Bentheim-Tecklenburg

Wappen der Grafen und Fürsten zu Bentheim und Steinfurt nach 1589

Wap­pen der Gra­fen und Fürs­ten zu Bent­heim und Stein­furt nach 1589

Das Haus Bent­heim-Teck­len­burg war bis 1919 ein reichs­stän­di­sches Adels­ge­schlecht des west­fä­li­schen Ur­adels.

Die ei­gen­stän­di­ge Li­nie der Gra­fen von Bent­heim-Teck­len­burg ent­wi­ckel­te sich 1606 nach ei­ner Erb­tei­lung im reichs­gräf­li­chen Haus Bent­heim. Von den da­mals ent­stan­de­nen fünf Ne­ben­li­ni­en exis­tie­ren heu­te noch die 1817 in den erb­li­chen preu­ßi­schen Fürs­ten­stand er­ho­be­nen Fa­mi­li­en Bent­heim-Teck­len­burg zu Rhe­da und Bent­heim-Stein­furt zu Burg­stein­furt.

Geschichte

Entstehung in der Frühen Neuzeit

Am Ende des 16. Jahr­hun­derts be­saß das Gra­fen­haus Bent­heim un­ter dem da­ma­li­gen Fa­mi­li­en­ober­haupt Graf Ar­nold die be­deu­ten­den Reichs­graf­schaf­ten Bent­heim, Teck­len­burg und Stein­furt so­wie die po­li­tisch wich­ti­ge Graf­schaft Lim­burg. Dar­über hin­aus be­fan­den sich die Herr­schaf­ten Rhe­da, Gro­nau, Al­pen und Lin­nep so­wie um­fang­rei­che Gü­ter, Ti­tel und zahl­rei­che Rechts­an­sprü­che im Be­sitz der Fa­mi­lie, dar­un­ter auch das pres­ti­ge­träch­ti­ge Amt der Erb­vög­te von Köln. Das Gra­fen­haus zähl­te da­mals zu den be­deu­tends­ten Fa­mi­li­en des Hoch­adels im Al­ten Reich und hat­te eine gro­ße Be­deu­tung für die Re­for­ma­ti­on im west­deut­schen Raum.

Nach dem Tod von Graf Ar­nold 1606 wur­de der Be­sitz nach sei­nem Tes­ta­ment von 1590 un­ter sei­nen Söh­nen auf­ge­teilt. Der erst­ge­bo­re­ne Adolf von Bent­heim, der 1623 ver­starb, er­hielt die Reichs­graf­schaft Teck­len­burg so­wie die Herr­schaft Rhe­da, wäh­rend sei­ne nach­ge­bo­re­nen Brü­der Ar­nold Jobst und Wil­helm Hein­rich die Re­gent­schaft in den Reichs­graf­schaf­ten Bent­heim und Stein­furt an­tra­ten. Die jün­ge­ren Söh­ne von Graf Ar­nold wur­den aus der 1592 an Bent­heim ge­fal­le­nen Erb­mas­se der Mut­ter Mag­da­le­na von Neuenahr-Al­pen ab­ge­fun­den. Graf Kon­rad Gumprecht er­hielt die Graf­schaft Lim­burg und Fried­rich Lu­dolf die Herr­schaft Al­pen. Durch die von Graf Ar­nold ver­füg­te Erb­tei­lung wur­de der gro­ße Ter­ri­to­ri­al- und Gü­ter­be­sitz des Gra­fen­hau­ses zer­split­tert. Dies wirk­te sich spä­ter un­güns­tig auf die wei­te­re Ent­wick­lung und po­li­ti­sche Be­deu­tung der Fa­mi­lie aus.

Als Graf Kon­rad Gumprecht 1618 un­er­war­tet an ei­ner Krank­heit starb, ging die Erb­fol­ge in der Graf­schaft Lim­burg an sei­nen 1617 ge­bo­re­nen Sohn Wil­helm über, der je­doch be­reits 1626 ver­starb. Die Erb­fol­ge ging auf den Bru­der Fried­rich Lu­dolf über. Nach des­sen Tode im Jah­re 1629 er­hielt der 1615 als Sohn von Graf Adolf von Bent­heim-Teck­len­burg ge­bo­re­ne Graf Mo­ritz das Ter­ri­to­ri­um.

Da die Wit­we Kon­rad Gumprechts, Grä­fin Jo­han­net­ta Eli­sa­beth von Nas­sau-Dil­len­burg vom Gra­fen­haus Bent­heim nicht mit dem ihr zu­ge­si­cher­ten Wit­wen­sitz Lin­nep, der an die Fa­mi­lie von Is­sel­stein ver­pach­tet war, so­wie den im Ehe­ver­trag ver­ein­bar­ten Fi­nanz­mit­teln ver­se­hen wer­den konn­te, wur­de ihr die vor­mund­schaft­li­che Re­gent­schaft in der Graf­schaft Lim­burg für Graf Mo­ritz von Bent­heim-Teck­len­burg über­las­sen. 1638 schlos­sen Graf Mo­ritz und Grä­fin Jo­han­net­ta ei­nen Ver­trag, der ihr die Nut­zungs­rech­te und Re­gent­schaft über die Graf­schaft Lim­burg bis zu ih­rem Tod ga­ran­tier­te. Nur so konn­ten die um­fang­rei­chen An­sprü­che und Rech­te der Grä­fin­wit­we aus ih­rer nur zwei­jäh­ri­gen Ehe mit Graf Kon­rad Gumprecht be­frie­digt wer­den.

1633 muss­te die Wit­we Jo­han­net­ta Eli­sa­beth eine drei­jäh­ri­ge Be­set­zung der Graf­schaft und Schloss­an­la­ge Lim­burg durch kai­ser­li­che Trup­pen un­ter dem Ge­ne­ral­wacht­meis­ter Lo­thar Diet­rich von Bön­ning­hau­sen er­tra­gen. Nur durch das Ein­grei­fen des Gra­fen Jo­hann Hein­rich Lud­wig von Nas­sau-Ha­da­mar, Bru­der der Grä­fin Jo­han­net­ta Eli­sa­beth und Ge­sand­ter am kai­ser­li­chen Hof so­wie bei den Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Müns­ter, konn­te die Graf­schaft für das Haus Bent­heim-Teck­len­burg vor den An­sprü­chen des bran­den­bur­gi­schen Kur­fürs­ten­hau­ses ge­ret­tet wer­den.

18. Jahrhundert

Die Ent­wick­lung des Gra­fen­hau­ses Bent­heim-Teck­len­burg wur­de seit dem 17. Jahr­hun­dert von fi­nan­zi­el­len Pro­ble­men be­ein­träch­tigt. Haupt­ur­sa­che wa­ren die Aus­wir­kun­gen des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges. Hohe Kon­tri­bu­ti­ons­zah­lun­gen las­te­ten auf den Ein­woh­nern der Ter­ri­to­ri­en des Gra­fen­hau­ses. Die Wirt­schaft lag am Bo­den, das Steu­er­auf­kom­men und die Ein­nah­men wur­den im­mer ge­rin­ger.

Hin­zu ka­men ter­ri­to­ria­le Strei­tig­kei­ten. Um die Graf­schaf­ten Lim­burg und Teck­len­burg kam es seit Mit­te des 17. Jahr­hun­derts zu häu­fi­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Kur­fürs­ten von Bran­den­burg-Preu­ßen.

Seit 1577 be­fand sich die Graf­schaft Teck­len­burg im Zen­trum ei­nes Erb­fol­ge­strei­tes mit dem Haus Solms-Braun­fels. Die­ser es­ka­lier­te, als preu­ßi­sche und solms-braun­fel­si­sche Trup­pen ge­gen Ende des 17. Jahr­hun­derts die Graf­schaft be­setz­ten. Die Gra­fen von Solms ver­kauf­ten an­schlie­ßend das Ter­ri­to­ri­um an Preu­ßen.

1729 er­reich­te Graf Mo­ritz Ca­si­mir I. im Ber­li­ner Ver­gleich die vol­le Lan­des­ho­heit ge­gen­über Preu­ßen. Da­für muss­te er eine hohe Geld­zah­lung leis­ten und auf alle An­sprü­che auf die seit 1702 in preu­ßi­schem Be­sitz be­find­li­che Graf­schaft Teck­len­burg ver­zich­ten.

1756 wur­de die Haupt­re­si­denz von Schloss Ho­hen­lim­burg aus Grün­den der Kos­ten­er­spar­nis nach Rhe­da ver­legt. Wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges wur­de das Schloss Rhe­da zu ei­ner Re­si­denz im Stil des Ro­ko­ko um­ge­baut. Im Jah­re 1780 kam ein Hof­thea­ter hin­zu, das die be­reits auf Schloss Ho­hen­lim­burg vor­han­de­ne Hof­ka­pel­le mit Mu­si­cus er­gänz­te.

19. Jahrhundert

Die Lan­des­herr­schaft der Gra­fen von Bent­heim-Teck­len­burg wur­de nach dem Un­ter­gang des Al­ten Reichs durch die na­po­leo­ni­schen Ge­biets­tei­lun­gen be­schnit­ten. 1808 wur­den die Herr­schaft Rhe­da und die Graf­schaft Lim­burg dem neu­ge­schaf­fe­nen Ruhr­de­par­te­ment im Groß­her­zog­tum Berg zu­ge­schla­gen. 1854 er­hiel­ten die Fürs­ten von Bent­heim-Teck­len­burg-Rhe­da ei­nen erb­li­chen Sitz im preu­ßi­schen Her­ren­haus.

Wappen

Wappen derer von Bentheim-Steinfurt

Wap­pen de­rer von Bent­heim-Stein­furt

Das Stamm­wap­pen zeigt in Rot 17 gan­ze und zwei hal­be (4:[½ 3 ½]:4:3:2:1) gol­de­ne Mün­zen. Auf dem Helm mit rot-gol­de­nen De­cken ein wie der Schild be­zeich­ne­ter rot ge­klei­de­ter Moh­ren­rumpf mit gol­de­nem Kra­gen und gold ge­stulp­ter ro­ter Spitz­müt­ze mir gol­de­ner Quas­te.

Die Grafen zu Bentheim-Tecklenburg

  • Ar­nold II. (IV.) von Bent­heim-Teck­len­burg (1562–1606)
  • Adolf zu Bent­heim-Teck­len­burg (1606–1623)
  • Mo­ritz zu Bent­heim-Teck­len­burg (1623–1674)
  • Jo­hann Adolf zu Bent­heim-Teck­len­burg (1674–1704)
  • Fried­rich Mo­ritz zu Bent­heim-Teck­len­burg (1704–1710)
  • Mo­ritz Ka­si­mir I. zu Bent­heim-Teck­len­burg (1710–1768)
  • Mo­ritz Ka­si­mir II. zu Bent­heim-Teck­len­burg (1768–1805)
  • Mo­ritz Ka­si­mir III. zu Bent­heim-Teck­len­burg
  • Emil Fried­rich I. zu Bent­heim-Teck­len­burg (1805–1817)

Die Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg

  • Emil Fried­rich I. zu Bent­heim-Teck­len­burg (20. Juli 1817–17. April 1837)
  • Mo­ritz Ca­si­mir IV. zu Bent­heim-Teck­len­burg-Rhe­da (1837–1872)
  • Franz zu Bent­heim-Teck­len­burg (1872–1885)
  • Gus­tav zu Bent­heim-Teck­len­burg (1885–1909)
  • Adolf zu Bent­heim-Teck­len­burg (1909–1967)

Familienoberhäupter ab 1919

  • Adolf Mo­ritz Fürst zu Bent­heim-Teck­len­burg (1909–1967)
  • Mo­ritz-Ca­si­mir Fürst zu Bent­heim-Teck­len­burg (1967–2014)
  • Ma­xi­mi­li­an Fürst zu Bent­heim-Teck­len­burg (2014– )

Lizenz

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