burgEine Burg ist ein verteidigungsfähiger Bau, der den technischen Verteidigungsmöglichkeiten des Mittelalters entspricht und auf einen einzelnen Burgplatz beschränkt ist. In Europa wird darunter überwiegend ein bewehrter Wohnsitz eines Adligen im Mittelalter verstanden. Neben der Adelsburg kommen noch Volksburgen, Kirchenburgen (Wehrkirchen), Klosterburgen und Stadtburgen vor.

Eine ältere Bezeichnung für Burg ist das Wort Veste.
Vorgeschichtliche Anlagen
Befestungsartige Anlagen wurden seit dem Neolithikum errichtet und sind aus nahezu allen ur- und frühgeschichtlichen Perioden bekannt. Die Außenanlagen waren aus Holz, Erde oder Stein und sind heute als Burgwälle erhalten, die zumeist als Bodendenkmal unter Schutz stehen. Selten war der Hauptzweck einer solchen Anlage jedoch die Verteidigung, weshalb die Bezeichnung Burg irreführend ist. Er entstand im deutschen bzw. nordischen Sprachraum vermutlich dadurch, dass der nordische Begriff Borg für einen umwallten Kultplatz (in Schottland wurde er von Normannen auf den Broch übertragen) zum Begriff für vergleichbare, jedoch profane Anlagen wurde. Die als Wikingerburgen bezeichneten Plätze wie die Trelleborg, die nie Befestigungscharakter hatte, geht eindeutig auf eine gegenreformatorische, antichristliche Bewegung unter Sven Gabelbart zurück, der diese heidnischen Kultplätze anlegte. Ihre Bezeichnung als Borg belegt diese nordische Kultplatzbezeichnung um 1000 n. Chr. letztmalig. Viele Forscher bevorzugen deshalb die neutrale Bezeichnung „Erdwerk“ oder spezifischere Ausdrücke wie z.B. Kreisgrabenanlage, Schlacken- oder Abschnittswall, Burgwall. Die Kelten hinterließen in Süddeutschland und Frankreich große, stark befestigte Burgstädte, die „Oppidae“ (lat. Bezeichnung). Keltische Viereckschanzen hatten dagegen in der Regel keine Verteidigungseinrichtungen.

Frühgeschichtliche Befestigungsanlagen
Viele frühgeschichtliche Burg- und Stadtanlagen wurden über sehr lange Zeiträume bewohnt und immer wieder ausgebaut oder erneuert. Bei diesen Denkmälern fehlen jegliche historischen Überlieferungen, so dass ihre Zeitstellung und Geschichte nur durch aufwendige archäologische Grabungen festgestellt werden kann. Im Römischen Reich waren Kastell oder Burgus (spätrömisch) als befestigte Truppenstandorte gebräuchlich. Die Außengrenzen des Reiches wurden teilweise mit aufwendigen Grenzbefestigungen gesichert (Limes).
Burgen im frühen Mittelalter
Im Frühmittelalter kamen die Burgen als Wehrbauten wieder auf, falls diese Tradition jemals unterbrochen war. Der Geschichtsschreiber Paulus Diaconus erwähnt im 8. Jahrhundert in seiner Langobardengeschichte, auf der Historiola des Abtes Secundus von Trient fußend, für das Jahr 590 zahlreiche Castra im mittleren Alpenraum. Ein solches Castrum wird heute meist als befestigte Höhensiedlung aus ostgotischer, byzantinischer oder langobardischer Zeit angesehen. Als Beispiele dafür können Loppio im Trentino, der Vigiliusbühl bei Perdonig oder Castelfeder bei Auer, beide im Etschtal gelegen, angeführt werden.

Im Fränkischen Reich setzte der Burgenbau spätestens in der Karolingerzeit – besonders seit König Heinrich I. – wieder ein, um die Ostgrenze des Reiches zu sichern. Große Gaugrafenburgen entstanden, teilweise durch den Ausbau vorgeschichtlicher Wallanlagen. Zur selben Zeit, das heißt im späten 8. Jahrhundert und im 9. Jahrhundert, begannen auch die Slawen mit dem Bau von Burgen. Im 10. Jhdt. wurden in Südwestdeutschland riesige Ungarnwälle aufgeworfen. Im Vorfeld wurden ausgeklügelte Reiterannäherungshindernisse angelegt, um das Reitervolk zum Fußkampf zu zwingen. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg (955) wurde der Ausbau mancher dieser Wallanlagen abrupt abgebrochen, da die Gefahr durch die Niederlage der Ungarn beseitigt war. Viele hochmittelalterliche Burgen stehen innerhalb älterer, wesentlich großflächigerer Wallanlagen, deren Zeitstellung nicht immer zweifelsfrei zu klären ist. Festungstechnisch günstige Plätze wurden oft über Jahrtausende hinweg benützt. Bedingt durch klimatische Verbesserungen kam es am Ende des frühen Mittelalters im deutschen Sprachraum zu einem raschen Bevölkerungswachstum, das die Entstehung einer neuen Gesellschaftsschicht ermöglichte, der Ministerialen. Diese anfangs noch unfreien Dienstleute dokumentierten ihren neuen Status oft durch die Errichtung einer Turmhügelburg, der Motte. Dieser Bautypus war ursprünglich in Westeuropa beheimatet.

Hoch- und Spätmittelalter
Die Blütezeit des Burgenbaus war das Hoch- und Spätmittelalter. Aus dieser Zeit stammt der größte Teil der heute erhaltenen Burgen und Burgruinen. Der Burgenbau gehörte aufgrund der schwachen Infrastruktur des mittelalterlichen Europas zu den wichtigsten Mitteln der Machtausübung, weshalb er zu den Königsrechten (Regalien) zählte. Manche Herrscher ließen Zwingburgen in aufrührerischen Gebieten oder auch Städten errichten. Die Pfalzbauten des Hochadels und der Kaiser waren allerdings ursprünglich nur schwach befestigt.

Waren die Könige der meisten europäischen Länder stark auf den Erhalt ihres Vorrechts zum Burgenbau bedacht, ging dieses Recht im Heiligen Römischen Reich während des Spätmittelalters auf die Territorialfürsten über.

Über den Einfluss arabischer und muslimischer Wehrarchitektur auf die Entwicklung der europäischen Burglagen ist viel gestritten worden. Sicherlich ist jedoch die eine oder andere Anregung während der Kreuzzüge zu uns gelangt. Bei vielen spanischen Burgen ist dieser Einfluss, bedingt durch die Geschichte des Landes, offensichtlich. Aus diesem Grunde ist es im spanischen Burgenbau oft zu eigenständigen, ja phantastischen Ergebnissen gekommen. Bauten wie etwa die atemberaubende Burg Coca suchen im Rest Europas ihresgleichen.

Die Rheinstrecke von Mainz bis Bonn ist wohl das bekannteste Beispiel einer deutschen Burgenlandschaft. Klassische „Burgennester“ sind weiterhin der Pfälzer Wald, die Schwäbische und die Fränkische Alb, die fränkischen Hassberge u.a. Im deutschsprachigen Teil des ehemaligen Österreich ist hier vor allem Südtirol zu nennen.

Demjenigen, der sich einen raschen Überblick über nahezu tausend Jahre Entwicklung des mitteleuropäischen Wehrbaus verschaffen möchte, sei die Region um das Allgäuer Grenzstädtchen Füssen empfohlen (Burgenregion Ostallgäu-Außerfern). Von der Motte (Seeg) über die Höhlenburg (Loch bei Pinswang) über die spätgotische Schlossburg Füssen reicht das Angebot bis hin zur barocken Festungsanlage (Schlosskopf bei Reutte) und der romantischen Märchenburg Neuschwanstein. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde die Region als Standort für das Europäische Burgenmuseum ausgewählt, das zur Zeit in der Klause unterhalb des Burg- und Festungsensembles Ehrenberg (Reutte) eingerichtet wird.

In dem Umland einer Burg galt der so genannte Burgfriede, der Fehden streng untersagte. Durch den Burgbann war die im Einzugsbereich einer Burg lebende Bevölkerung dazu verpflichtet, zu baulichen Tätigkeiten und der Verteidigung der Burg beizutragen. Dafür durfte die Bevölkerung bei fremder Bedrohung in der Burg Schutz suchen. Im Spätmittelalter wurden viele Burgen aufgrund des Niedergangs des Rittertums zum Stützpunkt von sogenannten Raubrittern.

Die meisten Burgen wurden von gutbezahlten Bauspezialisten und Handwerkern errichtet, selten durch die harte Fronarbeit der untertänigen Bevölkerung. Viele Bauherren mussten sich extrem verschulden, um sich eine Burg leisten zu können, die ihrem tatsächlichen oder eingebildeten Status entsprach. Die Bauzeiten bewegten sich zwischen wenigen Wochen für eine kleine Holz- und vielen Jahrzehnten für eine große Feudalburg. Eine kleinere Steinburg dürfte in drei bis fünf Jahren bezugsfertig gewesen sein und wurde später meist noch ausgebaut. Die Bautrupps zogen von einer Baustelle zur anderen. So erklären sich identische Baudetails und Steinmetzzeichen an oft weit voneinander entfernten Burgen. (Es wurde meist keine Bauzeichnungen erstellt, sondern lediglich einzelne Skizzen in den Sand gemalt.)

Im Idealfall verwendete man das am Ort anstehende Baumaterial. Die Werksteine wurden teilweise bereits beim Grabenaushub gewonnen, oft haben sich auch die alten Steinbrüche in unmittelbarer Nähe der Burg erhalten. Manchmal wurde das Baumaterial allerdings auch über weite Strecken zur Baustelle transportiert. In steinarmen Gebieten (etwa Norddeutschland) verwendete man meist Backsteine oder Feldsteine. Das verwendete Steinmaterial hatte großen Einfluss auf die Konzeption und Ausstattung der Burganlage. Auch die Baukosten und die Bauzeit hingen hiervon ab. In den Außenmauern finden sich oft in regelmäßigen Abständen kleine „Rüstlöcher“. Beim Hochmauern wurden hölzerne Stangen in diese Löcher geschoben. Auf diese Stangen wurden dann Balken gelegt und rückwärtig ein Geländer angebracht. Von dieser Gerüstebene konnte dann in Mannshöhe nach oben gemauert werden. Dieses Prinzip wurde so lange fortgeführt, bis die endgültige Mauerhöhe erreicht war. Die oft in den Rüstlöchern verbliebenen Holzreste geben oft Aufschluss über das Alter des Bauabschnittes (Dendrochronologie). Selbstverständlich kamen auch kleinere Standgerüste vor, besonders in Innenräumen. Die Außenmauern vieler Burgen waren – im Gegensatz zu ihrem heutigen Erscheinungsbild – meistens verputzt.

Es gab im Mittelalter wesentlich mehr Burgen, als heute gemeinhin angenommen. Auch heute auf den ersten Blick so burgenarme Gebiete wie etwa Oberbayern waren im Hochmittelalter übersät mit mehr oder weniger wehrhaften Adelssitzen. Besonders in den ersten Jahrzehnten des Territorialausbaues fand sich in oder bei nahezu jedem größeren Dorf eine kleine Burg oder zumindest eine befestigte Hofanlage. Diese Anlagen dienten als Wohnstätten und vor allem als Statussymbole der zahlreichen Ministerialen, des neu entstandenen Dienstadels. Viele dieser manchmal winzigen Burgen sind noch als Burgställe erhalten, andere in Meierhöfen oder Schlössern aufgegangen. Die „Herren“ dieser Miniaturburgen waren oft wirtschaftlich nicht stark genug, um sich dauerhaft im Niederadel zu etablieren. Oft findet man auch mehrere ehemalige Burgen in einer Gemeinde.

Besonders im Grenzbereich zwischen den Gebieten mächtiger Territorialherren wurden zahlreiche Burgen zur Sicherung des eigenen Einflusses errichtet. Ein gutes Beispiel ist die auffallende Burgendichte in den fränkischen Hassbergen, wo sich die beiden Hochstifte Bamberg und Würzburg rivalisierend gegenüberstanden. Hier schreckte man auch vor Falschanklagen nicht zurück, um die Burgen des Rivalen in den eigenen Besitz zu bringen.

Wegen der unterschiedlichen Entwicklung des Lehnswesens und anderer geographischer und politischer Faktoren unterscheiden sich die Burgen der verschiedenen Kulturkreise deutlich. In Deutschland werden die oft gigantischen Ausmaße der englischen und französischen Wehrbauten meist bei weitem nicht erreicht, die Anlagen fallen überwiegend vergleichsweise bescheiden aus. Auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: Europas längste Burg ist in Bayern zu finden (Burg zu Burghausen). Die Anlage ist über 1200 m lang. Auch die gigantischen „Ritterkasernen“ des Deutschen Ordens sind als Eroberungsburgen im feindlichen Umland nicht für die deutsche Burg repräsentativ.

Im (ehemaligen) deutschen Sprachraum dürften insgesamt etwa 20.000 mittelalterliche Burgen angelegt worden sein. Einfache Turmburgen und Motten stehen hier neben kleineren Stein- und großen Feudalburgen. Die meisten dieser Wehranlagen sind im Laufe ihrer langen Geschichte verschwunden oder nur noch als Burgställe erhalten. Die Zahl der ganz oder teilweise erhaltenen Burganlagen liegt hier bei über 4000 (Krahe verzeichnet in seinem Grundrisslexikon etwa 4500). Diese Zahlen lassen sich durch die Sonderentwicklung des Lehnswesens im „deutschen“ Reichsgebiet erklären, die Entwicklung eines „Dienstadels“, der den Großteil der Ritter und Edelknechte stellte. Hinzu kommt die territoriale Zersplitterung in kleine und kleinste Herrschaften. Das Land mit der im Verhältnis zu seiner Fläche größten Burgendichte ist allerdings Böhmen.

Die Evolution der Adelsburg verlief größtenteils parallel zu der Entwicklung der Stadtbefestigungen in Europa. Leider werden die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen beiden Bautypen von der Forschung noch zu wenig beachtet. Eigentlich sind die Städte des Mittelalters nichts anderes als riesige Burgen, die Einwohner nannte man folgerichtig auch Bürger. Typische Elemente der Burgenarchitektur finden sich in den Städten wieder, sogar die Bergfriede oder Donjons finden ihre städtische Entsprechung in den Wohn- und Geschlechtertürmen europäischer Städte. Viele Burgen wurden in einem Zuge mit den städtischen Befestigungen gebaut oder erweitert. Einige liegen inmitten der Städte oder an ihrem Rand, viele sind durch Schenkelmauern mit der Stadtbefestigung verbunden. Tore, Gräben, Wehrtürme und -gänge, Kurtinen und Vorwerke, alles bedingt sich gegenseitig und sollte auch als Einheit verstanden werden.

Das Ende des Burgenbaus
Die mittelalterliche Burg verlor ihren Zweck mit dem Aufkommen von Kanonen, welche die Burgmauern mit ihren Geschossen durchschlagen konnten. Zwar war dies vorher auch schon mit manchen Belagerungsmaschinen möglich, jedoch waren Kanonen wesentlich leichter zu transportieren und zu handhaben.

Als Reaktion darauf verstärkte man seit dem 14. Jahrhundert die Burgmauern oftmals mit einer Erdaufschüttung und versah die Burg mit relativ niedrigen, massiven Rondells. Diese Maßnahmen stellten keine ausreichende Antwort auf die Bedrohung durch Geschütze dar. Den Übergang in die Neuzeit mit ihren von Feuerwaffen getragenen Kriegen machten die Burgen nur in Ausnahmefällen mit. Sie mussten dafür komplett umgebaut und bastioniert werden, damit sie den mauerbrechenden Kanonen standhalten konnten.

Beispiele für eine derartige Modifikation sind die Bielefelder Sparrenburg, das Marburger Schloss oder der Munot in Schaffhausen.

In den meisten Fällen wurde auf die Umwandlung von Burgen zu Artilleriefestungen verzichtet, zumal viele Burgen mit ihren hohen Gebäuden ein leichtes Ziel für Mörser darstellten. In einigen Fällen blieben sie aber als Residenz adeliger Familien erhalten oder gelangten in bäuerlichen Besitz.

Die Wohnfunktion der Burgen wurde dann von den Schlössern und beim niedrigen Adel teilweise von Ansitzen übernommen. Zahlreiche Burgen, die nicht zu Schlössern umgebaut oder anderweitig, beispielsweise als Domäne, genutzt wurden, verfielen und wurden zur Ruine.
Zahlreiche Burgen wurden später absichtlich zu Ruinen gemacht. In manchen Gegenden bemaß sich die Grundsteuer nach der Dachfläche des Anwesens. Um diese Dachsteuer zu umgehen, deckte man die Dächer von leerstehenden Gebäudeteilen einfach ab. Unbewohnte Burgen wurden aus romantischen Motiven dem Verfall überlassen, um die Anlagen zu pittoresken Landschaftsstaffagen zu machen. In zahlreichen Schloss- und Landschaftsgärten errichtete man im 19. Jhdt. künstliche Burgruinen, deren Architekturteile gelegentlich alten Burgen entnommen wurden.