Bernhard II. von Droste zu Hülshoff

Rück­erobe­rung von Müns­ter aus der Täufer­herr­schaft

Bern­hard II. von Dros­te zu Hüls­hoff (* 1542; † 1624) war der fünf­te und letz­te Bür­ger­meis­ter der Stadt Müns­ter aus der Fa­mi­lie Dros­te zu Hüls­hoff und Guts­be­sit­zer von Burg Hüls­hoff.

Leben

Bern­hard II. von Dros­te zu Hüls­hoff wur­de ver­mut­lich auf Burg Hüls­hoff als Sohn von Hein­rich I. von Dros­te zu Hüls­hoff (1500–1570) und sei­ner Frau Anna von Ste­ven­inck zu Möl­len­beck als sechs­tes von zehn Kin­dern ge­bo­ren. Sein Va­ter war – als Lehns­mann des Bi­schofs Franz von Wal­deck – mit ei­nem Rei­si­gen und fünf Pfer­den am 24. Juni 1535 an der Be­frei­ung der Stadt Müns­ter aus der Hand der Täu­fer be­tei­ligt ge­we­sen; als Rit­ter ist er auf ei­nem Re­li­ef an der Burg Hüls­hoff ab­ge­bil­det. Ein zeit­ge­nös­si­scher Ver­wand­ter von Bern­hard II. war der Geist­li­che Ever­win Dros­te. Bern­hard II. war u. a. der Ur-Ur-Ur-Ur­groß­va­ter vä­ter­li­cher­seits der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff.

Bern­hard soll ein an­sehn­li­cher Mann mit blon­den Haa­ren und ei­nem röt­li­chen Bart und ein Mann von schar­fem Ver­stand und ein­neh­men­dem, aber fes­tem Cha­rak­ter ge­we­sen sein, je­doch in sei­ner Ju­gend von auf­brau­sen­dem Tem­pe­ra­ment. 1574 ver­hei­ra­te­te sich Bern­hard II. mit Ca­tha­ri­na von Gend aus dem Hau­se Wie­sen bei Arn­heim, die das Gut Ho­hen­wart in die Ehe brach­te. Sie starb 1590 kin­der­los. 1591 ver­hei­ra­te­te er sich wie­der, und zwar mit sei­ner Cou­si­ne Rich­mod von Tra­vel­mann-Ebe­ling. Sie soll eine schö­ne, lie­bens­wür­di­ge und rei­che Dame von da­mals 23 Jah­ren ge­we­sen sein und schenk­te ihm zehn Kin­der. Sie grün­de­te zu­sam­men mit ih­rer Schwä­ge­rin, der Stifts­da­me Be­ne­dic­ta von Dros­te zu Hüls­hoff, die von Droste’sche Ar­men­stif­tung für die Bür­ger von Ro­x­el und starb 1613. Im Al­ter von 73 Jah­ren hei­ra­te­te Bern­hard II. zum drit­ten Male, und zwar die kin­der­lo­se, be­reits zwei­mal ver­wit­we­te Anna von der Hei­den gen. Rinsch. Er war ein lei­den­schaft­li­cher Jä­ger und starb im ho­hen Al­ter von 82 Jah­ren.

Wirken als Ratsherr und Bürgermeister

Bern­hard II. war nach 350 Jah­ren der letz­te von fünf An­ge­hö­ri­gen der Fa­mi­lie Dros­te zu Hüls­hoff, der nach al­ter Erb­män­ner-Tra­di­ti­on Bür­ger­meis­ter- und Rats­äm­ter in der Stadt Müns­ter be­klei­de­te, be­vor sich dies durch den Erb­män­ner­streit – der 1597, wäh­rend sei­nes Wir­kens, aus­brach – als sehr nach­tei­lig er­wies (sein Sohn Hein­rich II. von Dros­te zu Hüls­hoff (1597–1666) und sei­ne Nach­fol­ger nah­men lie­ber Stra­fen in Kauf, als die Wahl in die­se Äm­ter an­zu­neh­men). Als Vor­gän­ger in die­sen Äm­tern aus sei­ner Fa­mi­lie sind Jo­hann III. von De­cken­brock (1295–1349), Jo­hann IV. von De­cken­brock (1381–1446), Jo­hann VII. von Dros­te zu Hüls­hoff (1467–1539) und Ever­win II. von Dros­te zu Han­dorf († 1535) be­kannt. Bern­hard II. war 1582, 1585 und 1587 Rats­herr, 1600 Wein­herr und in den lan­gen Jah­ren 1605–1619 Ers­ter Bür­ger­meis­ter der Stadt Müns­ter.

Zur Zeit Bern­hards stand die Stadt Müns­ter im Mit­tel­punkt von po­li­ti­schen und kon­fes­sio­nel­len Span­nun­gen: Das Müns­ter­land lag im Ein­fluss­be­reich des Spa­nisch-Nie­der­län­di­schen Krie­ges. Sei­ne Amts­zeit reich­te auch bis in die An­fän­ge des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges (1618–1648). Der Stadt­rat von Müns­ter war seit 1588 mit zwei Ver­tre­tern – ne­ben dem Dom­ka­pi­tel und dem Adel – an der fürst­bi­schöf­li­chen Re­gie­rung be­tei­ligt, die der sog. Ge­gen­re­for­ma­ti­on ver­pflich­tet war. An­de­rer­seits leb­ten und star­ben nach der Nie­der­la­ge des Täu­fer­rei­ches von Müns­ter (1532–1536) da­mals (zwei Ge­nera­tio­nen spä­ter) in der Stadt noch zahl­rei­che Täu­fer und an­de­re Pro­tes­tan­ten. Auch die Land­stän­de wa­ren da­mals noch weit­ge­hend pro­tes­tan­tisch ori­en­tiert. Im Stadt­rat von Müns­ter sa­ßen zu die­ser Zeit noch zehn pro­tes­tan­ti­sche Rats­her­ren. Die Pfarr­ge­mein­den der Stadt je­doch wa­ren ver­pflich­tet, die De­kre­te des Kon­zil von Tri­ent aus­zu­füh­ren. Sie ver­wei­ger­ten des­halb auf Wei­sung des Bi­schofs Jo­hann IV. von Hoya als Lan­des­herrn zu­neh­mend je­nen ein christ­li­ches Be­gräb­nis, die sich vor ih­rem Tod nicht noch zur ka­tho­li­schen Kir­che be­kannt hat­ten. 1587 ver­wei­ger­te dies aus­ge­rech­net der im glei­chen Jahr zum Pries­ter ge­weih­te Ever­win Dros­te, De­chant von St. Mar­ti­ni, ein On­kels des da­mals als Rats­herr am­tie­ren­den Bern­hard II. Der Stadt­rat un­ter Bern­hards Ver­mitt­lung konn­te je­doch ein Be­gräb­nis er­rei­chen.

Vor die­sem Hin­ter­grund foch­ten da­mals auch die Münster’schen Stän­de (Dom­ka­pi­tel, Adel, Städ­te) Rechts­strei­tig­kei­ten un­ter­ein­an­der aus. Bern­hard ap­pel­lier­te 1606 we­gen an­geb­li­cher Ver­let­zung städ­ti­scher Frei­hei­ten durch den Bi­schof so­gar ans Reichs­kam­mer­ge­richt, wor­auf der Kai­ser die Stadt Müns­ter dazu auf­for­der­te, die vol­le geist­li­che und welt­li­che Ju­ris­dik­ti­on des Lan­des­herrn zu re­spek­tie­ren. Bern­hard II. führ­te in schwie­ri­ger Zeit ei­nen Stadt­rat, der auch so­zi­al ge­mischt zu­sam­men­ge­setzt war, da längst die Gil­den dort Ein­zug ge­hal­ten hat­ten; sei­ne Po­li­tik mach­ten da­mals nicht mehr nur die Erb­män­ner-Ge­schlech­ter un­ter sich aus. Bern­hard II. muss über gro­ße per­sön­li­che und po­li­ti­sche Au­to­ri­tät ver­fügt ha­ben. Da­bei mag ihm die güns­ti­ge po­li­ti­sche Tra­di­ti­on sei­ner Fa­mi­lie ge­hol­fen ha­ben, die sie mit den da­ma­li­gen Macht­zen­tren ver­band: Ei­ner­seits wa­ren sei­ne Vor­fah­ren als Lehens­leute dem Fürst­bi­schof als Lan­des­herrn ver­bun­den, an­de­rer­seits als ehe­ma­li­ge Dros­ten dem mäch­ti­gen Dom­ka­pi­tel, vor al­lem aber hat­ten sie ho­hes An­se­hen in der Stadt als Erbmänner­familie, die seit da­mals 350 Jah­ren Schöf­fen, Rats­mit­glie­der und Bür­ger­meis­ter ge­stellt hat­te.

Dass die Aus­übung sol­cher Äm­ter in den da­ma­li­gen un­si­che­ren Zei­ten auch per­sön­li­chen Mut er­for­der­ten, zeigt fol­gen­de Be­ge­ben­heit: Bern­hard war 1588 Rats­herr, als die Dom­her­ren Bern­hard von Oer und Jo­hann von Wes­ter­holt (Adels­ge­schlecht) an der Kir­che St. Ae­gi­dii in Müns­ter den Rit­ter des Deut­schen Or­dens Mel­chi­or Dros­te zu Sen­den er­mor­de­ten. Auf der Grund­la­ge ei­nes ge­richt­li­chen Ver­glei­ches (un­ter­zeich­net durch Fürst­bi­schof Bern­hard von Raes­feld 1558) stand es der Stadt Müns­ter zu, straf­fäl­lig ge­wor­de­ne Geist­li­che bis zur Über­ga­be an die Ge­richts­bar­keit des Bi­schofs ge­fan­gen­zu­set­zen, al­ler­dings nur in „ge­lin­de Haft“. Bern­hard II. drang in das Ka­pi­tel­haus ein und be­wirk­te durch sein en­er­gi­sches Auf­tre­ten, dass die bei­den Mör­der aus­ge­lie­fert wur­den.

Wirken als Gutsbesitzer

Burg Hülshoff, 19. Jahrhundert, befestigt durch Bernhard II.

Burg Hüls­hoff, 19. Jahr­hun­dert,
be­fes­tigt durch Bern­hard II.

Auch dank des be­deu­ten­den Ver­mö­gens sei­ner zwei­ten Frau konn­te Bern­hard II. das Gut Hüls­hoff durch Zu­käu­fe ver­grö­ßern, ver­kauf­te aber das alte Stamm­gut der Fa­mi­lie, De­cken­brock bei Evers­win­kel. Burg Hüls­hoff, über de­ren Ein­gang noch sein Al­li­anz­wap­pen Dros­te-Tra­vel­mann zu se­hen ist, ließ er durch neue Mau­ern be­fes­ti­gen und den west­li­chen sog. „al­ten Hun­de­turm“ bau­en; auf dem heu­ti­gen „neu­en Hun­de­turm“ ist noch sei­ne Wet­ter­fah­ne, eben­falls mit den Wap­pen Dros­te-Tra­vel­mann, zu se­hen (dank der Be­fes­ti­gun­gen ver­tei­dig­te man sich in Hüls­hoff noch im 18. Jahr­hun­dert mit 18 Mann und eben­so vie­len stets ge­la­de­nen Ge­weh­ren). Bern­hard II. war als Guts­be­sit­zer ein all­ge­mein ge­ach­te­ter Mann und leb­te mit sei­nen Nach­barn in Frie­den, au­ßer ei­ner Feh­de mit den Her­ren von Ste­ven­inck zu Brock. An­sons­ten wur­de sein Rat als Ver­mitt­ler ge­sucht. Er war auch Vor­stand ei­ner Ar­men­stif­tung.

Nachfahren

Bern­hard II. ver­erb­te Gut Hüls­hoff mit den Ne­ben­gü­tern und den Stadt­hof in Müns­ter auf dem Ho­ne­kamp an sei­nen äl­tes­ten Sohn Hein­rich II. (1597–1666), der sich – nach Stu­di­um und Ka­va­liers­tour u. a. durch Frank­reich – mit Cla­ra Anna von Ne­heim (Adels­ge­schlecht zu Nie­der­wer­ries (s. Schloss Ober­wer­ries) ver­hei­ra­te­te und mit ihr zwölf Kin­der hat­te. Der da­mals to­ben­de Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg führ­te auch zu Span­nun­gen in der Fa­mi­lie Hein­richs II.: Sein jün­ge­rer Sohn Hein­rich (III.), ein Sol­dat, ver­üb­te ei­nen Mord­ver­such auf sei­nen äl­te­ren Bru­der Bern­hard III., den Er­ben von Hüls­hoff, den die­ser über­leb­te. Auch Hein­rich II. wur­de 1626, 1627 und 1628 in den Rat der Stadt Müns­ter ge­wählt, ver­wei­ger­te aber die An­nah­me. Er war ein über­zeug­ter Ka­tho­lik, wäh­rend zu die­ser Zeit sei­ne Vet­tern auf Möl­len­beck so­wie de­ren Nach­kom­me Jo­hann Eber­hard von Dros­te zu Züt­zen pro­tes­tan­tisch ge­wor­den wa­ren. Er stif­te­te erst­mals eine Ka­pel­le auf der Burg Hüls­hoff und ver­kauf­te das Stadt­haus an das Col­le­gi­um Ma­ria­num des Je­sui­ten­kol­legs. Er ver­erb­te den Be­sitz wei­ter an sei­nen Sohn Bern­hard III. (1634–1700). Die­ser war der Ur-Ur-Groß­va­ter der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff. Die von die­sem ge­stif­te­te Sal­va­t­or­glo­cke der Kir­che von St. Pan­ta­le­on in Ro­x­el aus dem Jahr 1693 trägt noch heu­te des­sen Wap­pen.

Eine Toch­ter, Odi­lia, hei­ra­te­te ih­ren pro­tes­tan­tisch ge­wor­de­nen Vet­ter Ever­win von Dros­te zu Möl­len­beck, Mit­glied der frucht­brin­gen­den Ge­sell­schaft als „Der La­ben­de“.

Bern­hard II. war üb­ri­gens ein Groß­on­kel und Pate des Erb­manns Ru­dolf von der Tin­nen, des Grün­ders der heu­te noch be­stehen­den Stif­tung von der Tin­nen zu Müns­ter.

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