everswinkel im Kreis Warendorf erstmals genannt. Diesen "uralten" Oberhof besaß er als "freies Eigen" (ohne Lehnsherrschaft) – dies deutet darauf hin, dass die Familie Deckenbrock ein edelfreies Geschlecht war. Mit Bernhard I. beginnt somit vor ca. 800 Jahren (25 Generationen) die sichere Stammfolge dieser Familie, die als bischöfliche Kämmerer zur Ministerialität des Bischofs von Münster gehörte. Die Teilnahme des o.g. Bernhard von Deckenbrock am Dritten Kreuzzug im Gefolge des seinerzeitigen Bischofs von Münster Hermann II. von Katzenelnbogen ist wahrscheinlich. Neben dem Wappentier fliegender Fisch weist darauf eine Familienüberlieferung hin, nach der sie wegen der Teilnahme an der Belagerung von Akkon das kirchliche Privileg der Befreiung vom Fasten besaß.
1266 erwarb die Familie mit Engelbertus dictus de Deckincbroke erstmals das Amt des „Drosten“ des Münsterschen Domkapitels, die Ämter des Kämmerers des Stifts Überwasser in Münster und des Burgmanns in Ahaus. Insbesondere das Domkapitel besaß damals großen Grundbesitz im Münsterland, den der Drost verwaltete. Mit Alhard (gest. 1399) nimmt das Adelsgeschlecht nach diesem in der Familie erblichen Amt den Namen Droste, mit Johann (gest. 1438) nach dem Erwerb der Burg Hülshoff bei Havixbeck den Namen „Droste zu Hülshoff“ an. Die gewohnheitsrechtliche Führung des Freiherrentitels wurde 1843 durch Preußen genehmigt.
Erbmänner in Münster
Die Familie hatte im 13. Jahrhundert ihren Stammsitz Deckenbrock verlassen, weil der mächtig gewordene Bischof und Landesherr von Münster dessen Befestigung nicht zuließ. Sie ließ sich in der befestigten Stadt Münster nieder, vermischte sich mit den in Münster „Erbmänner“ genannten Stadtpatriziern und erwarb sogenannte „Erbmannshöfe“. Ausschließlich Erbmänner waren bis Mitte des 16. Jahrhunderts in Münster wählbar als Schöffen, Mitglieder des Stadtrats und als Bürgermeister. Die Deckenbrock/Droste zu Hülshoff stellten vom 13. bis 16. Jahrhundert zahlreiche Träger dieser Ämter in Münster, das seit Mitte des 13. Jahrhunderts Hansestadt war. Johann III. von Deckenbrock (1295-1349) zum Beispiel bekleidete das Amt des Bürgermeisters und Richters von Münster in den Jahren 1312-1313, 1321-1322, 1327, 1333 sowie 1337-1339. In seine Amtsjahre fiel der Baubeginn der "Bürgerhalle" des historischen Rathauses, in dem 1648 der Dreißigjährige Krieg durch den Westfälischen Frieden beendet wurde. Die aus Ämtern und Handel stammenden Gewinne legten die Erbmännerfamilien durch Erwerb von Grundbesitz in Stadtnähe an. Mitglieder der Familie wirkten als Kaufleute der Hanse auch am Stalhof in London und in Königsberg. So bezog sich 1704 König Friedrich I. (Preußen) bei seiner "Adelsrenovation" für den Bürgermeister von Königsberg, Carl Drost vom Fisch, im Kneiphof auf dessen angebliche Abstammung von den Droste zu Hülshoff und verwandte deren Familienwappen. Diese im 19. Jahrhundert ausgestorbene Familie von Droste besaß die Güter Linkehnen und Starkenberg (beide Landkreis Wehlau, Ostpreußen), wo ihnen die „von Knobloch (Adelsgeschlecht) genannt von Droste“ nachfolgten. Die Droste zu Hülshoff hatten schon relativ früh, 1417, das Rittergut Hülshoff erworben. Bekannt sind die Erbmännerfamilien – die Droste zu Hülshoffs sind eine der drei immer noch blühenden – durch den Erbmännerstreit, der in allen weltlichen und geistlichen Instanzen an die 200 Jahre erfolgreich um die Anerkennung dieser Familien als uradelige Adelsfamilien geführt wurde. Der Prozess ist im Falle der Familie Droste zu Hülshoff, die aus der Ritterschaft stammt, paradox. Auch vor Beginn des Täuferreichs von Münster in den 1530er Jahren waren zwei Vertreter der Familie, Johann VII. Droste und Everwin II. Droste, Vater und Sohn, Bürgermeister der Stadt Münster, damals verlor die Familie ihr damaliges Stadthaus in Münster mit Familienarchiv. Dies bereitete in dem Erbmännerprozess Beweisprobleme. Obwohl die Erbmänner den Prozess gegen zahlreiche Schachzüge des nichterbmännischen Landadels gewannen, waren ihre Besitzungen durch den Verlust der Steuerfreiheit und der Zugänge zu Hofämtern und den reichen Pfründen der stiftsfähigen Familien in dieser Zeit stark benachteiligt. Die Familie Droste-Hülshoff lehnte daher, wie die anderen Erbmännerfamilien, die Wahl in städtische Ämter ab dem 16. Jahrhundert ab und strebte nur noch adelige Hofämter an.
Besitzungen der Familie
In Everswinkel gehörten der Familie neben ihrem Stammsitz Deckenbrock, den sie als „freies Eigen“ (also ohne Lehnsherrschaft) besaß, bis zum Verkauf 1572 durch Bernhard II. von Droste zu Hülshoff noch andere Güter. Als Erbmännerfamilie hatte die Familie zusätzlich bereits ab dem 13. Jahrhundert Besitz in der Stadt Münster. 1340 z.B. erwarb Alhard von Deckenbrock (später Droste genannt) einen Hof an der Kuhstraße 9 /Jüdefelderstraße 56-57, der der bis heute zu Haus Stapel gehört. Johann Droste erheiratete 1430 den Stadthof der Familie Kerckerinck auf dem Honekamp (Krummer Timpen). Erst im 17. Jahrhundert erwarb die Familie einen Stadthof in dem vom Stiftsadel bewohnten Stadtquartier an der St. Lambertikirche (Alter Steinweg 30).
Hauptzweig der Familie Deckenbrock-Droste war ab 1417 der auf Gut Hülshoff, das im 19. Jahrhundert durch die Nebengüter Rüschhaus, Vögeding und Brock erweitert wurde und damals über 1.250 ha umfasste. Auch ein Teil des alten Stammgutes Deckenbrock gehörte vom 19. bis 20. Jahrhundert wieder dazu. 1770 hatte der Großvater der Dichterin zusätzlich das Gut Welpe (bei Vechta) erworben. Durch die Verheiratung von Cäcilie Freiin von Elmendorff, mit Heinrich von Droste zu Hülshoff 1863 wurde Welpe mit dem benachbarten GutFüchtel in der Familie vereint, bis es deren Tochter Maria, verh. Gräfin von Merveldt, erbte. Burg Hülshoff ist bis heute in Familienbesitz.
Aus dem Familienzweig auf Burg Hülshoff stammte die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848), die zeitweise in Meersburg am Bodensee lebte und dort starb. Sie selbst erwarb von ihrem Honorar in Meersburg das Fürstenhäusle mit kleinem Rebgut, das nach ihrem Tode ihre Schwester Maria-Anna (Jenny), Ehefrau des Joseph von Laßberg, und deren Töchter erbten. Die Reben des Fürstenhäusle gehören heute zum Staatsweingut Meersburg, das zu Ehren der Dichterin seit ihrem 150. Todestag Droste-Weine herstellt. Alle lebenden männlichen Namensträger stammen von Werner-Constantin von Droste zu Hülshoff (1798–1867), dem Bruder der Dichterin Annette, ab.
Im 19. und 20. Jahrhundert besaß eine Nebenlinie des Hülshoffer-Zweiges Haus Stapel. Von 1879 bis 1913 gehörten Schloss Hamborn bei Paderborn und ab 1916 wieder Annettes Fürstenhäusle Carl Caspar von Droste zu Hülshoff (1843–1912), einem Neffen der Dichterin und Stammvater der heutigen Namensträger. Carl erwarb auch das Bürgerrecht in der Gemeinde Böttstein im Kanton Aargau.
Andere – ausgestorbene – Linien der Familie Deckenbrock-Droste residierten vom 15. bis zum 17. Jahrhundert in Handorf, Uhlenbrock, Möllenbeck (Münster-Wolbeck), Hofe (bei Ahlen), Stromberghoven und Sängerhof in Dinker (bei Soest). Herbert Droste zu Möllenbeck (1609–1695) wurde Oberstleutnant im Dienste des Kurfürsten von Sachsen. Er nahm im Gegensatz zu dem katholischen Hauptzweig seiner Familie den evangelischen Glauben an und erheiratete die Güter Gersdorf und Zützen in der Niederlausitz. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff nimmt in ihrer Erzählung "Bei uns zu Lande auf dem Lande" Bezug auf einen Besuch von dessen Sohn Johann Eberhard von Droste zu Zützen in Hülshoff. Ferner besaß Dr. med. Joseph von Droste zu Hülshoff, Sohn des Komponisten Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff im 19. Jahrhundert zeitweise das Haus Alst bei Steinfurt, wo die Familie auch lebte. Seine Nachkommen zogen nach Veitshöchheim bei Aschaffenburg, wo sich noch eine Familiengrabstätte dieses ausgestorbenen Familienzweiges befindet.
Wappen
In Schwarz ein geflügelter silberner Barsch; auf dem Helm mit schwarz-silberner Decke eine silberne Fischreuse. Der Wahlspruch lautet: E carcere coelestia appeto!
Bekannte Namensträger
- Johann III. von Deckenbrock (1295–1349), Bürgermeister von Münster
- Johann VII. von Droste zu Hülshoff (1467–1539), Bürgermeister von Münster, Besitzer von Burg Hülshoff
- Everwin II. von Droste zu Handorf (gest. 1535), bis 1532 Bürgermeister von Münster, Verhandlungsführer des Stadtrates zu Beginn des Täuferreichsund Besitzer der Burg zu Münster-Handorf
- Bernhard II. von Droste zu Hülshoff (1542–1624), Bürgermeister von Münster und Besitzer von Burg Hülshoff
- Everwin Droste (1567–1604), Kath. Reformator, Bischöflicher Offizial und Dechant an der Kollegiatkirche St. Martini zu Münster
- Johann Eberhard von Droste zu Zützen (1662-1726), kurfürstl. sächsischer General, Kommandant der Festung Königstein, Gutsbesitzer
- Heinrich-Johann von Droste zu Hülshoff (1735–1798), Gouverneur von Münster, Fürstbischöflich Münsterscher Generallieutenant Commandeur en chef
- Clemens-August II. von Droste zu Hülshoff, (1760-1826), Vater der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und Gutsbesitzer, Maire von Roxel
- Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff (1764–1840), Komponist (Opern, Oratorien, Orchester- und Kammermusik), Freund des Komponisten Joseph Haydn
- Heinrich-Johann von Droste zu Hülshoff (1768–1836), Dompropst des Fürstbistums Münster/Westfalen
- Clemens-August von Droste zu Hülshoff, (1793–1832), 1829/30 und 1831 Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. iur. utr. et phil., Prof. für Rechtsphilosophie und Kriminalrecht
- Annette von Droste zu Hülshoff (1797–1848), Dichterin und Komponistin
- Werner-Constantin von Droste zu Hülshoff (1798–1867), Mitglied des westfälischen Provinziallandtags und Kreisdeputierter, Gutsbesitzer, Mitglied des Malteserordens
- Heinrich von Droste zu Hülshoff (1827–1887), königlich-preußischer Landrat von Münster und Mitglied des westfälischen Provinziallandtags, Gutsbesitzer, Mitgründer der DeutschenZentrumspartei, Ehrenritter des souv. Malteserordens
- Klemens Friedrich Freiherr Droste zu Hülshoff (* 1837–1919), Landrat im Kreis Büren, Besitzer von Haus Stapel
- Ferdinand von Droste zu Hülshoff (1841–1874), Ornithologe, Schriftsteller und Präsident der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, Bailli des souv. Malteserordens
- Constantin August Maria von Droste zu Hülshoff (1841–1901), deutscher Franziskaner (OFM) in der Diözese La Crosse (Wisconsin) USA
- Therese Dahn, geb. von Droste zu Hülshoff, (1845–1912), Schriftstellerin, Hrsg. der Germanischen Götter-, und Heldensagen, Ehrensenatorin der Universität Breslau; Ehefrau von Felix Dahn
- Clemens von Droste zu Hülshoff (1881–1955), Landrat im Kreis Höxter, lebte auf Haus Stapel
- Mariano von Droste zu Hülshoff (1907–1997), Oberlandforstmeister, Leiter der Forstdirektion von Koblenz
- Bernd von Droste zu Hülshoff (* 1938), Prof. Dr. oec. publ., Stv. UNESCO-Generaldirektor und Gründungsdirektor des Zentrums für das Welterbe
- Hortense von Gelmini – von Droste zu Hülshoff (* 1947), Malerin, Musikerin, Schriftstellerin
- Wilderich von Droste zu Hülshoff (*1948), Verwaltungsjurist, Autor, Vorstand d. Stiftung "Libertas per Veritatem", Mitglied des Malteserordens
Heutige oder ehemalige Familiensitze mit Droste–Museen
- Burg Hülshoff in Havixbeck
- Haus Rüschhaus, Münster
- Droste-Museum Fürstenhäusle, Meersburg
- Burg Meersburg, Meersburg
Das Marienstift–Droste zu Hülshoff
Das Marienstift Droste zu Hülshoff in Havixbeck geht auf ein Krankenhaus zurück, das Clemens Friedrich Freiherr Droste zu Hülshoff, Besitzer des Gutes Haus Stapel, 1882 den Bürgern von Havixbeck gestiftet hat. Es wurde von Franziskanerinnen geleitet, bis es 1979 in ein Altenwohn- und Pflegeheim umgewandelt wurde.
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