Burg Stockum

Haus Stock­um ist die ge­mein­sa­me Be­zeich­nung für zwei ehe­ma­li­ge Burg­an­la­gen, die in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zu­ein­an­der la­gen, je­doch auf un­ter­schied­li­chen Sei­ten der Lip­pe. Auf der Nord­sei­te lag ein Ober­hof, der spä­ter zu ei­ner jün­ge­ren Burg aus­ge­baut wur­de, die man in der Re­gel Burg Stock­um nennt. Er be­fand sich im heu­te zu Wer­ne ge­hö­ren­den Stadt­teil Stock­um. Auf der Süd­sei­te be­fand sich die äl­te­re Burg­an­la­ge, die heu­te Burg Hu­gen­poth ge­nannt wird; ihr Burg­platz liegt heu­te auf dem Ge­biet der ehe­ma­li­gen Ge­mein­de Sand­bo­chum, Teil des Stadt­be­zirks Hamm-Her­rin­gen der Stadt Hamm. Von bei­den Burg­an­la­gen sind heu­te nur noch Res­te im Bo­den er­hal­ten. Da man sich von Gra­bun­gen Er­kennt­nis­se über die Burg­an­la­gen und ih­rer Be­woh­ner er­hofft, wur­den die Stand­or­te der bei­den Bur­gen zum Bo­den­denk­mal er­klärt. Die Burg­an­la­gen sind durch meh­re­re Hän­de ge­gan­gen. Ihre wohl be­deu­tends­ten Be­sit­zer sind die Mit­glie­der der Fa­mi­lie de Hü­ve­le (von Hö­vel).

Abgrenzung

Haus Stock­um in Wer­ne soll­te nicht mit gleich­na­mi­gen Be­sit­zun­gen in Schöp­pin­gen, Müns­ter-Venn­hei­de oder Wil­lich bei Vier­sen ver­wech­selt wer­den.

Geschichte

Die bei­den Burg­an­la­gen ste­hen in Zu­sam­men­hang mit dem aus kö­nig­li­chem Be­sitz stam­men­den Her­for­der Be­sitz­kom­plex. Da­bei muss un­ter­schie­den wer­den zwi­schen dem seit 858 be­kann­ten Ober­hof und ei­ner jün­ge­ren Burg (Burg Stock­um), bei­de auf der Nord­sei­te der Lip­pe ge­le­gen, und der auf der Süd­sei­te der Lip­pe ge­le­ge­nen äl­te­ren Burg (Burg Hu­gen­poth), die einst Sitz des Klos­ter­vog­tes war. Die­se Burg wird an­läss­lich der Er­rich­tung ei­ner Burg­ka­pel­le im Jah­re 1307 (al­ter­na­ti­ve An­ga­be: 1357) erst­mals ge­nannt. Die Ka­pel­le dien­te bis Ende des 14. Jahr­hun­derts den Be­woh­nern der Pfar­rei Stock­um als Pfarr­kir­che, ge­hör­te selbst aber zur Pfar­rei Her­rin­gen.

Etwa um das Jahr 1710 fer­tig­te der Kar­to­graph Jo­hann Bu­cker eine Zeich­nung des Ufer­be­rei­ches der Lip­pe im Ein­zugs­be­reich der bei­den his­to­ri­schen Ge­bäu­de an.

Amtshof Stockum

Karte von Johann Bucker, nach 1710 – die Lippe im Bereich der Häuser Stockum und Hugenpoth / Staatsarchiv Münster

Kar­te von Jo­hann Bu­cker, nach 1710 – die Lip­pe im Be­reich der Häu­ser Stock­um und Hu­gen­poth / Staats­ar­chiv Müns­ter

Über den Ur­sprung der Adels­sit­ze in Stock­um be­rich­tet Schwie­ters Fol­gen­des: Karl der Gro­ße be­nutz­te die er­ober­ten Do­mai­nen (Gü­ter) der Sach­sen, um sei­ne Die­ner zu be­loh­nen und die Klös­ter zu be­schen­ken. So auch sein En­kel Lud­wig II. der Deut­sche: Er schenk­te im Jah­re 858 der Äb­tis­sin des Non­nen­klos­ters Her­ford ein gro­ßes Be­sitz­tum zu Stock­heim (Stock­um) als Ta­fel­gut. Dies ge­schah, um den Un­ter­halt des Klos­ters zu si­chern.

Stock­um, frü­her Stock­heim oder Stock­hem ge­schrie­ben, lag an der Lip­pe im Kirch­spiel Wer­ne und um­fass­te den Haupt­hof glei­chen Na­mens. Zu dem Be­sitz ge­hör­ten Un­ter­hö­fe im Drein- und Bruk­te­r­er­gau, also zu bei­den Sei­ten der Lip­pe, ins­ge­samt drei­ßig Bau­ern­hö­fe und sech­zig leib­ei­ge­ne Fa­mi­li­en, dar­un­ter Schürk­mann und Kros im Kirch­spiel Her­bern. Auf dem Be­sitz­tum, na­ment­lich dem Haupt- oder Amt-Hofe, la­gen ein Amts­haus und ein Ober­hof, der spä­ter zur Burg aus­ge­baut wur­de. Es hat­te hö­he­re und nie­de­re Ge­richts­bar­keit, Blut­bann, Bier­zwang, Ak­zi­se. Der Hof hat­te ei­ge­ne Rech­te und Ge­wohn­hei­ten, die in ei­nem 1370 ge­schrie­be­nen Hof­recht auf­ge­zeich­net wur­den.

Wie alle Amts­hö­fe wur­de auch Stock­um von ei­nem von der Äb­tis­sin ein­ge­setz­ten Schul­zen (Schult­hei­ßen) ver­wal­tet. Er ge­hör­te meist dem Rit­ter­stan­de an, wenn nicht, konn­te er doch oft die­se Wür­de spä­ter er­rei­chen. Der Schult­heiß zog die Ab­ga­ben von den Un­ter­hö­fen ein, und auch die nie­de­re Ge­richts­bar­keit war ihm an­ver­traut. Der Schult­heiß sorg­te für den Wein­trans­port von den rhei­ni­schen Be­sit­zun­gen des Klos­ters zum Stift Her­ford. Die Äb­tis­sin be­an­spruch­te auf ih­ren Vi­si­ta­ti­ons­rei­sen drei Tage Lang Kost und Lo­gis für sich und ihr um­fang­rei­ches Ge­fol­ge; bis zu 64 Pfer­de muss­ten in die­ser Zeit ver­sorgt wer­den.

Der Be­zirk ei­nes Amts­ho­fes wur­de Bei­fan­ge ge­nannt. Die Bei­fän­ge nah­men eine öf­fent­lich-recht­li­che Son­der­stel­lung ein. Zwar wur­de die Lan­des­ho­heit for­mell an­er­kannt, je­doch wa­ren die von ih­nen in An­spruch ge­nom­me­nen Ge­recht­sa­men manch­mal so weit­rei­chend, dass die Her­ren der Bei­fän­ge fak­tisch die In­ha­ber der lan­des­herr­li­chen Ge­walt wa­ren.

So hat­ten die Her­ren zu Stock­um die hö­he­re und nie­de­re Ge­richts­bar­keit (über die Bau­erschaf­ten Stock­um, Horst und Wes­sel), den Blut­bann, den Bier­zwang und die Ak­zi­se in ih­rem Be­zirk, zu dem die Bau­erschaf­ten Stock­um, Horst und Wes­sel ge­hör­ten. Sie rich­te­ten über Ver­bre­chen und Strei­tig­kei­ten; der Blut­bann gab ih­nen das Recht über Le­ben und Tod (we­gen He­xe­rei wur­den hier ver­schie­dent­lich Leu­te zum Tode ver­ur­teilt und durch das Feu­er hin­ge­rich­tet). Der Bier­zwang be­stimm­te, dass die Höfe ihr Bier nur vom Amts­ho­fe be­zie­hen konn­ten. In den Bei­fang ein­ge­führ­te Wa­ren, wie Wein und Le­bens­mit­tel, wur­den mit ei­ner Ab­ga­be be­legt, die Ak­zi­se ge­nannt wur­de. Ak­zi­sen hie­ßen auch die Ge­büh­ren, die die Bä­cker und Krä­mer für die Aus­übung ih­res Ge­wer­bes be­zah­len muss­ten. Wei­ter­hin hat­te der Amts­hof das Recht, die Maße und Ge­wich­te zu kon­trol­lie­ren. Von je­her hat­te der Schult­heiß auch das Jagd- und Fi­sche­rei­recht so­wie das Amt des Mar­ken­rich­ters im Bei­fang.

Eine wich­ti­ge Ge­recht­sa­me bil­de­te auch das Schutz­recht über die Be­woh­ner die­ses Ge­bie­tes. Der ade­li­ge Schult­heiß be­kam schon bald die Er­laub­nis, sei­nen Amts­sitz oder ei­nen ge­eig­ne­ten Platz durch Er­rich­tung ei­ner Burg zu be­fes­ti­gen. In Feh­de­zei­ten hing die Si­cher­heit der Bau­ern von ei­nem sol­chen fes­ten Plat­ze ab. Sie ret­te­ten sich mit ih­rem Vieh und ih­rer bes­ten Habe dort­hin, des­halb war ih­nen an der Er­hal­tung der Wehr­haf­tig­keit der Burg viel ge­le­gen. Aus die­sen Ver­hält­nis­sen ent­stand die Ver­pflich­tung zum Wach­dienst, zur Aus­bes­se­rung der Grä­ben und zum Ei­sen, d. h. Zer­schla­gen der Eis­de­cke auf den Gräf­ten zur Ab­wehr des Fein­des.

Ab 1212 wa­ren An­ge­hö­ri­ge des Adels­ge­schlech­tes Stock­um In­ha­ber des Her­for­der Am­tes Stock­um. Seit 1290 tru­gen es die von Hö­vel von der Ab­tei zu Le­hen; ur­kund­lich ver­brieft ist ein Ho­fes­schult­hei­ße aus die­sem Ge­schlecht im Jah­re 1333. Spä­ter ver­wan­del­ten sie ihre ab­hän­gi­ge Be­am­ten­stel­lung in eine rit­ter­lich-selbst­stän­di­ge. Als freie Lehns­man­nen muss­ten sie eine stan­des­ge­mä­ße Burg ha­ben. Ne­ben dem bäu­er­li­chen Amts­hof war dies die Burg Stock­um auf der Lip­p­ein­sel.

Am 26. März 1381 er­hielt Lam­bert von Ho­ve­le von Hil­le­gund von Ot­gen­bach, Äb­tis­sin der welt­li­chen Kir­che und des Stifts zu Her­ford, mit Ein­wil­li­gung ih­res Ka­pi­tels die Er­laub­nis, auf dem Amts­hof ei­nen Kirch­hof nebst St. Jo­han­nes-Ka­pel­le an­zu­le­gen. Bei­de soll­te dem Klos­ter Kap­pen­berg im Tausch ge­gen eine gleich gro­ße Men­ge Land über­ge­ben wer­den.

Um 1650 ver­such­ten die Her­ren zu Stock­um, ih­ren Bei­fang auch auf Gott­s­ort in der Bau­erschaft Nor­dick aus­zu­deh­nen. 1654 lie­ßen sie die Müh­le des Hau­ses Har­den­berg zer­stö­ren und be­grün­de­ten die­ses faust­recht­li­che Vor­ge­hen mit dem Hin­weis, dass Got­tes­ort zu ih­rem Bei­fang ge­hö­re.

Wie sehr die Her­ren zu Stock­um auf die Wah­rung ih­rer Rech­te be­dacht wa­ren, geht dar­aus her­vor, dass der Weg nach Wer­ne, so­weit er durch ih­ren Ge­richts­be­zirk führ­te, von dicht­be­wach­se­nen Dop­pel­wäl­len ein­ge­schlos­sen war, und eben­so die an­lie­gen­den Acker­käm­pe. Durch die­se Land­wehr woll­ten sie den Fuhr­wer­ken eine Um­ge­hung der Burg Stock­um, wo Zoll und We­ge­geld zu er­rich­ten wa­ren, un­mög­lich ma­chen.

Der ab­tei­li­che Amts­hof wur­de wohl in der zwei­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts auf­ge­ge­ben und ab­ge­ris­sen.

Stockumer Hofesrecht von 1370

Mit Ur­kun­de vom 24. Juni 1370 er­klär­te Äb­tis­sin Lysa (von dem Ber­ge) zu Her­ford fol­gen­de Rech­te der Leu­te ih­res Am­tes zu Sto­chem:

1. So lan­ge dort je­mand lebt, möge der­sel­be das Amts­gut nach Amts­recht be­sit­zen.
2. Wird er so alt, daß er sich nicht mehr un­ter­hal­ten (ge­vo­den) kann, dann sol­len ihn die Er­ben des Amts­gu­tes un­ter­hal­ten (vo­den).
3. Stirbt auch von ih­nen ei­ner, dann soll man des­sen Erbe nicht wie das ei­nes voll­stän­dig leib­ei­ge­nen Man­nes tei­len. Es sol­len sei­ne Er­ben sein Ge­rei­de neh­men, wenn es ein Weib ist; ist es ein Mann, so sol­len sie sein Her­ge­we­de und Erb­gut neh­men und ihm in das amts­hö­ri­ge Gut fol­gen.
4. Läuft ein Gut so aus, daß es kei­ne Er­ben hat, so soll der Schult­heiß – das ist der obers­te Päch­ter des Stifts – es mit amts­hö­ri­gen Leu­ten be­set­zen, die dem Amts­gu­te ent­behr­lich sind.
5. Der Päch­ter möge amts­hö­ri­ge Leu­te nicht ver­kau­fen oder aus­wech­seln oder erb­tei­len wie Leib­ei­ge­ne.
6. Die amts­hö­ri­gen Leu­te sol­len kei­ne an­de­ren als amts­hö­ri­ge Wei­ber neh­men, da­mit die Kin­der stan­des­gleich (ein­wel­dich) blei­ben und die Amts­rech­te be­hal­ten.
7. Wenn sie aber dem zu­wi­der han­deln und leib­ei­ge­ne Wei­ber neh­men, dann ver­lie­ren sie ihr Recht.
8. Des­we­gen sol­len die Erb­päch­ter sol­che Amts­leu­te nicht mit ei­ner Geld­stra­fe be­le­gen (schat­ten), noch sto­cken noch blo­cken.
9. Ihre rech­ten Zin­sen und jähr­li­che Päch­te sol­len sie aber an das Stift be­zah­len, da­mit sie von dem obers­ten Päch­ter un­ver­warnt blei­ben.
10. Die­ser soll sie treu­lich he­gen und auf dem Pacht­gu­te oder Amts­gu­te ver­tei­di­gen.
11. Wer sein Gut, das zum Amt Stock­um ge­hört, zu sich nimmt und „un­der­win­det“, der soll dem Päch­ter des Stifts eine „lef­mo­di­che­yt“ (Freund­lich­keit, Ab­ga­be) ge­ben nach An­wei­sung der Werk­meis­ter und äl­tes­ten amts­hö­ri­gen Leu­te, auch nach Recht und Ge­wohn­heit des Am­tes Stock­um.
12. Wenn ein Mann fort­geht oder aus dem Amt und Gut zu Stock­um au­ßer Lan­des ent­weicht oder aus ech­ter Not und Un­bil­lig­keit da­von ver­trie­ben wird, des­sen Hof­stät­te soll der obers­te Päch­ter des Stifts nicht erb­lich ver­pach­ten. Er kann sie aber auf neun Jah­re mit amts­hö­ri­gen Leu­ten be­set­zen, de­nen er sie be­las­sen mag, oder mit an­de­ren Leu­ten, aber nur zu den­sel­ben Jah­ren.
13. Wenn aber ein amts­hö­ri­ger be­erb­ter Mann den Hof be­wirt­schaf­ten und sei­nen Pflich­ten nach­kom­men kann, dann ist er dazu der nächs­te.
14. Wür­de ein amts­hö­ri­ger Mann auf ein, zwei oder drei Jah­re ver­trie­ben, könn­te es aber so ein­rich­ten, daß ihr, der Äb­tis­sin, dem Stift und obers­ten Päch­ter ihre Rech­te und Pflich­ten all­jähr­lich ge­sche­hen, so möge er sei­nen Hof ver­wah­ren las­sen.
15. Ver­armt der Ho­f­in­ha­ber so, daß er den Hof des Am­tes Stock­um nicht be­wirt­schaf­ten kann, käme er aber nach­her zu ei­nem be­trächt­li­chen Gute, daß er sei­ne Pflicht und Schul­dig­keit der Äb­tis­sin, dem Stift und dem Päch­ter be­zah­len kann, dann soll man ihn nicht des Ho­fes ver­wei­sen, da es ein amts­hö­ri­ges Gut ist und er dazu ge­bo­ren ist.
16. Nimmt ein amts­hö­ri­ger Mann ein amts­hö­ri­ges Weib oder ein amts­hö­ri­ges Weib ei­nen amts­hö­ri­gen Mann, dann soll sie der Werk­meis­ter des Am­tes in den Be­sitz des Ho­fes mit Be­nach­rich­ti­gung des obers­ten Päch­ters ein­wei­sen. Sie sind dann zu ei­ner Gif­te pflich­tig, die für sie der Werk­meis­ter des Am­tes und die Äl­tes­ten im Ge­din­ge mit Recht nach An­wei­sung der ge­schwo­re­nen amts­hö­ri­gen Leu­te be­stim­men.
17. Nimmt ein amts­hö­ri­ger Mann des­sel­ben Am­tes ein Weib, das ihm nicht eben­bür­tig (en­wel­dich) ist, soll es ins Amt ge­wech­selt wer­den. Es ver­lie­ren sonst Frau und Kin­der das Recht des Am­tes. Was an vor­ge­nann­ten Punk­ten man­gel­haft sei oder wer­de, mö­gen die amts­hö­ri­gen Leu­te und Ge­schwo­re­nen des Am­tes im Hofe zu Stock­um, wenn sie, die Äb­tis­sin, oder auch ihre Nach­fol­ge­rin dort­hin kommt, nach ih­res Stif­tes Recht und An­wei­sung ih­rer Bü­cher ent­schei­den. Die­ses sei des Am­tes Recht und auch an­de­rer ih­rer, der Äb­tis­sin, Leu­te in an­de­ren Äm­tern.“

Stockumer Hofesrecht von 1417

Am 28. Sep­tem­ber 1417 ver­kün­de­te Me­ckel von Wol­te­ge, Äb­tis­sin des welt­li­chen Stifts zu Her­vor­de, die Rech­te des Ho­fes und der Ho­fes­leu­te ih­res Am­tes zu Sto­chem, wie folgt:

Ein je­der, der ei­nen Hof oder eine Hufe des Am­tes be­sitzt, soll da­nach ge­bo­ren sein und in das Amt und den Hof ewig ge­hö­ren. Die Kin­der sol­len stan­des­gleich (eyn­wel­dich) sein, von Va­ter und Mut­ter nach dem Amt ge­bo­ren sein; man soll sie nicht aus­wech­seln oder ver­kau­fen, auf daß das Amts­gut nicht ver­min­dert („ge­b­lo­tet“) wer­de. Auch sol­len ihre Kin­der Her­ge­we­de, Ge­rei­de und Erbe neh­men, wenn sie amts­hö­rig sind; das soll ih­nen dar­um fol­gen, auf daß sie nicht ver­ar­men oder ver­der­ben auf dem Gute. Ihr, des Stifts, be­lehn­ter Schult­heiß möge das bes­te Haupt­stück von je­dem to­ten Gute emp­fan­gen. Auch soll ihr Schult­heiß den Dienst und die Bede so hal­ten und fest­set­zen, daß die Äb­tis­sin und ihr Stift ihre Pacht er­hal­ten und das Amts­gut nicht ver­wüs­tet wird. Sie sol­len ihm nicht mehr als jähr­lich zwei­mal (twy­ge) die­nen, ein­mal bei Gras und ein­mal bei Stroh. Ver­ar­me auch ein amts­hö­rig ge­bo­re­ner Hü­fe­ner (ho­ve­ner) oder wan­de­re aus dem Lan­de we­gen Feh­de oder Tot­schlag aus, des­sen Hof möge er – der Schult­heiß – be­set­zen auf Jah­re, da­mit ihr, der Äb­tis­sin, und ih­rem Stift wie auch dem von ihr be­lehn­ten Schult­heiß ihr Recht wer­de von je­der­mann, be­son­ders nach al­ter Ge­wohn­heit und Recht. Wenn er nach Jah­ren wie­der­kommt, möge er sei­ne Hufe be­sit­zen wie vor­her. Ent­wei­che er von der Hufe ohne ei­ge­ne Not, so wäre er ihr, der Äb­tis­sin voll­schul­dig ei­gen. Auch sol­len sie sich nicht vor an­de­ren in die Ehe be­ge­ben mit je­man­dem, der nicht nach dem Amte ge­bo­ren, ge­wech­selt oder dar­in ge­ge­ben wor­den sei. Wer da­ge­gen ver­sto­ße (dat vorbre­ke), den ver­fol­ge sie, die Äb­tis­sin, ge­richt­lich wie ihre voll­schul­di­gen ei­ge­nen Leu­te. Auch wel­chen Hüf­ner der Schult­heiß mit ei­ner Ho­fes­hu­fe be­lehnt, der Hüf­ner soll nicht mehr ab­ge­ben, als er uns zu St. Pe­ter in den Hof zu ge­ben pflegt. Auch soll der Schult­heiß kein Ge­bäu­de oder erb­haf­ti­ges Gut, das vor­her ge­baut und wie­de­rer­baut (?) ist, von dem Gute, das amts­hö­rig ist, aus­schlie­ßen. Er und sie wür­den des Schult­hei­ßen­am­tes – sonst – mit Recht be­raubt; so mö­gen es auch die Hüf­ner. Wenn der Schult­heiß sei­ne Pacht zwei Jah­re ver­setzt hat, dann mö­gen wir ihn auf un­se­re Ke­me­na­de vor un­se­res Ho­fes Man­nen mit Ur­teil und Recht ver­wei­sen. Das­sel­be mö­gen wir ihm tun, wenn er das Amt, die Leu­te und das Gut schmä­lert und be­ein­träch­tigt in ih­rer al­ten Ge­wohn­heit und Recht ohne un­ser und un­se­res Stifts Wis­sen. Auch sol­len die Hüf­ner wil­lig die­nen und ihre Pflicht tun in dem Amts­hof nach al­ter Ge­wohn­heit.“

Stockumer Hofesrecht von 1490 (1492)

Am 3. Fe­bru­ar 1490 (al­ter­na­tiv: 1492) be­kun­de­te Anna von Honnlt­stein, Äb­tis­sin des frei­e­de­len welt­li­chen Stifts zu Her­ford, dass die Leu­te ih­res Am­tes zu Sto­chem das Recht nach Aus­sa­ge ih­rer Vor­gän­ge­rin­nen und de­ren Re­gis­ter ha­ben. Die Äb­tis­sin wie­der­holt mit an­de­ren Wor­ten die Rech­te und Pflich­ten des Ho­fes und der Ho­fes­leu­te, wie sie vor­her auf dem­sel­ben Per­ga­ment in Ab­schrift der Ur­kun­de von 1417 Sept. 28 und in den fast gleich­lau­ten­den drei Ko­pi­en des Amts­brie­fes vom sel­ben Da­tum zu le­sen wa­ren.

Stockumer Hofesrecht von 1497

Am 1. Mai 1497 ver­kün­de­te Bo­nezeth von Lim­borch, Äb­tis­sin des frei­e­de­len, welt­li­chen Stifts Her­ford, die Rech­te und Pflich­ten der Leu­te ih­res Am­tes zu Sto­ckem und ih­res dor­ti­gen Schult­hei­ßen ver­mö­ge Sie­gel, Brie­fe und Re­gis­ter ih­rer Vor­gän­ge­rin­nen und ih­res Stif­tes.

Stockumer Hofesrecht von 1580

Mit Ur­kun­de vom 12. De­zem­ber 1580 gab Fe­li­ci­tas Grä­fin zu Eber­stein, Äb­tis­sin des frei­ed­len welt­li­chen Stifts Her­ford und Ger­ris­heim, die Rech­te und Pflich­ten des Schult­hei­ßen und der Leu­te ih­res Am­tes zu Stock­um laut Aus­sa­ge ih­rer „Vor­frau­en“ und Re­gis­ter be­kannt. Ein Ver­merk lau­tet u. a.: „Item der Brieff in Ao. 87 ist eben als vo­ri­ger und glei­ches In­halts ist der Ambts­brieff in Ao. 1606 aus­ge­ge­ben so woll dem be­leh­ne­ten Schul­te­ten … als Ho­vesleu­then.“

Stockumer Hofesrecht von 1606

Fe­li­ci­tas Grä­fin zu Eber­stein, Äb­tis­sin der kai­ser­li­chen frei­welt­li­chen Stif­ter Her­ford und Es­sen, Pröps­tin zu Vre­den, ver­kün­de­te am 24. April 1606 die Rech­te und Pflich­ten des Schult­hei­ßen und der Leu­te des ih­rem Stift Her­ford an­ge­hö­ri­gen Am­tes Stock­um ver­mö­ge der Aus­sa­gen ih­rer Vor­gän­ge­rin­nen („Vor­frau­wen“) und Re­gis­ter.

Stockumer Hofesrecht von 1622

Mit Amts­brief vom 5. Sep­tem­ber 1622 ver­kün­de­te Mag­da­le­ne Grä­fin und Edel­fräu­lein zur Lip­pe, Äb­tis­sin des kai­ser­li­chen frei­welt­li­chen Stifts Her­ford, in ge­nau dem­sel­ben Wort­laut wie ihre Vor­gän­ge­rin Fe­li­ci­tas Grä­fin zu Eber­stein in dem Amts­brief von 1606 April 24 – die Rech­te und Pflich­ten des Schult­hei­ßen und der Leu­te ih­res dem Stift Her­ford zu­ge­hö­ri­gen Am­tes Stock­um nach „Aus­spra­che“ ih­rer „Vor­frau­wen“ und Re­gis­ter.

Stockumer Hofesrecht von 1667

Ein wei­te­rer Amts­brief da­tiert auf den 5. Ok­to­ber 1667.

Burg Stockum

Die Burg Stock­um, mit der alle vor­her er­wähn­ten Rech­te ver­bun­den wa­ren, lag auf dem rech­ten Lip­peufer. Der Burg­platz, der sich an der Stel­le des heu­ti­gen Sport­plat­zes be­fand, ist nicht mehr als sol­cher zu er­ken­nen. Die Erd­be­we­gun­gen beim Bau des Gerstein­wer­kes, der Wer­ner Bahn und des Fuß­ball­plat­zes ha­ben fast alle Spu­ren ver­wischt.

Ur­kund­lich wird die­se Burg erst­mals im 12. Jahr­hun­dert er­wähnt. Die ers­ten Burg­her­ren wa­ren die Rit­ter von Stock­um, die von der Äb­tis­sin von Her­ford als Schul­zen ein­ge­setzt wa­ren. So er­hielt im Jah­re 1280 ein God­frid ge­nann­ter Mann das An­we­sen als Le­hen. Ge­gen­über die­ser Burg, auf dem lin­ken Ufer der Lip­pe, lag eine zwei­te Burg­an­la­ge, die eben­falls den Her­ren zu Stock­um ge­hör­te und spä­ter un­ter dem Na­men Burg Hu­gen­poth be­kannt wur­de.

Um 1300 folg­ten auf die Her­ren von Stock­um die Her­ren von Hö­vel, die ih­ren Stamm­sitz im Dorf Hö­vel hat­ten. Sie be­ka­men bei­de Bur­gen als Le­hen, dazu das Schul­zen­amt. Um das Jahr 1400 kam Hu­gen­poth an die Gra­fen von der Mark, wäh­rend Burg Stock­um mit al­len Rech­ten wei­ter­hin bei der Fa­mi­lie von Hö­vel blieb.

Die von Hö­vel nah­men kei­ne Rück­sicht auf die mär­kisch-mün­s­te­r­i­sche Gren­ze. Burg Stock­um, ihr Amts­hof und die Mas­se der Un­ter­hö­fe lag auf mün­s­te­r­i­schem Bo­den; die Burg­in­sel Stock­um mit der spä­te­ren Burg Hu­gen­poth be­fand sich hin­ge­gen un­ter mär­ki­scher Ober­ho­heit.

In den Ur­kun­den ge­nannt wird Lam­bert von Hö­vel, Schul­ze zu Stock­um, der 1307 oder 1357 (al­ter­na­ti­ve An­ga­ben) in der Nähe der Burg mit Ge­neh­mi­gung des Erz­bi­schofs von Köln eine Ka­pel­le er­rich­ten ließ. Ihm wur­de in die­sem Rah­men auf­er­legt, an den Hoch­fes­ten mit sei­ner Fa­mi­lie die Her­rin­ger Pfarr­kir­che zu be­su­chen. Im Jah­re 1375 stif­te­te Lam­bert von Hö­vel (mög­li­cher­wei­se ein an­de­rer) bei sei­nem Amts­hof auch der Stock­u­mer Be­völ­ke­rung eine Ka­pel­le. Dies­mal er­teil­te Müns­ter die Ge­neh­mi­gung, da der Amts­hof und der Ka­pel­len­grund im Be­reich der Pfar­rei Wer­ne la­gen.

Am 22. Juni 1429 wur­de ein Lam­bert von Hö­vel, Sohn Go­de­kes, von der Her­for­der Äb­tis­sin Met­te­le von Wal­de­cke mit Amt und Hof Stock­um be­lehnt. Mit Tei­lungs­ver­trag der Fa­mi­lie von Hö­vel bzgl. der Be­sit­zung in Stock­um ein­schließ­lich des Fi­sche­rei- und We­ge­rechts vom 7. Sep­tem­ber 1430 wur­de der Stock­u­mer Be­sitz un­ter ver­schie­de­nen Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf­ge­teilt:

Jo­han von Ho­vell, sel. Lam­berts Sohn, sei­ne Ehe­frau Jo­han­na, ihre Kin­der Be­rent, Bate, Ger­trudt und Jo­han­na, Richt­moeth von Hoevel, sel. God­de­kens Ehe­frau, und ihre Kin­der Lam­bert, Gert, Di­ede­rich, Jo­han, Ale­cke, Bate, Richt­moith und Go­de­cke sind sich ei­nig ge­wor­den und schlie­ßen nach Rat ih­rer Freun­de und Ma­gen fol­gen­den Tausch­ver­trag (wes­se­lung und buit­zung­he): Die Ehe­leu­te Jo­han und Jo­han­na von Ho­vel und ihre Kin­der sol­len be­hal­ten den Vo­cken­win­kel mit dem al­ten Gra­ben bei des Ho­ve­ners Stück, von der neu­en Lip­pe die Oe­st­mer und die Fi­sche­rei auf dem Vor­mer­sche, fer­ner die Fi­sche­rei von der neu­en Lip­pe an, die Lip­pe her­un­ter bis an den Aus­gang ih­res Was­sers, Aus­gang und Ein­gang. Es soll Jo­han von Ho­vell den Weg mit dem Boit­we­ge, wie die al­ten dies­be­züg­li­chen Schieds­brie­fe aus­wei­sen, be­hal­ten. Auch soll Jo­han von Ho­vell ei­nen Weg im neu­en Kam­pe an­le­gen bis in den Burg­weg aus der Be­cke. Den Weg sol­len sie (näm­lich Richt­moeth und ihre Kin­der) ihm hel­fen auf­wer­fen (hoig­hen). Den Weg sol­len bei­de zäu­nen, der eine auf der West­sei­te, der an­de­re auf der Ost­sei­te von der Lip­pe an bis in den Burg­weg. Da­ge­gen er­hal­ten Richt­moith von Ho­vell und ihre Kin­der Jo­hans Platz zu Sto­ckem, wie er in sei­nen Teil ge­fal­len war, so­wie die Fi­sche­rei und die Grä­ben bis in die neue Lip­pe aus­weis­lich der al­ten Schieds­brie­fe bis auf die Be­cke, die durch sei­nen Kamp geht bis in den Burg­weg. Es soll Jo­han von Ho­vell den Platz von dem Ge­bäu­de (tim­mer) bis Mi­chae­lis im nächs­ten Jah­re räu­men (le­dig­hen). Auch sol­len Richt­moith und ihre Kin­der eine He­cke bis in Jo­hans Kamp „in den orde der wi­sche“ des Ho­fes zu Sto­ckem aus dem Ha­ver­kamp ha­ben. Fer­ner sol­len sie, die den an­de­ren Teil des Hau­ses zu Sto­ckem be­hal­ten, ei­nen Weg zum Fah­ren und Rei­ten über Jo­hans Brü­cke über die Lip­pe in das Land von der Mark ha­ben. Sie sol­len auch die Fi­sche­rei von Jo­hans Gra­ben an rechts über dem Mersch von dem Vo­cken­win­kel und der Spi­cke an dem Vor­mersch der Lip­pe auf dem Aus­gang und Ein­gang ha­ben. Sie sol­len be­hal­ten die Lip­pe bis an den Strom. Sie sol­len fer­ner ha­ben ein Schiff von Jo­hans Was­ser­teil über den Vor­mersch zu dem Ost­mersch. Sie schwö­ren ei­nen Burg­frie­den und ge­lo­ben, an den ge­nann­ten Punk­ten fest­zu­hal­ten, wo­bei Jo­han und Lam­bert von Ho­vell mit auf­ge­rich­te­ten Fin­gern und ge­staf­fel­ten Ei­des zu den Hei­li­gen schwö­ren.

Aus­stel­ler / Emp­fän­ger / Sieg­ler: An­ge­kün­dig­te Sieg­ler: Jo­han von Ho­vell zu­gleich für sei­ne Frau Jo­han­na und ihre Kin­der, Lam­bert von Ho­vell zu­gleich für sei­ne Mut­ter Richt­moith und sei­ne Ge­schwis­ter, fer­ner ihre Freun­de und Ma­gen Jo­han von Ho­vell zu Sol­de, Jo­han Kloeth zu Nor­tel­len, Her­man von Her­be­ren, Co­erth Sta­ell und Her­man von Neim ge­nannt der Du­i­scher.“

Am 1. Ok­to­ber 1443 er­folg­te wie­der­um eine Be­leh­nung Lam­bert von Ho­v­eles, Go­de­kens Sohn, durch Mar­ga­re­te von Gly­chen, Äb­tis­sin von Her­ford. Durch die glei­che Äb­tis­sin wur­de am 14. Juni 1453 Gert von Hö­vel, Sohn Go­den­kens, mit dem Hof zu Stock­um be­lehnt.

Eine auf den 1. Au­gust 1463 da­tie­ren­de Ur­kun­de ent­hält eine Be­stä­ti­gung ei­nes Schuld­brie­fes auf das Haus Stock­um durch Jo­han Her­zog von Cle­ve und Graf von der Mark für Coirt von der Lai­ghe:

Jo­han Her­zog von Cle­ve und Graf von der Mark be­kun­det, daß Coirt von der Lai­ghe und sei­ne Ehe­frau … Brie­fe ge­habt ha­ben, die mit 1000 rhein. Gul­den auf das Haus zu Sto­chem op der Lip­pe lau­ten. Die­se (?) Gel­der habe der ver­stor­be­ne Gerart von Cle­ve von („we­der dem“) Coirt und sei­ner Frau für 500 rhein. Gul­den ge­kauft („ge­kocht“) … … rhein. Gul­den … … und die an­de­ren 250 rhein. Gul­den an sei­nem, Gerarts, Ster­be­tag noch un­be­zahlt wa­ren, wo­für Coirt und sei­ne Frau …, die dann De­rick von Hoevel ih­ret­we­gen und mit sei­ner, des Her­zogs, Ein­wil­li­gung als Nach­fol­ger sei­nes Oheims Gerart an Coirt be­zahlt und ihn da­mit hin­sicht­lich der un­be­zahl­ten 250 Gul­den zu­frie­den ge­stellt hat. Er, der Her­zog, habe nun De­rick von Hoevel für die 250 Gul­den das Haus zu Sto­chem samt Zu­be­hör und al­len Rech­ten, wie sie sein Oheim mit dem Kauf dar­an er­hal­ten und ge­habt hat, amts­wei­se an­be­foh­len und über­tra­gen zu sei­nem und sei­ner Nach­kom­men, der Gra­fen von der Mark, Be­huf und Bes­ten. Auch dür­fe er ge­treu nach ge­leis­te­ter Hul­di­gung und Eid so lan­ge un­ge­stört auf dem Hau­se sit­zen, bis er, der Her­zog, und sei­ne Nach­kom­men die 250 Gul­den be­zahlt hät­ten. Wäh­rend die­ser Zeit sol­len De­rick von Hoevel und sei­ne Er­ben das Haus auf ihre Kos­ten „in re­deli­cken gere­ke ind noet­bu­we“ hal­ten. Der Her­zog, sei­ne Nach­fol­ger und die Sei­nen sol­len sich in die­ser Zeit, da es doch ihr Of­fen­haus sei, al­le­zeit „dai­raff ind op be­hel­pen myt ve­den ind an­ders tege al­re­malck“. Die Er­ben und Be­sitz­nach­fol­ger De­ricks sol­len in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach dem Erb­fall dem Her­zog und sei­nen Nach­fol­gern die glei­chen Ge­löb­nis­se und Treu­ei­de leis­ten, wie es De­rick ge­tan hat „in vur­wer­den ind mai­ten vurß“, auch ihre dar­auf lau­ten­den be­sie­gel­ten Brie­fe in ge­zie­hem­der Form über­ge­ben. Fer­ner wird hier­bei aus­ge­macht, daß De­rick von Hoevel und sein Bru­der Jo­han von Sto­chem, die bei­de mei­nen, „ge­breck an“ ihn, den Her­zog, we­gen Ver­lust von Pfer­den zu ha­ben, kei­ne For­de­rung durch De­rick stel­len las­sen, so lan­ge nicht ih­nen das Haus so, wie ge­sagt, ab­ge­löst wird, das ih­nen doch we­der für ihre ver­meint­li­che For­de­rung noch ei­nen an­de­ren „ops­lach“ als al­lein für die 250 Gul­den ver­bun­den sein soll, bis die Löse ge­schieht und dem Her­zog und sei­nen Nach­kom­men das Haus dann wie­der ge­hört. Wenn De­rick von Hö­vel oder sei­ne Er­ben dem Her­zog oder sei­nen Nach­kom­men 750 Gul­den wie­der­gibt, dann soll der Her­zog des Gel­des und der Rech­te, die er mit dem Kauf von Coirt von der Lai­ghe und sei­ner Frau er­wor­ben hat, ent­rech­tet sein zu Be­huf De­ricks von Hoevel. Gleich­wohl soll dann das Haus Sto­ckem für den Her­zog und sei­ne Nach­kom­men, die Gra­fen von der Mark, ein Of­fen­haus sein und blei­ben.“Sieg­ler: Der Her­zog.

Gert von Hö­vel hat­te zwei Söh­ne, ei­nen wei­te­ren Gert (Gerd Kra­ke­rug­ge) und ei­nen Gö­de­ke (Gö­de­cke, Go­dert) von Hö­vel. Mit Ur­kun­de vom 16. Ok­to­ber 1482 wur­de Gert von Hö­vel durch Anna von Ho­nolt­s­teyn, Äb­tis­sin Her­fords, mit Amt und Hof zu Stock­um be­lehnt. 1490 kam es erst­mals zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den Brü­dern und der Äb­tis­sin, wie eine Ur­kun­de vom 26. Juni 1490 zeigt:

Ti­tel: Gü­ter­ver­gleich zwi­schen der Äb­tis­sin des Stifts zu Her­ford und den Brü­dern Go­de­ke und Gert von Ho­ve­le

Die eine Zeit­lang be­stan­de­nen „gebre­ke, twyst und twyng­he“ zwi­schen Anna von Hon­nolt­s­teyn, Äb­tis­sin des frei­ed­len welt­li­chen Stifts zu Her­ford, ei­ner­seits und den Brü­dern Go­de­ke und Gert von Ho­ve­le an­de­rer­seits we­gen des Amts­ho­fes und des Am­tes zu Sto­ckem wer­den von Herrn Her­man von Lan­gen, Propst zu St. Mau­ri­ti­us, Berndt von Lyn­tell, Her­man von Lan­gen dem Jun­gen, Go­derd von Ho­ve­le, Baul­de­wyn von Kney­hem, Wil­hem Sta­el, Meis­ter, Hin­rik Vo­get, Dom­herrn zu Müns­ter, San­der Mor­ri­en und Lam­bert Bel­holt durch Gü­te­ver­hand­lung im fol­gen­den Ver­gleich bei­ge­legt: Zu­erst soll die Äb­tis­sin Gert von Ho­ve­le be­leh­nen mit dem Amt zu Sto­ckem und sei­nem al­ten und neu­en Zu­be­hör. Da Ge­bre­chen ge­we­sen sind um die Ab­ga­be der Schwei­ne und des Korns al­lein der Wein­fuhr hal­ber, die die Amts­hö­ri­gen ih­rem Amt jähr­lich zu leis­ten ver­pflich­tet sind – die Schwei­ne und das Korn sind seit dem („se­der“) Tode Gerds von Ho­ve­le bei den Amts­hö­ri­gen un­ge­b­ort und vor­ble­ven“ -, soll Gert von Ho­ve­le die bis­her nicht ab­ge­lie­fer­ten Schwei­ne und dazu das Korn ein­neh­men und von den Amts­hö­ri­gen an­mah­nen, je­doch so, daß sie des­halb „un­vordor­ven“ blei­ben. Da­für soll Gert sei­ner gnä­di­gen Frau von Stund an 20 ober­länd. rhein. Gul­den be­zah­len. Da­mit Gert in Zu­kunft bei der An­mah­nung der Schwei­ne und des Korns von den Amts­hö­ri­gen „gu­der­teir­ly­ken er­kant“ wird, und die Äb­tis­sin ihm dank­bar er­scheint, er­laubt sie ihm kraft die­ses Brie­fes, daß er Zeit sei­nes Le­bens, „so lan­ge he ly­vet und le­vet“, die Schwei­ne und das Korn, die die Äb­tis­sin und ihr Stift von den Amts­hö­ri­gen ein­ge­nom­men hat und die­sel­ben jähr­lich zu ge­ben ver­pflich­tet sind, zur Hälf­te für sei­ne treue Ar­beit „heb­ben und bo­ren“ soll. Den an­de­ren Teil der Schwei­ne und des Korns soll er für die Äb­tis­sin an­mah­nen und ohne jeg­li­che „be­s­pe­rin­ge eder byspra­ke“ ein­neh­men las­sen. Da der Amts­hof zu Sto­ckem, den die von Ho­ve­le un­ter „erer plo­ech“ ha­ben und Gerts Va­ter von der Äb­tis­sin Mar­ga­re­te von Ge­li­chen 20 Jah­re lang laut ei­nes of­fe­nen be­sie­gel­ten Brie­fes zu be­wirt­schaf­ten be­wil­ligt wor­den war, nicht mit Be­schlag be­legt ist, die 20 Jah­re aber „vor­lo­pen und vor­le­den“ sind, er­laubt die Äb­tis­sin kraft die­ses Brie­fes, daß Gert den Amts­hof noch acht Jah­re lang nach ih­rem Wil­len nutzt und ge­braucht, je­doch vor­be­halt­lich der Jahr­spacht der Äb­tis­sin. Über die Höhe der Pacht sol­len sich je zwei Freun­de der Äb­tis­sin und Gerts von Ho­ve­le ei­ni­gen, der dann für die­se Zeit die fest­ge­setz­te Pacht be­zahlt. Hier­bei wird den von Ho­ve­le be­schie­den, zu ver­fü­gen, daß das zum Amts­hof und den Gü­tern ge­hö­ri­ge Ge­hölz „un­vor­hou­wen und un­vor­woe­s­tet“ bleibt, wenn zum Haus­bau und zur Aus­bes­se­rung von Flöß- und Fisch- Weh­ren Holz ge­hau­en wird. Nach Ver­lauf der acht Jah­re möge die Äb­tis­sin den Amts­hof zu Sto­ckem mit den Amts­hö­ri­gen des Am­tes be­set­zen, wenn nicht Gert von Ho­ve­le bis da­hin sich mit der Äb­tis­sin ei­ni­gen konn­te, so daß ihm Gna­de und Recht wi­der­fährt, „so dat olt­se­de­lich ge­west ys“. Auch soll und will sie Gert von Ho­ve­le bei dem Amt zu Stock­um be­hal­ten, je­doch un­ter der Be­din­gung, daß sich auch Ho­ve­le be­müht, sie wie­der „by mallick­an­de­ren“ zu brin­gen. Auch soll Ho­ve­le das in das Amt ge­hö­ren­de Gut nicht ver­set­zen, ver­kau­fen oder in eine an­de­re Hand brin­gen ohne Er­laub­nis der Äb­tis­sin. Sie soll und will auch zwei von ih­ren Freun­den im nächst­kom­men­den „mydwyn­ter“ nach Sto­ckem schi­cken, nach­dem Ho­ve­le vor­her von ihr be­nach­rich­tigt wor­den ist. Dann soll auch er zwei neh­men. Die­se Vier sol­len et­li­che amts­hö­ri­ge Er­ben be­sich­ti­gen und be­gut­ach­ten (dor seyn und over weg­hen), wor­über bei­de Par­tei­en un­ter­rich­tet wer­den, und hin­sicht­lich der Ab­ga­be von Schwei­nen aus den Er­ben eine Über­ein­kunft tref­fen. Sieg­ler: die Äb­tis­sin, Gert von Ho­ve­le und auf des­sen Bit­te die De­din­ges­leu­te Propst Her­man von Lan­gen, Bernd von Lyn­tell, Her­man von Lan­gen der Jun­ge und Lam­bert Bel­holt. – Hin­rich Vogt von Els­pe, Dom­herr zu Müns­ter, be­kun­det als De­din­ges­mann ei­gen­hän­dig, daß vor­ge­nann­ter Ver­gleich mit Wil­len bei­der Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­men ist.Aus­stel­ler / Emp­fän­ger / Sieg­ler: Siegler/in: Die Äb­tis­sin, Gert von Ho­ve­le und auf des­sen Bit­te die De­din­ges­leu­te Propst Her­man von Lan­gen, Bernd von Lyn­tell, Her­man von Lan­gen der Jun­ge und Lam­bert Bel­holt. – Hin­rich Vogt von Els­pe, Dom­herr zu Müns­ter, be­kun­det als De­din­ges­mann ei­gen­hän­dig, daß vor­ge­nann­ter Ver­gleich mit Wil­len bei­der Par­tei­en zu­stan­de ge­kom­men ist.“

Am 14. Au­gust 1490 wur­de Gerdt von Hö­vel er­neut mit Amt und Hof zu Stock­um be­lehnt, dies­mal durch Äb­tis­sin Anna von Ho­nul­stein, und dann noch­mals durch Bo­nezeth von Iym­borch am 22. Sep­tem­ber 1494.

Schließ­lich wur­den die Brü­der we­gen Felo­nie (Treue­bruch ge­gen den Lehns­her­ren) des Le­hens für ver­lus­tig er­klärt. Vom 31. Mai 1496 exis­tiert dazu ein Richt­spruch des Lehns­ta­ges:

Her­man­nus Pre­ckel, ge­schwo­re­ner Rich­ter der Edel­frau Bo­nezeth von Lym­borch, Äb­tis­sin des frei­e­de­len und welt­li­chen Stifts zu Her­ford, er­klärt, dass vor ihm an ei­nem ech­ten, rech­ten, ver­schrie­be­nen, ver­pflich­te­ten Lehn­ta­ge und Ge­richt „in den sa­dell der Eb­di­ge“ und in Ge­gen­wart der Äb­tis­sin der ehr­sa­me Meis­ter Hin­rich Sorp, Amt­mann etc. ge­kom­men ist. Er, der Rich­ter, habe dann „vor­stel­len“ las­sen, dass sei­ne gnä­di­ge Frau manch­mal durch Send­bo­ten und Die­ner die Brü­der und Knap­pen Go­de­ke und Gerdt von Ho­vel habe „ma­nen, ute­ren und eisschen“ las­sen we­gen ih­rer Zin­sen, Schul­den und Päch­te, die sie der Äb­tis­sin vom Amt zu Sto­chem so­wie von an­de­ren der Äb­tis­sin ge­hö­ren­den, aber lan­ge ver­setz­ten Er­ben und Gü­tern zu ent­rich­ten ver­pflich­tet sei­en. Da­mit wä­ren sie un­ge­hor­sam ge­wor­den. So sei die­ser Ge­richts­tag für die Brü­der von Ho­vel nach Lehns­recht mit an­de­ren Stifts­man­nen, die auch an­we­send sei­en, zur Gü­te­ver­hand­lung von ihm, dem Rich­ter, im Ein­ver­ständ­nis mit der Äb­tis­sin an­be­raumt wor­den, um ihr für den er­lit­te­nen Scha­den das Ihre zu ge­ben und auch die bei­den Brü­der we­gen des Un­ge­hor­sams und lan­gen Bit­tens zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Er habe sie im Ver­lauf der ihm zu­ste­hen­den Rech­te in Ge­gen­wart der Äb­tis­sin, ih­rer ge­schwo­re­nen Räte und Stifts­man­nen, „dar vor­bo­det und vor­gad­dert“, drei­mal „gheey­schet“. Da we­der sie noch ein Be­voll­mäch­tig­ter von ih­nen er­schie­nen sei­en trotz La­dung und Ge­bo­te der Äb­tis­sin durch ihre Send­bo­ten, Die­ner und man­nig­fal­ti­ge Schrei­ben, aber al­les nutz­los sei, wer­de von ihm, dem Rich­ter, Ur­teil und Recht ver­langt, „dat erer gna­de full und recht (ge)sche und den van Ho­vel neyn un­recht“. Dar­auf sei von den ge­schwo­re­nen Rä­ten und Stifts­man­nen für Recht er­kannt wor­den, dass, so die von Ho­vel aus­blei­ben, „mydt vors­mele­kyng­he der bo­den und ge­rich­te nycht ock be­ta­len“, die Äb­tis­sin nach Lehns­recht sie von den­sel­ben Gü­tern ent­set­zen und an­de­re, die ihr jähr­lich das Ihre da­von ge­ben, da­mit be­leh­nen und das Amt zu Sto­chem mit den an­de­ren Er­ben und Gü­tern und ih­rem Zu­be­hör nach des Lehns­rechts Recht, Sit­te und Ge­wohn­heit der Ab­tei zu Her­ford in an­de­re Hän­de ge­ben möge. Zeu­gen: die ge­schwo­re­nen Stifts­man­nen und Ding­pflich­ti­gen, dar­un­ter Wes­sel Ha­nen­bo­em und Jo­han Scef­fer.”Sieg­ler: Der Rich­ter und die ge­nann­ten Stifts­man­nen.

Gert de Hü­ve­le bau­te dar­auf­hin Burg Be­cke­dorf in der Nähe Asche­berg-Her­berns und er­klär­te sie zu sei­nem Wohn­sitz, nach dem er sich auch be­nann­te (Gert de Hü­ve­le auf Burg Be­cke­dorf). Auf in­stän­di­ges Bit­ten wur­de Gert de Hü­ve­le am 24. Sep­tem­ber 1505 wie­der mit Haus Stock­um be­lehnt, wäh­rend Gö­de­ke von Hö­vel aus­ge­schlos­sen blieb. Dar­auf­hin ent­brann­te ein Streit zwi­schen Gert und Gö­de­ke, der Haus Stock­um als Al­lod ver­lang­te. Der Streit um Haus Hö­vel en­de­te am 24. April 1509 mit ei­nem Ver­gleich zwi­schen den Brü­dern, der Gert Haus Stock­um dau­er­haft zu­sprach, wäh­rend Gö­de­ke der Be­sitz zu­ge­spro­chen wur­de, in dem er zu die­ser Zeit wohn­te.

Mit Hil­fe der wür­di­gen Herrn Godtfri­dus von Ho­vell und Her­man von „Ho­vell“ – muß hei­ßen: „Hor­de“ -, Dom­herrn der Kir­che zu Müns­ter, Evert von Mer­vel­de und Her­man von Asche­berg kommt es zu ei­nem Ver­gleich zwi­schen Go­de­ke von Ho­vell und sei­ner Frau ei­ner­seits und Gert von Ho­vell an­de­rer­seits hin­sicht­lich al­ler Strei­tig­kei­ten um die vä­ter­li­chen und müt­ter­li­chen Erb­gü­ter, Zah­lung ei­ni­ger Ren­ten und Ver­kauf et­li­cher Gü­ter von ih­rem Va­ter oder ih­ren Vor­fah­ren.

Go­de­ke von Ho­vell und sei­ne Ehe­frau sol­len zu ei­ge­nem Be­huf be­hal­ten das Haus und den Hof mit sei­nen Wäl­len und Fi­sche­rei­en, das er zur Zeit be­wohnt, den Kuh­kamp von der Müh­le an bis auf den Weg des al­ten Plat­zes nach sei­nem Haus im Burg­gar­ten, fer­ner den Gar­ten vor sei­nem Hau­se. Dazu soll er noch die Müh­le zu Stock­um er­hal­ten und alle bis jetzt ver­schrie­be­nen Ren­ten be­zah­len ohne Scha­den Gerts von Ho­vell. Wenn der­sel­be die Müh­le zur Hälf­te wie­der­ha­ben will, soll er die Hälf­te jähr­lich zu Mar­ti­ni mit 400 ober­länd. rhein. Gold­gul­den ein­lö­sen und die Hälf­te der bis jetzt ver­schrie­be­nen Ren­te über­neh­men. Hät­te aber Go­de­ke et­was ein­ge­löst, dann soll er ihm die Hälf­te da­von zu­rück­ge­ben, ehe der Wie­der­kauf ge­schieht. Weil die Küs­ter zu Kap­pen­berg in die Müh­le ver­schrie­ben sind mit 2 ½ Gul­den für 50 Gul­den von Gert al­lein, soll Gert auch ohne Scha­den Go­de­kens die jähr­li­che Ren­te da­von auch be­zah­len. Au­ßer­dem soll Go­de­ke die Käm­pe, die Knip­ping be­saß, und alle An­sprü­che an dem Brug­gen­hof zu sei­nem und sei­ner Er­ben Nut­zen und „or­bar“ be­hal­ten.

Da­ge­gen soll Gert den An­spruch auf das Haus zu Stock­um und den al­ten Platz mit den Wäl­len und Grä­ben ha­ben. Be­en­di­ge Gert die An­ge­le­gen­heit hin­sicht­lich des Hau­ses auch nicht in sechs Jah­ren, dann soll dies‘ Sa­che bei­der Er­ben sein. Auch soll Go­de­ke ohne Scha­den Gerts sei­ne zwei Schwes­tern ab­fin­den. Go­de­ke und Gert sol­len vier Freun­de neh­men, die ih­nen bei der bis Na­ti­vi­ta­tis Jo­han­nis Bap­tistae (24. Juni) durch­ge­führ­ten Tei­lung der Gü­ter und Schul­den zur Sei­te ste­hen und die Tei­lung mit Brief und Sie­gel be­kräf­ti­gen. Wer von ih­nen die­sen Ver­trag bricht, soll dem an­de­ren „recht­li­cher schult ver­fal­len sein“ und un­ver­züg­lich 500 rhein. Gul­den be­zah­len. Der dop­pelt aus­ge­fer­tig­te Ver­gleich wird für jede Par­tei in zwei gleich­lau­ten­de Tei­le durch die Buch­sta­ben A, B, C, D aus­ein­an­der­ge­schnit­ten. Zeu­gen: Herr Berndt Strei­holt, Vi­kar zu Wer­ne, und Meis­ter Hend­rich Se­veker, No­tar des Ho­fes.”Ge­schrie­ben und un­ter­schrie­ben von dem No­tar Jo­han­nes Lo­cke.

Am 5. April 1516 wur­de Gert er­neut durch Bo­nezeth von Lym­borch (Lim­burg) mit dem Amt Stock­um be­lehnt. Der Streit um die üb­ri­gen vä­ter­li­chen und müt­ter­li­chen Gü­ter zog sich noch bis zum Tod Gö­de­ke von Hö­vels im Jah­re 1519 hin. Erst am 6. März 1520 kam es zu ei­nem Ver­gleich zwi­schen Gert und Go­derts Wit­we, durch den eine ab­schlie­ßen­de Re­ge­lung ge­trof­fen wer­den konn­te.

Gert von Hö­vel und sei­ne Frau Fie stell­ten 1527 Eber­win Dros­te zu Müns­ter die Gü­ter zu Be­cke­dorf, Wes­sel und Stock­um für eine An­lei­he von 250 Gold­gul­den zum Pfan­de. Am 11. No­vem­ber 1534 wie­der­um ver­pfän­de­te Anna von Lym­borch, Äb­tis­sin des frei­e­de­len welt­li­chen Stifts Her­ford, alle ihre und ih­res Stifts Pflicht, Pacht und Schuld ih­res Amts­ho­fes zu Stock­hem mit al­lem Zu­be­hör im Stift von Müns­ter und Kirch­spiel zu Wer­ne, den Gerdt von Ho­vell und sein Bru­der Go­de­ke „all­re­de“ für 100 Gul­den von ih­rer Vor­gän­ge­rin Bo­ne­zet von Lym­borch in Pfand­schaft emp­fan­gen hat­ten, für 50 voll­wich­ti­ge rhein an Gerdt von Ho­vell. Von Gerts Söh­nen erb­te nicht Jo­hann, son­dern Berndt von Hö­vel am 14. Juli 1540 die Be­sit­zun­gen des ver­stor­be­nen Va­ters. Nach Spor­ma­cher starb er be­reits we­ni­ge Jah­re spä­ter:

Bernt von Hö­vel to Bi­cken­torp ist 1546 to Her­bern tor sell­schopp mit an­de­ren Junk­hern ge­we­sen in der ta­vern (Wirths­haus), und als he dar avendts to huis ry­den wol­de, is syn pert met eme gelo­pen up den Ren­ne­bom vor syn her­te; stor­te von dem per­de, umd bleiv hastlick doit sun­der ei­ni­ge spra­ke; word to Wer­ne be­gra­ben ben­es­sen den Kerk­hoff up Gu­dens­dag avends na Pinx­ten, und wort dar­na ober dre mants ty­des up den Kerk­hoff be­gra­ben.“

Die Wit­we Go­de­kes von Hö­vel ver­such­te dar­auf­hin zu­guns­ten ih­rer Töch­ter, die mit Hel­mich Kes­sel bzw. Hen­rich Wre­de ver­hei­ra­tet wa­ren, ge­gen die Wit­we By­lie des Berndt von Hö­vel und de­ren un­mün­di­ge Kin­der An­sprü­che auf die hälf­ti­ge Nut­zung von Amt und Lehns­gü­ter zu Stock­um durch­zu­set­zen. Die Äb­tis­sin von Her­ford ließ sich dar­auf je­doch nicht ein und be­lehn­te statt­des­sen die un­mün­di­gen Kin­der Berndts mit den Stock­u­mer Gü­tern, zu­nächst ver­wal­tet durch Jo­han von Lan­gen zu Koebinck.

1558 be­lehn­te die Her­for­der Äb­tis­sin Anna zu Lim­burg das Schul­ten­amt zu Hof Stock­um an Hei­den­rich von Aschen­bergh zu By­inck. Da der Hof bis­lang an die von Hö­vel be­lehnt war, soll­te die­ser für die Los­lö­sung eine Aus­gleichs­sum­me an die von Hö­vel zah­len. Die­se lehn­ten ab und ver­wüs­te­ten im Ge­gen­zug den Amts­hof. Der neue Schult­heiß ver­folg­te dar­auf­hin eine har­te Li­nie, ver­tei­dig­te den Amts­hof ge­gen wei­te­re Über­grif­fe, setz­te sich für die In­stand­set­zung Her­for­der Gü­ter ein, um die sich die von Hö­vel nicht ge­küm­mert hat­ten, und ließ säu­mi­ge Schuld­ner pfän­den. Am 10. De­zem­ber be­an­trag­te er die Ein­rich­tung ei­nes Ge­fäng­nis­ses für Wi­der­spens­ti­ge.

Am 26. März 1566 er­hielt Jo­hann von Brug­ge­ney, ge­nannt Ha­sen­kamp, von Mar­ga­re­the Grä­fin und Edel­fräu­lein zur Lip­pe, Äb­tis­sin des frei­e­de­len welt­li­chen Stifts Her­ford, das ge­sam­te Amt zu Sto­ckem mit dem Amts­hof, Er­ben und Gü­tern so­wie al­lem Zu­be­hör zu Lehn. Jo­hann von Brüg­gen­ei (von Has­sen­kamp) war mit Wal­bur­ga ver­hei­ra­tet, Toch­ter des Gö­de­ke von Hö­vel. Am 5. März 1567 schlos­sen Berndt und Jo­hann, die Kin­der des ver­stor­be­nen Bern­hard von Hö­vel, ei­nen Ver­gleich, in dem die vä­ter­li­chen Gü­ter auf­ge­teilt wur­den; Be­cke­dorf ging da­bei an Jo­hann.

1571 er­klär­te

Mar­ga­re­ta Grä­fin zu der Lip­pe, Äb­tis­sin der frei­e­de­len und welt­li­chen Stif­te Her­ford und Fre­cken­horst, dass zur Zeit ih­rer Vor­gän­ge­rin Anna Grä­fin zu Lym­borch, Toch­ter zu Styrum, zwi­schen Hei­den­rich von Asche­berg (+) zu Big­ginch ei­ner­seits und den Er­ben des Bern­hardt von Hoevel zu Be­cken­dorf an­de­rer­seits wie auch Jo­han Ha­sen­kamp we­gen sei­ner Frau drit­ter­seits lan­ge Zeit Streit be­stan­den habe um ih­res Stifts Her­ford Amt, Ge­richt und Gü­ter zu Stock­um. Mit Hil­fe ih­res Fürs­ten Jo­han­nes, Bi­schof zu Müns­ter und Ad­mi­nis­tra­tor der Stif­te Os­na­brück und Pa­der­born, habe sie sich mit den Par­tei­en in be­sie­gel­ten Re­zes­sen völ­lig ver­tra­gen.

Sie be­lehnt da­her Berndt von Hoevel, se­li­gen Berndts Sohn, zu Mit­be­huf Jo­han Ha­sen­kamps we­gen sei­ner Frau mit dem ge­sam­ten Amt zu Stock­um, mit dem Ge­richt da­selbst und den zu­ge­hö­ri­gen Gü­tern und Kot­ten so­wie mit al­lem Zu­be­hör im Stift Müns­ter, in der Graf­schaft von der Markk und im Vest von Reck­ling­hau­sen, je­doch mit Aus­nah­me des West­hau­ses und Ti­dem­ans Erbe, wo­mit sie laut ge­nann­ter Re­zes­se Jo­hann von Asche­berch be­lehnt habe. Berndt von Hoevel habe ihr ge­hul­digt und ge­schwo­ren, wie es ein Lehn­mann sei­nem Herrn schul­dig ist. Nach sei­nem Tode soll ihr das Lehn ver­her­we­det wer­den und da­nach Hoevels Er­ben für sich und für Ha­sen­kamps Er­ben, die von sei­ner jet­zi­gen Frau ge­bo­ren sind, da­mit be­lehnt wer­den. Dem Stift Her­ford sol­len aber Hoevel und Ha­sen­kamp ver­mö­ge sei­ner Pacht­bü­cher und Pacht­re­gis­ter die jähr­li­chen Päch­te an Geld, Korn und Schwei­nen aus den Hö­fen, Er­ben, Kot­ten und Gü­tern ent­rich­ten mit Aus­nah­me der Päch­te der Kot­ten, die laut Ver­trag Hoevel und Ha­sen­kamp zu ih­ren Leb­zei­ten mit ih­rer, der Äb­tis­sin, Ge­neh­mi­gung ein­be­hal­ten dür­fen. “

Am 1. Ok­to­ber 1571 hei­ra­te­te Berndt von Hö­vel die Ger­lich von Raes­feldh zu Ha­me­ren. In der Fol­ge­zeit wur­de Jo­hann von Brüg­gen­ei vom Kai­ser ent­setzt. Den­noch woll­te er auf sei­ne Gü­ter nicht ver­zich­ten. Am 30. No­vem­ber 1577 lief Berndt de Hü­ve­le mit 76 Män­nern bei den Päch­tern auf und pfän­de­te die Pacht. Jo­hann Has­sen­kamp ließ sich dies nicht ge­fal­len. Die dar­aus re­sul­tie­ren­de Feh­de führ­te dazu, dass ein Stall­knecht von Has­sen­kamp den Bernd de Hü­ve­le mit ei­ner Büch­se er­schoss, die mit zwei Ku­geln und mit ge­trock­ne­ten Speck­stück­chen ge­la­den war.

In ei­ner Ur­kun­de vom 30. April 1578 heißt es dazu:

Vor dem päpst­li­chen und kai­ser­li­chen, auch am kai­ser­li­chen Kam­mer­ge­richt zu Spey­er im­ma­tri­ku­lier­ten und zu­ge­las­se­nen No­tar des Müns­ter­schen Bis­tums, Jo­han­nes Alt­he­na, tra­gen Ar­nold von Rais­feldt und Hen­rich von der Marck vor, dass am 29. No­vem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res 1577 Bern­hardt von Ho­vell zu Be­cken­dorf durch et­li­che Die­ner Jo­han Ha­sen­kamps, die, wie sie sag­ten, von Ha­sen­kamps Haus „mit ge­wer­ter handt“ ge­kom­men sei­en, er­schos­sen wor­den sei. Jo­han Ha­sen­kamp habe „wi­der al­len grunt der war­heit“ in ei­nem am 1. Dez. 1577 her­aus­ge­gan­ge­nen Schrei­ben an die Re­gie­rung die­ses Stifts ge­mel­det, Ho­vell habe auf Ha­sen­kamps Die­ner Cas­par Adams mit ei­ner in der Hand ge­hal­te­nen Büch­se zu­erst los­ge­drückt, das Pul­ver sei zwar auf der Pfan­ne an­ge­gan­gen, aber wohl in­fol­ge Re­gen in der Nacht vor­her sei der Schuß nicht los­ge­gan­gen. Zu­letzt wol­le Cas­par Adams „mit ei­nem Rhu­der“ auf Ho­vell ge­schos­sen ha­ben, ob er ihn aber ge­trof­fen habe, sei ihm un­be­wusst. Durch den Schuß sei dann Ho­vells „Klopp­fer“ er­schreckt und durch des­sen un­mä­ßi­gen Sprung wäre wohl Ho­vell ab­ge­wor­fen wor­den und auf den Hals ge­stürzt. Zu die­ser un­wah­ren Dar­stel­lung hät­te die Freund­schaft Ho­vells mit gu­tem Grund in ei­nem Schrei­ben un­ter dem 13. Febr. die­ses Jah­res an die Her­ren der Re­gie­rung Stel­lung ge­nom­men und um wei­tern wahr­haf­ten Be­richt ge­be­ten, da­mit die un­leug­ba­re Wahr­heit und das ge­rech­te „Wi­der­spiel“ zu Ha­sen­kamps „auf­ger­auf­ten“ An­ga­ben an den Tag kom­men möge. Die Her­ren der Re­gie­rung soll­ten Ho­vells Büch­se, Klei­der und sonst al­les, was er zur Zeit sei­nes To­des ge­tra­gen und bei sich ge­habt habe, in Au­gen­schein neh­men. Da­durch kön­ne zur Ge­nü­ge be­zeugt wer­den, dass Ho­vell nicht den Hals ge­bro­chen habe, son­dern „mord­haitli­cher­wei­se“ durch „sul­li­chen schuiß vom le­ben zum tho­de ge­bracht“ und Ha­sen­kamps An­ga­ben wi­der die Wahr­heit ge­schrie­ben sei­en.

Weil sich nun die von der Freund­schaft Ho­vells ge­for­der­te Be­sich­ti­gung bis­her ver­zö­gert hat, ha­ben Raes­feldt und Marck die Klei­der und Büch­sen, wie sie nach ge­sche­he­ner Tat aus dem Kot und Dreck auf­ge­nom­men und Ho­vel aus­ge­zo­gen wor­den sind, in ei­nen „Kra­em­korf“ ein­ge­packt, her­ge­bracht und ihn, den No­tar, um ers­ten schrift­li­chen Be­fund „in spe­cie“ für ei­nen zu­künf­ti­gen Nach­weis er­sucht, wor­über er ih­nen ein oder mehr In­stru­men­te aus­fer­ti­gen möge.

Dem­zu­fol­ge ist ihm, dem No­tar, ein zu­ge­bun­de­ner Kram­korb ge­bracht wor­den, wor­in sich nach Öff­nung des­sel­ben be­fun­den ha­ben zwei ge­spann­te und ge­la­de­ne Feu­er­büch­sen mit auf­ge­schüt­te­tem Pul­ver, „da­von der eine Krae­nen auf­ge­satt und an bei­den buch­sen die vor­der­le­ge vur­ge­we­sen und mit dre­cke ganz be­su­delt“, dazu Ho­vells le­der­nen Wambs und „swar­te wandt Mut­ze“, ganz dre­ckig, wor­in am rech­ten Arm sich ein gro­ßes aus­ge­schos­se­nes und ver­brann­tes Loch be­fun­den, wor­aus zu er­se­hen ist, dass die­ses Loch durch ei­nen Schuß ent­stan­den ist, der „mit speck und nef­fen dem loet mit ha­gell ge­la­den we­sen, darn­ef­fen se­li­gen Ho­vells ge­stri­cket fo­derhembt, an welchs hemb­des rech­ter mou­wen ock ein groiß loch ge­schos­sen be­fun­den.“ Des­glei­chen ist sein Hemd um den Hals und um die Brust voll Blut be­fun­den wor­den, wor­aus man er­se­hen kann, dass Ho­vell schwer ver­wun­det ge­we­sen ist.

Zeu­gen: Bit­ter von Rais­feldt, Ka­no­ni­ker an St. Mau­ritz, Hen­rich von der Marck, die Brü­der Ar­noldt und Jo­han von Rais­feldt, Balt­ha­zar von Ame­lun­xen, Rent­meis­ter zur Wol­be­cke, An­t­ho­ni­us Hur­kamp und der Uhr­wer­ker Pe­ter von Ban­gelt.“

Die von Has­sen­kamp schei­nen da­nach noch eine Wei­le die Burg Stock­um be­wohnt zu ha­ben: Am 27. Juli 1579 be­lehn­te Fe­li­ci­tas Grä­fin von Eber­stein, Äb­tis­sin des Her­for­der Stifts, Jo­hann von Brüg­gen­ei mit dem ge­sam­ten Amt zu Stock­um. Als die Fa­mi­lie de Hü­ve­le die vol­le Ge­richts­bar­keit wie­der an sich ge­ris­sen hat­te, ließ sie ei­nen Mann hin­rich­ten. Das Glei­che mach­ten die von Has­sen­kamps, die ei­nen Päch­ter der Herr­schaft hin­rich­ten lie­ßen. Aus dem Streit ent­stan­den ein Pro­zess und eine Feh­de, die fast 200 Jah­re lang an­dau­ern soll­ten.

1603 er­schie­nen die von Has­sen­kamps vor der Burg Stock­um und be­schos­sen sie mit an­nä­hernd 200 Schuss. Dar­auf­hin such­te die Fa­mi­lie de Hü­ve­le Schutz beim Bi­schof in Müns­ter. Die­ser ließ den von Has­sen­kamp we­gen meh­re­rer Mord­fäl­le nach Wa­ren­dorf ins Ge­fäng­nis brin­gen. Er wur­de aber kur­ze Zeit spä­ter ge­gen Kau­ti­on aus der Haft ent­las­sen.

Am 13. Juli 1604 be­lehn­te Fe­li­ci­tas Grä­fin zu Ever­stein, Äb­tis­sin der kai­ser­li­chen frei­e­de­len, welt­li­chen Stif­ter zu Her­ford und Es­sen und Pröps­tin zu Ver­den, Dom­herr Wes­sel von der Brug­gen­ei ge­nannt Ha­sen­kamp zu Stock­um mit dem Amt zu Stock­um. Am 13. Juli 1616 wech­sel­te das Amt dann un­ter der glei­chen Äb­tis­sin an Jo­han von der Brug­ge­ney, be­ur­kun­det durch den Be­voll­mäch­tig­ten Wer­ne­rus Schott­ler.

Vom 2. Sep­tem­ber 1611 da­tiert ein Ver­gleich zwi­schen Ger­lich von Ho­vell mit Pa­gen­ste­cker und an­de­ren Gläu­bi­gern um den Be­sitz von Haus Be­cke­dorf:

Nach jah­re­lan­ger Dis­kus­si­on der Be­cken­dorff­schen Gü­ter am geist­li­chen Of­fi­zi­alat­ge­richt zu Müns­ter und schließ­lich In­be­sitz­nah­me die­ser Gü­ter im Wege der Im­mis­si­on durch die Gläu­bi­ger vor über 30 Jah­ren wol­len die Wit­we Ger­lich von Hö­vell ge­bo­re­ne von Raes­feldt zu Be­cken­dorff, ihr Sohn Bit­ter von Ho­vell, Ka­no­ni­ker des Stifts Wimp­fen (am Ne­ckar), und ihre Toch­ter resp. Schwes­ter Pe­tro­nel­la von Ho­vell, Äb­tis­sin zu Bo­cholt, die­se Gü­ter aus den Hän­den der Gläu­bi­ger, ins­be­son­de­re des An­dras Pa­gen­ste­cker als des äl­tes­ten, wie­der an sich brin­gen, da­mit die Zin­sen nicht wei­ter an­schwel­len, kei­ne grö­ße­ren Schä­den und Nach­tei­le ent­ste­hen und vor al­lem die Gü­ter „wie­der­umb bei dem rech­ten Ge­blüt, Na­men und Stam­men de­ren von Ho­vell so viel müg­lich ge­bracht und die Be­hau­sung oder Sitz Be­cken­dorpf, wel­cher gantz und gar ba­w­fel­lich, tach­los und sons­ten die Gra­ben zu­ge­lan­det, auch wi­der­umb et­was in bes­se­ren esse ge­setzt und er­hal­ten“ wer­den.

Die Mut­ter von Ho­vell und ihre bei­den Kin­der be­voll­mäch­ti­gen da­her ihre Toch­ter und Schwes­ter Sy­bil­le von Ho­vell, Ka­no­nis­sin und Küs­ter­sche des Stifts Lan­gen­horst, sich mit Pa­gen­ste­cker wie auch an­de­ren Gläu­bi­gern in Gü­te­ver­hand­lung zu be­ge­ben, de­rer In­ter­es­se an sich zu brin­gen und die Hy­po­the­ken, die jene „virt­ute Im­mis­sio­nis oder sunst be­sit­zen, selbst, je­doch al­lein jure credi­to­ris“, zu über­neh­men, so­wie das ver­fal­le­ne Haus mög­lichst aus­zu­bes­sern und in­stand zu set­zen. Da­ge­gen ver­pflich­ten sich die Mut­ter und ihre bei­den Kin­der, dass Sy­bil­le die von den Gläu­bi­gern an sich ge­brach­ten Gü­ter nicht an sie über­ge­ben soll, be­vor sie nicht das aus­ge­leg­te Geld wirk­lich und völ­lig zu­rück­er­stat­tet, die in Rech­nung ge­stell­ten In­stand­set­zungs­kos­ten hin­sicht­lich des Sit­zes Be­cken­dorff und an­de­re not­wen­di­gen Un­kos­ten be­zahlt und Sy­bil­le für ihre Mühe und Ar­beit „Ver­eh­rung und Er­stat­tungh ge­than“ hät­ten, wozu ihr aus der Re­gis­tra­tur Sie­gel­brie­fe, Quit­tun­gen, Ver­trä­ge, Re­zes­se und dgl. m., die sie bei ih­ren Ver­hand­lun­gen mit den Gläu­bi­gern be­nö­tigt und wie­der in die Re­gis­tra­tur re­po­nie­ren soll, aus­ge­folgt wer­den sol­len. Ein Schlüs­sel zur Re­gis­tra­tur soll bei Ger­lich von Raes­feldt, der an­de­re bei Sy­bil­le sein, „da­mit ein ohn des an­dern Wis­sen und Wil­len al­lein zu der Re­gis­tra­tur nicht kom­men und sei­nes Ge­fal­lens durch­su­chen mue­ge.“

Sy­bil­le von Ho­vell er­klärt da­ge­gen un­ter Vor­be­halt, dass sie auf an­de­re Wei­se nicht meint, „al­lein jure credi­torum die In­ter­es­se an sich zu brin­gen“ und sich dies­mal hier­mit nicht in die Erb­schaft ein­zu­mi­schen. Sie ver­pflich­tet sich auch, die an sich ge­brach­ten Gü­ter kei­nem Frem­den, be­son­ders Ha­sen­kampf zu Stock­um, der be­reits et­li­che von Pa­gen­ste­cker und sonst wie ein­ge­nom­men hat, zu über­las­sen oder zu ze­die­ren, es sei denn, dass sie es ih­rer Mut­ter und ih­ren Ge­schwis­tern mit­ge­teilt habe. Wenn sie ei­ni­ge Mit­tel ha­ben möch­te, den Dis­cus­sions­pro­zeß fort­zu­set­zen und zu be­en­di­gen, dann ist das auf al­ler­sei­ti­ge glei­che Un­kos­ten „zu ef­fec­tui­ren“. Wenn Zu­sam­men­künf­te und Ta­g­leis­tun­gen ge­hal­ten wer­den müs­sen, dann soll das je­der tun, ohne den an­de­ren da­mit zu be­las­ten. Mit Ha­sen­kampf soll kein Ver­trag ohne Ra­ti­fi­ca­ti­on des Bru­ders ein­ge­gan­gen wer­den. Soll­te bei Ster­be- und Erb­fäl­len von den Gü­tern, die die Gläu­bi­ger be­sit­zen, et­was ein­kom­men, dann soll das für die In­stand­set­zung des Hau­ses Be­cken­dorff ver­wen­det und an­ge­legt wer­den.

An­ge­kün­dig­te ei­gen­hän­di­ge Un­ter­schrif­ten der Mut­ter von Ho­vell und ih­rer drei Kin­der un­ter dem drei­fach aus­ge­stell­ten Re­zeß.“

Am 1. Mai 1617 wur­de schließ­lich ein Ab­lö­se­ver­trag über die Be­cken­dorf­schen Gü­ter ge­schlos­sen:

Bit­ter von Ho­vell, Dom­herr des Stifts Wimp­fen, und sei­ne Schwes­ter Sy­bil­le von Schnet­la­ge zu Wulffen ge­bo­re­ne von Hö­vel schlie­ßen mit Ge­neh­mi­gung ih­res Schwa­gers resp. Ehe­manns Gis­bert Ge­org von Schnet­la­ge ei­nen Ver­trag. Weil nach ei­nem vor ei­ni­ger Zeit ge­schlos­se­nen Ver­trag zwi­schen Bit­ter von Ho­vell und Sy­bil­le samt ih­rer Schwes­ter (Pe­tro­nel­la) – vgl. Urk. 1611 Sept. 2 – Sy­bil­le ih­ren el­ter­li­chen Sitz Be­cken­dorff an­neh­men, in­stand­set­zen und wie­der­auf­bau­en, auch mög­lichst viel zur Ent­las­tung mit den Gläu­bi­gern ver­han­deln und al­les aufs bes­te för­dern soll, sie nicht nur zur not­wen­di­gen In­stand­set­zung des Hau­ses Be­cken­dorff sehr viel auf­ge­wandt, son­dern auch von ih­rer Base Sy­bil­le von Ho­vell, Äb­tis­sin zu Vlaß­umb, we­gen der er­wach­se­nen Vor­aus­zah­lung und Fi­li­al­quo­te auf sechs- oder mehr­tau­send Rtlr. eine Zes­si­on er­langt, sich nun mit Schnet­la­ge ver­hei­ra­tet hat, nicht mehr bei den Be­cken­dorff­schen Gü­tern blei­ben und sich ab­fin­den las­sen möch­te, ver­gleicht man sich nun da­hin, dass Bit­ter von Ho­vell in Mo­nats­frist an sei­ne Schwes­ter Sy­bil­le 1000 Rtlr. und in der Fol­ge­zeit noch ein­mal 1000 Rtlr. be­zahlt. Nach er­folg­ter Zah­lung soll Sy­bil­le ih­rem Bru­der Bit­ter von Ho­vell ihre For­de­rung we­gen an­ge­wand­ter Un­kos­ten, er­gan­ge­ner Dis­cus­sion und ge­sche­he­ner In­stand­set­zung so über­las­sen, dass er nach er­folg­ter Zah­lung ei­nen frei­en Zu­tritt zu dem Be­cken­dorff­schen Haus nebst Gü­tern er­langt, sie in Be­sitz nimmt und da­mit tun und las­sen kann, was zum Bes­ten sei­ner Schwes­ter ge­sche­hen mag. Bei der Zah­lung am ers­ten Ter­min soll ein aus­führ­li­cher Ver­trag er­rich­tet wer­den. Soll­te die­ser Ter­min aber nicht ein­ge­hal­ten wer­den, soll die­ser Ver­gleich au­ßer Kraft tre­ten, je­doch der Äb­tis­sin in Flaß­heim ihre jähr­li­chen, in der Zes­si­on vor­be­hal­te­nen Ge­fäl­le und Ra­ti­fi­ka­ti­on vor­be­hal­ten sein.

An­ge­kün­dig­te Sieg­ler mit ei­gen­hän­di­gen Un­ter­schrif­ten: Die Ge­schwis­ter von Ho­vell und G. G. von Schnet­la­ge.“

Am 21. Ok­to­ber 1621 muss­ten die seit Jahr­zehn­ten ver­arm­ten von Hö­vel alle Rech­te an Haus Hö­vel und Haus Be­cke­dorf an Jo­han von Brug­ge­ney gen. Ha­sen­kamp ver­kau­fen:

Vor dem Of­fi­zi­al des geist­li­chen Ge­richts­ho­fes zu Müns­ter über­tra­gen und ver­kau­fen die Ehe­leu­te Gis­bert Ge­org von Schnet­la­ge zu Wulffen und Sy­bil­le von Ho­vell an Jo­han von Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kampf zu Weit­mar, Herrn zu Stock­um, und sei­ne Frau Jo­han­na von Al­den­bock­um alle Gü­ter, An­sprü­che, For­de­run­gen, Zin­sen, Rech­te und Ge­rech­tig­kei­ten, die Sy­bil­la von Ho­vell ih­res kind­li­chen An­teils hal­ber, dar­un­ter auch die Me­lio­ra­tio­nen an Ge­bäu­den und Gräf­ten, ein­ge­löst und un­ter­ge­habt wie auch ver­mö­ge von der Äb­tis­sin zu Vla­sumb er­lang­ter und durch den Rich­ter zu Hal­te­ren be­stä­tig­ter Zes­si­on an dem Haus und Gut zu Be­cken­dorf im Ge­richt Stock­um und Kirch­spiel Wer­ne ge­habt hat und künf­tig er­hal­ten möge, für 2400 Rtlr., de­ren Emp­fang die Ver­käu­fer be­stä­ti­gen. Das ge­schieht je­doch mit dem Zu­satz, dass Ha­sen­kampf den von Mer­veldt 600 Rtlr., des­glei­chen Saurman 100 Rtlr., fer­ner Saurman und Heywerdt 1200 hol­län­di­sche Ta­ler, al­les samt Zin­sen aus dem Gra­velts­kamp ent­rich­tet und die Ob­li­ga­tio­nen da­von samt ei­ner Ob­li­ga­ti­on von 150 Rtlr., die Ha­sen­kampf selbst aus­ge­legt hat, den Ehe­leu­ten Schnet­la­ge ein­lie­fert, auch der Äb­tis­sin zu Vla­sumb zu Leb­zei­ten jähr­lich zu Mar­ti­ni 20 Rtlr. aus­zahlt. Mit den Gü­tern mö­gen die Käu­fer nach ih­rem Be­lie­ben schal­ten und wal­ten. Hier­zu ge­ben ih­nen da­her auch die Ver­käu­fer alle ihre Brie­fe und Sie­gel, Ob­li­ga­tio­nen und Im­mis­sio­nen, die sie be­sit­zen und künf­tig er­lan­gen soll­ten. Die Ver­käu­fer ge­lo­ben an Ei­des­statt, die Käu­fer schad­los zu hal­ten, set­zen ih­nen zum Un­ter­pfand ihr ge­sam­tes der­zei­ti­ges und zu­künf­ti­ges, be­weg­li­ches und un­be­weg­li­ches Hab und Gut und ver­zich­ten auf jeg­li­che recht­li­che Aus­flüch­te wie auch auf das be­ne­fi­ci­um se­na­tus con­sul­ti Vel­lei­a­ni und an­de­re Frei­hei­ten, die dem weib­li­chen Ge­schlecht zu­ste­hen. Auf Wunsch der Par­tei­en wird das ge­richt­li­che De­kret die­ses Kon­trak­tes hin­ter­legt.

An­ge­kün­dig­ter Sieg­ler: der Of­fi­zi­al mit dem Sie­gel des Hofs zu Müns­ter. Un­ter­schrift des ge­schwo­re­nen Ge­richts­schrei­bers am bi­schöf­li­chen Hof zu Müns­ter, Her­man­nus Bor­de­wiek. Zeu­gen: Frie­de­rich Nier­man und Jo­han Schot­te­ler, bei­de Die­ner der fürst­lich-müns­ter­schen Sie­gel­kam­mer.“

Am 1. Fe­bru­ar 1630 wur­de Ar­noldt von Boh­mer (Ar­nold von Boymer/Böhmer/Bäumer) von Mag­da­le­ne Grä­fin und Fräu­lein zu der Lip­pe, Äb­tis­sin des kai­ser­li­chen frei­en welt­li­chen Stifts Her­ford, mit dem Amt Hö­vel be­lehnt. Boemer half Bit­ter von Hö­vel da­bei, das Stock­u­mer Le­hen ge­richt­lich von den Brüg­gen­eis zu­rück­zu­er­strei­ten, wenn die­se ihm da­für ei­ni­ge ih­rer Gü­ter zur Nut­zung über­las­sen, be­ur­kun­det am 6. April 1629:

Am 6. April 1629 ist zwi­schen Bit­ter von Ho­vell zu Stock­heim und Be­cken­dorf, Ka­no­ni­ker, Se­ni­or und Kus­tos zu Wimp­fen, ei­ner­seits und Ar­noldt von Boemer zu Cob­bing, Geis­te­ren und Al­den­ho­ven, kai­serl. Reichs­hof­rat, kur­fürstl. köl­ni­scher und fürstl. os­na­brück­scher Rat, Kam­mer­herr, Mar­schall und Drost zu Fürs­ten­au und Für­den, wie auch sei­ner Ehe­frau Ca­tha­ri­na geb. von Splin­ter an­de­rer­seits ver­han­delt und be­schlos­sen wor­den, dass Boemer dem Bit­ter von Ho­vell in sei­ner ge­gen Jo­han von Brug­ge­ney gen. Ha­sen­kampf er­strit­te­nen Lehn­sa­che ge­hö­ri­gen Orts und nach Er­for­der­nis der Sa­che be­hilf­lich ist, da­mit er bei sei­nem er­lang­ten Recht und Be­sitz des Stock­u­mer Lehn­guts, näm­lich des Amts und Ge­richts Stock­um und des­sen Zu­be­hör, wie es Hö­vells Vor­fah­ren be­ses­sen ha­ben, mög­lichst ge­schützt und ihm in dem Pro­zeß über die ihm zum Teil ge­hö­ri­gen Al­lo­di­al­gü­ter ge­hol­fen wer­de. Da­für hat Ho­vell „aus ver­wandt­schaft­li­cher af­fec­tion“ ver­spro­chen, dass Boemer ge­nann­tes Lehn­gut mit Be­wil­li­gung der Lehn­frau er­hält und auch sei­ne sämt­li­chen Be­cken­dor­fer al­lo­dia­len Gü­ter mit al­len zu­ge­hö­ri­gen Rech­ten und Las­ten an Herrn und Frau von Boemer ze­diert, wo­für Boemer ihm, Ho­vell, eine si­che­re Geld­sum­me zur be­stimm­ten Zeit ent­rich­ten soll, je­doch mit dem Vor­be­halt, dass Ho­vell Zeit sei­nes Le­bens die Gü­ter nut­zen kann, wie sol­ches ver­zeich­net und von bei­den Kon­tra­hen­ten un­ter­schrie­ben wor­den ist und dem zu­fol­ge Boemer be­reits ei­nen Teil des Gel­des vor­ge­schos­sen hat. Es ist auch be­reits er­reicht wor­den, dass Boemer mit Ein­wil­li­gung Ho­vells auf sei­ne Kos­ten mit Stock­um und al­lem Zu­be­hör so wie die von Ho­vell von al­ters her be­lehnt wor­den ist.

Um ganz si­cher zu ge­hen, schlie­ßen nun bei­de Par­tei­en ei­nen wei­te­ren Ver­gleich, wo­nach Ho­vell die Be­leh­nung Boemers nicht nur be­wil­ligt und gut­heißt, son­dern auch bei­de Par­tei­en des Be­sit­zes und des Nieß­brauchs auf alle Fäl­le si­cher sind. So lässt Ho­vell nicht al­lein sei­nen Schwa­ger und sei­ne Nich­te von Boemer in den Be­sitz des Lehns samt Zu­be­hör, wie er es zur Zeit be­sitzt und ver­mö­ge Ur­teil be­kom­men wird, „wurk­lich mit­kom­men und in­tre­ten“, son­dern über­trägt auch an Boemer auf die er­hal­te­ne Be­leh­nung hin die Re­al­pos­ses­si­on, wie er sie zur Zeit hat und be­kom­men wird, und zwar so, als wenn er sie selbst ge­brau­chen und ge­nie­ßen wür­de. Des­halb sol­len „alle Of­fi­zi­an­ten der Herr­lich­keit und Jus­ti­ti­en zu Stock­um bei­den, so woll dem von Ho­vell als von Boemer“ ver­ei­digt und alle Ein­künf­te und Ge­fäl­le der Ju­ris­dic­tion und Gü­ter zwi­schen ih­nen bei­den gleich ge­teilt und aus­ge­folgt wer­den. Den Of­fi­zi­an­ten wie auch den Päch­tern der Lehn­gü­ter und den Lohn­leu­ten, die die Af­ter­be­leh­nung er­hal­ten ha­ben, soll an­ge­sagt und ein­ge­schärft (in­ge­bonden) wer­den, dass sie alle samt und son­ders kraft die­ses Be­schlus­ses al­lein Bit­ter von Ho­vell, nach sei­nem Tode aber Herrn und Frau von Boemer und nie­mand an­ders als ihre Herr­schaft an­er­ken­nen, ih­nen treu und hold, ge­hor­sam und pflicht­schul­dig sein sol­len. Ho­vell soll so­fort Boemer ein Ver­zeich­nis al­ler zu den Gü­tern ge­hö­ri­gen Schrif­ten, Brie­fe und Sie­gel zu­stel­len und sich mit ihm über die Auf­be­wah­rung der­sel­ben ei­ni­gen. Da­ge­gen ver­zich­tet Boemer samt sei­ner Ge­mah­lin auf die Jah­res­ren­te von 1000 Rtlr., die ihr Schwa­ger und Vet­ter von Ho­vell in dem am 6. April 1629 ge­schlos­se­nen Ver­trag ver­spro­chen hat­te und ge­lobt, die un­ter ih­nen ver­ab­re­de­ten Kaufs-, Ces­si­ons- und Ver­trags­pfen­ni­ge, so­weit sie noch nicht ent­rich­tet sind, zu be­zah­len.

Bei­de Par­tei­en, ei­ner dem an­dern, ge­lo­ben an Ei­des­statt bei Ver­pfän­dung al­ler ih­rer Habe und Gü­ter, vor­ste­hen­den Ver­trag zu hal­ten und be­ge­ben sich al­ler nur denk­ba­ren Ein­re­den und Aus­flüch­te, die dem Ver­trag zu­wi­der sein könn­ten. Sie wol­len ihre Lehn­frau und auch ih­ren Lan­des­fürs­ten er­su­chen, den Ver­trag zu au­to­ri­sie­ren und zu be­stä­ti­gen. Zeu­gen: Pe­trus von Bul­de­ren, Li­zen­ti­at der Rech­te und Syn­di­kus der Stadt Col­len, wie auch Bern­hardt Vier­den­hal­ven, Li­zen­ti­at der Rech­te und Ad­vo­kat zu Müns­ter.“

Bit­ter de Hü­ve­le zu Be­cke­dorf ver­erb­pach­te­te ent­spre­chend ab 1630 das Gut für jähr­lich 7.000 Ta­ler an Ar­nold Frei­herr von Böh­mer. Eine Quit­tung vom 2. Juli 1637 be­stä­tigt:

Bit­ter von Ho­vell, Custos und Se­ni­or des Stifts Wimp­fen im Thal, quit­tiert den Ehe­leu­ten Ar­noldt Frei­herrn von Bö­mer und Ca­tha­ri­na geb. von Splin­ter, sei­nem Schwa­ger und sei­ner Base, nach­dem sie in ei­nem am 20. Juli 1631 ge­ge­be­nen Re­vers sich ver­pflich­tet ha­ben, für die ab­ge­tre­te­nen Stock­um­s­chen Lehn- und Be­cken­dorf­schen Al­lo­di­al­gü­ter eine ge­wis­se Geld­sum­me zu be­zah­len, den Emp­fang die­ser Gel­der. Er be­hält sich vor, dass ihm die Käu­fer Zeit sei­nes Le­bens jähr­lich die ver­spro­che­nen 60 Reichs­ta­ler zah­len und sei­ne Schuld an Her­man von Mer­feldt zu Wes­ter­win­kel und des­sen Mut­ter, eine Ka­pi­tal­schuld von 500 oder 600 Rtlr., mit den auf­ge­lau­fe­nen Zin­sen aber eine Ge­samt­schuld von etwa 1000 Rtlr., ab­stat­ten oder sich mit Mer­feld dar­über ver­glei­chen und sich die dies­be­züg­li­che Ob­li­ga­ti­on aus­hän­di­gen las­sen.“

Ar­nold von Böh­mer ge­wann die Äb­tis­sin von Her­ford für sich. Am 14. Ja­nu­ar 1647 be­lehnt dann Si­do­nia Grä­fin zu Ol­den­burg und Del­men­horst, Fräu­lein zu Je­ver und Kni­p­hau­sen, Äb­tis­sin des kai­ser­li­chen frei­en welt­li­chen Stifts Her­ford, Frantz Wil­helm Frei­herrn von Boy­mer und zu Rim­burg mit dem ge­sam­ten Amt und Ge­richt zu Stock­um, ver­tre­ten durch Bern­hard Vier­den­hal­ben, Li­zen­ti­at der Rech­te und Rats­ver­wand­ten der Stadt Müns­ter.

Der Streit um die Stock­u­mer Gü­ter wur­de zwi­schen den Böh­mers und den Brüg­gen­eis fort­ge­setzt, zu se­hen in ei­ner Ur­kun­de von 1649:

Ra­ti­fi­ca­ti­on B we­gen Über­las­sung der Stock­um­s­chen Gü­ter zwi­schen Wit­we Jo­han­na von Ha­sen­kampf und Wit­we Ca­tha­ri­na Frei­frau von Boemer

Ent­hält: Die Wit­we Jo­han­na von Ha­sen­kampf geb. von Al­den­bock­um, Cas­par von der Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kampf, Dom­herr zu Bre­men und Hil­des­heim, und So­phia Ger­trud von der Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kampf aus dem Hau­se Stock­um und Weit­mar be­kun­den, dass ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann resp. Va­ter Jo­han von der Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kampf, Herr zu Stock­um und Weit­mar, mit dem ver­stor­be­nen Ar­nold Frei­herrn von Boey­mer und zu Rim­burg wie auch des­sen Sohn Frantz Wil­helm vor ge­rau­mer Zeit we­gen der Stock­u­mer Al­lo­di­al- und Feu­dal­gü­ter schwe­ren Streit ge­führt ha­ben. Auf Grund ei­nes vom Kur­fürs­ten zu Köln an den Fürst­bi­schof zu Os­na­brück, den Dom­propst zu Pa­der­born und Kanz­ler Busch­mann er­teil­ten Auf­tra­ges habe man aber am 4. Mai 1648 und am 11. Au­gust die­ses Jah­res 1649 ei­nen Re­zeß und Ver­gleich ge­schlos­sen, de­ren Ra­ti­fi­zie­rung und Ge­neh­mi­gung nun er­for­der­lich ist. Es sol­len da­her hier­mit die­se zwi­schen der Wit­we Ca­tha­ri­na Frei­frau von Boey­mer geb. Splin­ter und ih­rem Sohn Frantz Wil­helm Frei­herr von Boey­mer ei­ner­seits und dem Sohn und Bru­der der oben Ge­nann­ten, Jo­han von der Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kampf, an­de­rer­seits ge­schlos­se­nen Re­zes­se ra­ti­fi­ziert und ge­neh­migt sein, die man nun bei Un­ter­pfän­dung von Hab und Gut fest und un­ver­brüch­lich zu hal­ten ver­spricht.“

Am 12. März 1650 wur­de Frantz Wil­helm Frei­herrn von Boey­mer und zu Rim­burg, ver­tre­ten durch Deth­ma­rus Klep­ping, von Eli­sa­beth Louy­se Pfalz­grä­fin bei Rhein, Her­zo­gin in Bay­ern, zu Gü­lich, Cle­ve und Ber­ge, Grä­fin zu Vel­denz, Spon­heim, der Mark und Ra­vens­berg, Frau zu Ra­ven­stein, Äb­tis­sin des frei­welt­li­chen Stifts Her­ford, mit dem Amt Stock­um be­lehnt.

Am 1. Sep­tem­ber 1656 heißt es in ei­ner Ur­kun­de:

Frantz Wil­helm Frei­herr von Boey­mer und Rim­burg, Herr zu Stock­um, teilt mit, dass Chris­toph Bern­hardt Bi­schof zu Müns­ter, sein Lan­des­fürst, ei­nen all­ge­mei­nen Lehn­tag aus­ge­schrie­ben habe, er „aber tra­gen­der mi­li­tar char­ge und an­de­rer Ver­hin­de­run­gen hal­ber“ sich dort nicht ein­fin­den kön­ne. Er be­voll­mäch­tigt da­her Det­mar Klep­ping, in sei­nem Na­men auf dem Lehn­tag zu er­schei­nen und die Be­leh­nung des von dem von der Brug­ge­ney ge­nannt Ha­sen­kamp an ihn er­han­del­ten und von sei­nem Lan­des­fürs­ten lehn­rüh­ri­gen Zehn­ten in der Herr­lich­keit Stock­um zu ge­sin­nen, zu emp­fan­gen, dar­über die alt­her­ge­wohn­ten So­lem­nia zu pra­e­s­tie­ren und al­les zu tun, was er selbst tun wür­de.“

Schließ­lich er­folg­te ein Ur­teil des Reichs­kam­mer­ge­richts zu Wetz­lar, mit des­sen Voll­stre­ckung der Fürst­bi­schof von Müns­ter be­auf­tragt wur­de. Der Streit en­de­te da­mit, dass der Fürst­bi­schof von Müns­ter, Her­zog Ernst von Bay­ern, Mi­li­tär ent­sand­te, wel­ches den Kas­par von Has­sen­kamp er­schoss, der ver­sucht hat­te, sich mit Ge­walt zu wi­der­set­zen. Sein Bru­der woll­te sich rä­chen. Er hat­te schon Ge­hil­fen für den Mord an Frau von Böh­mer ge­dun­gen. Doch der Bi­schof von Müns­ter wur­de es früh­zei­tig ge­wahr und ließ den An­stif­ter von Has­sen­kamp ins Ge­fäng­nis nach Wa­ren­dorf brin­gen.

1696 wur­de ein neu­er Pro­zess ein­ge­lei­tet. Als Stock­um 1726 durch Erb­schaft an den Gra­fen von Li­gne­vil­le kam, stell­te sich wie­der ein Wer­ner Has­sen­kamp dem neu­en Be­sit­zer ent­ge­gen. Auf bei­den Sei­ten wur­den meh­re­re Leu­te er­schos­sen. 1730 wur­de von Has­sen­kampf zu Wetz­lar end­gül­tig ab­ge­wie­sen. Da­mit war der Streit end­gül­tig ge­gen die Fa­mi­lie von Has­sen­kampf ent­schie­den, das Schick­sal der Fa­mi­lie de Hü­ve­le zu Stock­um und Be­cke­dorf en­de­te.

Nach ei­ner Erb­tei­lung, bei der Li­gne­vil­le Stock­um und Be­cke­dorf er­hielt, ka­men die­se Gü­ter um 1800 an den Gra­fen von Gour­ci, der sie 1809 durch Ver­kauf zer­split­ter­te. Den Burg­platz und die Gü­ter zu Stock­um er­warb 1810 der Graf von Wes­ter­holdt.

Im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts ver­fiel das Gut dann zu­se­hends. Der alte Spie­ker bei der Vi­ka­rie, von dem noch Bil­der exis­tie­ren, wur­de um 1939 ab­ge­bro­chen.

Das Guts­ar­chiv wur­de 1952 von der Stadt Dort­mund er­wor­ben und 1994 im Stadt­ar­chiv Wer­ne de­po­niert.

Der Ar­chiv­be­stand um­fasst 280 Ur­kun­den (1360 1804); ca. 550 Ak­ten = 57 Kar­tons (15. 19. Jhdt.).

  • In­halt: Fa­mi­li­en­sa­chen von Hö­vel, von Asche­berg zu By­ink, von der Brüg­ge­ney gen. Ha­sen­kamp, von Boeh­mer, Gra­fen von Li­gne­vil­le und Gour­cy, von Boe­nen, Gra­fen von Wes­ter­holt;
  • Lehns­sa­chen; Herr­lich­keit Stock­um (Ge­richt, Kir­che, Schu­le); Fi­nan­zen; Pro­zes­se; Haus Be­cken­dorf; Gü­ter Bra­beck und Köb­bing; Gü­ter des Stifts Her­ford in Schöp­pin­gen, Laer, Rhei­ne; Kirch­spie­le Hoet­mar, Sen­den­horst.

Burg Hugenpoth

Burg Hu­gen­poth
Alternativname(n): Haus Stock­um
Ent­ste­hungs­zeit: Vor 1290
Bur­gen­typ: Nie­de­rungs­burg, In­sel­la­ge
Er­hal­tungs­zu­stand: Mau­er­res­te
Stän­di­sche Stel­lung: Adel, Mi­nis­te­ria­le
Ort: Sand­bo­chum
Geo­gra­phi­sche Lage 51° 40′ 2,8″ N, 7° 41′ 56,8″ O

Die erst­mals 1305 ur­kund­lich er­wähn­te Burg Hu­gen­poth lag ge­gen­über der Burg Stock­um auf ei­ner Lip­p­ein­sel. Wenn man den Burg­platz auf­su­chen möch­te, muss man sich von der Land­stra­ße aus, die am Gerstein­werk vor­bei­führt, nach Sü­den wen­den. Nach­dem man die Wer­ner Bahn über­quert und eine alte Schleu­sen­an­la­ge pas­siert hat, geht es wei­ter über die Lip­pe bis zur Ka­nal­brü­cke, über die der Weg nach Sand­bo­chum führt. Die Ka­nal­brü­cke darf nicht über­quert wer­den, statt­des­sen schlägt man den Weg in nörd­li­cher Rich­tung ein. Nach ei­ni­gen hun­dert Me­tern und Durch­que­rung ei­nes al­ten Lip­pear­mes ge­langt man auf den Burg­platz.

Die ho­hen, aus dem al­ten Fluss­bett auf­stei­gen­den Mau­ern, die die Zug­brü­cke tru­gen, sind heu­te noch zu se­hen. Die Steil­ufer des Flus­ses müs­sen schon an sich ei­nen gu­ten Schutz ge­währt ha­ben, der noch durch Burg­an­la­gen ver­stärkt wur­de. Ein küm­mer­li­cher Rest von Mau­er­werk und die auf dem gan­zen Platz ver­streu­ten klei­nen Bro­cken von grü­nem Sand­stein und Zie­geln so­wie die Dach­schie­fer­stück­chen und Glas von But­zen­schei­ben las­sen kaum noch et­was von der ur­sprüng­li­chen Burg­an­la­ge ah­nen.

Familie von Stockum

Haus Stock­um (Burg Hu­gen­poth) stand zu­nächst im Be­sitz der Fa­mi­lie von Stock­um. Im Jah­re 1290 wur­de es dann an die Fa­mi­lie von Hö­vel ver­lehnt. Ers­te Lehns­trä­ger wa­ren God­fried de Hü­ve­le und sein Sohn Her­mann. Lehns­her­rin war die Äb­tis­sin des Klos­ters Her­ford. Das ade­li­ge Haus Stock­um war von je­her von der öf­fent­li­chen Ge­richts­ge­walt be­freit. Je­der Be­lehn­te des Hau­ses Stock­um war auch Mi­nis­te­ria­ler (Be­am­ter). Ihm ob­lag die Ein­trei­bung und Über­füh­rung der Korn­ab­ga­ben so­wie die Be­schaf­fung des Mess- und Tisch­weins für das Klos­ter Her­ford.

Familie de Hüvele aus Hövel

Fa­mi­lie de Hü­ve­le aus Stock­um ist ein Sei­ten­zweig der Fa­mi­lie de Hü­ve­le aus Hö­vel. Sie stand ab etwa 1300 in di­rek­ter Nach­fol­ge aus dem Haus Hö­vel. Die de Hü­ve­le aus Stock­um hat­ten schon früh eine selb­stän­di­ge Stel­lung er­langt. So üb­ten sie Herr­schafts­rech­te über die bäu­er­li­chen Höfe im ei­ge­nen Na­men kraft Lehns­recht aus. Ih­nen stand auch das Ge­richts­we­sen zu. Als äu­ße­res Zei­chen der Macht der Fa­mi­lie de Hü­ve­le zu Stock­um bau­ten sie auf der Lip­p­ein­sel die Burg Hu­gen­poth. Um die Bau­ern vor Über­grif­fen durch God­frid de Hü­ve­le zu Stock­um zu schüt­zen, er­ließ die Äb­tis­sin zu Her­ford das Hof­recht für die Bau­ern von Stock­um, die ihr lehns­pflich­tig wa­ren – sie hat­te das so­ge­nann­te After­le­hen (Le­ben aus zwei­ter Hand) inne. Im Lau­fe der Zeit kauf­ten sich die Her­ren de Hü­ve­le ver­wil­der­te Höfe. So ent­stand ne­ben dem „Feu­dum“ (Lehns­gut) ein „Al­lo­di­al Gut“ (frei von Ab­ga­be). Im Lau­fe der Zeit sol­len sich die Her­ren de Hü­ve­le eine drit­te Burg er­stellt ha­ben, und zwar dort, wo heu­te die Kir­che zu Nord­her­rin­gen steht. Die­se Burg sol­len die Dort­mun­der schon früh nie­der­ge­brannt ha­ben. Ne­ben der Ur­burg in Stock­um ließ Lam­bert de Hü­ve­le um 1307 (al­ter­na­ti­ve An­ga­be: 1357) eine Ka­pel­le er­rich­ten. Die Ge­neh­mi­gung er­hielt er vom Erz­bi­schof Hein­reich von Köln.

Von 1290 bis 1400 be­wohn­ten die Her­ren de Hü­ve­le die Bur­gen in Stock­um. Die Adels­fa­mi­lie hat­te je eine Burg auf mär­ki­schem und mün­s­te­r­i­schem Bo­den so­wie ei­nen Amts­hof im mün­s­te­r­i­schen Raum. Sie muss­te also in bei­de Rich­tun­gen la­vie­ren und ge­riet zwangs­läu­fig in den mün­s­te­r­isch-mär­ki­schen Grenz­kon­flikt an der Lip­pe. Für die Gra­fen von der Mark war es äu­ßerst wich­tig, die Lip­p­ein­sel Stock­um fest in der Hand ei­nes ver­läss­li­chen und mär­ki­schen ge­sinn­ten Ade­li­gen zu wis­sen. Des­halb er­zwan­gen sie ein Öff­nungs­recht, das ih­nen ei­nen wich­ti­gen Stütz­punkt ge­gen Müns­ter gab. Die Stock­u­mer Burg­her­ren muss­ten ih­ren Sitz den Mär­kern of­fen hal­ten und in Kriegs­zei­ten eine mär­ki­sche Be­sat­zung in Kauf neh­men. In ei­ner Ur­kun­de aus 1392 wird der Hof un­ter den Ab­stei­ge­quar­tie­ren der Gra­fen von der Mark auf­ge­führt, er fehlt je­doch in ih­ren Lehns­re­gis­tern aus der glei­chen Zeit.

Die wich­ti­ge Grenz­be­fes­ti­gung war in Feh­den und Krie­gen heiß um­kämpft. Wäh­rend der Dort­mun­der Feh­de, na­ment­lich am 13. No­vem­ber 1388, steck­ten Dort­mun­der Söld­ner die Burg an, brand­schatz­ten sie und er­beu­te­ten 36 Gul­den.

Grafen von der Mark und ihre Vasallen

Eine Ur­kun­de aus dem Jah­re 1392 be­nennt den Hof zu Stock­um als Ab­stei­ge­quar­tier der Gra­fen von der Mark. In ih­ren Lehns­re­gis­tern aus der glei­chen Zeit war das Gut dort aber noch nicht auf­ge­führt. Erst um 1400 ging die Burg ins Ei­gen­tum des Gra­fen von der Mark über. Da­mit war Burg Hu­gen­poth in Stock­um für die Fa­mi­lie de Hü­ve­le ver­lo­ren, die von nun an nur noch die Ur­burg in Stock­um be­wohn­te.

Ge­gen 1453 zer­strit­ten sich die west­fä­li­schen Lan­des­her­ren um die Be­set­zung des Bi­schofs­stuh­les von Müns­ter. Jun­kert Er­vert von der Mark, ein An­hän­ger Jo­hann von Ho­yas, un­ter­nahm im Ok­to­ber ei­nen Beu­te­zug in das Mo­ers-freund­li­che Ah­len. Dort fing er 300 Kühe ein und trieb sie bei Stock­um über die Lip­pe auf Ka­men zu. Dazu nahm er die Burg ein und schlug eine Brü­cke über die Lip­pe.

Der Graf von der Mark be­lehn­te die Fa­mi­lie von der Layg­he bzw. von der La­e­ge, die bis 1463 auf der Burg leb­te; Cord von der La­e­ge hat­te bis zu die­sem Jahr die Burg für 1.000 Gul­den in Pfand­herr­schaft. Ge­gen 500 Gul­den han­del­te Graf Ger­hard von Kle­ve-Mark ihm die Burg wie­der ab. Der Lan­des­herr konn­te die Rech­nung aber nicht be­glei­chen. Des­halb schoss Diet­rich von Hö­vel ihm die Hälf­te vor. Zur Be­loh­nung er­hielt er die vä­ter­li­che Stamm­burg als Le­hen zu­rück. 1469 be­ging ent­we­der Diet­rich oder ein Go­de­ke (Gott­fried) von Hö­vel ei­nen ge­walt­sa­men Tot­schlag, wor­auf­hin ihm das Le­hen ent­zo­gen wur­de. Dies gab den Her­zö­gen von Kle­ve die Ge­le­gen­heit, die Burg an eine zu­ver­läs­si­ge­re Fa­mi­lie zu ver­ge­ben.

Familie von Knipping

Die Knip­pings ver­dan­ken ih­ren Auf­stieg lan­des­herr­li­chen Be­am­ten­diens­ten. Bis zur Mit­te des 15. Jahr­hun­derts wa­ren sie eine klei­ne Adels­fa­mi­lie ohne Rang und Na­men und tra­ten kaum in Er­schei­nung, au­ßer durch ge­le­gent­li­che Ur­kun­den­be­zeu­gun­gen und ei­ni­ge Rechts­ge­schäf­te. Zu ei­ner Zeit, als die meis­ten Adels­fa­mi­li­en von Ab­stieg und Zer­fall über­schat­tet wa­ren, ge­lang den Knip­pings der Auf­stieg an die Spit­ze des mär­ki­schen Adels. Mit Gerd Knip­ping (1427 – 1455) ge­lang­te das Amt des Dros­ten für 150 Jah­re in die Fa­mi­lie. Fünf Ge­ne­ra­tio­nen der Fa­mi­lie Knip­ping ver­wal­te­ten das Amt Hamm, ge­wan­nen Ruhm und An­se­hen und er­war­ben wei­te­re Höfe und Län­de­rei­en zu der Grund­herr­schaft Stock­um. Das Ge­schlecht de­rer von Knip­ping war be­son­ders in der Ge­gend von Wet­ter (Ruhr) be­rühmt.

Um 1470 be­lehn­te der Her­zog von Kle­ve und Mark die Gü­ter des Hau­ses Stock­um an sei­nen Lehns­mann Rit­ter He(i)nrich von Knip­ping zu Lo­hau­sen (1462 – 1480), der das Dros­ten­amt (Amt­mann) von Hamm in­ne­hat­te. 1491 setz­ten sich Rat und Dom­ka­pi­tel der Stadt Müns­ter für die Lehns­rech­te des Undersa­ten des ge­stichts van Müns­ter Gerd von Hö­vel ein, was das Ver­trau­en der Mär­ker zu den mün­s­te­r­isch-mär­ki­schen Grenz­gän­gern von Hö­vel wei­ter schwin­den ließ. Die Gren­ze an der Lip­pe lag auch zu die­ser Zeit im­mer noch nicht end­gül­tig fest. Die Ge­fahr, dass die Burg über ei­nen mün­s­te­r­i­schen Un­ter­ta­nen an die Bi­schö­fe von Müns­ter ge­lang­te, war den Herr­schern der Mark zu groß. Hen­rich Knip­ping als neu­er Lehns­neh­mer der Burg wand­te die­se Ge­fahr nun­mehr ab.

Für 1.100 Gul­den muss­te der Lan­des­herr ihm und sei­nem Sohn He(i)nrich (1497 – 1543), Dros­te zu Hamm und Wet­ter, das Haus zu Stock­um und die zu­ge­hö­ri­gen Gü­ter über­las­sen. Seit der Fa­mi­lie de Hü­ve­le das Le­hen ent­zo­gen wor­den war, ver­füg­ten die Her­zö­ge von Kle­ve nicht nur über das Haus Stock­um, son­dern auch die Her­for­der Un­ter­hö­fe im Mär­ki­schen. Zu­nächst über­sa­hen die Her­for­der die­se Ei­gen­mäch­tig­keit. Au­ßer­dem wur­den die Un­ter­hö­fe der Graf­schaft Mark in den La­ger­bü­chern ge­führt. Spä­tes­tens zu Be­ginn des 17. Jahr­hun­derts war der Ver­lust der Höfe of­fen­kun­dig und un­wi­der­ruf­lich. Fort­an be­schränk­te sich die Herr­schaft Stock­um aus­schließ­lich auf das mün­s­te­r­i­sche Ter­ri­to­ri­um.

He(i)nrichs En­kel und sein Nach­fol­ger im Dros­ten­amt war Vik­tor von Knip­ping (1508 – 1573), der an der Stel­le der al­ten Burg ab 1564 mit dem Bau ei­nes neu­en Re­nais­sance­schlos­ses be­gann, der von sei­nem Sohn Diet­rich fort­ge­setzt wur­de, der wie sein Va­ter Amts­mann zu Hamm war. Das Bau­werk riss den hu­ma­nis­ti­schen Chro­nis­ten Hein­rich von Hö­vel zu be­geis­ter­ten Ver­sen hin:

Die Burg ist herr­lich, je­doch erhab­ner noch der Held,
v. Knip­pink, Vik­tor, der ein­mals die­sel­be hat er­baut.
Die Burg, im Fun­da­men­te fest und im Ge­fü­ge,
ragt stolz em­por mit ho­hen trutz´gen Mau­ern,
und darf als Feind den bes­ten in dem Lan­de kühn er­war­ten.
(Über­set­zung aus dem La­tei­ni­schen)

Mit Vik­tor Knip­ping er­reich­ten Glanz und Reich­tum des Ge­schlechts ih­ren Hö­he­punkt. Er war Amt­mann des Am­tes Hamm, mär­ki­scher Land­fes­ter, Kle­vi­scher Ge­hei­mer Rat und ab 1568 schließ­lich Obrist und Be­fehls­ha­ber des West­fä­lisch-Nie­der­rhei­ni­schen Krei­ses. Vik­tor hielt sich häu­fig am Kle­vi­schen Hofe auf. 1562 ge­hör­te er in Frank­furt zum engs­ten Ge­fol­ge Her­zog Wil­helms.

Da die Steu­ern nur spär­lich und un­re­gel­mä­ßig ein­tra­fen, muss­te er sei­nen Amts­ge­schäf­ten im­mer wie­der aus ei­ge­nen Mit­teln nach­hel­fen. Die meis­ten lan­des­herr­li­chen Ein­nah­me­quel­len wa­ren ver­pfän­det. Der Her­zog litt re­gel­mä­ßig un­ter Geld­pro­ble­men. 1547 mahn­te Vik­tor sei­nen Herrn an, die ihm vor­ge­streck­ten Gel­der zu­rück­zu­zah­len.

Knip­ping hat­te trotz­dem noch ge­nü­gend Mit­tel, um Höfe, Äm­ter und Ge­recht­sa­me auf­zu­kau­fen. 1555 wur­de er An­wär­ter auf das Schult­hei­ßen­amt des Ober­ho­fes Pel­kum. 1561 kauf­te er den Lan­gen Kamp, 1604 das Gut Brink­hof mit Un­ter­hö­fen und Kot­ten. Vik­tors Frau, Be­trix von Wül­len, brach­te ei­nen Lehn­s­an­spruch auf den kle­vi­schen Zehn­ten zu Och­trup im Kirch­spiel Sand­well, Stift Müns­ter, in die Ehe ein. Zwar hat­te sein Schwie­ger­va­ter den An­trag ge­stellt, sei­nem En­kel Bernd van Hoevel d. J. den Zehn­ten zu über­las­sen, doch konn­te Vik­tor Knip­ping dank sei­ner gu­ten Be­zie­hun­gen zum kle­vi­schen Hofe die Be­leh­nung für sich durch­set­zen.

Mit Aus­nah­me des hal­ben Schür­manns­ho­fes wa­ren im 18. Jahr­hun­dert alle Sand­bo­chu­mer Höfe von Stock­um ab­hän­gig. Ei­ni­ge wur­den be­reits von Hein­rich Knip­ping d. J. er­wor­ben. Die üb­ri­gen ha­ben wohl Vik­tor oder sein Sohn Diet­rich an­ge­kauft.

Diet­rich Knip­ping, der letz­te sei­nes Ge­schlech­tes auf Stock­um, wur­de 1574 als Dros­te des Am­tes Hamm be­stä­tigt. Er re­prä­sen­tier­te die mär­ki­sche Rit­ter­schaft bei der Hoch­zeit Ma­ria Eleo­no­ras von Kle­ve mit Her­zog Al­brecht Fried­rich von Preu­ßen zu Düs­sel­dorf.

1575 be­stimm­te ein Grenz­ver­trag zwi­schen Müns­ter und Mark über die Stock­u­mer Brü­cke, es ste­he den Mär­kern frei, den zer­fal­le­nen Über­gang wie­der auf­zu­bau­en.

Hein­rich von Hö­vel wid­me­te Diet­rich von Knip­ping ei­nen Platz in sei­nem Ka­ta­log be­deu­ten­der, ge­lehr­ter Män­ner West­fa­lens:

Zu Leb­zei­ten tat sich Diet­rich Knip­ping zu Stock­um glän­zend her­vor. Dros­te des Am­tes Hamm, dem an­ge­se­hens­ten Fürs­ten Her­zog Wil­helm von Kle­ve ein aus­ge­zeich­ne­ter Rat­ge­ber. Für­wahr, ein Mann voll Klug­heit, in vie­len Din­gen glei­cher­ma­ßen ge­bil­det, das Rechts­we­sen zu­mal nicht aus­ge­nom­men. Als jun­ger Mann stu­dier­te er auf zahl­rei­chen Aka­de­mi­en Deutsch­lands, Ita­li­ens und Frank­reichs, ei­nes Cato wür­dig, über­dies mit den sel­tens­ten Geis­tes­ga­ben aus­ge­zeich­net und des­we­gen zu den be­deu­tends­ten Män­nern zu zäh­len. Er ver­schied, als ihn der grim­mi­ge Fe­bru­ar zu Kle­ve plötz­lich über­file, in­ner­halb von zwei Ta­gen 1607 im Al­ter von 76 Jah­ren (aus dem La­tei­ni­schen).

Mit Diet­richs Tod im Jah­re 1607 er­losch der Knip­ping­sche Man­nes­stamm auf Stock­um. In­fol­ge der Hei­rat sei­ner Schwes­ter Cla­ra mit Jo­hann von Hu­gen­po­et zum Gos­e­win­kel, der die Tra­di­ti­on der Ver­bin­dung Stock­ums mit der Ham­mer Dros­ten­stel­le fort­setz­te, kam das An­we­sen an die Hu­gen­po­ets, de­ren Name sich spä­ter auf den Stock­u­mer Burg­platz über­trug. Über En­gel Eli­sa­beth Chris­ti­ne von Hu­gen­po­et, die 1693 Jo­hann Adolf Ste­phan von Ber­chem zu Wer­din­gen ge­hei­ra­tet hat­te, ge­lang­te das Haus an ih­ren Sohn Jo­hann Fried­rich Mor­dio von Ber­chem.

Familie Hugenpoth

Auf die von Knip­ping folg­ten 1607 die von Hu­gen­poth, von de­nen die Burg ih­ren neu­en Na­men er­hielt.

Mark­grä­fin Leo­no­ra von Bran­den­burg sorg­te 1591 da­für, dass ihr Va­ter, der Her­zog von Kle­ve, Jo­hann Hu­gen­poth als Amts­hel­fer sei­nes On­kels Diet­rich Knip­ping ein­stell­te. Hu­gen­poth war zu­nächst Amts­ver­wal­ter, wur­de 1607 nach Knip­pings Tod je­doch als Amts­mann zu Hamm be­stä­tigt. Hein­rich von Hö­vel ur­teilt über ihn:

Jo­an­nes Hu­gen­po­et in Gos­e­winckel schätz­te man als ei­nen Men­schen, dem die Wis­sen­schaft nicht gleich­gül­tig war. Mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Wil­helm, ei­nen Mann grö­ße­ren Flei­ßes und sehr be­le­sen, der vor nicht lan­ger Zeit aus dem Le­ben ge­ris­sen wur­de, hat­te er sich seit sei­ner Kind­heit der la­tei­ni­schen Spra­che ver­schrie­ben. Er trat in die Fuß­spu­ren sei­nes On­kels Diet­rich Knip­ping, ei­nes in theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten un­ver­gleich­li­chen Man­nes. Ge­gen­wär­tig am­tet er als Dros­te zu Hamm. (aus dem La­tei­ni­schen).

Um 1600 er­reich­te auch Haus Stock­um den Schei­tel­punkt sei­nes Wohl­stan­des. Jo­hann Hu­gen­poth er­warb noch 1607 den Dal­hof zu Flie­rich als mär­ki­sches Le­hen. Gleich­zei­tig je­doch ver­wi­ckel­ten ihn die Knip­pings zu Hack­furt in ei­nen kost­spie­li­gen Erb­schafts­pro­zess. Seit die­ser Zeit ging es mit Haus Stock­um berg­ab. Der wirt­schaft­li­che Nie­der­gang re­sul­tiert aus den glei­chen Ur­sa­chen wie spä­ter bei den Torcks zu Nord­her­rin­gen. Der Äl­tes­te über­nahm das Haupt­haus ge­gen hohe Ab­fin­dungs­sum­men. Sei­ne Ge­schwis­ter klag­ten ihre Aus­zah­lung ein, der Pro­zess zog sich je­doch in die Län­ge. Ne­ben den Ge­schwis­tern wa­ren nun­mehr auch Sohn und En­kel ab­zu­fin­den. Die Schul­den­last ver­viel­fäl­tig­te sich da­durch. Ein­zel­ne Gü­ter muss­ten ab­ge­sto­ßen wer­den, um die hart­nä­ckigs­ten Gläu­bi­ger zu be­frie­di­gen. Da­durch schrumpf­te die Grund­herr­schaft zu­sam­men.

Vik­tor Knip­ping hat­te 1544 ver­spro­chen, sei­nen Bru­der Hen­rich mit 5.300 Gul­den ab­zu­fin­den. Er er­wei­ter­te die Grund­herr­schaft in Stock­um be­trächt­lich und bau­te ein präch­ti­ges Schloss. Da­durch blieb ihm nicht mehr ge­nug Geld, dem Bru­der sein Erb­teil aus­zu­zah­len. Fünf­zig Jah­re spä­ter stand noch die Hälf­te der Sum­me aus. In meh­re­ren Pro­zes­sen zu Kle­ve und Spey­er setz­te die Er­ben­ge­mein­schaft von Bö­nen als Nach­fol­ger Hen­rich Knip­pings ihre An­sprü­che durch. Den Knip­pings blieb nur das hy­po­the­ken­be­las­te­te Haus Stock­um ein­schließ­lich des 1604 er­wor­be­nen Brink­hofs. Das Lo­haus mit dem Le­hen Gro­ne­wich (Schul­ze zur Wisch) ge­lang­te über Hen­rich Knip­ping d. Ä. (1622) und Franz Al­bert von Asche­brock (1652) an die Fa­mi­lie von Bra­beck (1661 – 1755). Die Knip­ping­schen Gü­ter im Rau­me Bo­chum mit dem Haus Grim­berg gin­gen an die Fa­mi­lie von Wes­ter­holt.

1617 trat Diet­rich Hu­gen­poth die Erb­schaft sei­nes Va­ters an. Da­bei muss­te er das Haus Stock­um ge­gen die An­sprü­che der Si­byl­la von Wes­ter­holt und Ge­orgs von Boe­nen be­haup­ten. Von höchs­ter Stel­le sprach ein Ur­teil Ge­org von Boe­nen das Haus zu. Diet­rich hei­ra­te­te dar­auf­hin Al­stein von Boe­nen und er­hielt da­durch die Rech­te an dem Hau­se Stock­um, wo­durch er es für sei­ne Fa­mi­lie ret­te­te.

Im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg wur­de die Burg mehr­fach be­setzt und ge­brand­schatzt. Diet­rich von Hu­gen­poth konn­te 1633 sein Le­hen nicht er­neu­ern, weil die Burg aus­ge­plün­dert wor­den war und sich in ei­nem ver­kom­me­nen Zu­stand be­fand.

1675 brach­te Wil­hel­mi­ne So­phie von Neu­hof statt ei­ner Mit­gift in bar ei­nen Schul­den­nach­lass von 3.000 Rth­lr in ihre Ehe mit Gies­bert Alex­an­der von Hu­gen­poth ein. 1696 wur­de eine Mit­gift für Gu­du­la Jo­han­na von Hu­gen­poth in Höhe von 3.000 Rth­lr ver­ein­bart. Ihr Ehe­mann Jo­hann Mo­ritz von Dün­ge­len sah da­von bis 1715 kei­nen Pfen­nig. Wei­te­re Erb­schafts­ver­pflich­tun­gen trie­ben die Schul­den des Hau­ses Stock­um auf 11.000 Rth­lr. Trotz­dem be­dach­te Gis­bert Alex­an­der tes­ta­men­ta­risch sei­ne Frau und sei­ne Kin­der mit Sum­men zwi­schen 400 und 4.000 Rth­lr.

Jo­hann Adolf Ste­phan von Ber­chem zu Wer­drin­gen, der seit 1693 mit der Erb­toch­ter En­gel Eli­sa­beth Chris­ti­ne von Hu­gen­poth ver­hei­ra­tet war, konn­te mit die­ser rie­si­gen Schul­den­last nicht al­lei­ne fer­tig­wer­den. 1725 war die For­de­rung der Fa­mi­lie von Dün­geln auf 12.573 Rth­lr an­ge­wach­sen. Die Gläu­bi­ger über­wach­ten je­den Ge­schäfts­gang ih­rer Schuld­ner. Die Ber­chems wa­ren auf die­se Wei­se völ­lig in ih­rer Hand. Schließ­lich ord­ne­te Fa­mi­lie von Dün­ge­len an, so­fort alle auf dem Haus Stock­um haf­ten­den Schul­den zu til­gen. Die Ber­chems konn­ten die­ser For­de­rung nur durch den Ver­kauf ein­zel­ner Gü­ter nach­kom­men, um we­nigs­tens den Rest zu hal­ten. Seit 1725 wa­ren alle Stock­u­mer Gü­ter ver­pfän­det. 1742 er­warb Ro­bert Nett­ler, ein Kauf­mann aus Unna, für 8.200 Rth­lr die Stock­u­mer Lip­pe­wei­den, den Gro­ßen Plack und den Kuh­kamp.

Da­mit war der Be­stand des Hau­ses für ei­ni­ge Jahr­zehn­te ge­si­chert. Nächs­ter In­ha­ber des Hau­ses Stock­um war Jo­hann Adolf Ste­phan von Ber­chems Sohn Jo­hann Fried­rich Mor­dio von Ber­chem (1723 – 1775). Ihm fie­len aus der Erb­schaft Fried­rich Chris­ti­ans von Be­ver­fo­er­de-Wel­dern 11.000 Rth­lr zu. Im Vor­griff auf die­se Erb­schaft hat­te die Fa­mi­lie al­ler­dings so vie­le Schul­den auf­ge­nom­men, dass sich ihre Fi­nanz­la­ge kaum bes­ser­te.

Haus Stock­um war im Jah­re 1768 samt sei­nem Zu­be­hör ein­schließ­lich Brink­hof und 27 Hö­fen und Kot­ten mit 58.375 Ta­lern ver­an­schlagt; zu die­ser Zeit war es be­reits mit 34.588 Ta­lern be­las­tet.

Die Ber­che­mer Er­bin Anna So­phia, Ehe­frau des Ge­hei­men Kriegs- und Do­mä­nen­rats Wer­ner Fried­rich Abra­ham von Ar­nim zu Hamm und Frei­frau von Ar­nim, die als tat­kräf­tig und klug ge­schil­dert wird, schob den Ruin des Hau­ses Stock­um noch­mals um zwan­zig Jah­re hin­aus. Sie ver­wal­te­te ab dem Jah­re 1776 das Gut für ih­ren min­der­jäh­ri­gen Sohn und wur­de 1778 selbst be­lehnt. Am Ende konn­te sie den Be­sitz dann nicht mehr hal­ten.

1796 läu­te­ten die Gläu­bi­ger die Zwangs­ver­stei­ge­rung ein. Der bis da­hin noch zu­sam­men­hän­gen­de Be­sitz wur­de zer­schla­gen. Er kam teils in bür­ger­li­che, teils in bäu­er­li­che Hän­de. Die Schloss­stel­le und die bei der Mar­ken­tei­lung 1777 zu­ge­wie­se­nen 64 Mor­gen Wald wur­den für 25.000 Ta­ler durch Gis­bert Frei­herr von Rom­berg auf Brün­nig­hau­sen (Ler­che, Rom­ber­ger Tan­nen) er­stei­gert. Man fass­te zu­nächst ins Auge, an­stel­le des über­flüs­sig ge­wor­de­nen Guts­ge­bäu­des ein zweck­mä­ßi­ge­res, klei­nes Haus zu er­rich­ten. Die­se Plä­ne wur­den je­doch nicht in die Tat um­ge­setzt. Nach ei­ner Be­stands­auf­nah­me von 1794 war das mas­si­ve, schie­fer­ge­deck­te Her­ren­haus 102 Fuß lang und hat­te je 34 Fuß Brei­te und Trau­fen­hö­he. Es muss ei­nen gro­ßen Saal be­ses­sen ha­ben und be­fand sich 1794 noch in ei­nem gu­ten bau­li­chen Zu­stand. Von Rom­berg ver­mie­te­te es zu­nächst an den Oberst­leut­nant von Heems­kerk.

Verfall der Burg

Etwa ein Jahr­zehnt spä­ter ge­lang­te Haus Hu­gen­poth durch Hei­rat an die Fa­mi­lie von Berg­heim, die es nicht mehr be­wohn­te, son­dern dem Ver­fall über­ließ. 1808 dien­ten die Räu­me des Haupt­hau­ses dem Päch­ter zur Auf­schüt­tung von Korn. 1824 galt es als sehr bau­fäl­lig. We­nig spä­ter wa­ren alle Fens­ter her­aus­ge­ris­sen und kei­ne Tür mehr in den An­geln.

Am An­fang des 20. Jahr­hun­derts wa­ren, wie Schwie­ters be­rich­tet, noch an­sehn­li­che Rui­nen – Mau­er­res­te von 7,5 m Höhe mit Tür- und Fens­ter­öff­nun­gen, Kel­ler­ge­wöl­ben und Trep­pen – vor­han­den. Der Burg­platz war zu die­ser Zeit im Be­sit­ze des Herrn von Rom­berg.

Heu­te sind an die­ser Stel­le nur noch un­be­deu­ten­de Mau­er­spu­ren zu fin­den. Den Rest be­deckt der Ra­sen.

Erhaltungszustand

Burg Stock­um und Burg Hu­gen­poth sind heu­te Bo­den­denk­mä­ler, an des­sen Er­hal­tung ein öf­fent­li­ches In­ter­es­se be­steht. Wis­sen­schaft­li­che Grün­de spre­chen für die Er­hal­tung, da die frü­he Ge­schich­te der Bur­gen si­cher­lich noch mit Res­ten im Bo­den er­forscht wer­den kann.

Bedeutung der Burgen für Herringen

Die Be­sit­zer von Haus Stock­um teil­ten sich mit den Torcks die Wei­de­herr­lich­keit in der Her­rin­ger Ge­mein­heit. Neu­an­sied­lun­gen in der Hei­de konn­ten nur mit ih­rer Ge­neh­mi­gung vor­ge­nom­men wer­den, eben­so Ver­än­de­run­gen in der Hei­de, We­ge­an­la­gen, Über­tre­tun­gen und Schüt­tun­gen. So ga­ben bei­spiels­wei­se die Häu­ser Stock­um und Nord­her­rin­gen 1705 dem Frei­herrn von der Re­cke zu Re­cke  die Er­laub­nis, eine Al­lee vom Haus Reck durch die Her­rin­ger Mark bis zur Be­ver zu pflan­zen. In Pacht­ver­trä­gen und Ge­winn­brie­fen lie­ßen sich die Herr­scher von Haus Stock­um ihre Wei­de­ge­rech­tig­keit aus­drück­lich be­stä­ti­gen.

Ihre Wei­de­herr­lich­keit ver­lor Haus Stock­um dann bei der Ver­ein­ze­lung. Die Her­rin­ger Bau­ern be­strit­ten ihm das Recht der Schaf­drift. Für un­er­laub­te Schaf­drift im Ham­mer Wes­ten­mersch, wo Stock­um frü­her die Fi­sche­rei in­ne­hat­te, er­rech­ne­ten sie 1821 ei­nen Scha­den von 47 Thlr 26 gr. Die Fi­sche­rei auf der Lip­pe öst­lich der Torck­schen Lip­pe­brü­cke und ein Stück Heu­land gin­gen 1432 über Her­mann von Neheim an Gerd Knip­ping. Von 1577 bis 1598 hat­te sie der Ham­mer Bür­ger und Wirt Jost Hüls­hoff vom Hüls­hoff in Her­rin­gen ge­pach­tet. Da­nach über­trug der Lan­des­herr die Fi­sche­rei der Fa­mi­lie von Ga­len auf Haus Er­me­ling­hof.

Un­mit­tel­ba­ren Ein­fluss auf die Ge­mein­de Her­rin­gen nah­men Fa­mi­lie Hu­gen­poth und Fa­mi­lie Be­chem nach 1604, als sie den Bink­hof mit den Her­rin­ger Hö­fen Hüls­hoff, Hel­mig und Hilbk auf­kauf­ten.

In kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten ga­ben die Her­ren des Hau­ses Stock­um ihre Stim­me bei der Wahl der Ge­mein­de­be­am­ten und der Pre­di­ger ab. Um die Wen­de des 16. Jahr­hun­derts ließ Jo­hann von Hu­gen­poth sei­ne Ehe­frau Anna von Pent­ling und ihre drei­jäh­ri­ge Toch­ter Cla­ra Anna in der Her­rin­ger Kir­che bei­set­zen. Zu ih­rem Ge­dächt­nis wur­den prunk­vol­le Epi­ta­phi­en in der Werk­statt des mün­s­te­r­i­schen Bild­hau­ers Hans La­cke ge­ar­bei­tet. Etwa zeit­gleich be­kam die Kir­che eine Wap­pen­ta­feln von Jü­lich, Kle­ve, Berg, Mark und Ra­vens­berg, Amts­zei­chen und Ho­heits­sym­bol der Amts­män­ner­dy­nas­tie Knip­ping-Hu­gen­poth. Von den Hu­gen­poths stammt die ein­zi­ge Ar­men­stif­tung von ade­li­ger Hand. Frau von Hu­gen­poth, ge­bo­re­ne von Be­ring­hau­sen, über­wies 100 Rth­lr, Diet­rich Hu­gen­poth wei­te­rer fünf­zig. Für die jähr­li­chen Zin­sen hat­ten der Bink­hof und der Hüls­hoff auf­zu­kom­men. Die Ber­chems ha­ben in re­li­giö­sen und po­li­ti­schen Ge­mein­de­an­ge­le­gen­hei­ten kaum noch ein Mit­spra­che­recht gel­tend ge­macht. In Sand­bo­chum blieb der Ein­fluss des Hau­ses Stock­um bis in das 19. Jahr­hun­dert nach­hal­tig spür­bar. Stock­um war hier größ­ter Land­be­sit­zer, Grund­herr al­ler Höfe, Zehnt­ein­neh­mer und Wei­de­herr.

Die In­sol­venz des Hau­ses Stock­um hat­te für Her­rin­gen nicht die glei­chen um­wäl­zen­den Fol­gen wie der Torck­sche Zu­sam­men­bruch neun Jah­re zu­vor. Nur ei­ni­ge Stock­u­mer Be­sit­zun­gen im Nord­wes­ten der Ge­mein­de wur­den in bür­ger­li­che Hän­de über­tra­gen. Für die Her­rin­ger Höfe der al­ten Grund­herr­schaft Bink­hof rück­ten die Un­ab­hän­gig­keit von guts­herr­li­cher Be­vor­mun­dung und der Weg in die Frei­heit in greif­ba­re Nähe.

Lage des Haus Stockum (Werne)

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