Cappenberg (Adelsgeschlecht)

Die Gra­fen von Cap­pen­berg wa­ren ein be­deu­ten­des mit­tel­al­ter­li­ches Adels­ge­schlecht mit Schwer­punkt in West­fa­len und Be­sit­zun­gen am Nie­der­rhein, in Schwa­ben und in der Wet­terau. Die Brü­der Gott­fried und Otto von Cap­pen­berg stif­te­ten ih­ren Be­sitz zur Grün­dung der Prä­mons­tra­ten­ser­stif­te Varlar, Cap­pen­berg und Il­ben­stadt.

Frühgeschichte

Wappen derer von Cappenberg

Wap­pen der Gra­fen von Cap­pen­berg

Wirk­lich ur­kund­lich be­leg­bar sind nur we­ni­ge Ge­nera­tio­nen der Fa­mi­lie. Ne­ben ei­ni­gen ver­streu­ten ur­kund­li­chen Quel­len be­ruht die Kennt­nis über die Fa­mi­lie ins­be­son­de­re auf den Vi­ten des Gott­fried (II.) und des Otto von Cap­pen­berg.

In der Über­lie­fe­rung wird be­haup­tet, dass die Fa­mi­lie aus dem Ge­schlecht des Sach­sen­her­zogs Wi­du­kind ab­stammt. Die­ser habe nach sei­ner Un­ter­wer­fung ei­nen sei­ner Söh­ne mit Imen­za, ei­ner Nich­te Karls des Gro­ßen, ver­hei­ra­tet. Wirk­lich nach­weis­bar ist das nicht. Eben­so un­be­wie­sen ist die spä­te­re Be­haup­tung, dass es eine Ver­wandt­schaft mit den Ot­to­nen ge­ge­ben hät­te, de­ren Stamm­va­ter Li­udolf da­nach sei­nen Sitz auf Burg Cap­pen­berg ge­habt ha­ben soll.

Im­mer­hin ist eine Imen­za in Xan­ten be­stat­tet. Al­ler­dings stammt das Grab erst aus dem 11. Jahr­hun­dert. Die Vi­ten be­rich­ten, dass durch Imen­za die Be­sit­zun­gen bei We­sel an die Fa­mi­lie ka­men. Sie hat dem Stift Xan­ten auch die Höfe Dors­ten und Schwer­te ge­schenkt. Bis zum Ende des Stifts ge­dach­ten die Ka­no­ni­ker Imen­za mit ei­nem fei­er­li­chen To­ten­mahl. Die­se Imen­za wird in spä­te­ren Quel­len mit ei­ner Re­gin­muod gleich­ge­setzt. Dies wird durch die Cap­pen­ber­ger Über­lie­fe­rung ge­stützt, ist dort doch eine Ur­kun­de aus der Zeit Bi­schof Sieg­frieds von Müns­ter (1022–1032) über­lie­fert, in der der Bi­schof ei­ner gleich­na­mi­gen Dame und ih­rer Toch­ter die Stif­tung von sie­ben Kir­chen be­stä­tigt, die im In­ter­es­sen­ge­biet der spä­te­ren Cap­pen­ber­ger la­gen. Da­bei han­del­te es sich um Varlar, Ap­pel­hül­sen, Bent­la­ge, Co­er­de, Ich­ter (heu­te Ca­pel­le), Han­dorf und Uen­trop an der Lip­pe. Das spä­te­re Stift Cap­pen­berg be­saß durch die Stif­ter nach­weis­lich Be­sitz in zu­min­dest ei­ni­gen der Orte. Als Zeu­gen wer­den un­ter an­de­rem ein Gott­fried und ein Her­mann ge­nannt. Bei­de Na­men ka­men bei den Cap­pen­ber­gern vor. Bei der in Xan­ten be­gra­be­nen Imen­za könn­te es sich mit­hin tat­säch­lich um eine Vor­fah­rin oder An­ge­hö­ri­ge der Cap­pen­ber­ger ge­han­delt ha­ben.

Es wur­de zwar auf Grund der Nach­bar­schaft ver­mu­tet, dass die Cap­pen­ber­ger und die Gra­fen von Ra­vens­berg ge­mein­sa­me Vor­fah­ren hat­ten. Aber auch dies bleibt un­klar.

Generationenfolge

Wirk­lich klar fass­bar sind drei Ge­nera­tio­nen. Her­mann von Cap­pen­berg war mit ei­ner Ger­ber­ga von Hü­ne­burg ver­hei­ra­tet. Die­se stammt ver­mut­lich aus der Fa­mi­lie der Gra­fen von Blies­kas­tel. Aus der Ehe gin­gen drei Söh­ne her­vor. Die ur­kund­li­chen Be­le­ge für Her­mann sind spär­lich. Es ist un­klar, ob er der Graf Her­mann in ei­ner Ur­kun­de Hein­richs IV. von 1065 ist. Eben­so we­nig klar ist, ob die Nen­nung ei­nes ver­stor­be­nen Gra­fen Her­mann 1082 in den Ibur­ger An­na­len sich auf den Cap­pen­ber­ger be­zieht.

Gott­fried (I.) war der Haupter­be. Er war mit Bea­trix von Hild­riz­hau­sen ver­hei­ra­tet. De­ren Groß­va­ter Otto von Schwein­furt war um 1050 Her­zog von Schwa­ben. Durch die­se Hei­rat kam es zu fa­mi­liä­ren Ver­bin­dun­gen zu den Sa­li­ern und Stau­fern.

Aus der Ehe gin­gen Gott­fried (II.), Otto und zwei Schwes­tern her­vor. Eine Schwes­ter hieß Bea­trix. Eine zwei­te war Ger­ber­gis. Die­se wur­de von Bern­her von Er­prath ent­führt und ge­hei­ra­tet. Das Le­ben Gott­frieds (I.) ist, ab­ge­se­hen von den Vi­ten der Söh­ne, nur in drei Ur­kun­den be­legt, von de­nen die letz­te auf das Jahr 1105 da­tiert wird. Da­bei wird er als Graf be­zeich­net.

Gott­fried (I.) starb jung. Borck­horst nimmt an, dass er mit ei­nem 1106 ver­stor­be­nen Gra­fen gleich­zu­set­zen ist, den die Pa­der­bor­ner An­na­len nen­nen. Mög­li­cher­wei­se fiel er auch erst 1115 in der Schlacht am Wel­fes­holz, wie Grund­mann ver­mu­tet. Sei­ne Wit­we Bea­trix hei­ra­te­te Hein­rich von Riet­berg, ei­nen jün­ge­ren Bru­der des Gra­fen Fried­rich von Arns­berg. Die aus die­ser Ehe her­vor­ge­gan­ge­ne Toch­ter Eli­ka hei­ra­te­te den Gra­fen Egil­mar von Ol­den­burg.

Gott­fried (II.) hei­ra­te­te die Toch­ter Ida/Jutta des Gra­fen Fried­rich von Arns­berg. Bei des­sen Tod wäre die Graf­schaft Arns­berg in die Hand der Cap­pen­ber­ger ge­kom­men. Dies hät­te eine star­ke Macht­bal­lung in der Hand der Cap­pen­ber­ger be­deu­tet.

Besitzungen und Funktionen

In die­ser Zeit ge­hör­ten die Cap­pen­ber­ger zu den be­deu­tends­ten west­fä­li­schen Adels­fa­mi­li­en. Ihre Burg, auf ei­ner An­hö­he ge­le­gen, konn­te wei­te Tei­le des west­fä­li­schen Flach­lan­des aber auch bis hin nach Dort­mund kon­trol­lie­ren. Die Gra­fen hat­ten dar­über hin­aus wei­te­re Rech­te in an­de­ren Ge­bie­ten, so am Nie­der­rhein bei We­sel, in der Wet­terau bei Fried­berg und in Schwa­ben. Hin­ter­grund der weit ver­streu­ten Be­sit­zun­gen war die Ver­sip­pung mit an­de­ren be­deu­ten­den Fa­mi­li­en.

In Schwa­ben ge­hör­ten die Bur­gen Hild­riz­hau­sen (bei Böb­lin­gen) und Krä­hen­eck (bei Pforz­heim) mit zahl­rei­chen Mi­nis­te­ria­len und 2000 Hu­fen Land zum Be­sitz der Cap­pen­ber­ger. Die­ser Be­sitz­kom­plex geht auf das Erbe der Bea­trix von Hild­riz­hau­sen zu­rück. Un­kla­rer ist, wie der Be­sitz in der Wet­terau an die Fa­mi­lie ge­kom­men ist. Die Be­sit­zun­gen sind wohl be­reits im 11. Jahr­hun­dert an die Fa­mi­lie ge­kom­men und wa­ren min­des­tens zwei Ge­nera­tio­nen in de­ren Be­sitz.

Der Be­sitz in West­fa­len lässt sich aus den Be­sit­zun­gen der spä­te­ren Stif­te Varlar und Cap­pen­berg er­schlie­ßen. Zu dem Be­sitz um Varlar ge­hör­ten auch Coes­feld und Be­sit­zun­gen in Hammin­keln nörd­lich von We­sel. Der Be­sitz des spä­te­ren Stif­tes Cap­pen­berg war wei­ter ver­streut. Dazu zähl­ten die Höfe von Wer­ne, Net­t­e­ber­ge, Alsted­de und Heil. Die­se la­gen in der Nähe von Burg Cap­pen­berg. Hin­zu ka­men Höfe in Men­ge­de, Co­er­de, Sa­er­beck und Wes­sum. Die­se la­gen teil­wei­se er­heb­lich von Cap­pen­berg ent­fernt. Wei­te­re Be­sit­zun­gen la­gen in Hil­beck, in Wer­ne-Lan­gern und Weth­mar. Da­bei kam Hil­beck wohl durch die Hei­rat Gott­frieds (II.) mit der Arns­ber­ger Gra­fen­toch­ter in den Be­sitz der Cap­pen­ber­ger. Es gab of­fen­bar ei­nen in­ten­si­ven Herr­schafts­be­sitz um Cap­pen­berg her­um und wei­te­ren Streu­be­sitz. Ins­ge­samt bil­de­te die süd­lich ver­lau­fen­de Lip­pe die Gren­ze des Cap­pen­ber­ger Ein­fluss­be­reichs.

Es gibt nur we­ni­ge Be­le­ge über das öf­fent­li­che Wir­ken der Gra­fen und die Rol­le ih­rer Graf­schaft vor der Zeit von Gott­fried (II.). Gott­fried (I.) nahm für das Klos­ter Wer­den Be­sit­zun­gen ent­ge­gen, am­tier­te da­mit also als Ver­tre­ter des Klos­ter­vogts. Auf Grund der Be­sit­zun­gen ist die Graf­schaft der Cap­pen­ber­ger nörd­lich der Lip­pe und süd­lich und west­lich von Müns­ter zu ver­mu­ten. Va­sal­len wa­ren, ab­ge­se­hen von über 100 Mi­nis­te­ria­len, wohl die Edel­her­ren von Horst­mar. Mög­li­cher­wei­se lag auch Dül­men in der Graf­schaft.

Ende der Familie

Gott­fried (II.) stand zu­nächst auf Sei­ten Hein­rich V., wech­sel­te aber spä­ter in das La­ger der Geg­ner des Kai­sers. An der Sei­te Lo­thars von Sup­plin­gen­burg war er an der Er­obe­rung und Zer­stö­rung Müns­ters zur Wie­der­ein­set­zung des ver­trie­be­nen Bi­schofs Diet­rich be­tei­ligt.

Aus Reue hat Gott­fried 1122 das Klos­ter Cap­pen­berg ge­stif­tet und dazu die Burg und die zu­ge­hö­ri­gen Be­sit­zun­gen ge­ge­ben. Der Wet­ter­au­er Be­sitz ging nach und nach an das eben­falls von den Cap­pen­ber­gern 1122 ge­stif­te­te Klos­ter Il­ben­stadt. Klos­ter Varlar stif­te­ten die Cap­pen­ber­ger 1123/24 aus dem um­lie­gen­den Be­sitz.

Der Be­sitz in Schwa­ben ist um 1124 im Zu­sam­men­hang mit dem Or­dens­ein­tritt der Brü­der Gott­fried und Otto an Her­zog Fried­rich von Schwa­ben ver­kauft wor­den. Mög­li­cher­wei­se im Zu­sam­men­hang da­mit wur­de Otto Tauf­pa­te des spä­te­ren Kai­sers Fried­rich Bar­ba­ros­sa. Aus dem Ver­kauf stammt ein Re­li­qui­en­kreuz, das Otto zu­sam­men mit dem Cap­pen­ber­ger Bar­ba­ros­sa­kopf dem Stift Cap­pen­berg ver­mach­te.

Die zahl­rei­chen Mi­nis­te­ria­len un­ter­stell­te er dem Bi­schof von Müns­ter. Er selbst trat spä­ter in das Klos­ter ein. Auch sei­nen Bru­der und sei­ne Schwes­tern ver­an­lass­te er, das welt­li­che Le­ben auf­zu­ge­ben. Sei­ne Frau Jut­ta von Arns­berg füg­te sich dem nur wi­der­stre­bend. Nach dem Tod Gott­frieds hei­ra­te­te sie Gott­fried von Cuyk und wur­de so zur Stamm­mut­ter der jün­ge­ren Li­nie der Gra­fen von Arns­berg..

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