Burg Mark

Burg Mark

Das Foto zeigt eine Bodenmarkierung auf der Hauptburg des Burghügels in der Mark in Hamm. Diese markiert den früheren Standort des Palas von Burg Mark.

Das Foto zeigt eine Bo­den­mar­kie­rung auf der Haupt­burg des Burg­hü­gels in der Mark in Hamm. Die­se mar­kiert den frü­he­ren Stand­ort des Pa­las von Burg Mark.

Burg­hü­gel Mark
Alternativname(n): Haus Mark
Ent­ste­hungs­zeit: um bzw. vor 1198
Bur­gen­typ: Turm­hü­gel­burg (Mot­te)
Er­hal­tungs­zu­stand: Erd­werk – Mot­te
Stän­di­sche Stel­lung: Lan­des­herr­li­che Burg, Gra­fen­sitz (Haus Von der Mark)
Bau­wei­se: Bruch­stein
Ort: Hamm
Geo­gra­phi­sche Lage 51° 40′ 56″ N, 7° 50′ 48″ O

Die Burg Mark war eine mit­tel­al­ter­li­che Be­fes­ti­gungs­an­la­ge in Mark (Stadt­be­zirk Hamm-Uen­trop) in Nord­rhein-West­fa­len.

Seit spä­tes­tens 1198 be­fand sie sich im Be­sitz der Gra­fen von Berg-Al­te­na. Als ers­ter Graf mach­te Adolf I. von der Mark die Burg zu sei­nem Sitz und nann­te sich nach ihr co­mes de Mar­ca (auch: co­mes be Mar­ka) bzw. mo­dern Graf von der Mark. Seit dem 3. April 1990 ist das heu­te als „Burg­hü­gel Mark“ be­zeich­ne­te Ge­län­de als Bo­den­denk­mal ka­te­go­ri­siert. Von den Bau­wer­ken der eins­ti­gen Turm­hü­gel­burg (Mot­te) ist so gut wie nichts mehr er­hal­ten.

Geschichte

Wann ge­nau die Ge­schich­te der Burg Mark be­ginnt, ist un­ge­wiss. Es ist eher un­wahr­schein­lich, dass schon im 12. Jahr­hun­dert eine gro­ße Mot­te vor­han­den war. Zum Ei­nen dürf­te die Er­rich­tung ei­ner gro­ßen Be­fes­ti­gung in un­mit­tel­ba­rer Nähe zum Haupt­sitz der Li­nie Werl-Hö­vel aus po­li­ti­schen Grün­den pro­ble­ma­tisch ge­we­sen sein. Zum An­de­ren ha­ben ar­chäo­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen bis­her kei­ner­lei Fund­ma­te­ri­al aus dem 12. Jahr­hun­dert zu Tage ge­för­dert. Die ei­gent­li­che Burg ist also wahr­schein­lich erst um 1200 an­ge­legt wor­den. Das da­ma­li­ge An­we­sen war ver­mut­lich ein Hof, der al­len­falls mit ei­ner Gräf­te um­ge­ben war.

Rabodo von der Mark und Friedrich von Altena

Als Er­bau­er der Burg­an­la­ge gilt Fried­rich von Berg-Al­te­na. Der spä­te­re Burg­hü­gel ge­hör­te zu den Be­sit­zun­gen des Ober­ho­fes Mark, dem Schul­ten­hof, auf des­sen Ge­län­de seit etwa 1000 nach Chris­tus die Pan­kra­ti­us­kir­che steht. Die­se war mit ei­ni­ger Wahr­schein­lich­keit zu­nächst ei­nem an­de­ren Hei­li­gen ge­weiht, etwa dem Hei­li­gen Mar­tin. Pan­kra­ti­us ge­hör­te zu den Schutz­hei­li­gen des Hau­ses Berg-Al­te­na-Mark; die Pan­kra­ti­us­ver­eh­rung wur­de also ver­mut­lich erst von die­sen in der Re­gi­on eta­bliert. Ent­spre­chend wur­de die Pan­kra­ti­us­kir­che spä­ter zur Haus­kir­che der Gra­fen von der Mark und ih­rer Burg­an­la­ge.

Lageplan der Burg Mark

La­ge­plan der Burg Mark

Fried­rich er­warb den Ober­hof, die Kir­che und die zu­ge­hö­ri­gen Be­sit­zun­gen (da­mit auch den Burg­hü­gel) zu ei­nem Zeit­punkt zwi­schen 1170 und 1198. Un­ter wel­chen Um­stän­den er in den Be­sitz des ehe­ma­li­gen Ober­ho­fes Mark und der an­ge­glie­der­ten Gü­ter ge­kom­men ist, ist nicht voll­stän­dig ge­klärt. Es exis­tie­ren ver­schie­de­ne Ver­sio­nen die­ser Ge­schich­te. Alle Quel­len sind sich wei­test­ge­hend dar­über ei­nig, dass das Ge­län­de bis etwa 1170 im Be­sitz ei­nes ge­wis­sen Ra­bo­do von der Mark stand. Un­ei­nig­keit be­steht aber be­reits, wenn es dar­um geht, Aus­sa­gen über die Per­son Ra­bo­dos zu tref­fen. Ei­ni­ge Au­to­ren spre­chen da­von, dass Ra­bo­do ei­ner der Edel­her­ren von Rü­den­berg war. Da­nach be­saß die Fa­mi­lie von Rü­den­berg noch in der Mit­te des 12. Jahr­hun­derts den Ober­hof in der Mark. Ge­gen Mit­te des zwölf­ten Jahr­hun­derts teil­ten die Brü­der Con­rad und Ra­bo­do ihre vä­ter­li­chen Gü­ter (ver­mut­lich 1166). Der Ober­hof Mark fiel dem Ra­bo­do zu. Von die­ser Zeit an führ­te er den Bei­na­men von der Mark, erst­mals er­wähnt in der Bre­del­ar­schen Stif­tungs­ur­kun­de von 1170. Nach Rein­hold Stirn­berg sind Ra­bo­do von der Mark und der Edel­herr Ra­bo­do von Rü­den­berg zwei un­ter­schied­li­che Per­so­nen, die bei­de zu­sam­men in ei­ner Köl­ner Ur­kun­de von 1169 als Zeu­gen auf­ge­tre­ten sein sol­len. Der Edel­herr soll be­reits 1170 ver­stor­ben sein, Ra­bo­do vor der Mark spä­tes­tens 1178. Ge­gen die­se Va­ri­an­te spricht je­doch der his­to­ri­sche Kon­text. Der Ober­hof Mark im Dorf Mark bei Hamm war der äl­tes­te Be­sitz der Edel­her­ren von Rü­den­berg, ihr Al­lod. Es gibt kei­ne An­halts­punk­te da­für, dass die­ser Be­sitz den Edel­her­ren von Rü­den­berg vor 1170 ab­han­den­ge­kom­men wäre. Au­ßer­dem lässt sich nicht plau­si­bel ma­chen, wie der Ober­hof dann in den Be­sitz ei­nes Ra­bo­do von der Mark ge­langt wäre, der zu­fäl­li­ger­wei­se den glei­chen (sel­te­nen) Na­men trägt wie der Erbe des Hau­ses Rü­den­berg. War­um der Ober­hof da­ge­gen im Jah­re 1170 den Be­sit­zer wech­sel­te, lässt sich pro­blem­los nach­voll­zie­hen. Seit 1167 war Phil­ipp I. von Heins­berg Erz­bi­schof von Köln. Seit sei­nem Amts­an­tritt setz­te er die kon­se­quen­te Macht­stei­ge­rungs­po­li­tik sei­ner Vor­gän­ger fort, in­ten­si­vier­te aber de­ren vor al­lem ter­ri­to­ria­le Aus­deh­nung, in­dem er die Bur­gen sei­ner Va­sal­len auf­kauf­te und sie er­neut als Le­hen aus­gab. Da­mit blieb Phil­ipp zwar Lehns­neh­mer des Kai­sers und auch die Va­sal­len hiel­ten ihre Ter­ri­to­ri­en letzt­end­lich als kai­ser­li­che Le­hen, doch war durch den Kauf und die Rück­ver­leh­nung die un­mit­tel­ba­re Bin­dung an den Erz­bi­schof stär­ker ge­wor­den. Beim Tod des Kai­sers wäre der wei­te­re ter­ri­to­ria­le Zu­sam­men­halt des Erz­bis­tums nicht mehr al­lei­ne durch die Be­stä­ti­gung der Le­hen durch den neu­en Kai­ser ab­hän­gig ge­we­sen. So ver­kauf­te Ra­bo­do laut Schro­eder im Jah­re 1169 den Hof aus aku­tem Geld­man­gel an Phil­ipp von Heins­berg. Auf die­se Wei­se wur­de der Ober­hof Mark Ei­gen­tum des Erz­bi­schofs und Ra­bo­do des­sen Va­sall. Ähn­li­che Ge­schäf­te hat Phil­ipp von Heins­berg stän­dig ge­tä­tigt. So hat er bei­spiels­wei­se auch Nien­brüg­ge von ih­rem da­ma­li­gen Be­sit­zer Ar­nold von Al­te­na ge­kauft. Und auch Jut­ta, die Toch­ter Lud­wigs V. von Thü­rin­gen, ver­kauf­te Schloss Neu­wind­eck an Phil­ipp und wur­de gleich dar­auf da­mit be­lehnt. Es ent­sprach also Phil­ipps ganz gän­gi­ger Ge­schäfts­pra­xis, die er­wor­be­nen Be­sit­ze an ih­ren ur­sprüng­li­chen Ei­gen­tü­mer zu be­leh­nen. Auch in­so­fern ist es also plau­si­bel, dass Ra­bo­do von der Mark, der Ver­käu­fer des Ober­ho­fes Mark, iden­tisch sein muss mit Ra­bo­do, Edel­herr von Rü­den­berg, Erbe des Hau­ses Rü­den­berg und des Ober­ho­fes Mark. Ra­bo­do hat sich nur des­halb von dem lang­jäh­ri­gen Fa­mi­li­en­ei­gen­tum ge­trennt, weil er wuss­te, dass er es als Le­hen zu­rück­er­hal­ten wür­de.

Phil­ipp von Heins­berg kauf­te also von Ra­bo­do von der Mark, Edel­herr von Rü­den­berg, für 400 Mark den Ober­hof Mark, wor­auf­hin Ra­bo­do das Gut zum Le­hen er­hielt und zu Phil­ipps Va­sal­len wur­de. In ei­ner Ur­kun­de vom 19. Juni 1178 be­stä­tig­te Papst Alex­an­der III. auf Bit­ten des Phil­ipp von Heins­berg der Köl­ner Kir­che all ihre Be­sit­zun­gen, dar­un­ter auch Burg Mag: Burg Mar­cha mit dem ge­sam­ten Al­lod, dem frei­en Ei­gen­tum des Ra­bo­do von der Mark. Am 7. März 1184 wie­der­hol­te dies Papst Lu­ci­us III. Der Köl­ner Kir­che wur­de die Burg Mark mit dem gan­zen Al­lod des Ra­bo­do und mit sei­nen Zu­be­hö­run­gen und Dienst­man­nen zu­ge­stan­den.

Die Burg der Grafen von der Mark | Bauform nach alten Plänen und archäologischem Befund

Die Burg der Gra­fen von der Mark | Bau­form nach al­ten Plä­nen und ar­chäo­lo­gi­schem Be­fund

Nur kur­ze Zeit nach dem Ver­kauf, ver­mut­lich 1170, ver­starb Ra­bo­do von der Mark je­doch. Da­mit er­losch das Ge­schlecht de­rer von Rü­den­berg im Man­nes­stamm; das To­des­da­tum des Edel­her­ren be­nennt auch Stirn­berg mit 1170.

Zur Fra­ge, wie der Ober­hof an Fried­rich ge­lang­te, exis­tie­ren ver­schie­de­ne Ant­wor­ten. Die ers­te lau­tet, dass der Kauf­ver­trag das Pa­pier, auf dem er stand, nicht wert war, und Ra­bo­do das Gut noch ein­mal ver­kauf­te, dies­mal an Fried­rich. Die­se Va­ri­an­te dürf­te völ­lig aus­ge­schlos­sen sein. Ei­nen der­ar­ti­gen Im­mo­bi­li­en­be­trug zu sei­nen Las­ten hät­te Phil­ipp von Heins­berg, der akri­bisch ge­nau dar­auf be­dacht war, die Edel­leu­te von sich ab­hän­gig zu ma­chen und Kon­trol­le über ihre Be­sitz­tü­mer aus­zu­üben, nie­mals un­wi­der­spro­chen hin­ge­nom­men. Nach an­de­rer Dar­stel­lung ver­kauf­te Ra­bo­do – mit Zu­stim­mung des Lehns­herrn – le­dig­lich sein Lehns­recht an Fried­rich von Al­te­na (In ei­ner Ab­wand­lung die­ser An­nah­me ge­schah dies im Jahr 1178, was eine et­was län­ge­re Le­bens­span­ne Ra­bo­dos vor­aus­setzt.) Die drit­te Ver­si­on lau­tet, dass der Erz­bi­schof sel­ber Fried­rich mit dem Ober­hof be­lehnt hat. Da Ra­bo­do kurz nach dem Ver­kauf des Gu­tes starb, ist der Ober­hof re­la­tiv rasch an den Köl­ner Erz­bi­schof zu­rück­ge­fal­len. Da das Ge­schlecht de­rer von Rü­den­berg im Man­nes­stamm er­lo­schen war, lag es nahe, dass Phil­ipp sich ei­nen an­de­ren Lehns­mann und Va­sal­len such­te. Fried­rich er­warb den Ober­hof Mark mög­li­cher­wei­se noch im Lau­fe von Ra­bo­dos To­des­jahr 1170, nach an­de­rer Dar­stel­lung erst zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt; spä­tes­tens je­doch im Jah­re 1198, da die Be­sit­zung nach sei­nem Tod auf sei­nen Sohn Adolf über­ging. Und nach ei­ner vier­ten Va­ri­an­te er­warb Fried­rich von Berg-Al­te­na das An­we­sen im Jah­re 1198 durch Ver­mitt­lung sei­nes Dros­ten Lu­dolf von Boe­nen, wahl­wei­se von Ra­bo­do, was aus­ge­schlos­sen ist, da die­ser zu die­sem spä­ten Zeit­punkt lan­ge tot war, von Phil­ipp von Heins­berg oder von dem von 1193 bis 1205 am­tie­ren­den Köl­ner Erz­bi­schof Adolf I. von Al­te­na. Wenn man von ei­nem frü­hen Ge­burts­ter­min des Gra­fen Adolf aus­geht (vgl. Adolf I. von der Mark), könn­te Adolf I. die An­la­ge auch sel­ber er­wor­ben ha­ben, ob­wohl dies zu Leb­zei­ten sei­nes Va­ters nicht wirk­lich plau­si­bel ist, da die­ser als am­tie­ren­der Graf von Al­te­na In­ha­ber des Fa­mi­li­en­be­sit­zes war.

Burg Mark - Karte der Grafschaft Mark

Burg Mark – Kar­te der Graf­schaft Mark

Es ist also frag­lich, ob der Köl­ner Erz­bi­schof le­dig­lich ei­ner Über­tra­gung des Lehns­rechts von Ra­bo­do an Fried­rich zu­ge­stimmt oder ob er Fried­rich selbst mit den mär­ki­schen Gü­tern be­lehnt hat. Fest steht aber, dass Fried­rich auf das Wohl­wol­len des Erz­bi­schofs zäh­len konn­te. Wäh­rend der Feh­de Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sas mit dem Sach­sen­her­zog Hein­rich dem Lö­wen un­ter­stütz­te Fried­rich von Berg-Al­te­na den Kai­ser und den Köl­ner Erz­bi­schof. In der Fol­ge der Aus­ein­an­der­set­zung ent­zog Bar­ba­ros­sa dem Sach­sen­her­zog die Herr­schaft über das Stam­mes­her­zog­tum Sach­sen und gab Tei­le da­von in die Hän­de des Köl­ner Erz­bi­schofs, der von nun an als Her­zog von West­fa­len über das neu ent­stan­de­ne Her­zog­tum West­fa­len herrsch­te. Die Be­leh­nung des Fried­rich von Berg-Al­te­na mit dem mär­ki­schen Ge­län­de stellt sich so­mit als Lohn für die treu­en Diens­te dar, die Fried­rich dem Erz­bi­schof von Köln ge­leis­tet hat­te.

Im Jah­re 1173 teil­te Fried­richs Va­ter Eber­hard I. das Erbe un­ter sei­nen Söh­nen auf, die sich bei­de Gra­fen von Al­te­na nann­ten. Das oft als sein Ge­burts­jahr be­zeich­ne­te Jahr 1173 ist also in Wirk­lich­keit das Jahr, in dem Fried­richs Herr­schaft als Graf von Al­te­na be­gann. Im Jah­re 1180 starb Eber­hard I. als Lai­en­bru­der im Klos­ter Al­ten­berg. Spä­tes­tens zu die­sem Zeit­punkt muss es zum Kon­flikt zwi­schen den Brü­dern Fried­rich und Ar­nold ge­kom­men sein. Es ent­brann­te ein er­bit­ter­ter Streit um die Erb­mas­se des Va­ters (Al­te­nai­sche Erb­tei­lung), der sich über Jah­re hin­zog und schließ­lich in ei­ner bis da­hin ein­ma­li­gen, für je­des ein­zel­ne Be­sitz­tum über­aus ge­nau ge­re­gel­ten Erb­tei­lung en­de­te. Da­bei soll Fried­rich der Aus­lö­ser des Strei­tes ge­we­sen sein. Die Au­ßer­ge­wöhn­lich­keit die­ses Vor­gangs legt al­ler­dings nahe, dass der Erb­streit in Wirk­lich­keit auf das Wir­ken Phil­ipps von Heins­berg zu­rück­geht, der auf die­se Wei­se das Ent­ste­hen ei­ner gro­ßen Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft in frem­dem Be­sitz in der Nach­bar­schaft sei­nes neu­en Herr­schafts­ge­bie­tes ver­hin­dern woll­te. Die lang­wie­ri­ge Aus­ein­an­der­set­zung muss spä­tes­tens im To­des­jahr Fried­richs (1198 oder 1199) ab­ge­schlos­sen ge­we­sen sein, da an­sons­ten sein Sohn Adolf I. von der Mark sein Erbe si­cher­lich nicht so pro­blem­los hät­te an­tre­ten kön­nen, wie er es dann ge­tan hat.

Adolf I. von der Mark

Burg Mark - Hinweis Denkmal Burghügel Mark

Burg Mark – Hin­weis Denk­mal Burg­hü­gel Mark

Fried­rich hei­ra­te­te noch vor 1198/99 Al­ve­ra­dis von Kriecken­beck, Toch­ter des Gra­fen Rai­ner. Sei­ne Söh­ne wa­ren Graf Adolf I. von der Mark und Fried­rich.

Adolf von der Mark wird von vie­len His­to­ri­kern für jün­ger ge­hal­ten, als er bei ge­nau­er Be­trach­tung der Ur­kun­den­la­ge tat­säch­lich sein kann. Oft wird das Jahr 1194 als sein Ge­burts­jahr ge­nannt, weil Adolf von der Mark in die­sem Jahr erst­mals ur­kund­lich er­wähnt wird. Die Ur­kun­de von 1194 zeigt aber auf, dass Adolf in die­sem Jahr als Zeu­ge ei­nes Rechts­ge­schäfts sei­nes Va­ters auf­tritt; er muss also zu die­sem Zeit­punkt be­reits mün­dig ge­we­sen sein. Auch an­de­re In­di­zi­en wei­sen dar­auf hin, dass Graf Adolf in Wirk­lich­keit zu ei­nem weit frü­he­ren Zeit­punkt ge­bo­ren wor­den ist, mög­li­cher­wei­se um 1181 oder 1182 (vgl. dazu den Ar­ti­kel über Graf Adolf I. von der Mark).

Ab 1181/1182, dem mut­maß­li­chen Ge­burts­jahr des Gra­fen Adolf, wäre eine Er­rich­tung von Burg Mark durch Adolfs Va­ter Fried­rich von Berg-Al­te­na plau­si­bel. Un­ge­fähr zu die­sem Zeit­punkt war die Al­te­nai­sche Erb­tei­lung ab­ge­schlos­sen, was zu­gleich be­deu­te­te, dass Fried­richs Stamm­burg Al­te­na für ihn wert­los ge­wor­den war. Fried­richs Bru­der Ar­nold von Al­te­na näm­lich hat­te die Burg hälf­tig ge­erbt und sei­nen An­teil spä­ter an den Köl­ner Erz­bi­schof ver­äu­ßert, in dem Fried­rich ei­nen un­be­que­men Mit­ver­wal­ter fand. Fried­rich konn­te Burg Al­te­na so­mit nicht mehr al­lein ver­wal­ten, was ein Aus­wei­chen auf ei­nen al­ter­na­ti­ven Stand­ort, der in sei­nem al­lei­ni­gen Be­sitz stand, at­trak­tiv er­schei­nen ließ. Des Wei­te­ren war Burg Mark sei­nem Sohn Adolf zu­ge­dacht, der ihm spä­ter als Graf von Al­te­na nach­fol­gen soll­te. Der Burg­hü­gel in der Mark bot sich zu­dem durch sei­ne stra­te­gi­sche Lage an. Da er sich in un­mit­tel­ba­rer Nähe zu Nien­brüg­ge er­hob, das Fried­richs Bru­der Ar­nold nach sei­nem Aus­zug aus Burg Al­te­na zu sei­ner Stamm­burg und Re­si­denz ge­macht hat­te, be­hin­der­te die Er­rich­tung ei­ner Burg auf die­sem Ge­län­de die ter­ri­to­ria­le Aus­deh­nung des al­te­na­isch-isen­ber­gi­schen Fa­mi­li­en­zwei­ges (Ar­nold und des­sen Sohn Fried­rich von Isen­berg), der in stän­di­gem Kon­kur­renz­kampf zum al­te­na­isch-mär­ki­schen Fa­mi­li­en­zweig des Hau­ses Berg (Fried­rich von Berg-Al­te­na und Adolf von der Mark) stand.

Wappen der Grafen von Mark

Wap­pen der Gra­fen von Mark

Es ist so­mit plau­si­bel, dass Burg Mark nicht durch Ra­bo­do von Rü­den­berg oder Graf Adolf von der Mark er­baut wor­den ist, wie in ei­ni­gen Quel­len be­haup­tet wird, son­dern auf Ver­an­las­sung Fried­richs. All­ge­mein wird das Jahr 1198 für den Bau­be­ginn ge­nannt. Ein frü­he­res Da­tum lässt sich nicht nach­wei­sen, we­der an­hand von Quel­len noch durch ar­chäo­lo­gi­sche Be­fun­de, ob­wohl es die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on na­he­legt. Je­den­falls wur­de die Burg­an­la­ge auf dem gro­ßen Hü­gel in der Mark noch vor 1200 er­rich­tet. Schon im Jah­re 1202 nann­te sich Graf Adolf nach sei­ner neu­en Be­sit­zung „Graf Adolf von der Mark“.

In man­chen Quel­len ist die Rede da­von, dass Fried­rich eine Burg des Ra­bo­do bzw. den Ober­hof Mark zur Burg Mark aus- oder um­bau­en ließ. Dies deckt sich je­doch nicht mit den ar­chäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen von 1973/1975. Äl­te­re Bau­zu­stän­de als die der Burg­an­la­ge Fried­richs lie­ßen sich auf dem Burg­hü­gel nicht fest­stel­len. Soll­te es eine Burg des Ra­bo­do ge­ge­ben ha­ben, ist die­se an an­de­rer Stel­le zu su­chen. Auch der Ober­hof Mark hat sich nicht an die­sem Stand­ort be­fun­den. Er lag viel­mehr un­ter der Be­zeich­nung Schul­ten­hof in der Nähe der Pan­kra­ti­us­kir­che, die auf sei­nem Ge­län­de er­rich­tet wor­den ist. Wenn der Hü­gel über­haupt be­baut war, dann mit ei­nem klei­ne­ren Ge­höft, das bes­ten­falls von ei­ner Gräf­te um­ge­ben war.

Das Geld für den Bau der Burg Mark stamm­te aus dem Ver­kauf des Flur­stücks Wi­se­berg bei Nien­brüg­ge, das Fried­richs Va­ter Eber­hard für sei­nen Sohn ge­kauft hat­te, an den Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg ei­ni­ge Jah­re zu­vor (mög­li­cher­wei­se hat­te sich Fried­rich durch die Über­ga­be des Wie­sen­stücks an den Köl­ner Erz­bi­schof auch das Lehns­recht an Ober­hof Mark er­kauft). Die­ses Flur­stück gab Adolf I. von Al­te­na, ab 1193 neu­er Erz­bi­schof von Köln, an Fried­rich von Al­te­na zu­rück, so wie er vie­le der Gü­ter, die Phil­ipp von Heins­berg ge­kauft hat­te, zu­rück­gab, um die Edel­leu­te der Re­gi­on, die teil­wei­se nah mit ihm ver­wandt wa­ren, zu un­ter­stüt­zen. Auf dem be­sag­ten Flur­stück wur­de spä­ter die Stadt Hamm er­baut. Adolf von der Mark hat­te die Grün­dung ei­ner Stadt im Win­kel zwi­schen Lip­pe und Ahse be­reits vor 1226 ins Auge ge­fasst; eine Ur­kun­de aus dem Jah­re 1213 legt nahe, dass er mög­li­cher­wei­se ver­sucht hat, das Dorf Mark mit Stadt­rech­ten zu ver­se­hen. Je­doch be­fand sich die­ser Stand­ort viel zu nah an den Be­sit­zun­gen von Fried­richs Ver­wand­ten, den Gra­fen von Hö­vel, und ih­rer Re­si­denz Nien­brüg­ge; der Ver­such ei­ner Stadt­grün­dung an die­sem Stand­ort wäre von Nien­brüg­ge aus um­ge­hend un­ter­bun­den wor­den. Erst als mit Fried­rich von Isen­berg der letz­te Graf von Hö­vel we­gen sei­ner Ver­stri­ckung in die Er­mor­dung des Köl­ner Erz­bi­schofs En­gel­bert I. im Jah­re 1226 aufs Rad ge­floch­ten wur­de, konn­te Adolf von der Mark sei­ne Herr­schaft in die­sen Be­reich hin­ein aus­deh­nen und die süd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen al­te­a­ni­schen Be­sitz­tü­mer un­ter sei­ner Herr­schaft ver­ei­nen.

Burg Mark - Wappen

Burg Mark – Wap­pen

Im Jah­re 1226 grün­de­te Graf Adolf I. von der Mark die Stadt Hamm und gab dort den Bür­gern des von ihm als Stra­fe für die Mord­tat zer­stör­ten Nien­brüg­ge eine neue Heim­statt. Er ließ in der Stadt ei­nen be­fes­tig­ten gräf­li­chen Sitz er­rich­ten, die Stadt­burg Hamm. Zu­sam­men mit sei­nen al­te­nai­schen Be­sit­zun­gen und der sei­ner neu er­rich­te­ten Fes­te Blan­ken­stein bil­de­te Hamm den Grund­stein für die spä­te­re Herr­schaft Adolfs, die sich letzt­end­lich zur Graf­schaft Mark ent­wi­ckeln soll­te. In der Stadt Hamm do­mi­nier­ten zu­nächst die rit­ter­li­chen Dienst­leu­te des Gra­fen, die Burg­man­nen. Sie leb­ten auf Burg Mark und in der Stadt, teil­wei­se auch auf ih­ren Hö­fen au­ßer­halb der Stadt. Burg Mark hat­te eine Be­sat­zung von zwölf rit­ter­li­chen Burg­man­nen, was sehr viel war; Burg Al­te­na hat­te nur fünf und die Burg Blan­ken­stein sechs. Hamm wur­de zu­sam­men mit der Burg durch die­se her­vor­ge­ho­be­ne Po­si­ti­on der Vor­ot der Graf­schaft Mark. Die Burg­man­nen in Mark hat­ten das Bür­ger­recht in Hamm inne und da­mit auch das Recht der Rats­wahl. Sie leb­ten von ih­rem Grund­be­sitz und wa­ren von Ab­ga­ben be­freit.

Im Jahr 1243 en­de­te die Feh­de („Isen­ber­ger Wir­ren“) zwi­schen Adolf von der Mark und Fried­richs Sohn Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg, der die nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Gü­ter, dar­un­ter Bock­um und Hö­vel, für sich be­an­spru­chen konn­te. Diet­rich be­grün­de­te die Graf­schaft Lim­burg, wäh­rend Adolf von der Mark die Graf­schaft Mark ins Le­ben rief.

Grafschaft Mark

Die na­he­ge­le­ge­ne Pfarr­kir­che St. Pan­kra­ti­us stell­te ein Si­cher­heits­ri­si­ko für die Burg dar. Es be­stand die Ge­fahr, dass An­grei­fer zu­nächst die Kir­che in Be­sitz nah­men und de­ren ho­hen Berg­fried nutz­ten, um die Burg zu be­schie­ßen. Aus die­sem Grun­de ver­an­lass­te Graf En­gel­bert I. von der Mark im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Bi­schö­fen von Müns­ter im Jah­re 1251, den Kirch­turm ab­zu­bre­chen und ge­gen ei­nen we­ni­ger ho­hen Bau zu er­set­zen. Zum Aus­gleich über­ließ En­gel­bert der Kir­che zur Mark das Gut Schme­hau­sen.

Burg­hü­gel Mark

Die ers­ten schrift­li­chen Er­wäh­nun­gen der Burg als cas­trum fal­len in die Jah­re 1256 und 1265. In die­sen Jah­ren wur­den auf der Burg be­züg­lich Klos­ter Wel­ver Ur­kun­den aus­ge­stellt. Die Un­ter­hal­tung der Ge­bäu­de ob­lag dem Burg­her­ren. Zur Aus­füh­rung der Erd­ar­bei­ten, etwa das Rei­ni­gen der Grä­ben, wa­ren hin­ge­gen die Be­woh­ner des zu­ge­hö­ri­gen Am­tes ver­pflich­tet (noch für das Jahr 1599 be­legt). Dass die Ver­pflich­te­ten ge­le­gent­lich zur Aus­füh­rung der not­wen­di­gen Ar­bei­ten er­mahnt wer­den muss­ten, zeigt eine Ur­kun­de aus dem Jahr 1575. Wäh­rend der Ar­bei­ten war der Burg­herr ver­pflich­tet, die Ar­bei­ter zu ver­kös­ti­gen. Zur Rei­ni­gung der Grä­ben wur­den Käh­ne ver­wandt, mit de­nen die Ar­bei­ter über die Grä­ben fuh­ren.

Bis 1391 war die Burg Mark der Haupt­sitz der Gra­fen von der Mark. Im 13. Jahr­hun­dert be­stand eine star­ke Mann­schaft von etwa 10 bis 15 Burg­man­nen. Schon aus die­ser Zahl lässt sich ab­lei­ten, dass für sie kei­ne be­son­de­ren Woh­nun­gen auf der Vor­burg er­rich­tet wor­den sind; für so vie­le Häu­ser gab es dort kei­nen Platz. Es ist da­her an­zu­neh­men, dass sie zu­sam­men mit dem Burg­herrn auf der Haupt­burg leb­ten und dort kei­nen selbst­stän­di­gen Haus­halt führ­ten. Be­feh­ligt wur­den sie vom Gra­fen per­sön­lich oder von sei­nem Stell­ver­tre­ter, dem Dros­ten. Die Burg­man­nen bil­de­ten eine Ge­nos­sen­schaft, die ein ei­ge­nes Sie­gel führ­te (eine nied­ri­ge Burg­mau­er mit ei­nem Turm auf ver­zier­tem Grund, dar­auf eine Stan­ge mit ei­ner Fah­ne, auf der das Wap­pen des Burg­herrn ent­hal­ten war) und fest­ge­leg­te Rech­te und Pflich­ten hat­te. Noch im Jah­re 1393 be­stä­tig­te Graf Diet­rich II. von der Mark der Burg­mann­schaft alle Rech­te. Dar­un­ter ist vor al­lem das Pri­vi­leg zu nen­nen, kei­ner an­de­ren Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen zu sein als der des Lan­des­herrn selbst oder der sei­nes Stell­ver­tre­ters. Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Burg­man­nen oder zwi­schen Burg­man­nen und ih­rem Herrn wur­den im Burg­ge­richt ver­han­delt, das von al­len Ge­nos­sen au­ßer­halb der Burg vor dem Baum­hof oder auf der Vor­burg vor der Ka­pel­le ab­ge­hal­ten wur­de.

Herzogtum Kleve

Wegweiser zum Burghügel

Weg­wei­ser zum Burg­hü­gel

1391, nach der Ver­ei­ni­gung mit der Graf­schaft Kle­ve, ver­leg­ten die Gra­fen ihre Re­si­denz an den Nie­der­rhein. Nach der Ver­le­gung und der da­mit ver­bun­de­nen ver­rin­ger­ten Nut­zung wur­den kei­ne Neu­bau­ten mehr aus­ge­führt. Auch die Un­ter­hal­tung wur­de ver­nach­läs­sigt. Hamm wur­de zwar 1437 un­ter Graf Ger­hard von der Mark zu Hamm kurz­zei­tig (bis 1461) wie­der Re­si­denz­stadt, je­doch wähl­te die­ser die Stadt­burg Hamm als sei­ne Re­si­denz. Schließ­lich ver­lie­ßen 1507 auch die Burg­man­nen Haus Mark, um sich auf ih­ren Gü­tern an­zu­sie­deln.

Seit 1450 bis zum Ende des 16. Jahr­hun­derts be­fand sich Haus Mark stän­dig un­ter Pfand­herr­schaft. Die Her­zö­ge von Kle­ve ver­pfän­de­ten die Burg an ver­schie­de­ne Pfand­in­ha­ber, die ver­such­ten, durch Ver­pach­tung der ein­zel­nen Grund­stü­cke mög­lichst viel Geld ein­zu­neh­men. Den Gläu­bi­gern wur­de zur Pflicht ge­macht, die Burg in­stand zu hal­ten (ur­kund­lich ver­brieft bei­spiels­wei­se für 1525 und 1599). In der Pra­xis wa­ren die Pfand­neh­mer aber nur dar­an in­ter­es­siert, mög­lichst viel Geld zu er­wirt­schaf­ten und lie­ßen das Bau­werk nach und nach ver­fal­len.

Im Jah­re 1464 be­auf­trag­te Jo­hann I., Her­zog von Kle­ve und Graf von der Mark, ein Mit­glied der Fa­mi­lie Torck, Lub­ert Torck (vgl. auch den Bei­trag über Haus Nord­her­rin­gen und die Fa­mi­lie von Torck), das Haus Mark zu be­wah­ren. Torck soll­te auf dem Ge­län­de acht wehr­haf­te Män­ner hal­ten und be­kös­ti­gen. Der Lan­des­herr zahl­te da­für ei­nen Geld­be­trag von 12 rhei­ni­schen Gul­den für je­den Mann als Un­ter­halt.

1507 ging die Burg Mark an Hein­rich Knip­pink über, Dros­te des Am­tes Hamm und Rich­ter von Hamm. 1524/25 folg­te ihm Evert (Eber­hard) von der Re­cke als Pfand­in­ha­ber nach, dann, 1566 oder spä­ter, des­sen Sohn Jo­hann, der in kin­der­lo­ser Ehe mit ei­ner Anna Over­la­cker ver­hei­ra­tet war und noch 1578 auf dem An­we­sen be­zeugt ist. Nach ihm hat­te sein Nef­fe Diet­rich Over­la­cker, Amt­mann zu Al­te­na und Iser­lohn, das schließ­lich auf 9075 Reichs­ta­ler do­tier­te Pfand­recht inne.

Im 16. Jahr­hun­dert war kei­ne Burg­be­sat­zung mehr vor­han­den, weil der Her­zog die Un­ter­halts­kos­ten ein­spa­ren woll­te. Nur im Fal­le krie­ge­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zun­gen soll­te eine Be­sat­zung zum Schut­ze ge­gen Über­fall und Ver­wüs­tung dort­hin ver­legt wer­den (ur­kund­lich ver­brieft für die Jah­re 1599 und 1601). Im Jah­re 1595 be­leg­te eine Orts­be­ge­hung den schlech­ten Zu­stand der Burg. Auf der Vor­burg war der lan­ge Stall ganz ver­fal­len und von ei­nem star­ken Sturm um­ge­wor­fen wor­den. An der Ka­pel­le war das Mau­er­werk von un­ten bis un­ter das Dach über ei­nen Fuß weit aus­ge­wi­chen. Der lan­ge Sa­del auf der Haupt­burg war eben­falls stark bau­fäl­lig. Da das Dach schwe­re Schä­den aus­wies und es durch­reg­nen konn­te, war der Be­schuss un­ten wie oben ver­fault. Die höl­zer­ne Trep­pe vor dem Haus war un­be­nutz­bar. Der Wehr­gang auf der Ring­mau­er war gänz­lich ver­fal­len. Die Tore und Brü­cken be­fan­den sich in ei­nem ähn­li­chen Zu­stand. Das Fa­zit der Be­sich­ti­gung lau­te­te, dass es dem Pfand­in­ha­ber un­mög­lich war, die Bau­sub­stanz der Ge­bäu­de zu er­hal­ten. Schon gar nicht konn­te er hier sein Ge­sin­de an­sie­deln oder das Ge­län­de or­dent­lich be­wirt­schaf­ten.

Kurz vor 1600 hat­te der letz­te Graf von der Mark so gro­ße Schul­den bei der Fa­mi­lie Reck, dass er ih­nen die Burg für eine Sum­me von 1.500 Reichs­ta­lern über­las­sen muss­te. Da­durch soll­ten rück­stän­di­ges Ge­halt, Klei­dung und an­de­re Ka­pi­ta­li­en ab­ge­gol­ten wer­den.

1601 über­trug Diet­rich Over­la­cker das Pfand­recht mit Ge­neh­mi­gung des Her­zogs Jo­hann Wil­helm von Kle­ve auf sei­ne Schwes­ter Mar­ga­re­te geb. Over­la­cker, der Wit­we des En­gel­hard Spie­gel auf Burg De­sen­berg bei War­burg; die Pfand­sum­me be­lief sich da­mals auf 9075 Ta­ler. Mar­ga­re­te wie­der­um über­ließ die Pfand­herr­schaft ih­rer Toch­ter Do­ro­thea, Ge­mah­lin des Jobst von Lands­berg zu Er­wit­te. Des­sen Nach­fah­ren wur­den fort­an In­ha­ber des Hau­ses Mark, ohne es zu be­woh­nen, wozu das im­mer mehr ver­fal­le­ne Burg­haus auch we­nig An­reiz bot. Die Her­ren von Lands­berg ver­such­ten zu­nächst, die Burg wie­der in­stand zu set­zen. Sie bes­ser­ten die Mau­ern aus, mach­ten die Zim­mer be­wohn­bar, setz­ten neue Fens­ter ein und ähn­li­ches. Die Ar­bei­ten wur­den je­doch nach 1609 durch be­stän­di­ge krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­ter­bro­chen, dar­un­ter der Jü­lich-Kle­vi­sche Erb­fol­ge­streit und der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg. Jobst von Lands­berg be­rich­te­te im Jah­re 1669, Haus Mark wäre aus­ge­bes­sert wor­den, wenn es nicht wie­der­holt von feind­li­chen Gar­ni­so­nen be­setzt wor­den wäre, dar­un­ter spa­ni­sche und hol­län­di­sche.

Statt der Zin­sen von 9075 Reichs­ta­lern hat­ten die Frei­herrn von Lands­berg die Nutz­nie­ßung des Hau­ses Mark. Sie üb­ten sie je­doch nicht selbst aus, son­dern hat­ten das Gut (min­des­tens ab 1622) für 500 Reichs­ta­ler jähr­lich ver­pach­tet.

Brandenburg

Die sechs Klever Herzöge, Adolf II., Johann I., Johann II., Johann III., Wilhelm V. und Johann Wilhelm (v.l.n.r.), Bild eines unbekannten Malers aus dem 17. Jh.

Die sechs Kle­ver Her­zö­ge, Adolf II., Jo­hann I., Jo­hann II., Jo­hann III., Wil­helm V. und Jo­hann Wil­helm (v.l.n.r.), Bild ei­nes un­be­kann­ten Ma­lers aus dem 17. Jh.

Wie das ge­sam­te Her­zog­tum Kle­ve ein­schließ­lich der Graf­schaft Mark ge­riet die Burg nach dem Tod des letz­ten Gra­fen von der Mark im Jah­re 1609 un­ter bran­den­bur­gi­sche Herr­schaft.

Ab 1616 dien­te sie (ver­mut­lich das Ge­wöl­be im Pa­las) als Ge­fäng­nis. Über­lie­fert ist die Ge­schich­te ei­nes Ham­mer Bür­gers, der im Müns­ter­land ver­haf­tet wor­den und in das Ge­fäng­nis in der Burg Wol­beck ge­bracht wor­den ist, wo er ge­fol­tert wer­den soll­te. Nach­dem sei­ne Frau sich an den bran­den­bur­gi­schen Kur­fürs­ten Ge­org Wil­helm ge­wandt hat­te, be­fahl die­ser am 22. Fe­bru­ar 1616 von Kle­ve aus, dass ein Haupt­mann mit der not­wen­di­gen An­zahl an Sol­da­ten in das Kirch­spiel Hees­sen ein­fal­len, neun oder zehn ver­mö­gen­de Bau­ern als Gei­seln neh­men und auf die Burg Mark brin­gen soll­te, um sie als Druck­mit­tel in den Ver­hand­lun­gen um die Frei­las­sung des Ge­fan­ge­nen zu be­nut­zen. Ge­org Wil­helm wies die Sol­da­ten an, die Ge­fan­ge­nen so zu be­han­deln, wie man den Ham­mer Bür­ger in Wol­beck be­han­del­te.

Am 7. Ja­nu­ar 1617 be­fahl Kur­fürst Ge­org Wil­helm die Auf­he­bung der Pfand­ver­schrei­bung von Burg Mark. Doch be­reits im dar­auf­fol­gen­den Jahr be­gann der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg, so dass die­se An­ge­le­gen­heit nicht mehr ab­schlie­ßend ge­re­gelt wer­den konn­te.

Burg Mark - Sitzgelegenheit

Burg Mark – Sitz­ge­le­gen­heit

Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges ver­fiel die Burg Mark auf­grund von Plün­de­run­gen wei­ter. Das Ge­bäu­de hat­te zwar kei­ne wirk­li­che mi­li­tä­ri­sche Be­deu­tung mehr, wur­de je­doch mehr­fach von ri­va­li­sie­ren­den Trup­pen be­setzt. Zwi­schen 1622 und 1624 ging Haus Mark in die Hän­de ver­schie­de­ner Be­sat­zer, die sich für die er­neu­te Zer­stö­rung der lands­ber­gi­schen Aus­bes­se­run­gen ver­ant­wort­lich zeig­ten. Nach dem Ab­zug der Ein­dring­lin­ge nah­men die Lands­ber­ger er­neut Ver­bes­se­run­gen vor. Den­noch muss­te der Päch­ter 1631 be­rich­ten: Das Ge­mäu­er am Burg­platz ist aus­ge­bro­chen und bau­fäl­lig, Zim­mer sind zer­stört, Holz und Blei fest­ge­nom­men. Die Kü­che und die üb­ri­gen Zim­mer, auch das gräf­li­che Ge­macht durch Aus­bre­chen gro­ßer Stei­ne eben­falls voll­kom­men ver­nich­tet. Das Pfört­ner­haus ist ab­ge­bro­chen, das Bau­haus und der Stall ziem­lich ver­fal­len, Zäu­ne, Vor­platz und Ka­pel­le, Mau­ern und Um­gang sind um­ge­legt. Ein an­de­rer, ei­ni­ge Mo­na­te jün­ge­rer Be­richt be­merkt: Kü­che und Ge­mä­cher da­selbst alle zer­stört, Trep­pen und Tü­ren zer­schla­gen, die glä­ser­nen Fens­ter weg­ge­nom­men und zu­nich­te ge­macht. Bret­ter, Bal­ken und Be­häl­ter ab­ge­bro­chen und ver­brannt, eben­so die Kir­chen­tür. Der Schaf­stall ist zer­bro­chen, die Bal­ken, Zäu­ne, Pfos­ten und Bäu­me sind ab­ge­hau­en und ver­brannt. Im Jah­re 1632 er­schüt­ter­te dann der hes­sisch-kai­ser­li­che Krieg die Re­gi­on. Der baye­ri­sche Feld­mar­schall Graf von Wahl un­ter­nahm in die­sem Jahr den Ver­such, den Ge­ne­ral­wacht­meis­ter Lut­ters­heim mit sei­nem Re­gi­ment zu rui­nie­ren. Er setz­te zehn Com­pa­gni­en von Fuß­sol­da­ten ein, die da­für sorg­ten, dass sein Geg­ner kei­ner­lei Holz- oder sons­ti­ge Wa­ren­lie­fe­run­gen er­hielt. In der Fol­ge sind alle höl­zer­nen Tei­le der Burg in­klu­si­ve Bret­ter und Tü­ren nach und nach ver­brannt wor­den. Nach die­sen mas­si­ven Zer­stö­rung war eine Er­hal­tung der Ge­bäu­de nicht mehr mög­lich.

Burg Mark - Fachwerkbrücke

Burg Mark – Fach­werk­brü­cke

Un­ge­ach­tet des­sen blieb die Vor­burg zu­nächst als Wirt­schafts­be­trieb er­hal­ten. Die mär­ki­schen Be­hör­den un­ter­nah­men nach Kriegs­en­de (1648) den Ver­such, trotz der Pfand­schaft aus Haus Mark und den zu­ge­hö­ri­gen Gü­tern Er­trä­ge zu zie­hen. Die Ein­künf­te über­stie­gen die üb­li­che Ver­zin­sung der Pfand­sum­me, da­her for­der­ten die kur­fürst­li­chen Räte Moß­feld und Lu­do­wi­ci im Jah­re 1682 von dem Pfand­trä­ger oder sei­nem Ver­wal­ter eine Er­klä­rung, wie viel man der kur­fürst­li­chen Rent­meis­te­rei jähr­lich zu zah­len ge­den­ke. Für den Fall, dass die Zah­lun­gen aus­blei­ben oder zu nied­rig aus­fal­len soll­ten, wur­de eine öf­fent­li­che Ver­pach­tung in Aus­sicht ge­stellt.

Für die Er­hal­tung der Ge­bäu­de wur­den je­doch auch nach der Ein­lö­sung des Hau­ses Mark kei­ne Gel­der zur Ver­fü­gung ge­stellt. Dies umso mehr, als die Kö­ni­ge von Preu­ßen und ihre Ver­tre­ter auf ih­ren Rei­sen in die west­li­chen Pro­vin­zen auf dem Ren­tei­hof in Hamm ab­zu­stei­gen pfleg­ten.

Im Jah­re 1684 ver­trat die Re­gie­rung den Stand­punkt, dass durch die bis da­hin er­ziel­ten Päch­te und sons­ti­gen Ein­nah­men nicht al­lein die Zin­sen und das ge­sam­te Pfand­ka­pi­tal ge­deckt, son­dern dar­über hin­aus so­gar ein Ge­samt­über­schuss von 3.082 Reichs­ta­lern er­zielt wor­den sei. In­fol­ge­des­sen zog sie das Gut ein und ließ es 1686 selbst durch ih­ren hie­si­gen Rent­meis­ter zur Ver­pach­tung aus­bie­ten. Die Frei­her­ren von Lands­berg be­strit­ten die Rich­tig­keit die­ser Ab­rech­nung und ver­such­ten wie­der­holt, ih­rer­seits eine For­de­rung von 4.650 Reichs­ta­lern gel­tend zu ma­chen. Eine dies­be­züg­li­che Vor­stel­lung wur­de 1791 (sic!) von Ber­lin aus end­gül­tig ab­ge­lehnt.

Das Foto zeigt eine Bodenmarkierung auf der Hauptburg des Burghügels in der Mark in Hamm. Diese markiert den früheren Standort des Palas von Burg Mark.

Das Foto zeigt eine Bo­den­mar­kie­rung auf der Haupt­burg des Burg­hü­gels in der Mark in Hamm. Die­se mar­kiert den frü­he­ren Stand­ort des Pa­las von Burg Mark.

1688 ge­hör­ten zu Haus Mark noch 369 1/2 Mor­gen 23 Ru­ten und 180 Schuh hämm­sches Maß Län­de­rei­en (ein­schließ­lich Hol­zun­gen).

Nach im 17. Jahr­hun­dert dien­te die un­ter Adolf I. er­bau­te und dem Hei­li­gen An­to­ni­us ge­weih­te Burg­ka­pel­le den Re­for­mier­ten als Not­kir­che.

Mit zu­neh­men­dem Ver­fall der Burg­an­la­ge fin­gen Be­völ­ke­rung und spä­ter auch die Re­gie­rung an, die Haupt­burg im­mer häu­fi­ger als Stein­bruch zu be­nut­zen; in die­ser Ge­gend herrsch­te Man­gel an Back­stei­nen. 1772 ließ Ge­ne­ral Karl Fried­rich von Wolf­fers­dorff die noch vor­han­de­nen Ge­bäu­de­res­te ab­rei­ßen, um mit den Stei­nen den (nicht mehr vor­han­de­nen) Ka­ser­nen­bau am Ham­mer Wes­ten­tor aus­zu­füh­ren. Ins­ge­samt wur­den 130 Wa­gen­la­dun­gen Stei­ne ab­ge­fah­ren. 1774 konn­te der Ka­ser­nen­bau fer­tig­ge­stellt wer­den.

1777 wur­de Burg Mark als Do­mä­nen­gut in Erb­pacht aus­ge­ge­ben. Ers­ter In­ha­ber war der Amts­rat Then Bergh.

Im Jah­re 1803 exis­tier­ten zu­nächst noch ei­ni­ge Ge­wöl­be, die, wie ent­spre­chen­de Fun­de be­wei­sen, in der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts so­gar als Falsch­münz­er­werk­statt (hie­si­ge Drei­pfen­nig­stü­cke) ge­dient hat­ten. Sie wur­den in die­sem Jahr, wie auch die Fun­da­men­te der Burg, na­he­zu voll­stän­dig her­aus­ge­bro­chen.

1819 wur­de das Ge­län­de vom Staat an den Ma­jor und Do­mä­nen­rent­meis­ter Vors­ter ver­kauft, der 1824 auch das be­nach­bar­te Klos­ter­gut Ken­trop er­warb.

Preußen und Bundesrepublik Deutschland

Burg Mark - Brunnen

Burg Mark – Brun­nen

Von 1819 bis 1935 (al­ter­na­ti­ve An­ga­be: 1938) stand das An­we­sen in Pri­vat­be­sitz und steht heu­te im Ei­gen­tum der Stadt Hamm. Nach den Be­frei­ungs­krie­gen kauf­te Do­mä­nen­rent­meis­ter und Ma­jor a. D. Jo­hann Vors­ter das Are­al. Er er­warb 1824 auch Haus Ken­trop. 1851 wur­den die fis­ka­li­schen Rech­te mit 14.100 Ta­lern ab­ge­löst. Jo­hann Vorsters Schwie­ger­toch­ter, Wit­we des Pre­mier­leut­nants Wil­helm Vors­ter und spä­te­re Frau Fer­di­nand Grae­ve­mey­ers, ver­kauf­te 1885 bei­de Be­sit­zun­gen an den Be­sit­zer von Haus Cal­den­hof, Ri­chard Loeb († 1906). Des­sen Sohn Otto Loeb († 1923) ver­mach­te Haus Mark auf­grund des Ge­set­zes zur Auf­lö­sung von Fa­mi­li­en­gü­tern (Fi­dei­kom­miß) nach dem Ers­ten Welt­krieg (1918) sei­ner En­ke­lin Ger­da Brock­mann, geb. Schwarz. Die­se ver­kauf­te es schließ­lich an die Stadt Hamm.

Bis in die 1930er Jah­re war die Vor­burg noch teil­wei­se mit Wirt­schafts­ge­bäu­den be­setzt.

In den Jah­ren 1973 und 1975 fan­den Aus­gra­bun­gen statt, bei de­nen nur noch eine weit­ge­hen­de Zer­stö­rung der ar­chäo­lo­gi­schen Be­fun­de fest­ge­stellt wer­den konn­te. Da­mit ist eine der größ­ten Mot­ten in West­fa­len dau­er­haft der wei­te­ren Er­for­schung ent­zo­gen.

Oberhof Mark

Burg Mark - Brücke über die Gräfte

Burg Mark – Brü­cke über die Gräf­te

Zur Burg ge­hör­ten der Ober­hof Mark in der gleich­na­mi­gen Bau­erschaft und alle von ihm ab­hän­gi­gen Un­ter­hö­fe. Dem Be­sit­zer von Haus Mark stand folg­lich das Ober­ei­gen­tum an der ge­mei­nen Mark zu, in der die­se Höfe be­rech­tigt wa­ren. Das ver­lieh ihm das Recht, über den Mar­ken­grund zu ver­fü­gen.

Für alle auf Burg Mark ge­hal­te­nen Tie­re be­stand das Recht der Wei­de­nut­zung. Fer­ner stand den Her­ren der Burg das Fi­sche­rei­recht im Geit­he­bach (bis zum Dor­fe Schme­hau­sen) und in der Lip­pe zu. Nie­mand sonst durf­te an die­sen Ge­wäs­sern fi­schen oder En­ten be­ja­gen (be­legt für 1599). Auch die freie Tau­ben­zucht ob­lag den Burg­her­ren. Es wird be­rich­tet, dass im Jah­re 1567 ei­nem Ham­mer Bür­ger, der das Ver­bot, Tau­ben zu schie­ßen, miss­ach­tet hat­te, zur Stra­fe das Ge­wehr ab­ge­nom­men wor­den ist. Die Be­sit­zer des Hau­ses Mark hat­ten au­ßer­dem das Jagd­recht, nicht nur für die Ho­fe­saat, son­dern im gan­zen Amt Hamm.

Lage

Die Res­te der Turm­hü­gel­burg Mark (auch Haus Mark ge­nannt) lie­gen heu­te im Stadt­ge­biet von Hamm; das Dorf Mark wur­de 1939 nach Hamm ein­ge­mein­det. Die Burg­stät­te liegt in der fla­chen Nie­de­rung der Ahse, und zwar nörd­lich der Ein­mün­dung des Geit­he-Ba­ches in die Ahse, de­ren Lauf jetzt ka­na­li­siert ist.

Der Zu­gang zum Burg­hü­gel, auf dem sich einst die Vor­burg von Burg Mark be­fand, er­folgt von Nord­os­ten über ei­nen 200 Me­ter lan­gen Damm, über den ein Fuß- und Rad­weg ver­läuft. Die­ser er­reicht et­was nörd­lich des Dor­fes und der Pfarr­kir­che St. Pan­kra­ti­us in der Mark die Land­stra­ße Hamm-Soest (Soes­ter Stra­ße), die auf die­sem Teil­stre­cke dem Tal­rand folgt.

Historisches Erscheinungsbild

Burg Mark war mit 200 Me­ter Ge­samt­län­ge eine der größ­ten Mot­ten in West­fa­len. Die Gra­fen von der Mark hat­ten sie zwei­tei­lig an­ge­legt. Ne­ben der Haupt­burg gab es eine Vor­burg, die über ei­nen eben­falls 200 Me­ter lan­gen Damm an die Stra­ße Hamm – Soest in nord­öst­li­cher Rich­tung an­ge­bun­den war. Die­ser Weg stell­te den ein­zi­gen Zu­gang zur Burg dar. Er wur­de am Au­ßen­gra­ben durch ei­nen Schlag­baum ge­sperrt. Über den Gra­ben führ­te eine Brü­cke bis zum Bin­nen­wall. Dort stand dann das vor­ders­te Tor. Da­hin­ter über­quer­te eine zwei­te Brü­cke den Bin­nen­gra­ben bis­hin zum Haupt­tor, ei­nem mäch­ti­gen Stein­bau. Die­ses wur­de, wie schon das vor­ders­te Tor, durch eine Zug­brü­cke be­son­ders ge­si­chert.

Haupt- und Vor­burg wa­ren von ei­ner (heu­te ver­füll­ten) Gräf­te um­ge­ben, die von ei­nem fla­chen Erd­wall ge­säumt wur­de. Die­ser wur­de spä­ter mit Hop­fen und Ge­mü­se be­pflanzt und mit Ge­trei­de be­sät. Die Tei­lung des Ge­län­des wur­de durch ei­nen Gra­ben er­reicht, in den die bei­den Ring­grä­ben zu­sam­men­lie­fen. Bei­de Tei­le wa­ren von ei­ner Mau­er mit ei­nem Wehr­gang um­ge­ben.

In der Nähe von Hamm und der Mark gibt es kei­ne Stein­brü­che, aus de­nen man Bau­ma­te­ri­al für die Mau­ern hät­te ent­neh­men kön­nen. Den­noch wei­sen die Ge­bäu­de Aus­ma­ße auf, die auch an­ge­sichts des Er­bau­ungs­zeit­punk­tes un­ge­wöhn­lich sind. Die Fas­sa­den wa­ren ver­mut­lich weiß ge­kalkt, eine wei­te­re Ver­stär­kung des an­schei­nend oh­ne­hin im­po­san­ten Ge­samt­ein­drucks der Burg.

In­for­ma­tio­nen über äl­te­re Bau­zu­stän­de er­ge­ben sich aus ins­ge­samt acht Kar­ten. Die­se wa­ren vor dem Zwei­ten Welt­krieg im Ka­tas­ter­amt Arns­berg in ei­nem 61 × 54 Zen­ti­me­ter gro­ßen, acht Blät­ter be­inhal­ten­den At­las mit Ab­ris­sen der Per­ti­nen­ti­en des Hog­gräff­li­chen Hau­ßes Mark zu­sam­men­ge­fasst. Blatt 1 bis 7 wur­de am 15. März 1688 von dem hie­si­gen be­ai­de­ten Ma­the­ma­ti­cus Kuy­per ge­zeich­net, wäh­rend Blatt 8 im Jah­re 1751 von dem In­ge­nieur Mei­ni­cke ge­fer­tigt wor­den ist.

Im Üb­ri­gen ist ein Be­sich­ti­gungs­pro­to­koll von 1595 als wich­ti­ges Zeug­nis für die Bau­ge­stalt her­an­zu­zie­hen.

Nach der Auf­nah­me aus dem Jah­re 1688 und der so­wohl von Lap­pe als auch von Flu­me wie­der­ge­ge­be­nen, aus der Zeit um 1600 stam­men­den Be­schrei­bung war das Burg­ge­län­de von ei­nem brei­ten Ring­gra­ben und zwei eben­falls von Grä­ben ein­ge­fass­ten ho­hen Wäl­len um­ge­ben. Sämt­li­che Grä­ben stan­den mit­ein­an­der in Ver­bin­dung und wur­den von der Ahse und Geit­he ge­speist. Der noch 1688 vor­han­de­ne Schlag­baum, die bei­den Zug­brü­cken und das stei­ner­ne Tor sind auf der Kar­te von 1751 ver­schwun­den.

Hauptburg

Der Erd­hü­gel der Haupt­burg ist etwa sie­ben Me­ter hoch und hat­te ei­nen Durch­mes­ser von 50 bis 60 Me­ter.

Es han­delt sich um eine so­ge­nann­te Ring­man­tel­burg. Wehr­an­la­gen die­ser Bau­art sind da­durch ge­kenn­zeich­net, dass der Hü­gel­fuß der Haupt­burg von ei­ner Mau­er um­fasst ist. Die Ge­bäu­de lehn­ten sich im In­nen­be­reich an die Ring­mau­er an. Be­herr­schen­der Bau der Haupt­burg war ein zwei­ge­schos­si­ger, turm­ähn­li­cher Pa­las (Don­jon) mit ei­ner Grund­flä­che von 18,2 × 9,7 m (58 Fuß Län­ge, 31 Fuß Brei­te) im Süd­wes­ten der An­la­ge (das Wohn­ge­bäu­de). Bei der er­wähn­ten Be­sich­ti­gung der Burg im Jah­re 1595 wur­de die­ses Bau­werk als der lang­he Sa­del bzw. un­sers G. F. und Herrn sa­dell be­zeich­net.

Nach die­ser Be­schrei­bung war der Pa­las von ei­nem ge­wölb­ten Ge­schoss un­ter­kel­lert, das al­ler­dings schon zu die­sem Zeit­punkt der Er­neue­rung be­durft hät­te: Der muihr­meis­ter aber sich be­duncken la­ßen, weilln un­der die­sem sat­tell ein ho­her rei­si­ger Stall und also ein ho­hes ge­welff­te (Ge­wöl­be) woll solt er­tra­gen mu­ig­hen, das solchs bos­ten­di­ger un­der­wel­bet mit XM (=10.000) back­stein und 6 foihr klacks… In der Über­set­zung be­deu­tet dies, dass der Pa­las ein ho­hes, ge­wölb­tes Un­ter- oder Kel­ler­ge­schoss be­saß, das mit 10.000 Back­stei­nen un­ter­wölbt wer­den soll­te. Au­ßer­dem ist von ei­ner holt­ze­ren trap­pe (höl­zer­nen Trep­pe) vor dem Pa­last die Rede. Au­ßen­trep­pen und Ga­le­ri­en aus Holz ver­ban­den die bei­den Ge­schos­se des Pa­las­tes, die sich über dem ge­wölb­ten Un­ter­ge­schoss er­ho­ben. Uff die­ßem ubers­ten ge­ma­che be­fin­den sich etz­li­che alte holt­ze­ren ge­lie­der, suns­ten noch das ub­ri­ge pa­ßier­lich, die gal­le­rei­en wie auch des gant­zen hau­ßes bä­cker, dha Jo­han von der Reck ein­zu­woh­nen pfle­gen, sein (sind) gantz durch­ren­nich und mu­ßen mit nie­hen do­cken, vor­ste­cken, Pfan­nen um­be­han­gen wer­den…

Der Plan von 1688 zeigt ne­ben dem Pa­las die Um­fas­sungs­mau­er mit Wehr­gang und zwei dar­in ein­ge­las­se­nen Tür­men, von de­nen der öst­li­che­re ein Tor­haus um­fasst. Auf ei­nem wei­te­ren Plan von 1751 sind die­se Ge­bäu­de der Haupt­burg nicht mehr zu se­hen; sie sind also wohl den Ab­bruch­ar­bei­ten des 18. Jahr­hun­derts zum Op­fer ge­fal­len. Zu die­ser Zeit exis­tier­ten le­dig­lich noch Res­te der Ring­mau­er und des öst­li­chen Turms. Der west­li­che Berg­fried ist voll­stän­dig ver­schwun­den.

Das Tor­haus be­fand sich im Ost­turm, ei­nem 12 × 9,5 m gro­ßen Ge­bäu­de auf der Ost­sei­te der Haupt­burg. Bei den Aus­gra­bun­gen wur­de hier eine gro­ße Aus­bruch­gru­be ent­deckt, die frü­her den Zu­gang zur Haupt­burg dar­stell­te. Die Ring­man­tel­mau­er war – nach der Brei­te der Aus­bruchs­gru­ben zu schlie­ßen – etwa 1,5 bis 2,0 Me­ter breit. Die Mau­er hat­te man in die Aus­schüt­tung des Hü­gels ge­setzt. Im Zuge der Bau­ar­bei­ten ist sie teil­wei­se von au­ßen an­ge­schüt­tet wor­den.

Holz­ge­bäu­de wa­ren wäh­rend der ar­chäo­lo­gi­schen Gra­bun­gen nicht mehr nach­weis­bar, des­halb sind die Aus­sa­gen über den Auf­bau der Haupt­burg un­voll­stän­dig.

Vorburg

Die Vor­burg hat ei­nen un­re­gel­mä­ßig-ova­len Grund­riss und misst etwa 140 × 100 m. Sie lag zwei Me­ter über dem Ge­län­de und schloss sich nord­öst­lich an die Haupt­burg an. Bei­de An­la­gen wur­den durch eine höl­zer­ne Brü­cke mit­ein­an­der ver­bun­den. Die Pfäh­le die­ser Brü­cke wur­den im Rah­men der ar­chäo­lo­gi­schen Aus­gra­bun­gen ge­fun­den.

Im Ge­gen­satz zur mehr­ge­schos­si­gen, sie­ben Me­ter ho­hen Haupt­burg er­reich­te die Vor­burg le­dig­lich eine Höhe von zwei Me­ter. Auch die Vor­burg war von ei­ner Mau­er um­schlos­sen.

Über die spät­mit­tel­al­ter­li­che Be­bau­ung ist we­nig be­kannt. Die äl­te­re Kar­te nennt ei­ni­ge der Ge­bäu­de, al­ler­dings ist sie in geo­dä­ti­scher Hin­sicht nicht be­son­ders ge­nau. Auf der Vor­burg ist ein Tor mit Zug­brü­cke zu se­hen. Ein zwei­tei­li­ges Wirt­schafts­ge­bäu­de liegt im Sü­den der An­la­ge, der lan­ge Stall mit 102 Fuß Län­ge und 24 Fuß Brei­te. Es war aus Back­stei­nen er­baut und nutz­te die Süd­mau­er der Burg als Wand.

Nörd­lich da­von ist eine Ka­pel­le ein­ge­zeich­net, wohl die 1442 ge­stif­te­te An­to­ni­us­ka­pel­le, die als ei­nes der we­ni­gen Ge­bäu­de der Burg Mark für das Jah­re 1595 ur­kund­lich ver­brieft ist. Sie war 49 Fuß lang und 24 Fuß hoch. Eine Ka­pel­le gab es hier schon in mit­tel­al­ter­li­chen Zu­sam­men­hän­gen, da­mit die Ver­tei­di­ger in Kriegs­zei­ten nicht ge­zwun­gen wa­ren, die be­nach­bar­te Pfarr­kir­che zu be­su­chen und sich so der Ge­fahr ei­ner Ge­fan­gen­nah­me aus­zu­set­zen. Auf der Kar­te von 1688 ist die Ka­pel­le noch ver­zeich­net; auf der von 1751 ist sie nicht mehr zu fin­den.

Zwi­schen Stall und Burg­ka­pel­le stan­den die Wirt­schafts­ge­bäu­de (Wohn­haus des Päch­ters, Scheu­ne, Stal­lun­gen usw.), zu de­nen die eins­ti­gen Un­ter­künf­te der Burg­man­nen im Lau­fe der Zeit aus­ge­baut wor­den wa­ren. 1751 wa­ren auf der Vor­burg nur noch der „lan­ge Stall“ und zwei an­de­re Wirt­schafts­ge­bäu­de er­hal­ten.

Süd­lich ei­nes Tur­mes führ­te ein Zu­gang über den Schei­dungs­gra­ben zur Haupt­burg, die nach der er­höh­ten Lage auch der Ober­pfalz ge­nannt wur­de.

Ein zwei­ter Turm ist in die Ring­mau­er ein­ge­las­sen.

Die jün­ge­re Be­bau­ung zeich­net sich in den Plä­nen von 1688 und 1751 deut­lich ab. Auf der Kar­te von 1751 sind auf dem süd­li­chen Rand der Vor­burg Wirt­schafts­ge­bäu­de zu er­ken­nen. Die in­ne­re Gräf­te war da be­reits zu­ge­schüt­tet.

Der stei­ner­ne Brun­nen auf der Vor­burg, der dort heu­te noch be­sich­tigt wer­den kann, ist für das 19. Jahr­hun­dert nach­ge­wie­sen, sein ge­nau­er Ent­ste­hungs­zeit­punkt ist un­ge­klärt.

Das nord­west­lich der Vor­burg ge­le­ge­ne Ge­län­de wur­de 1751 als der alte Gar­ten be­zeich­net, und zwar im Ge­gen­satz zu dem gro­ßen Gar­ten im Nord­teil der Vor­burg. Das glei­che Ge­län­de er­scheint auf der äl­te­ren Kar­te als der Gro­ße Gar­ten so aniz­to ge­plü­get wirt. Es dürf­te sich dem­nach um den mit­tel­al­ter­li­chen Kü­chen­gar­ten der Burg ge­han­delt ha­ben.

Die Be­schrei­bung von 1595 er­wähnt das Vor­burg­tor, indt vierkan­the mit stei­ner­nen auffge­muhrt; ei­nen lan­gen Stall, der aus Zie­geln er­rich­tet und auf die süd­li­che Um­fas­sungs­mau­er der Vor­burg auf­ge­setzt ist, 102 Fuß lang, 24 Fuß breit, aber be­reits um­ge­stürzt; fer­ner nörd­lich da­von die Ka­pel­le, 47 Fuß lang, 24 Fuß hoch.

Gräben und Gräften

Der Haupt-Gra­ben ist von ei­nem äu­ße­ren Wall um­ge­ben. Um die­sen wie­der­um ver­läuft ein schma­ler, zu­meist dop­pel­ter Gra­ben, der auf der Süd­sei­te ei­nen Weg ein­fasst. Der Dop­pel­gra­ben ist au­gen­schein­lich kei­ne Gräf­te. Er er­in­nert viel­mehr an die Ent­wäs­se­rungs­grä­ben, die zwi­schen den Kop­peln ver­lau­fen. Auf der äl­te­ren Kar­te ist der Dop­pel­gra­ben un­ter der Si­gna­tur 14 ge­nannt: der an­de­re Wal umb dem Hau­se wor­über ein fuß­pfat geht.

Heutiger Zustand

Burg Mark ist heu­te ein wich­ti­ges Denk­mal west­fä­li­scher Lan­des- und Kul­tur­ge­schich­te. Der Burg­hü­gel und sein Um­feld sind als Nah­erho­lungs­ge­biet aus­ge­legt. Der ge­gen­wär­ti­ge Zu­stand der An­la­ge ent­spricht im We­sent­li­chen der­je­ni­gen, die im Ur­ka­tas­ter von 1828 dar­ge­stellt ist. Bom­ben­trich­ter und Aus­bag­ge­rung der Gräf­te zur An­la­ge ei­ner Fisch­zucht bil­den jün­ge­re Ver­än­de­run­gen des Ge­län­des.

Die der­zei­ti­ge An­la­ge ist ein Park, der von den ehe­ma­li­gen Gräf­ten der Haupt­burg (Mot­te) und der Wirt­schafts- bzw. Vor­burg um­schlos­sen wird. Eine etwa ova­le Gräf­te um­gibt bei­de Burg­tei­le. Die klei­ne­re, kreis­run­de Haupt­burg wird zu­sätz­lich durch ei­nen wei­te­ren, teil­wei­se zu­ge­schüt­te­ten Gra­ben aus dem Oval ge­schnit­ten. Das Ge­län­de der Vor­burg liegt heu­te etwa 2 m ober­halb der um­lie­gen­den Wie­sen­land­schaft. Die Platt­form des ke­gel­stumpf­för­mi­gen Haupt­burg-Hü­gels be­fin­det sich gut 7 m über dem Um­land. Die Burg­an­la­ge ist da­mit dem Typ der Mot­te zu­zu­wei­sen und gilt als die größ­te und best­erhal­te­ne Mot­te West­fa­lens. Rings um die ova­le Gräf­te ist noch heu­te ein stark ver­schlif­fe­ner Wall­rest er­hal­ten, der sich etwa ei­nen hal­ben Me­ter über das um­lie­gen­de Ge­län­de er­hebt.

Das Are­al der Vor­burg ist mit Bäu­men be­wach­sen. Hier fin­det sich ein his­to­ri­scher Brun­nen­schacht, der un­ter Zu­hil­fe­nah­me von Res­ten ei­nes in der Stadt Hamm ge­fun­de­nen Brun­nens re­kon­stru­iert wer­den konn­te. Ein Holz­pa­vil­lon steht Wan­de­rern und Rad­fah­rern zur Ver­fü­gung; die um­lie­gen­de, ge­pflas­ter­te Flä­che kann zu­dem als Grill­platz ver­wen­det wer­den. Von der mit­tel­al­ter­li­chen Be­bau­ung ist so gut wie nichts mehr er­hal­ten.

Eine Holz­brü­cke und die sich an­schlie­ßen­de Holz­trep­pe füh­ren zum ehe­ma­li­gen In­nen­hof der Haupt­burg hin­auf. Dort ist der mit dem Zir­kel ge­zeich­ne­te Kranz ei­ner Ring­mau­er nebst ei­nes Turms sicht­bar. Der Platz zwi­schen den Mau­ern wird von Bäu­men be­wach­sen.

Nach den Er­geb­nis­sen der Aus­gra­bun­gen in den Jah­ren 1973 und 1975 wur­de im Ju­bi­lä­ums­jahr 1976, als Hamm sein 750-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um fei­er­te, auf der Mot­te die un­ge­fäh­re Lage des als Pa­las (mög­li­cher­wei­se auch Don­jon) in­ter­pre­tier­ten Ge­bäu­des durch Mau­er­werk im Bo­den kennt­lich ge­macht. Da­ne­ben fin­det sich Ge­denk­stein, der 1976 auf­ge­mau­ert wor­den ist. Es wur­de au­ßer­dem eine Ge­denk­ta­fel er­rich­tet.

Im Jah­re 2009 wur­de sei­tens der Be­zirks­ver­tre­tung von Hamm-Uen­trop mit Hil­fe von Spon­so­ren­gel­dern der Ein­gangs­be­reich und die Trep­pe der Mot­te neu ge­stal­tet. Neue Hin­weis­ta­feln in­for­mie­ren die Be­su­cher der Park­an­la­gen über den his­to­ri­schen Ort.

Weiterentwicklung der Nutzung

Der Burg­hü­gel steht nur sehr ein­ge­schränkt als Ver­an­stal­tungs­flä­che zur Ver­fü­gung. Grund­sätz­lich sind nur sol­che Ak­ti­vi­tä­ten mög­lich, die die Ei­gen­schaft des Burg­hü­gels als Bo­den­denk­mal nicht ge­fähr­den. Für grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen fehlt es zu­dem an der nö­ti­gen In­fra­struk­tur (Strom-, Was­ser- und Ab­was­ser­lei­tun­gen so­wie Toi­let­ten­an­la­gen), die durch ent­spre­chen­de mo­bi­le Lö­sun­gen er­setzt wer­den müss­ten. Da die Stadt­ver­wal­tung hier­bei je­doch das Auf­tre­ten von Flur­schä­den be­fürch­tet, etwa im Rah­men der An­lie­fe­rung der be­nö­tig­ten An­la­gen durch Last­fahr­zeu­ge, er­geht hier­für in der Re­gel kei­ne Ge­neh­mi­gung.

Die Nut­zung des Burg­hü­gels be­schränkt sich ent­spre­chend auf Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen. Hier­zu ge­hört der ein­mal jähr­lich statt­fin­den­de Tag des of­fe­nen Denk­mals, der öku­me­ni­sche Got­tes­dienst des Schüt­zen­ver­eins Hamm-Mark so­wie Ab­itur­fei­er­lich­kei­ten. Der Burg­hü­gel wird als Park­an­la­ge ge­nutzt und von ver­schie­de­nen Rad- und Wan­der­we­gen ge­kreuzt.

Im Üb­ri­gen wur­de das Ge­län­de von Stadt und Ham­mer Bür­gern lan­ge Zeit we­nig be­ach­tet. Die ab­ge­le­ge­ne Lage des Burg­hü­gels und die feh­len­de Be­leuch­tung des im Schat­ten ho­her Bäu­me ge­le­ge­nen Are­als ha­ben in der Ver­gan­gen­heit wie­der­holt zu Si­cher­heits- und Sau­ber­keits­pro­ble­men ge­führt. Hier sind vor al­lem nächt­li­cher Van­da­lis­mus und un­kon­trol­liert weg­ge­wor­fe­ner Ab­fall zu nen­nen.

Im Jah­re 2007 for­mier­te sich die Bür­ger­inter­es­sen­ge­mein­schaft Burg Graf Adolf von der Mark, die eine wei­ter­ge­hen­de Nut­zung des Burg­hü­gel­are­als an­reg­te. Ihre ur­sprüng­li­che Idee, auf dem Ge­län­de eine Re­kon­struk­ti­on von Burg Mark an­zu­le­gen, muss­te bald fal­len­ge­las­sen wer­den. Das man­geln­de Wis­sen über den mit­tel­al­ter­li­chen Bau­zu­stand der Burg ver­bie­tet eine ex­ak­te Re­kon­struk­ti­on, dar­über hin­aus wür­de eine sol­che Nut­zung der Bo­dens­denk­ma­l­ei­gen­schaft des Burg­hü­gels wi­der­spre­chen, des­sen Schutz auch die Bür­ger­inter­es­sen­ge­mein­schaft be­ab­sich­tig­te.

Am 27. Juni 2008 wur­de die Bür­ger­inter­es­sen­ge­mein­schaft in den För­der­ver­ein „Burg Mark“ Hamm e.V. über­führt. Zweck des Ver­eins ist die Neu­ge­stal­tung und Auf­wer­tung des Bo­den­denk­mals und der Park­an­la­ge um den Burg­hü­gel, die För­de­rung des Ge­schichts­be­wusst­seins (Stadt­ge­schich­te und Stadt­grün­dung der Stadt Hamm), die Pfle­ge des Bo­den­denk­mals „Burg­hü­gel Mark“ so­wie die För­de­rung des kul­tu­rel­len und ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­le­bens der Bür­ger der Stadt Hamm.

Der För­der­ver­ein un­ter sei­nen Grün­dern und Vor­sit­zen­den Uwe Ri­chert und An­dré Wol­ter er­öff­ne­te ei­nen Dia­log zwi­schen den Ham­mer Bür­gern und der Stadt Hamm über die künf­ti­ge Nut­zung des Burg­hü­gels. In der Fol­ge wur­den erst­mals seit Jah­ren wie­der ge­stal­te­ri­sche Maß­nah­men am Burg­hü­gel durch­ge­führt. Es ge­lang der Stadt, na­ment­lich der Be­zirks­ver­tre­tung Hamm-Uen­trop un­ter Be­zirks­vor­ste­her Björn Pförtzsch, Spon­so­ren zu fin­den, die die Er­neue­rung der Trep­pe zwi­schen Vor- und Haupt­burg so­wie wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­ti­ons­ta­feln fi­nan­zier­ten. Die Bau­ar­bei­ten wur­den im Herbst des Jah­res 2009 um­ge­setzt.

Im Fe­bru­ar 2010 muss­te un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ver­kehrs­si­cher­heit der alte Pap­pel­be­stand des Burg­hü­gels ent­fernt wer­den. Ge­set­zes­vor­ga­ben, für ent­spre­chen­den Er­satz zu sor­gen, aber auch die an­schlie­ßen­de in­ten­si­ve De­bat­te in der lo­ka­len Pres­se ga­ben An­lass, die wei­te­re Ge­stal­tung des Burg­hü­gels in ei­nem er­wei­ter­ten Kreis zu be­rat­schla­gen. Im Mai 2010 trat der Ar­beits­kreis Burg­hü­gel Mark zu­sam­men, be­stehend aus Po­li­ti­kern und Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern, Orts­hei­mat­pfle­gern, Ver­tre­tern der Mar­ker und Os­ten­feld­mar­ker Ver­ei­ne, des För­der­ver­eins Burg Mark, des Ras­se­ge­flü­gel­zucht­ver­eins Mark und in­ter­es­sier­ten Bür­gern. In meh­re­ren Sit­zun­gen wur­de ein ge­mein­sa­mes Pfle­ge- und Ge­stal­tungs­kon­zept für das Burg­hü­gel­ge­län­de er­ar­bei­tet.

Am 2. Sep­tem­ber 2010 ver­ab­schie­de­te die Be­zirks­ver­tre­tung Uen­trop die Be­schluss­vor­la­ge „Ge­stal­tungs­kon­zept Burg­hü­gel“. Die­ses bil­det die Grund­la­ge, den Burg­hü­gel bei künf­ti­gen Haus­halts­be­ra­tun­gen hin­rei­chend zu be­rück­sich­ti­gen. Ent­spre­chend wur­de be­reits in der Ver­gan­gen­heit für den Kur­park Hamm ver­fah­ren.

In die Pla­nung ein­be­zo­gen wur­de auch das im En­trée zur Vor­burg ge­le­ge­ne Ge­län­de, auf dem bis­lang die von Ute Maß­jost­hus­mann be­trie­be­ne Reit­schu­le „Ute’s klei­ne Farm“ an­säs­sig war, die seit­her um den Um­zug auf ein an­de­res Ge­län­de be­müht ist. Das Stall­ge­bäu­de, das sich in schlech­tem bau­li­chen Zu­stand be­fin­det, soll be­sei­tigt und der Ein­gangs­be­reich zur Vor­burg weit­räu­mig um­ge­stal­tet wer­den.

Der För­der­ver­ein Burg Mark möch­te auf dem Burg­hü­gel ein Denk­mal für den Ham­mer Stadt­grün­der, Graf Adolf I. von der Mark, er­rich­ten. Ein his­to­ri­sches Vor­bild fin­det die ge­plan­te Plas­tik im Na­gel­gra­fen, ei­ner Skulp­tur des Künst­lers Leo­pold Fleisch­ha­cker, die wie wei­te­re Na­gel­fi­gu­ren in an­de­ren Städ­ten dazu dien­te, im Ers­ten Welt­krieg Spen­den­gel­der für Kriegs­ver­sehr­te und die An­ge­hö­ri­gen von Kriegs­op­fern zu ak­qui­rie­ren und die Ak­zep­tanz des Krie­ges in der Be­völ­ke­rung zu ver­grö­ßern.

Als kon­kre­te Maß­nah­me sei­tens der Stadt wur­de die Neu­an­pflan­zung von Bäu­men als Er­satz für den ent­fern­ten Pap­pel­be­stand be­schlos­sen. Die­se wur­de im Früh­jahr 2011 teil­wei­se um­ge­setzt. Von den ge­plan­ten über 80 Bäu­men wur­den bis­lang drei­und­zwan­zig tat­säch­lich ge­pflanzt.

Archäologische Untersuchungen

In den 1930er Jah­ren fan­den Bo­den­ein­grif­fe statt, bei de­nen auf der Haupt­burg ein bron­ze­ner Sporn si­cher­ge­stellt wer­den konn­te.

In den Jah­ren 1973 und 1975 führ­te Uwe Lob­be­dey um­fang­rei­che, gut do­ku­men­tier­te Gra­bun­gen auf Burg Mark aus. Er hat­te sich zur Auf­ga­be ge­setzt, die be­kann­ten Bau­tei­le (Ring­mau­er, Turm und Pa­las) zu lo­ka­li­sie­ren und Spu­ren ei­ner even­tu­el­len wei­te­ren In­nen­be­bau­ung zu sich­ten.

Lob­be­dey un­ter­such­te au­ßer­dem die Fra­ge­stel­lung, ob sich meh­re­re Bau­zu­stän­de un­ter­schei­den las­sen. Er dach­te da­bei vor al­lem an den frü­he­ren Ober­hof Mark oder eine even­tu­el­le Burg­an­la­ge im Be­sitz des Ra­bo­do von der Mark. Be­kannt­lich ha­ben die Gra­fen von der Mark die An­la­ge spä­ter er­heb­lich aus­ge­baut und ver­grö­ßert.

Die von Lob­be­dey durch­ge­führ­ten Gra­bun­gen er­ga­ben den To­tal­ver­lust der Bau­sub­stanz. Die ehe­ma­li­gen Ge­bäu­de sind mit dem Fun­da­ment her­aus­ge­bro­chen wor­den. Die da­bei ent­stan­de­nen Stö­run­gen kön­nen als Be­leg der frü­he­ren Ge­bäu­de ge­wer­tet wer­den, ge­ben je­doch kei­ne Aus­künf­te, die we­sent­lich über das hin­aus­ge­hen, was schon aus den Plä­nen be­kannt ist.

Die tief­rei­chen­den neu­zeit­li­chen Erd­be­we­gun­gen ha­ben alle Hin­wei­se auf Bau­pha­sen oder Nut­zungs­ho­ri­zon­te nach­hal­tig zer­stört.

Die Hügelaufschüttung der Hauptburg

Die Auf­schüt­tung des ke­gel­stumpf­för­mi­gen Hü­gels der Haupt­burg be­steht aus gelb­lich­brau­nem oder gel­bem Sand. Da­ne­ben fin­den sich auch mit Holz­koh­le an­ge­rei­cher­te La­gen oder hu­mo­se Zwi­schen­ho­ri­zon­te. Es sind kei­ne Fun­de zu ver­zeich­nen, die das Vor­han­den­sein ei­ner äl­te­ren Be­bau­ung (also etwa des Ober­ho­fes Mark oder des Be­sit­zes des Ra­bo­do von der Mark) nach­wei­sen wür­den. Der an­ste­hen­de Un­ter­grund be­steht aus schluffi­gem Aue­lehm; das san­di­ge Füll­ma­te­ri­al des Hü­gels muss also von an­ders­wo her­an­ge­schafft wor­den sein. Die Sand­auf­schüt­tung wur­de wei­test­ge­hend tief­grün­dig ge­stört. Wo dies nicht der Fall ist, liegt sie etwa 40 cm un­ter­halb der heu­ti­gen Ober­flä­che, die sich im mitt­le­ren Be­reich bei un­ge­fähr 66,00 m über NN be­wegt. Am Ost­rand des Hü­gels wur­de der Fuß der Aus­schüt­tung in ei­ner Tie­fe von 60,50 m über NN an­ge­schnit­ten. In die­sem öst­li­chen Schnitt geht der Hü­gel­fuß ohne Ab­satz in die Gräf­te über. Wo de­ren un­ters­te Soh­le liegt, ließ sich nicht ge­nau be­stim­men. In ei­ner Tie­fe von 58,20 m NN (also un­ge­fähr 3,10 m un­ter Ge­län­de­ni­veau) war sie je­den­falls noch nicht er­reicht. Die Gräf­te ist mit ei­ner grau­en, torf­ar­ti­gen Mas­se ge­füllt. Die Ein­fül­lung wird zum Hü­gel hin ab­ge­schnit­ten. Dort be­fin­det sich eine 6 – 7 m brei­te Aus­schach­tung. Es han­delt sich an­schei­nend um eine teil­wei­se Wie­der­her­stel­lung der Gräf­te, die wie­der­um mit Lehm, Sand und Bau­schutt ge­füllt ist.

Die Ringmauer

Das Mau­er­werk der Ring­mau­er ist, wie alle Fun­da­men­te der Burg, im 17. und 18. Jahr­hun­dert her­aus­ge­bro­chen wor­den. Nur noch auf der Nord­sei­te der Mau­er ist ein klei­ner Fun­da­men­trest er­hal­ten ge­blie­ben. Die­ser be­steht aus ein oder zwei La­gen fla­cher, la­ger­haft ver­kleb­ter, grü­ner Mer­gel-Bruch­stei­ne, die durch har­ten, weiß­li­chen, mit fei­nem Sand ver­setz­tem Kalk­m­ör­tel ver­bun­den wor­den sind. Die Aus­bruchs­gru­be ist hier etwa 2,50 m breit und mit Erde und Bau­schutt auf­ge­füllt. Die Un­ter­kan­te der Aus­bruchs­gru­be be­fin­det sich auf ei­ner Höhe von etwa 62,5 m NN, also gut 3,40 m un­ter der Ober­flä­che des Hü­gels. Etwa 1 m au­ßer­halb des Fun­da­men­tes wur­de in der Tie­fe der Fun­da­ment­soh­le eine mit leicht hu­mo­sem Stein und et­was Holz­koh­le ver­füll­te, klei­ne Gru­be an­ge­schnit­ten. Die­se da­tiert ver­mut­lich noch auf die Zeit der Bau­ar­bei­ten (um 1198). Im west­li­chen Schnitt be­trägt ihre Brei­te 1,70 bis 1,80 m.

Mehr­fach war die Sand­auf­fül­lung au­ßer­halb der Ring­mau­er mit ver­ein­zel­ten Mör­tel­bröck­chen ver­mengt. Etwa 40 – 60 cm ober­halb der Fun­da­ment­un­ter­kan­te ließ sich die un­ge­fäh­re, ho­ri­zon­tal ver­lau­fen­de Gren­ze zwi­schen dem rei­nen Sand und dem mit Mör­tel ver­setz­ten lo­ka­li­sie­ren. Der Fund deu­tet dar­auf hin, dass die obers­te Hü­gel­schicht au­ßen erst nach der Er­bau­ung der Fun­da­men­te auf­ge­schüt­tet wor­den ist.

An ei­nem wei­te­ren Schnitt­punkt fin­det man eine sol­che mit Mör­tel­bro­cken durch­setz­te Schicht auch auf der In­nen­sei­te des Mau­er­rings. Ihre Un­ter­kan­te liegt 1,60 m ober­halb der Fun­da­ment­soh­le.

Im Üb­ri­gen gibt es kei­ne Hin­wei­se auf Pa­li­sa­den oder an­der­wei­ti­ge zu­sätz­li­che Be­fes­ti­gun­gen.

Der Palas

Im nord­west­li­chen Teil des Hü­gel­pa­las hat Lob­be­dey tief­grün­di­ge Aus­bruchs­gru­ben ei­nes grö­ße­ren Bau­werks frei­ge­legt. Die­se Gru­ben tra­ten teil­wei­se erst nach Ab­tra­gen der 1,10 bis 1,70 m tie­fen, se­kun­där um­ge­gra­be­nen Erd­schicht zu­ta­ge. Sie sind in den ober­flä­chen­na­hen La­gen mit hu­mo­sem Bo­den und Bau­schutt, in der tie­fer ge­le­ge­nen Zone über­wie­gend mit ein­ge­rutsch­tem, ste­ri­len Sand der Hü­gel­schüt­tung ver­füllt. Die Un­ter­kan­te konn­te an zwei Stel­len lo­ka­li­siert wer­den. Für den Ost-West-Schnitt wur­de sie auf 63,46 m NN, an ei­ner zwei­ten Stel­le auf 63,53 m über NN be­stimmt, also 2,40 m un­ter der heu­ti­gen Hü­gel­ober­flä­che. An ei­nem drit­ten Schnitt­punkt wur­de das ein­zi­ge in ori­gi­na­ler Lage ver­blie­be­ne Mau­er­werk ent­deckt. Es han­delt sich um eine nach Nor­den und Os­ten ge­gen die Hü­gel­schüt­tung ge­mau­er­te, im rech­ten Win­kel ge­knick­te, ein­häup­ti­ge Mau­er aus Bruch­stei­nen (grü­ner Mer­gel und Kalk­stein) und ro­ten und gel­ben Back­stei­nen. Die­se sind durch hel­lo­cker­far­be­nem Mör­tel ver­bun­den und etwa 35 – 60 cm stark. Nach Wes­ten hin wur­den bis in eine Tie­fe von 64,28 m NN leh­mi­ger und hu­mo­ser Bo­den und Bau­schutt ein­ge­füllt. Die­ses win­kel­för­mi­ge Mau­er­werk war au­gen­schein­lich die Sei­ten­wan­ge ei­nes Kel­ler­zu­gangs.

Der östliche Turm

Zu­letzt ver­such­te Lob­be­dey, mit Hil­fe meh­re­rer Sand­schnit­te den Turm zu lo­ka­li­sie­ren, der auf den Kar­ten aus dem 17. und 18. Jahr­hun­dert ein­ge­zeich­net war. Die­se Un­ter­su­chun­gen er­wie­sen sich als be­son­ders pro­ble­ma­tisch. Der Bo­den ist an die­ser Stel­le schwer zu durch­drin­gen, da er aus mäch­ti­gen Schicht­pa­ke­ten an leh­mi­gem und hu­mo­sem Bo­den oder Bau­schutt be­steht. Die­se Tat­sa­che deu­tet dar­auf hin, dass von hier aus Stein­ma­te­ri­al von der Burg ab­trans­por­tiert wor­den ist. Meh­re­re ver­füll­te Gru­ben wa­ren mög­li­cher­wei­se Such­grä­ben zum Auf­spü­ren von Fun­da­ment­mau­er­werk. Lob­be­dey konn­te au­ßer­dem fest­hal­ten, dass der äu­ße­re Rand der Hü­gel­auf­schüt­tung hier weit­läu­fig ab­ge­tra­gen wor­den war. Ob da­durch Sand ge­won­nen wer­den soll­te oder ob die Gräf­te da­mit auf­ge­füllt wur­de, ließ sich nicht ab­schlie­ßend klä­ren. Deut­lich zeich­ne­te sich le­dig­lich eine tie­fe Aus­bruchs­gru­be ab, de­ren Un­ter­kan­te bei ei­ner Tie­fe 63,03 m NN, also etwa 3 m un­ter­halb der Hü­gel­ober­flä­che, noch nicht er­reicht war. Es dürf­te sich da­bei um die Nord­wand des ge­such­ten Tur­mes han­deln.

Rekonstruktion

Auf der Kar­te von 1751 bil­det die Ring­mau­er ei­nen ex­ak­ten Kreis. Ob dies den tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten vor Ort ent­spricht, ist nicht nach­prüf­bar, da eine er­gra­be­ner An­halts­punkt auf der Süd­sei­te fehlt. Es gibt al­ler­dings vier Fund­stel­len der Ring­mau­er, die ei­nen an­nä­hernd ge­nau kreis­för­mi­gen Mau­er­ver­lauf mehr als wahr­schein­lich ma­chen. Ein äl­te­res Be­fes­ti­gungs­sys­tem, egal wel­cher Art, ist ohne die­se Ring­mau­er nicht er­kenn­bar.

Die etwa 2,40 m tie­fe Aus­bruchs­gru­be im nord­west­li­chen Teil der Hü­gel­flä­che ent­spricht dem lan­gen Sa­del der Be­schrei­bung aus dem Jah­re 1595, des­sen Maße mit 58 Fuß Län­ge und 31 Fuß Brei­te an­ge­ge­ben sind, was etwa 18,20 und 9,70 m ent­spricht. So­weit die­se Maße ex­akt zu­tref­fen, wa­ren Pa­las und Ring­mau­er durch ei­nen – wenn auch nicht be­son­ders gro­ßen – Zwi­schen­raum ge­trennt. Das ein­zig er­hal­te­ne Mau­er­werk ist das des Kel­ler­ein­gang. Mit sei­ner Hil­fe lässt sich die Mau­er­flucht be­stim­men.

Ein Pro­blem ist bis­lang un­ge­löst. In dem nach Wes­ten ge­führ­ten Schnitt ließ sich eine Ab­bie­gung der Aus­bruchs­gru­be nach Nord­os­ten in Rich­tung ei­ner zwei­ten, klar er­kenn­ba­ren Aus­bruchs­gru­be nicht fest­stel­len. Dies lie­ße sich nur da­durch er­klä­ren, dass die Stirn­wand des Pa­las we­ni­ger fun­da­men­ta­li­siert war als die Sei­ten­wän­de. Das wäre zwar denk­bar, aber nur dann, wenn man das hohe Ge­wöl­be, das die Be­schrei­bung von 1595 er­wähnt und das mit Back­stei­nen un­ter­wölbt wer­den soll­te, als Ton­nen­ge­wöl­be re­kon­stru­iert und viel­leicht au­ßer­dem eine gro­ße Öff­nung auf der west­li­chen Stirn­sei­te an­nimmt.

Das Al­ter des Pa­las lässt sich mit den Mit­teln der Ar­chäo­lo­gie nicht be­stim­men. Aus der Be­schrei­bung von 1595 geht aber klar her­vor, dass auch da­mals noch kei­ne in­ne­ren Trep­pen­an­la­gen exis­tier­ten. Es darf so­mit an­ge­nom­men wer­den, dass er ei­nen ver­hält­nis­mä­ßig al­ter­tüm­li­chen Bau­stil auf­wies, also ver­mut­lich doch noch aus der Zeit der Er­bau­ung der Burg im aus­ge­hen­den 12./beginnenden 13. Jahr­hun­dert stamm­te. Die Aus­maue­rung des Kel­ler­ein­gangs ist mit Back­stei­nen durch­setzt. Sie ist also ver­mut­lich nach­träg­lich hin­zu­ge­fügt wor­den.

Nach der Zeich­nung von 1688 be­fand sich un­ge­fähr ge­gen­über dem öst­li­chen Turm ein zwei­ter, qua­dra­ti­scher Turm, den man auf die Ring­mau­er auf­ge­sat­telt hat­te. Soll­te die Dar­stel­lung rich­tig sein, wäre die­ser Turm süd­lich des Pa­las zu su­chen. Es be­steht al­ler­dings der Ver­dacht, dass die Zeich­nung eine Un­ge­nau­ig­keit auf­weist. Der schein­ba­re zwei­te Turm wäre dann nichts als der Pa­las selbst. Ein Wohn­turm an die­ser Stel­le wäre gänz­lich über­flüs­sig. Der Pa­las bie­tet Wohn­raum ge­nug. Zu­dem wäre ein Mau­er­turm, der eine stär­ke­re Be­fes­ti­gung als der Ost­turm hat, an die­ser Stel­le sinn­los. Die­se Sei­te ist von Ahse und Sumpf­wie­sen ge­schützt; ein Feind war aus die­ser Rich­tung nicht zu er­war­ten. Wahr­schein­li­cher ist da­her, dass der Pa­las bzw. der da­mals noch vor­han­de­ne Rest des Pa­las auf der Kar­te nicht mit der nö­ti­gen Ge­nau­ig­keit dar­ge­stellt wur­den.

Nach der Kar­te von 1751 hat­te der Ost­tur­mes eine Län­ge von etwa 12 m und eine Brei­te von gut 9,5 m. Die­se Maße sind mit dem Fund ei­ner Aus­bruchs­gru­be an ent­spre­chen­der Stel­le nur dann zu ver­ei­nen, wenn man an­nimmt, dass der Ost­turm wei­ter in­ner­halb des Mau­er­rin­ges ge­le­gen hat, als dies auf der Zeich­nung von 1751 an­ge­ge­ben ist. Ge­mäß der Kar­te von 1688 führt der Zu­gang zur Burg süd­lich des Tur­mes durch die Ring­mau­er. Aus ei­nem Ver­gleichs­bei­spiel mit der Burg von Rhe­da er­gibt sich, dass die­se An­ord­nung nach­träg­lich an­ge­legt wor­den sein kann. Der Ost­turm war da­nach wohl der ur­sprüng­li­che Tor­turm.

Lob­be­dey ist es also ge­lun­gen, mit Ring­mau­er, Tor­turm und Pa­las die we­sent­li­chen Ele­men­te der Haupt­burg zu er­fas­sen. We­der die schrift­li­che Über­lie­fe­rung noch die Fun­de be­rich­ten von wei­te­ren Ge­bäu­den. Für eine Re­si­denz­burg war die Be­bau­ung also re­la­tiv spär­lich. Al­ler­dings dürf­te dies in Zu­sam­men­hang mit ei­ner um­fäng­li­chen Be­bau­ung der Vor­burg zu se­hen sein. Die Quel­len des 16. – 18. Jahr­hun­derts kön­nen da­von na­tür­lich kei­nen ech­ten Ein­druck mehr ver­mit­teln, da die Wirt­schafts­ge­bäu­de wei­test­ge­hend aus Holz be­stan­den und schon in frü­he­ren Jahr­hun­der­ten ab­ge­brannt oder auf an­de­re Wei­se zer­stört wor­den sind. Es ist au­ßer­dem denk­bar, dass auf der Haupt­burg klei­ne­re Ge­bäu­de stan­den, die in­fol­ge der Be­gren­zung der Gra­bungs­flä­chen oder we­gen der tief­grei­fen­den Stö­run­gen nicht er­fasst wer­den konn­ten. Es spricht nichts ge­gen die An­nah­me, dass die Haupt­bau­ten be­reits aus der Er­bau­ungs­zeit der Burg stam­men; ar­chäo­lo­gisch mit Si­cher­heit be­legt ist die­se An­nah­me je­doch nicht. Spä­ter wur­den eine Rei­he von Um­bau­ten vor­ge­nom­men.

Dazu las­sen sich fol­gen­de Über­le­gun­gen an­stel­len: Die Burg wur­de wahr­schein­lich in ei­nem Zuge er­rich­tet und da­bei so­fort in Stein aus­ge­baut. Der Um­fang der ar­chäo­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen reicht nicht aus, um ei­nen Vor­gän­ger­bau an glei­cher Stel­le mit völ­li­ger Si­cher­heit aus­zu­schlie­ßen. Die Höhe der Hü­gel­auf­schüt­tung ist aber, auch im di­rek­ten Ver­gleich zu klei­ne­ren Mot­ten, ver­hält­nis­mä­ßig ge­ring. Ein Vor­gän­ger­bau hät­te also ei­gent­lich er­fasst wer­den müs­sen. Aus den Scher­ben­fun­den er­gibt sich eine tat­säch­li­che Nut­zung der Haupt­burg im 13. bis 15. Jahr­hun­dert. Äl­te­res Scher­ben­werk konn­te Lob­be­dey nicht si­cher­stel­len. So­mit ist die An­nah­me am bes­ten be­grün­det, dass die Burg kurz nach 1198 von Fried­rich von Al­te­na oder sei­nem Sohn Adolf I. von der Mark in ei­nem Zuge er­rich­tet wor­den ist. Ei­nen Ober­hof Mark oder eine Burg des Ra­bo­do hat Lob­be­dey nicht ge­fun­den. Wenn es sie ge­ge­ben hat, könn­ten sie aber an an­de­rer Stel­le ge­le­gen ha­ben. Be­mer­kens­wert ist au­ßer­dem, dass die Haupt­burg durch ihre gro­ße Grund­flä­che von dem üb­li­chen Ty­pus der klei­ne­ren, da­für aber oft hö­he­ren Hü­gel ab­weicht, und eben­so da­durch, dass an­stel­le des üb­li­chen, zen­tra­len Tur­mes, der gleich­zei­tig Wohn- und Wehr­bau war, die­se Funk­tio­nen auf Ring­mau­er, Tor­turm und Pa­las ver­teilt sind.

Es las­sen sich kaum Ver­gleichs­bei­spie­le her­an­zie­hen, da die­se frü­hen Bur­gen ent­we­der zer­stört oder tief­grei­fend um­ge­baut wor­den sind. Von ver­gleich­ba­rer Grö­ßen­ord­nung wa­ren die rhei­ni­schen Mot­ten Nör­ve­nich und viel­leicht Heins­berg. Die Mot­te im hol­län­di­schen Lei­den be­sitzt eine Ring­mau­er von ähn­li­chem Durch­mes­ser. Aus­gra­bun­gen ha­ben dort die Exis­tenz ei­nes Tor­turms, aber kei­ne wei­te­re In­nen­be­bau­ung er­ge­ben. Die Burg Rhe­da ist ver­mut­lich am engs­ten mit der Burg Mark ver­wandt. Sie liegt auf ei­nem künst­li­chen Hü­gel, der et­was grö­ße­re Di­men­sio­nen und eine un­re­gel­mä­ßig-ova­le Form auf­weist. Burg Rhe­da ist in die Ems­nie­de­rung ge­baut und, wie Burg Mark, nur über ei­nen Damm er­reich­bar. Auch die Form und Grö­ße der Vor­burg sind mit Haus Mark ver­gleich­bar. Der äl­tes­te er­hal­te­ne Bau­teil ist der Tor­turm mit ei­ner be­kann­ten Dop­pel­ka­pel­le aus dem drit­ten Jahr­zehnt des 13. Jahr­hun­derts. Durch den Wehr­gang in­ner­halb des Ka­pel­len­ge­schos­ses ist er­wie­sen, dass eine Ring­mau­er vor­han­den war. Aus Ab­bil­dun­gen er­gibt sich, dass die Burg ei­nen mäch­ti­gen, etwa qua­dra­ti­schen Wohn­turm hat­te, den so­ge­nann­ten Tem­pel­her­ren­turm. Die­ser lag, wie der Ost­turm der Burg Mark, eben­falls an der Pe­ri­phe­rie des Burg­hü­gels. Er wur­de nach 1718 ab­ge­bro­chen. Der Aus­bau von Burg Rhe­da in die­ser Ge­stalt wird in die ers­te Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts da­tiert.

Funde

Einzelfunde von der Hauptburg

Die Aus­gra­bun­gen ha­ben kei­ne wirk­lich wert­vol­len Fun­de er­ge­ben, da die Burg plan­mä­ßig ver­las­sen wor­den und schritt­wei­se zer­fal­len ist. In den Aus­bruchs­gru­ben des Mau­er­werks und den um­ge­gra­be­nen Schich­ten wur­de mit­tel­al­ter­li­ches Fund­ma­te­ri­al ne­ben neu­zeit­li­chem ent­deckt. Dies er­schwert die Er­stel­lung ei­ner ex­ak­ten Chro­no­lo­gie.

In den Gräf­ten fan­den sich vor al­lem die Res­te von Ton­ge­fä­ßen. Über­wie­gend han­del­te es sich um ein­hei­mi­sche Ku­gel­topf­wa­re (graue Ke­ra­mik). In ge­rin­ge­rem Maße wa­ren auch Im­por­te aus dem Rhein­land ver­tre­ten, Fast­stein­zeug und Sieg­bur­ger Stein­zeug aus dem 13. bis 15. Jahr­hun­dert. Dar­un­ter be­fand sich cha­rak­te­ris­ti­sches Sieg­bur­ger Stein­zeug aus dem 13. Jahr­hun­dert in Form von Scher­ben stein­zeug­ar­tig hart­ge­brann­ter Ware, grau mit brau­ner Lehm­gla­sur. Es wur­de al­ler­dings auch Sieg­bur­ger Stein­zeug aus dem 14. und 15. Jahr­hun­dert ent­deckt. Dar­über hin­aus fan­den sich Kan­nen (dar­un­ter ein Rand­stück), ein Wel­len­fuß, Stand­knub­ben und Schüs­seln.

Burg Mark - Hinweistafel der Unterstützer

Burg Mark – Hin­weis­ta­fel der Un­ter­stüt­zer

Aus ei­ner spä­te­ren Be­nut­zungs­pha­se der Mot­te im 16. Jahr­hun­dert stam­men gla­sier­te und be­mal­te Ir­den­wa­re und neu­zeit­li­ches Stein­zeug. Der we­sent­li­che Teil der Fun­de da­tiert al­ler­dings auf die Zeit der gärt­ne­ri­schen Nut­zung und der Ab­bruch­ar­bei­ten im 17. bis 19. Jahr­hun­dert.

Aus den Gräf­ten konn­ten au­ßer­dem eine höl­zer­ne Scha­le so­wie zwei Frag­men­te ei­ner Trog- oder Hand­müh­le, die zur Pro­duk­ti­on von Mehl dien­te, ge­bor­gen wer­den.

In der Aus­fül­lung gab es kei­ne Fun­de, mit Aus­nah­me ei­ner ein­zi­gen Rand­scher­be. Das aus dem 12. Jahr­hun­dert stam­men­de Stück ist nicht sehr cha­rak­te­ris­tisch; es könn­te im Füll­ma­te­ri­al se­kun­där hier­her ge­langt sein.

Zum Alt­be­stand des Gus­tav-Lüb­cke-Mu­se­ums ge­hört ein Schei­ben­knauf­schwert aus dem 13. und 14. Jahr­hun­dert. Es stammt wo­mög­lich aus Burg Mark.

Ein bron­ze­ner Sta­chel­sporn aus dem 13. Jahr­hun­dert muss im Ei­gen­tum ei­nes Rit­ters ge­stan­den ha­ben. Der Sporn ver­brieft Reich­tum und Stel­lung der Burg­be­woh­ner; die meis­ten der Spo­ren be­stan­den aus Ei­sen.

Ein stark kor­ro­dier­ter Ei­sen­sporn stammt aus der Früh­zeit der An­la­ge. Der Fund stammt aus dem äu­ße­ren Fuß der Ring­mau­er in der Bo­den­aus­schüt­tung.

Für Bur­gen ty­pisch sind Waf­fen­fun­de. Dazu ge­hö­ren eine Pfeil­spit­ze aus Ei­sen und die eben­falls ei­ser­ne Spit­ze ei­nes Arm­brust­bol­zens. Die Pfeil­spit­ze und die schwe­re­re Spit­ze des Arm­brust­bol­zens so­wie ein Be­schlag ei­nes Kas­tens und gro­ße schmie­de­ei­ser­ne Nä­gel mit brei­tem Kopf sind als mit­tel­al­ter­lich an­zu­se­hen.

Aus weiß­li­chem Sand­stein ge­fer­tigt ist ein klei­nes Frag­ment in Form ei­ner drei­blätt­ri­gen Krab­be. Der An­satz ist hen­kel­ar­tig aus­ge­bil­det. Dies und die ge­rin­ge Grö­ße des Stü­ckes las­sen we­ni­ger an ein Ar­chi­tek­tur­frag­ment als viel­mehr an ei­nen Ge­brauch­ge­gen­stand wie ei­nen Mör­ser den­ken.

Das ohne grö­ße­re Kunst­fer­tig­keit her­ge­stell­te Frag­ment ei­ner Son­nen­uhr be­steht aus Schie­fer. Der Cha­rak­ter der Zif­fern er­mög­licht eine Da­tie­rung in das 16. oder 17. Jahr­hun­dert. Schließ­lich sind noch die Res­te des Bau­ma­te­ri­als zu er­wäh­nen, die sich in den Aus­bruchs­gru­ben fan­den: hel­ler, gelb­li­cher oder bräun­li­cher Sand­stein, hell­grau­er Kalk­stein und grü­ner Mer­g­els­tein vom Haarst­rang. Aus die­sem Ma­te­ri­al be­stehen auch zwei Ar­chi­tek­tur­frag­men­te, die mög­li­cher­wei­se aus der ers­ten Bau­pha­se der Burg stam­men. Es han­delt sich um das Stück ei­nes Fens­ter­pfos­tens und zwei an­ein­an­der­pas­sen­de Bruch­stü­cke ei­nes Ge­wän­des. Die­ses Frag­ment ist an ei­nem Teil der al­ten Ober­flä­che durch Brand ge­rö­tet.

Rote und gel­be Back­stei­ne sind den jün­ge­ren Bau­pe­ri­oden und Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten zu­zu­ord­nen. An Dach­de­ckungs­merk­mal wur­den Schie­fer und Hohl­zie­gel (Mönch und Non­ne) ge­fun­den.

Ver­mut­lich von ei­ner Brü­cken­kon­struk­ti­on stammt ein Ei­chen­bal­ken, der aus der Fül­lung der Gräf­te ge­bor­gen wur­de. Sein Quer­schnitt be­trägt 30 × 43 cm, sei­ne Län­ge 160 cm. An der Schmal­sei­te ist eine 7 cm tie­fe Aus­spa­rung zur Auf­nah­me ei­nes schräg über­blat­ten­den Hol­zes er­kenn­bar.

Kei­ne Aus­sa­gen kön­nen hin­ge­gen über die (Innen-)Ausstattung der Ge­bäu­de ge­trof­fen wer­den. Er­hal­ten sind le­dig­lich ein Teil des Fens­ter­pfos­ten und ein Teil ei­nes Ge­wän­des aus Sand­stein. Zu den ver­wen­de­ten Bau­ma­te­ria­li­en ge­hört of­fen­kun­dig auch Back­stein. Die­sen fin­det man ab 1200 auch auf an­de­ren Bur­gen (etwa der Isen­burg). Die Ge­bäu­de wa­ren mit Dach­zie­geln und Schie­fer­plat­ten ge­deckt.

Die meis­ten Fun­de da­tie­ren in die Zeit zwi­schen 1200 und 1300. Dies be­stä­tigt die An­nah­me, dass die Burg haupt­säch­lich im 13. Jahr­hun­dert ge­nutzt wor­den ist.

Grö­ße der Burg und Bron­zesporn be­le­gen über­ein­stim­mend die Be­deu­tung der Gra­fen von der Mark.

Die Brücke zur Hauptburg

Im Sep­tem­ber 1975 wur­den im Zuge der Neu­ge­stal­tung der An­la­gen die Gräf­ten aus­ge­bag­gert und da­bei der zu­ge­schüt­te­te Teil der Gräf­te zwi­schen Haupt- und Vor­burg wie­der­her­ge­stellt. In dem Be­reich, in dem die Brü­cke ver­mu­tet wor­den war, traf der Bag­ger auf eine grö­ße­re An­zahl von Ramm­pfäh­len, von de­nen sich ein Teil un­ter der Soh­le ei­nes neu­zeit­li­chen Kel­lers be­fand. Dank städ­ti­scher Ein­satz­kräf­te und frei­wil­li­ger Hel­fer konn­ten die Be­fun­de frei­ge­legt und auf­ge­mes­sen wer­den.

Bei Be­ginn der Un­ter­su­chung wur­de am Ost­rand der neu­en Gräf­te, die schma­ler ist als die ur­sprüng­li­che, der Rest ei­nes Brü­cken­pfei­lers ent­deckt. Er ruh­te auf ei­nem Bal­ken­rost, der aus 23 cm brei­ten und 21 bzw. 15 cm star­ken Ei­chen­bal­ken be­stand, die durch Quer­bal­ken zim­mer­manns­ge­recht mit­ein­an­der ver­knüpft wa­ren. Un­ter und zwi­schen die­sen Bal­ken wa­ren run­de Pfäh­le von etwa 80 cm Län­ge, au­ßer­dem Spalt­boh­len senk­recht in den Bo­den ge­rammt. Die Brei­te des Pfahl­ros­tes be­trug 1,36 m, die Län­ge des er­hal­te­nen Stücks 1,70 m. Noch bis zu 2,80 m nörd­lich der Ab­bruch­kan­te fan­den sich Ramm­pfäh­le im Bo­den; die Län­ge kann da­her bis zu 4,60 m be­tra­gen ha­ben. Zwi­schen den Bal­ken­rost hat­te man un­be­ar­bei­te­te Bruch­stei­ne ge­packt. Das dar­über be­find­li­che Bruch­stein­mau­er­werk aus grü­nen Mer­g­els­tei­nen war durch sehr har­ten, kalk­rei­chen, wohl hy­drau­li­schem Mör­tel ver­bun­den. Der obe­re Teil des Mau­er­werks, der sich wohl ober­halb des Was­ser­spie­gels be­fand, ist da­ge­gen mit ocker­far­be­nem, san­di­gem Mör­tel ge­mau­ert wor­den. An der Ba­sis war das Mau­er­werk 1,20 m breit und ver­jüng­te sich nach oben hin.

Der Pfahl­rost des Pfei­lers war be­reits in vor­han­de­ne, bis zu 40 cm mäch­ti­ge Schlamm­ab­la­ge­run­gen der Gräf­te hin­ein­ge­setzt. Er kann also nicht zur ur­sprüng­li­chen An­la­ge ge­hö­ren.

Die dicht­ge­drängt ste­hen­den Ramm­pfäh­le kön­nen eben­falls nicht alle aus der glei­chen Zeit stam­men. Alle Pfäh­le, mit ei­ner Aus­nah­me, wa­ren senk­recht ein­gerammt. Es han­del­te sich um an­ge­spitz­te Ei­chen­boh­len von etwa qua­dra­ti­schem Quer­schnitt mit ei­nem Durch­mes­ser von 20 bis 35 cm (meist um 25 – 30 cm). Der über­wie­gen­de Teil der Pfäh­le steht in zwei Rei­hen, die ei­nen Ab­stand von 2,50 m von­ein­an­der hal­ten, was der Brei­te der Brü­cke ent­spro­chen ha­ben muss. Die Fahr­bahn führt di­rekt auf den Tor­turm zu, al­ler­dings nicht ge­nau auf des­sen Mit­te, so­fern die Re­kon­struk­ti­on des Tur­mes in die­sem De­tail über­haupt zu­tref­fend sein kann.

Nörd­lich der Brü­cke wur­den zwei wei­te­re Pfahl­paa­re in ei­nem Ab­stand von je­weils etwa 1 m zu­ein­an­der ein­ge­mes­sen. Sie könn­ten zu ei­nem Steg ge­hö­ren, der am Turm vor­bei auf die Haupt­burg führ­te. Ein sol­cher Steg ist auf der Kar­te von 1688 ein­ge­zeich­net, al­ler­dings süd­lich des Tur­mes. Ob dies auf ei­nen Zei­chen­feh­ler oder ei­nen wei­te­ren, ar­chäo­lo­gisch nicht er­mit­tel­ten Tat­be­stand zu­rück­geht, ist un­ge­wiss.

Die Schlamm­ab­la­ge­run­gen der Gräf­te lie­ßen im Be­reich der Brü­cke kei­ne mit­tel­al­ter­li­che Stra­ti­gra­phie er­ken­nen, von der ge­nann­ten Aus­nah­me ab­ge­se­hen, der Über­la­ge­rung durch den Pfei­ler. Auch in den un­ters­ten Schich­ten fand sich ne­ben den mit­tel­al­ter­li­chen Ke­ra­mi­k­res­ten neu­zeit­li­che­re Ware aus dem 16. und 17. Jahr­hun­dert. Dem­nach ist die Gräf­te bis zum Ende des Mit­tel­al­ters ent­schlammt wor­den.

Einzelfunde aus dem Brückenbereich

Un­ter den we­ni­gen Ke­ra­mik­fun­den ist vor al­lem das Bo­den­teil ei­nes gla­sier­ten mit­tel­al­ter­li­chen Kru­ges er­wäh­nens­wert, da gla­sier­te Ke­ra­mik aus die­ser Zeit in die­sem Raum sel­ten ist. Die hart­ge­brann­te, mit fei­nem Sand ge­ma­ger­te Scher­be ist im Bruch dun­kel­blau-grau, auf der In­nen­sei­te gelb­lich hell­grau, au­ßen aber hell­grau und mit hell­grü­ner Gla­sur be­deckt. Das Ge­fäß wur­de auf der Dreh­schei­be ge­fer­tigt und ist ohne je­den Zwei­fel im­por­tiert wor­den. Es könn­te aus dem 13. oder 14. Jahr­hun­dert stam­men.

In die­sen Zeit­raum wird auch das Bruch­stück ei­ner ge­drech­sel­ten Holz­schüs­sel ge­hö­ren. Ihr In­ne­res ist grob be­ar­bei­tet und nicht ge­glät­tet. Mög­li­cher­wei­se ist das Stück nicht fer­tig­ge­stellt wor­den.

Un­ter den Me­tall­funden ist eine gra­vier­te spät­go­ti­sche Be­schlag­plat­te aus Zinn be­mer­kens­wert.

Ein Blei­ge­wicht in Form ei­nes Py­ra­mi­den­stump­fes mit ab­ge­run­de­ten Ecken und ei­ner Öse am obe­ren Ende lässt sich nicht nä­her da­tie­ren. Es wiegt 118,5 g, was in etwa dem hal­ben Ge­wicht der Mark ent­spricht (eine Mark köl­nisch = 8 Un­zen = 233,779 g).

Fer­ner wur­den ei­ni­ge Ei­sen­ge­gen­stän­de (Tür­klo­ben, Boots­ha­ken) ge­bor­gen, dar­un­ter ein Teil ei­ner Ket­te, der sich in dem zu­ge­schwemm­ten Loch ei­nes ge­zo­ge­nen Ramm­pfah­les be­fand.

Funde auf der Vorburg

Ei­ni­ge Me­ter öst­lich der Brü­cken­an­la­ge wur­de ein aus Bruch­stei­nen ge­mau­er­ter Brun­nen mit ei­nem Durch­mes­ser von 1,13 m ge­fun­den. Sein obe­rer Teil war mit neue­ren Back­stei­nen auf­ge­mau­ert; als De­ckel dien­te eine gro­ße, run­de Plat­te aus Sand­stein. Die­ser Brun­nen war ganz of­fen­sicht­lich noch im 19. Jahr­hun­dert im Ge­brauch. Sein Ur­sprung könn­te aber noch im Mit­tel­al­ter lie­gen.

An der Süd­west­ecke der Vor­burg wur­de beim Ver­le­gen ei­nes Elek­tro­ka­bels ein Be­fund an­ge­schnit­ten, der dann in ei­nem wei­te­ren klei­nen Son­dier­schnitt wei­ter un­ter­sucht wor­den ist. Da­bei wur­de fest­ge­stellt, dass es sich um eine Pfahl­grup­pe han­delt. Be­legt sind drei 20 bis 24 cm star­ke Ei­chen­pfäh­le, die man in den ge­wach­se­nen, san­di­gen Bo­den ge­rammt hat­te. Der Un­ter­grund be­fand sich in ei­ner Tie­fe von ca. 57,60 m NN, also etwa im Ni­veau der Gräf­ten­soh­le der Haupt­burg. Durch die Ein­wir­kung or­ga­ni­scher Sub­stan­zen war der Sand­bo­den grün­lich-blau ver­färbt und von ei­ner ca. 40 cm star­ken, tor­fi­gen Schicht be­deckt. In die­ser konn­ten zahl­rei­che Res­te von Blät­tern und Zwei­gen ge­sich­tet wer­den. Dank die­ses Be­fun­des be­steht kein Zwei­fel, dass die Pfäh­le ur­sprüng­lich in der Gräf­te der Vor­burg stan­den. Ho­ri­zon­tal und et­was schräg nach un­ten la­gen auf der Torf­schicht meh­re­re Bal­ken­res­te, die z. T. durch star­ke Brand­spu­ren ge­zeich­net wa­ren. Sie müs­sen von ei­nem ab­ge­stürz­ten oder ver­brann­ten Ge­bälk ober­halb der Ramm­pfäh­le her­rüh­ren. Der Durch­mes­ser der Pfäh­le ist ge­rin­ger als der der meis­ten Pfäh­le der Haupt­brü­cke. Da­her kann es sich bei der Kon­struk­ti­on nur um ei­nen klei­ne­ren Steg ge­han­delt ha­ben. Der Be­fund reicht nicht aus, um zu ent­schei­den, ob die­ser die Gräf­te als Brü­cke über­quert hat. Denk­bar wäre näm­lich auch, dass er nur ein Stück weit in die Gräf­te hin­ein­führ­te und dem täg­li­chen Wirt­schafts­be­trieb dien­te, mög­li­cher­wei­se zum Ge­schirr­spü­len. Der Fund grö­ße­rer Men­gen von Scher­ben deu­tet auf eine sol­che Funk­ti­on hin. Ei­ni­ge Ge­fä­ße wur­den in zahl­rei­chen, bei­ein­an­der­lie­gen­den Scher­ben ge­fun­den. Über dem Ho­ri­zont der Bal­ken­res­te be­fand sich eine wei­te­re Schicht aus leh­mi­gem, dun­kel­grau­em Gräf­ten­schlamm, etwa 40 cm stark und et­was san­di­ger. Die bei­den schlam­mi­gen Gräf­ten­fül­lun­gen wur­den von ei­ner etwa 20 cm di­cken Schicht gel­ben Lehms über­la­gert, der sehr viel Holz­koh­le ent­hielt und z. T. durch Feu­er ge­rö­tet war. In der glei­chen stra­ti­gra­phi­schen Si­tua­ti­on wie die­se Schicht lag in ei­nem be­grenz­ten Be­reich eine bis zu ei­nem Me­ter di­cke Schüt­tung von Bruch­stei­nen (grü­ner Mer­g­els­tein) mit san­di­gem Lehm. Es han­delt sich hier­bei mit ei­ni­ger Ge­wiss­heit um Ab­raum von Ge­bäu­den, der teils aus Stein, teils aus Lehm­fach­werk be­steht und in die Gräf­te ge­schüt­tet wor­den ist. Dar­über war wei­te­rer Füll­bo­den in zwei un­ter­scheid­ba­ren Schich­ten ab­ge­la­gert.

Vor al­lem aus den bei­den un­te­ren, tor­fi­gen und schlam­mi­gen Gräf­ten­fül­lun­gen, aber auch aus al­len an­de­ren Schich­ten konn­ten reich­hal­ti­ge Ke­ra­mik­fun­de ge­bor­gen wer­den. Aus der obers­ten, hu­mo­sen Füll­schicht stammt neu­zeit­li­che Ke­ra­mik. In der un­te­ren Lage des Füll­bo­dens, also noch über der Ab­raum­schicht, fand sich Sieg­bur­ger Stein­zeug aus dem 14. Jahr­hun­dert, dar­un­ter eine Tas­se, ein gro­ßer Krug und ein klei­ner Krug. Brand und Ab­bruch des oder der Vor­burg­ge­bäu­de müs­sen zeit­lich vor­her statt­ge­fun­den ha­ben. Und tat­säch­lich sind die Ke­ra­mik­fun­de der bei­den Gräf­ten­schlamm-Schich­ten und der Stein- und Brand­schutt­schicht merk­lich äl­ter. Un­ter­ein­an­der sind kei­ne Un­ter­schie­de zu er­ken­nen, al­ler­dings gibt es eine Aus­nah­me: aus­schließ­lich in der un­ters­ten Schicht auf der Gräf­ten­soh­le fan­den sich Scher­ben stein­zeug­ar­tig hart­ge­brann­ter Ware in Dun­kel­grau oder Gelb und vio­lett­brau­ner oder oliv­grau­er Ober­flä­che. Sie ge­hör­ten zu Krü­gen mit ei­för­mi­gem Bauch, zy­lin­dri­schem Hals, Wel­len­fuß und Kra­gen­rand; Sieg­bur­ger Fast­stein­zeug aus der Mit­te der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts. In die glei­che Zeit ge­hört eine et­was an­ders­ar­ti­ge Aus­prä­gung des Fast­stein­zeugs: Die Scher­be ist im Bruch grau, an der Ober­flä­che hell­braun oder oliv­grau, teil­wei­se mit Fle­cken röt­lich­brau­ner Gla­sur. Ge­fun­den wur­den klei­ne und gro­ße Krü­ge mit zy­lin­dri­schem, durch fei­ne Drehril­len ver­zier­tem Hals und schlicht aus­lau­fen­dem, un­pro­fi­lier­tem Rand so­wie Wel­len­fuß. Die Ge­fäß­wan­dung ist ent­we­der ge­drun­gen und bau­chig oder ei­för­mig ge­streckt. Der obe­re Teil der Ge­fäß­wan­dung wird teil­wei­se durch Gra­te be­lebt.

Auch Ir­den­wa­re hat man im­por­tiert. Das be­le­gen zwei Scher­ben ei­ner gelb­ton­i­gen, hart­ge­brann­ten Ir­den­wa­re, die an der In­nen- und Au­ßen­sei­te von ei­ner rot­brau­nen En­go­be (Lehm­be­guss) über­zo­gen sind. Sie ge­hö­ren zu ei­ner im aus­ge­hen­den 13. und 14. Jahr­hun­dert mög­li­cher­wei­se in Sieg­burg her­ge­stell­ten Wa­ren­art.

Die Sieg­bur­ger Im­port­ke­ra­mik wird durch die Ku­gel­topf­ke­ra­mik zah­len­mä­ßig bei wei­tem über­wo­gen. In den Schlamm­schich­ten der Vor­burg-Fund­stel­le tritt sie in fast ein­heit­li­cher Aus­prä­gung auf. Alle Scher­ben sind dünn­wan­dig und hart­ge­brannt, mit fein­kör­ni­ger Sand­ma­se­rung so­wie grau­em und po­rö­sem Bruch. Ihre Ober­flä­che ist in der Re­gel schwarz­grau, in­nen und teil­wei­se auch au­ßen hell­grau. Die Ge­fäß­kör­per sind durch­gän­gig von Hand auf­ge­baut, nur der Rand ist oft nach­ge­dreht. Als Ge­fäß­for­men tre­ten auf: Ku­gel­töp­fe, die am meis­ten ge­brauch­te Ge­fäß­form, hier z. T. in be­trächt­li­chen Di­men­sio­nen, ein klei­ner Drei­fuß­topf mit Stil­hen­kel (Gra­pen) und ein­zel­ne Füße wei­te­rer Drei­fuß­ge­fä­ße.

Die Hals­zo­ne ist bei den Ku­gel­töp­fen meist nicht be­son­ders aus­ge­prägt; ge­le­gent­lich ist sie mit dün­nen Ril­len ver­ziert. Nur in ei­nem Fall er­scheint sie ge­rillt und kräf­tig ab­ge­setzt und ge­rillt, was be­mer­kens­wert ist, weil sich in der Ver­brei­te­rung die­ses Merk­mals of­fen­sicht­lich eine re­gio­na­le Dif­fe­ren­zie­rung aus­drückt. In der nord­deut­schen und ost­west­fä­li­schen Ke­ra­mik ist die ge­streck­te und mit kräf­ti­gen Rie­fen be­leb­te Hals­zo­ne für die Ku­gel­töp­fe des 13. Jahr­hun­derts cha­rak­te­ris­tisch, in der rhei­ni­schen aber nicht.

Wei­ter fan­den sich Frag­men­te von Ge­fä­ßen mit Wel­len­fuß und ge­drun­gen ei­för­mi­gem Bauch. Die­se hat man als weit­mün­di­ge Krü­ge mit Hen­kel re­kon­stru­iert. Bei ei­ni­gen Aus­guß­tül­len und Hen­keln ließ sich nicht ent­schei­den, ob sie zur Ka­te­go­rie der Ku­gel­töp­fe, der Drei­fuß­töp­fe oder der Ge­fä­ße mit Wel­len­fuß ge­hö­ren. Ein wei­te­rer ge­läu­fi­ger Ge­fäß­typ ist die Schüs­sel. Ein grö­ße­res Bruch­stück hat Stand­knub­ben und ei­nen knub­ben­ar­ti­gen Griff. Ein Dril­lings­ge­fäß stellt eine Son­der­form von drei un­ter­ein­an­der ver­bun­de­nen Ku­gel­töpf­chen mit Stand­fü­ßen und ei­nem Griff dar; ein Teil des Ge­fä­ßes fehlt.

Die Sieg­bur­ger Ke­ra­mik lässt sich ein­fa­cher da­tie­ren und si­chert so­mit die Da­tie­rung für die hand­ge­mach­te Ku­gel­topf­ke­ra­mik; bei­de Ke­ra­mikar­ten wur­den je­mals zu­sam­men auf­ge­fun­den. Die Sieg­bur­ger Ke­ra­mik der bei­den un­te­ren schlam­mi­gen Schich­ten und der Ab­raum­schicht ge­hört durch­weg dem Zeit­raum von der Mit­te bis zum Ende des 13. Jahr­hun­derts an. Auch die graue Ku­gel­topf­ke­ra­mik ist sehr ein­heit­lich ist. Da­her müs­sen bei­de Wa­ren­ar­ten dem glei­chen Zeit­raum zu­ge­rech­net wer­den. Die Uni­for­mi­tät der Ku­gel­topf­wa­re spricht au­ßer­dem da­für, dass es sich im We­sent­li­chen um Er­zeug­nis­se ei­ner ein­zi­gen, wahr­schein­lich im nä­he­ren Be­reich der Burg ge­le­ge­nen Töp­fe­rei han­delt. Mög­li­cher­wei­se stammt aus die­ser Töp­fe­rei auch eine Fisch­brat­pfan­ne mit bräun­lich-grün­li­cher Gla­sur auf der In­nen­sei­te, wor­auf ihre gleich ge­la­ger­te Ton­be­schaf­fen­heit hin­deu­tet.

Wei­te­re Fun­de aus dem glei­chen Schicht­zu­sam­men­hang sind: Schuh­le­der, grö­ße­re Men­gen an Tier­kno­chen, Tei­le vom Zaum­zeug und eine fast voll­stän­di­ge, zun­gen­för­mi­ge Dach­schie­fer-Plat­te mit drei ori­gi­na­len Na­gel­lö­chern und ei­nem in­ne­ren vier­ten von ei­ner Re­pa­ra­tur, au­ßer­dem zwei Frag­men­te ei­ner Hand­müh­le aus Sand­stein. Es han­delt sich um ein Bruch­stück vom Rand des Bo­den­stei­nes und die Hälf­te des Läu­fer­stei­nes. Sei­ne Ober­sei­te ist ab­ge­platzt. Eine ähn­li­che Hand­müh­le wur­de in der Berg­bau­wüs­tung Al­ten­berg bei Mü­sen im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein, ge­fun­den. Sie scheint eben­falls aus dem 13. Jahr­hun­dert zu da­tie­ren. Ein Frag­ment vom Bo­den­stein ei­ner wei­te­ren, noch grö­ße­ren Müh­le wur­de im Aus­hub auf­ge­le­sen.

Ins­ge­samt dürf­ten die Fun­de aus der Gräf­te der Vor­burg in­so­fern von be­son­de­rem In­ter­es­se sein, als es sich um ein an­nä­hernd zeit­glei­ches und da­tier­tes Ma­te­ri­al aus der ers­ten Be­nut­zungs­pha­se von Haus Mark im 13. Jahr­hun­dert han­delt.

Lage der Burg Mark

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