Zugbrücke

Zugbrücke mit diagonal geführten Ketten u. Gegengewicht, Schnittzeichnung von Viollet-le-Duc

Zug­brü­cke mit dia­go­nal ge­führ­ten Ket­ten u. Ge­gen­ge­wicht, Schnitt­zeich­nung von Viol­let-le-Duc

Eine Zug­brü­cke (auch: Fall­brü­cke) ist eine be­weg­li­che Brü­cke, die mit Hil­fe ei­ner me­cha­ni­schen Vor­rich­tung hoch­ge­klappt wer­den kann, um den Zu­gang zu ei­nem Tor zu kon­trol­lie­ren oder die Durch­fahrt von Schif­fen auf ei­ner Was­ser­stra­ße zu er­mög­li­chen. Der als Brü­cken­klap­pe be­zeich­ne­te be­weg­li­che Teil der Brü­cke dreht sich um eine waa­ge­rech­te Dreh­ach­se oder um ein Schar­nier. Hoch­ge­zo­gen wird die Brü­cke mit­tels Sei­len oder Ket­ten, die am äu­ße­ren Ende der Brü­cken­klap­pe an­set­zen.

Zugbrücken im Wehrbau

Zur Si­che­rung ei­nes To­res wur­den Zug­brü­cken bei mit­tel­al­ter­li­chen Bur­gen und Stadt­be­fes­ti­gun­gen so­wie auch noch bei vie­len neu­zeit­li­chen Fes­tun­gen ein­ge­setzt. Zug­brü­cken sind be­reits aus dem Hoch­mit­tel­al­ter über­lie­fert, fan­den im deutsch­spra­chi­gen Raum je­doch erst im Spät­mit­tel­al­ter wei­te­re Ver­brei­tung.

Bei Bur­gen und ähn­li­chen Wehr­bau­ten stell­te das Tor ei­nen be­son­de­ren Schwach­punkt dar und wur­de des­halb oft durch ver­schie­de­ne bau­li­che Vor­rich­tun­gen ge­schützt. Mit Hil­fe ei­ner Zug­brü­cke vor dem Tor konn­te der Zu­gang über den Burg­gra­ben ef­fek­tiv und schnell un­ter­bro­chen wer­den. Wäh­rend zu die­sem Zweck auch fes­te Holz­brü­cken ge­baut wur­den, die im Fall ei­ner Be­la­ge­rung be­sei­tigt wer­den konn­ten, er­laub­te die Zug­brü­cke eine fle­xi­ble­re Kon­trol­le über den Zu­gang und konn­te dar­über hin­aus auch für schnel­le Aus­fäl­le ge­nutzt wer­den. Die Brü­cken­klap­pe bot im hoch­ge­zo­ge­nen Zu­stand zu­sätz­li­chen Schutz für die Tor­öff­nung. Da­mit An­grei­fer die Brü­cken­klap­pe nicht mit­tels Ha­ken her­un­ter­zie­hen konn­ten, wur­de oft eine Mau­er­ver­tie­fung um das Tor her­um an­ge­legt, in die die Brü­cke bün­dig ein­schla­gen konn­te.

Zugbrücke bei Arles (Vincent van Gogh)

Zug­brü­cke bei Arles (Vin­cent van Gogh)

Bei mit­tel­al­ter­li­chen Zug­brü­cken wa­ren zwei un­ter­schied­li­che Grund­kon­struk­tio­nen für den Auf­zieh­me­cha­nis­mus ver­brei­tet:

  • Ket­ten- oder Seil­brü­cke. Bei die­ser Bau­wei­se füh­ren zwei par­al­le­le Sei­le oder Ket­ten vom äu­ße­ren Ende der Brü­cken­plat­te in ei­ner dia­go­na­len Li­nie durch zwei Mau­er­öff­nun­gen über dem Tor in das In­ne­re des Tor­hau­ses, wo sie mit­tels ei­ner Win­de ein­ge­holt wer­den kön­nen. Um das Her­auf­zie­hen zu er­leich­tern, kön­nen Ge­gen­ge­wich­te am Ende der Ket­ten an­ge­bracht sein, oder auch an ei­ner Ver­län­ge­rung der Brü­cken­bahn hin­ter der Dreh­ach­se.
  • Schwung­ru­ten­brü­cke. Die­se Kon­struk­ti­on nutzt die He­bel­wir­kung aus, in­dem die Ket­ten an zwei so ge­nann­ten Schwung­ru­ten oder Wipp­bäu­men an­ge­bracht sind, die par­al­lel zur Brü­cken­klap­pe ver­lau­fen und im In­ne­ren des Tor­hau­ses hin­ter der Dreh­ach­se wei­ter­ge­führt wer­den. Die hin­te­ren Hälf­ten der Schwung­ru­ten sind durch eine sta­bi­le Rah­men­kon­struk­ti­on mit­ein­an­der ver­bun­den, auf der zu­sätz­li­che Ge­gen­ge­wich­te an­ge­bracht sein kön­nen. Die Brü­cke wird hoch­ge­zo­gen, in­dem das hin­te­re Ende der Schwung­ru­ten nach un­ten be­wegt wird.

Zugbrücken im Wasserbau

Im Was­ser­bau wer­den Zug­brü­cken ein­ge­setzt, um Schif­fen die Durch­fahrt durch ei­nen Ka­nal zu er­mög­li­chen, falls der Mast oder Schorn­stein des Schif­fes über die Ebe­ne der Brü­cken­bahn hin­aus­ragt. Meist wer­den da­für zwei ein­an­der zu­ge­wand­te Zug­brü­cken ge­baut, die im hoch­ge­klapp­ten Zu­stand die Durch­fahrt in der Mit­te des Ka­nals ge­stat­ten. Die Brü­cken ver­fü­gen in der Re­gel über Schwung­ru­ten (sie­he oben). Den glei­chen Zweck er­fül­len auch ver­schie­de­ne an­de­re be­weg­li­che Brü­cken­kon­struk­tio­nen, bei­spiels­wei­se Klapp­brü­cken oder Hub­brü­cken. Im Rot­ter­da­mer Stadt­teil Shee­dam gibt es eine Zug­brü­cke aus Holz, die noch ma­nu­ell per Hand­kur­bel­be­trieb be­dient wer­den muss. Ein wei­te­res Bei­spiel für ei­nen ma­nu­el­len und funk­ti­ons­fä­hi­gen Klapp­me­cha­nis­mus ist die Wiecker Brü­cke in Greifs­wald.

Siehe auch

  • Fall­brü­cke
  • Klapp­brü­cke

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Zug­brü­cke aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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