Dez 302016
 

Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len (* 11. Ja­nu­ar 1907 in Bonn; † 1. Sep­tem­ber 2002 in Haus As­sen in Lip­pe­tal) war Ober­haupt der west­fä­li­schen Adels­fa­mi­lie Ga­len, Po­li­ti­ker (CDU) und Päpst­li­cher Ge­heim­käm­me­rer. 1949 schenk­te er ei­nen der bei­den Fa­mi­li­en­stamm­sit­ze, das Was­ser­schloss Burg Din­kla­ge im Ol­den­bur­ger Müns­ter­land, dem Or­den der Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen als Klos­ter Burg Din­kla­ge. Sei­nen lang­jäh­ri­gen Wohn­sitz, das Was­ser­schloss Haus As­sen in Lip­pe­tal-Lipp­borg (Kreis Soest), schenk­te er 1997 der Or­dens­ge­mein­schaft Die­ner Jesu und Ma­ri­ens. Sie be­treibt dar­in ein In­ter­nat für Jun­gen und ein Kol­leg.

Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len ist ver­wandt mit dem na­mens­glei­chen Müns­te­ra­ner Bi­schof Chris­toph Bern­hard von Ga­len (1606–1678); er ist Nef­fe des Kar­di­nals Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len (1878–1946).

Leben

Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len war der Sohn des kö­nig­lich-preu­ßi­schen Land­rats August(inus) Graf von Ga­len (* 1866; † 20. No­vem­ber 1912 in Bonn) und sei­ner Frau Le­vina, ge­bo­re­ne Grä­fin von Korff gen. Schmi­sing (1867–1941). Er be­such­te die Ka­tho­li­sche Dom­schu­le in Müns­ter so­wie Je­sui­ten­kol­legs in Sit­tard (Nie­der­lan­de) und Feld­kirch (Ös­ter­reich). 1925 mach­te er sein Ab­itur am Gym­na­si­um Ma­ria­num in War­burg.

Das fünf­te von sechs Kin­dern wur­de 1918 als Kind Ober­haupt der Fa­mi­lie Ga­len und Erbe des Fa­mi­li­en­be­sit­zes, nach­dem sein On­kel Fried­rich Ma­thi­as (1865–1918), der äl­te­re Bru­der sei­nes Va­ters, im No­vem­ber 1918 ge­stor­ben war. Chris­toph Bern­hards äl­te­rer Bru­der Fer­di­nand-Jo­sef, der nach den Haus­ge­set­zen die Nach­fol­ge an­ge­tre­ten hät­te, war be­reits am 21. Juli 1918 im Ers­ten Welt­krieg in Frank­reich ge­fal­len. Chris­toph Bern­hards seit 1912 ver­wit­we­te Mut­ter zog 1919 mit den Kin­dern von Müns­ter, wo sie seit 1913 ge­lebt hat­ten, nach Haus As­sen. Die Ver­wal­tung des Er­bes über­nahm Franz Graf von Ga­len (* 11. De­zem­ber 1879 in Din­kla­ge; † 9. Ok­to­ber 1961 in Dar­feld) für sei­nen Nef­fen. Mit der Voll­jäh­rig­keit im Al­ter von 21 Jah­ren ging die Ver­wal­tung der Fa­mi­li­en­be­sit­zun­gen in Lip­pe­tal, Din­kla­ge und Müns­ter an Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len über. Am 28. Juli 1931 hei­ra­te­te er in Ad­ler­kos­te­letz Ma­rie-So­phie Reichs­grä­fin Kin­sky von Wchi­nitz und Tettau (* 24. Fe­bru­ar 1909 in Ad­ler­kos­te­letz; † 26. Ok­to­ber 1992).

Bei Be­ginn des Zwei­ten Welt­kriegs war von Ga­len, der nach Ein­füh­rung der All­ge­mei­nen Wehr­pflicht bei der Ar­til­le­rie aus­ge­bil­det wor­den war, im Rang ei­nes Wacht­meis­ters. Im No­vem­ber 1939 wur­de er ein­be­ru­fen. Er nahm am Frank­reich­feld­zug teil, wur­de aber Ende Juli 1940 als Va­ter von sechs Kin­dern nach Hau­se ent­las­sen. 1943 wur­de er er­neut ein­ge­zo­gen, zum Leut­nant be­för­dert und ar­bei­te­te im Stab ei­nes Ar­til­le­rie­re­gi­ments in Hamm. Als US-Trup­pen nä­her­rück­ten, stell­ten sich Of­fi­zie­re ge­gen­sei­tig Ent­las­sungs­pa­pie­re aus. In Haus As­sen, wo­hin er zu Fuß zu­rück­ge­kehrt war, nahm ihn die US-Ar­mee ge­fan­gen. Vom 1. April 1945 bis Sep­tem­ber 1945 war er US-Kriegs­ge­fan­ge­ner bei Sois­sons in Frank­reich.

1946 trat von Ga­len in die CDU ein. Von 1945 bis 1969 ge­hör­te er dem Ge­mein­de­rat von Lipp­borg an. Von 1945 bis 1959 war er Mit­glied des Kreis­tags von Be­ckum. In­ter­es­sen des Adels ver­trat er als Rit­ter des Mal­te­ser­or­dens und im Da­men­club, ei­ner 1800 in Müns­ter ge­grün­de­ten Adels­ver­ei­ni­gung. Das Amt des Päpst­li­chen Ge­heim­käm­me­rers er­hielt er auf Bit­ten sei­nes On­kels Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len, als die­ser 1946 von Papst Pius XII. zum Kar­di­nal er­nannt wur­de. Ver­bun­den mit dem Amt des Ge­heim­käm­me­rers wa­ren pro­to­kol­la­ri­sche Auf­ga­ben von Lai­en im Va­ti­kan, etwa bei Se­lig- und Hei­lig­spre­chun­gen. 1948 hat­te Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len bei der 700-Jahr-Fei­er des Köl­ner Doms ei­nen päpst­li­chen Le­ga­ten zu lei­ten. 1962 nahm er als Päpst­li­cher Ge­heim­käm­me­rer an der Er­öff­nung des Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils im Pe­ters­dom in Rom teil. Das äu­ße­re Zei­chen sei­ner Wür­de war eine „höchst de­ko­ra­ti­ve Uni­form im spa­ni­schen Stil“, wie von Ga­len sie be­schrieb. Papst Paul VI. schaff­te das Amt ab, das schon von Ga­lens Va­ter Au­gust und sein Groß­va­ter Fer­di­nand in­ne­ge­habt hat­ten.

Nach dem Tod sei­ner Frau Ma­rie-So­phie im Jahr 1992 leb­te von Ga­len al­lei­ne in Haus As­sen. Sei­ne Toch­ter Jo­han­na Grä­fin von West­pha­len (* 1936), die als Vor­sit­zen­de der Christ­de­mo­kra­ten für das Le­ben be­kannt wur­de, schlug ihm vor, die Or­dens­ge­mein­schaft Die­ner Jesu und Ma­ri­ens, die aus der Diö­ze­se Augs­burg aus­ge­wie­sen wor­den war, vor­über­ge­hend in dem Was­ser­schloss un­ter­kom­men zu las­sen. Die Be­kannt­schaft mit dem Or­dens­grün­der An­dre­as Hö­nisch brach­te von Ga­len auf den Ge­dan­ken, Haus As­sen der Ge­mein­schaft dau­er­haft zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Burg Din­kla­ge, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg zu­nächst leer­ge­stan­den hat­te und dann von Flücht­lin­gen be­wohnt wur­de, ehe Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen ein­zo­gen, soll­te ur­sprüng­lich nur ver­pach­tet wer­den. Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len: „Zu­nächst hat­te ich an ei­nen Pacht­ver­trag auf drei­ßig oder neun­und­neun­zig Jah­re ge­dacht, habe mich dann aber für eine Schen­kung mit dem Vor­be­halt ent­schie­den, dass die Burg an mei­ne Er­ben zu­rück­fällt, wenn die Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen das Klos­ter in Din­kla­ge auf­ge­ben soll­ten. (…) Die Be­ne­dik­ti­ner bau­en und be­ten ja nach ih­rer Re­gel nicht auf Zeit, son­dern für die Ewig­keit. Da­nach muss­te und woll­te ich mich rich­ten.“

Familie

Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len starb 2002 und wur­de an der Sei­te sei­ner Frau in der Klos­ter­kir­che von Burg Din­kla­ge bei­gesetzt. Das Paar hat­te sechs Kin­der – fünf Töch­ter und ei­nen Sohn.

  • Pau­li­ne Grä­fin von Ga­len (* 1932), ver­hei­ra­tet mit Fried­rich Graf von und zu Traut­manns­dorff-Weins­berg (* 1926)
  • Hed­wig Grä­fin von Ga­len (* 1934), ver­hei­ra­tet mit Ru­dolf von Longue­val Graf de Bou­qouy (* 1927)
  • Fer­di­nand-Jo­seph Graf von Ga­len (* 1935), ver­hei­ra­tet mit Ani­ta Hengst (* 1936)
  • Jo­han­na Grä­fin von Ga­len (1936–2016), ver­hei­ra­tet mit Cle­mens Graf von West­pha­len zu Fürs­ten­berg (1927–2014)
  • Lud­mi­la Grä­fin von Ga­len (* 1937), ver­hei­ra­tet mit Hein­rich Ma­ria Erz­her­zog von Ös­ter­reich (1925–2014)
  • Ma­ria The­re­sia Grä­fin von Ga­len (* 1938), ver­hei­ra­tet (1) mit Marc-An­toi­ne d’Oultremont, Comte d’Oultremont (1927–2005), (2) Go­de­hard Ma­xi­mi­li­an Cle­mens Al­ber­tus An­to­ni­us Jo­seph Ma­ria Graf von und zu Hoens­bro­ech (* 1936)

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len (Päpst­li­cher Ge­heim­käm­me­rer) aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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