Bernhard von Mallinckrodt

Bernhard von Mallinckrodt (1591–1664)

Bern­hard von Mal­linck­rodt (1591–1664)

Bern­hard von Mal­linck­rodt (auch: Ber­nard von Ma­link­rot, * 29. No­vem­ber 1591 in Ah­len; † 7. März 1664 auf Burg Ot­ten­stein) war Dom­de­chant in Müns­ter, wur­de ex­kom­mu­ni­ziert und starb in Haft. Im Bü­cher­ver­zeich­nis sei­ner um­fang­rei­chen Bi­blio­thek ist zum ers­ten Mal der Be­griff In­ku­na­bel für die frü­hen Dru­cke bis 1500 nach­ge­wie­sen.

Leben und Wirken

Herkunft

Bern­hard von Mal­linck­rodt ent­stamm­te ei­nem pro­tes­tan­ti­schen El­tern­haus. Zu­nächst stu­dier­te er in Os­na­brück und Min­den, an­schlie­ßend in Helm­stedt, Mar­burg und zu­letzt in Köln. Dort trat er am 11. März 1616 zum ka­tho­li­schen Glau­ben über.

Aufstieg

Nach ei­nem Auf­ent­halt in Rom von 1618 bis 1622 ging von Mal­linck­rodt nach Müns­ter, wo er un­ter­des­sen zum Dom­herrn er­nannt wor­den war. 1623 er­hielt er die Be­för­de­rung zum Dom­de­chan­ten. Als im Jahr 1650 der Bi­schofs­stuhl neu zu be­set­zen war, stell­te sich Bern­hard von Mal­linck­rodt zur Wahl, die sein Kon­kur­rent Chris­toph Bern­hard von Ga­len ge­wann. Von Mal­linck­rodt leg­te ge­gen die­se Ent­schei­dung Pro­test ein in Rom und beim Kai­ser. Papst und Kai­ser be­stä­tig­ten je­doch die Wahl von Ga­lens. Von Mal­linck­rodt ver­wei­ger­te dar­auf­hin die An­er­ken­nung des neu­en Bi­schofs und wur­de am 6. März 1652 von Chor, Ka­pi­tel, Of­fi­zi­um und Be­ne­fi­zi­um, den Ein­künf­ten sei­ner Pfrün­de, aus­ge­schlos­sen. Sei­ne wie­der­hol­ten Ein­ga­ben bei Papst und Kai­ser wur­den ab­ge­lehnt. Den­noch ver­folg­te Bern­hard von Mal­linck­rodt sei­ne Be­schwer­de­füh­rung wei­ter und wur­de in­fol­ge­des­sen am 26. Au­gust 1654 von Fürst­bi­schof von Ga­len ex­kom­mu­ni­ziert.

Da­von un­be­ein­druckt, ver­such­te von Mal­linck­rodt nun­mehr, das Volk für sei­ne Sa­che zu ge­win­nen. Das Be­kannt­wer­den sei­ner be­vor­ste­hen­den Ver­haf­tung am 7. Ok­to­ber 1654 ver­ur­sach­te ei­ni­ge Tu­mul­te, in de­ren Schutz er nach Köln ent­kam.

Fall

Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1606–1678)

Fürst­bi­schof Chris­toph Bern­hard von Ga­len (1606–1678)

Mal­linck­rodts Ak­ti­vi­tä­ten hat­ten un­ter­des­sen zu ei­nem Kon­flikt zwi­schen Bür­ger­schaft und Fürst­bi­schof ge­führt, nach des­sen Bei­le­gung am 25. Fe­bru­ar 1655 die Ab­set­zung von Mal­linck­rodts be­schlos­sen wur­de. Den­noch kehr­te von Mal­linck­rodt im Juli 1657 nach Müns­ter zu­rück, wo er kur­ze Zeit spä­ter von fürst­bi­schöf­li­chen Sol­da­ten ver­haf­tet, auf der Burg Ot­ten­stein in Ge­wahr­sam ge­setzt wur­de und dort bis zu sei­nem Tod 1664 ver­blieb. Kurz be­vor er starb, wur­de sei­ne Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on auf­ge­ho­ben.

Bedeutung

Bern­hard von Mal­linck­rodt wur­de eine gro­ße Ge­lehr­sam­keit be­schei­nigt und ein im­menses Ge­dächt­nis. Man kol­por­tier­te, „er sei im Stan­de ge­we­sen, gant­ze Bü­cher, wo sie in der Welt ver­lo­ren gi­en­gen, durch des­sel­ben Hülf­fe zu er­set­zen“, ob­wohl er „fast alle Tage bis in den Abend mit lau­ter Gas­te­rey­en zu­zu­brin­gen pfleg­te“.

Von Mal­linck­rodt be­saß eine um­fang­rei­che Bi­blio­thek, die 1720 in Müns­ter öf­fent­lich ver­stei­gert wur­de; der Ka­ta­log wies 5355 Num­mern auf. In dem Ver­zeich­nis, das von Mal­linck­rodt von sei­nen Bü­chern an­ge­legt hat­te, ge­brauch­te er im Zu­sam­men­hang des Ur­sprungs der ars ty­po­gra­phi­ca für sei­ne bis zum Jahr 1500 ge­druck­ten Bü­cher das la­tei­ni­sche Wort in­cuna­bu­lae, das im Sin­gu­lar Wie­ge oder Win­del be­deu­tet. Das Bü­cher­ver­zeich­nis gilt als ers­ter er­hal­te­ner Be­leg für den Be­griff In­ku­na­bel als Be­zeich­nung für Dru­cke seit Gu­ten­berg bis zum Jahr 1500. Ein au­to­bio­gra­phi­sches Ma­nu­skript be­fin­det sich – laut ADB – in Müns­ter.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Bern­hard von Mal­linck­rodt aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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