Erbmänner

Die Erb­män­ner wa­ren der Stadt­adel, das Pa­tri­zi­at in Stadt und Hoch­stift Müns­ter. Nach dem His­to­ri­ker Wil­fried Eh­brecht wur­de der Be­griff nicht, wie es den An­schein hat, durch das Wort „er­ben“ ab­ge­lei­tet, son­dern durch „ehr­bar“. Es wird auch ver­tre­ten, dass der Be­sitz von Erbe in­ner­halb der Stadt oder das er­erb­te aus­schließ­li­che pas­si­ve Rats­wahl­recht zu der Be­griffs­bil­dung führ­te. Die Erb­män­ner ver­füg­ten je­den­falls über bei­des. Im Erb­män­ner­streit ver­tei­dig­ten die Erb­män­ner­fa­mi­li­en, von de­nen nicht we­ni­ge rit­ter­bür­tig wa­ren, er­folg­reich ihre recht­li­che Gleich­stel­lung mit dem Land­adel.

Bedeutung der Erbmännerfamilien

Die Schicht der Erb­män­ner hat­te sich schon im 12. Jahr­hun­dert - teils im Ge­fol­ge der Bi­schö­fe von Müns­ter - ge­bil­det und über Jahr­hun­der­te als „Bür­ger ers­ter Klas­se“ bei der Stadt­ver­tei­di­gung und als Rats­mit­glie­der ver­dient ge­macht. Sie gal­ten spä­tes­tens seit dem 15. Jahr­hun­dert all­ge­mein als ade­lig. Die vom Volks­mund sog. Erb­män­ner stell­ten ur­sprüng­lich aus­schließ­lich die Mit­glie­der des Schöf­fens­kol­le­gi­ums, dem spä­te­ren Stadt­rat, die Bür­ger­meis­ter und den Stadt­rich­ter. Die Erb­män­ner wa­ren das ex­klu­sivs­te Pa­tri­zi­at im Reich. Es ist kein Fall be­legt, in dem eine Fa­mi­lie aus der müns­ter­schen Bür­ger­schaft in den Kreis der Erb­män­ner nach­träg­lich auf­ge­nom­men wor­den wäre. Ein­zi­ger „Neu­zu­gang“ im 14. Jahr­hun­dert war die Fa­mi­lie v. Drol­s­ha­gen, die bis da­hin der hes­si­schen Rit­ter­schaft an­ge­hör­te. Be­deu­ten­de Erb­män­ner­fa­mi­li­en sind die noch blü­hen­den Bi­scho­pinck, Dros­te zu Hüls­hoff, Kercke­rinck, bzw. wa­ren die er­lo­sche­nen v. der Tin­nen, v. der Wieck, Cle­vorn, Cley­horst, Schenck­inck, Ste­vening, Tra­vel­mann und Wa­ren­dorf. Fer­ner zähl­ten die Bel­holt, Du­sa­es, Gra­el, Knei­ling, Rode, Til­beck, Vo­ghet, v. Bo­cholt und v. Jü­de­feld u. a. zu den Erb­män­nern. Nach den meis­ten Erb­män­ner­fa­mi­li­en sind in Müns­ter Stra­ßen be­nannt.

Die Erb­män­ner hei­ra­te­ten fast nur un­ter­ein­an­der, was spä­ter zu de­ren Nie­der­gang bei­trug. Ehen mit An­ge­hö­ri­gen der Fa­mi­li­en des Stifts­adels ka­men eben­falls vor, Ehe­schlie­ßun­gen mit „ge­mei­nen“ Bür­gern je­doch nicht. Im Rah­men der Han­se wa­ren Erb­män­ner im Fern­han­del ak­tiv und er­war­ben auf die­se Wei­se gro­ßen Reich­tum. Sie müs­sen zur „Kauf­mann­so­lig­ar­chie der han­si­schen Früh­zeit“ ge­rech­net wer­den. Da­ne­ben ta­ten Erb­män­ner als ade­li­ge Burg­man­nen auf den Lan­des­fes­tun­gen Dienst, so die Kercke­rinck in Horst­mar und die Bi­scho­pinck in Telg­te und Ah­len, wo auch die Dros­te zu Hüls­hoff die­ses Amt be­klei­de­ten.

Vermögen und Besitzungen

Be­reits spä­tes­tens im 12. Jahr­hun­dert be­sa­ßen die Deckenbrock/Droste zu Hüls­hoff ihr gleich­na­mi­ges Stamm­gut in Evers­win­kel. Im 13. Jahr­hun­dert er­warb die Fa­mi­lie Kercke­rinck, Haus Sta­pel. Im 14. Jahr­hun­dert wa­ren die ade­li­gen Häu­ser Brock, Kal­den­hof, Lüt­ken­beck, Mar­ken­beck, Ruhr, Ste­vern, Vö­ge­ding und Wil­king­he­ge erb­män­ni­scher Be­sitz. Die Häu­ser Al­ving­hoff, Amels­bü­ren, Haus Borg (Rin­ke­ro­de), Brück­hau­sen, Eb­be­ling, Burg Hüls­hoff, Ma­ser, Ny­sing, Rike, Ker­ker­nitz, Cley­horst, Bi­scho­pink, Al­de­brand­ink, Sche­ve­nik, Til­beck, Wyk Sent­ma­ring, Soest, Sun­ger, Uh­len­brock, Get­ter, Han­dorf, Ost­hoff bei Dül­men, Hack­len­burg, Enck­inck­müh­le, Telg­te, Möl­len­beck u. a. ka­men spä­ter hin­zu. Fast alle erb­män­ni­schen Was­ser­bur­gen la­gen nur ei­nen Halb­ta­ges­ritt von Müns­ter ent­fernt. Die Be­sitz­ge­schich­te der Erb­män­ner ist sehr schlecht er­forscht. Der tat­säch­li­che Im­mo­bi­li­en­be­sitz war si­cher­lich weit grö­ßer. So hat­ten die Erb­män­ner auch in der Stadt Müns­ter fes­te Häu­ser, die Erb­männer­hö­fe. Die­se un­ter­schie­den sich ar­chi­tek­to­nisch von den Häu­sern der Bür­ger und dien­ten wäh­rend der Ver­hand­lun­gen zum West­fä­li­schen Frie­den den Ge­sand­ten als Quar­tie­re. So wohn­te da­mals z.B. im Stadt­hof der Dros­te zu Hüls­hoff am Al­ten Stein­weg 30 der Ge­sand­te des Hau­ses Ös­ter­reich, Ge­org Ul­rich Graf von Wol­ken­stein-Ro­den­egg.

Ständische Stellung

Die Erb­män­ner gal­ten spä­tes­tens seit dem 15. Jahr­hun­dert all­ge­mein als ade­lig. Erb­män­ner wur­den Dom­her­ren in Os­na­brück, Hil­des­heim und Bre­men, die Schenck­inck und v. der Tin­nen wur­den bei den bal­ti­schen Rit­ter­schaf­ten auf­ge­schwo­ren. Die ur­sprüng­li­chen Stan­des­ver­hält­nis­se der Erb­män­ner­fa­mi­li­en las­sen sich nicht in je­dem Fal­le be­stim­men. Für nicht we­ni­ge der be­kann­te­ren Erb­män­ner­fa­mi­li­en ist die mi­nis­te­ria­le und da­mit ur­ade­li­ge Her­kunft ge­si­chert, so für die Kercke­rinck, Dros­te zu Hüls­hoff, Bock, Ro­de­le­ven u. a. Als Nach­fah­ren der vil­li­ci, der Ver­wal­ter des Bis­ping­ho­fes in Müns­ter (ur­sprüng­lich Bi­scho­pink­hof), muss man auch die Bi­scho­pinck zu den ur­ade­li­gen Erb­män­ner­fa­mi­li­en rech­nen. Im Mit­tel­al­ter hat­ten die Erb­män­ner un­ge­hin­der­ten Zu­gang zum Dom­ka­pi­tel, bei­spiels­wei­se Mit­glie­der der Fa­mi­li­en Kercke­rinck und der Dros­te zu Hüls­hoff, die so­gar schon mit Jo­hann III. (1295–1349), das erb­li­che Amt des Dros­ten des Dom­ka­pi­tels be­klei­de­ten und noch 1447 mit Diet­rich den Dom­probst stell­ten. Der Erb­mann Gott­fried de Ryke (Rike) war von 1328 bis 1336 Dom­de­chant. Der Erb­mann Jo­hann v. Bi­scho­pinck zu Nün­ning er­hielt am 5. Ja­nu­ar 1609 von Kai­ser Ru­dolph II. in Prag eine Reichs­adels­be­stä­ti­gung, da er „aus ei­nem Ge­schlecht von Ed­len“ stam­me. Sei­ne Nach­fah­ren zähl­ten zum litauisch/polnischen Adel (Bis­ping zu Strub­ni­ca und Mas­sal­a­ny) und wur­den mehr­fach zu Adels­mar­schäl­len ge­wählt.

Le­dig­lich in ih­rer Hei­mat, dem Hoch­stift Müns­ter, wur­de am Ende des 16. Jahr­hun­derts die Adels­qua­li­tät der Erb­män­ner im Kampf um die Pfrün­den des Dom­ka­pi­tel Müns­ter an­ge­zwei­felt. Die spä­ter im Dom­ka­pi­tel ver­tre­te­nen nicht­erb­män­ni­schen Fa­mi­li­en hat­ten ein ver­ständ­li­ches In­ter­es­se dar­an, den Kreis der Zu­gangs­be­rech­tig­ten mög­lichst klein zu hal­ten. So stieg die Chan­ce, die ei­ge­nen nach­ge­bo­re­nen Söh­ne stan­des­ge­mäß ver­sor­gen zu kön­nen. Es wur­de auch Mit­glie­dern aus­wär­ti­ger Adels­fa­mi­li­en der Zu­gang zum Dom­ka­pi­tel ver­wehrt mit dem Ar­gu­ment, man kön­ne ihre Stifts­fä­hig­keit nicht über­prü­fen. So muss­te selbst der Sohn ei­nes Fürs­ten Lob­ko­witz auf die Mit­glied­schaft im müns­te­r­i­schen Dom­ka­pi­tel ver­zich­ten. Ei­ni­ge der nicht­erb­män­ni­schen Fa­mi­li­en des Land­adels hiel­ten die Erb­män­ner­fa­mi­li­en nicht für stifts­fä­hig. Die Stifts­fä­hig­keit, d. h. das Recht in Dom­ka­pi­tel und Land­tag Mit­glied sein zu kön­nen, wur­den den Erb­män­nern im Lau­fe des Erb­män­ner­strei­tes je­doch wie­der­holt u. a. durch das Reichs­kam­mer­ge­richt be­stä­tigt.

Verlauf des Erbmännerstreits

Hin­ter­grund des nach ih­nen be­nann­ten lang­wie­ri­gen Rechts­streits war, dass sich das Dom­ka­pi­tel Müns­ter im Jah­re 1392 ein Sta­tut ge­ge­ben hat­te, wor­in es sei­nen mehr als hun­dert­jäh­ri­gen Brauch vom Papst be­stä­ti­gen ließ, nur Ab­kömm­lin­ge von ade­li­gen El­tern auf­zu­neh­men. Ob­wohl be­reits frü­her Erb­män­ner Mit­glie­der ge­we­sen wa­ren, spiel­te sich da­nach die Be­set­zung der Stifts-Ka­pi­tel in West­fa­len (und im Al­ten Reich) durch nicht­erb­män­ni­sche Ad­li­ge und „Rit­ter­bür­ti­ge“ ein, je­weils mit Bil­li­gung von Kai­ser und Papst. Die müns­ter­schen Erb­män­ner als ein­fluss­rei­che Stadt­bür­ger ge­dach­ten aber Mit­te des 16. Jahr­hun­derts, kraft teils rit­ter­schaft­li­cher Her­kunft, Bil­dung und Be­sitz an den Pri­vi­le­gi­en der (welt-)kirchlichen Stif­te (wei­ter­hin) teil­zu­neh­men. Das St.-Paulus-Stift des müns­ter­schen Dom­ka­pi­tels war ei­nes der reichs­ten: Es stell­te die „größ­te Ver­mö­gens­mas­se“ im Hoch­stift Müns­ter dar und sei­ne Dom­her­ren-Pfrün­den wa­ren ent­spre­chend hoch do­tiert und dien­ten jahr­hun­der­te­lang der "stan­des­ge­mä­ßen" Ver­sor­gung un­ver­hei­ra­te­ter Ade­li­ger.

Der müns­te­ra­ner Erb­mann Dr. iur. Jo­hann Schenck­inck er­reich­te 1557, als sämt­li­che noch exis­tie­ren­den Erb­män­ner­fa­mi­li­en längst in den Land­adel über­ge­tre­ten wa­ren, tat­säch­lich eine päpst­li­che „Prä­sen­ta­ti­on“ auf ein sol­ches müns­ter­sches Dom­ka­no­ni­kat, stieß je­doch auf den Pro­test des kon­ven­tio­nell zu­sam­men­ge­setz­ten Dom­ka­pi­tels. Die­ses und die in ihm ver­tre­te­nen Stän­de klag­ten 1597 beim Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er ge­gen die­se „un­an­stän­di­ge“ Be­set­zung, ver­lo­ren aber ge­gen die Erb­män­ner – nach vie­lem Hin und Her – schließ­lich durch kai­ser­li­chen Rechts­spruch. Der Pro­zess dau­er­te – mit Re­vi­sio­nen und Ge­gen­kla­gen – rund zwei Jahr­hun­der­te.

Die Erb­män­ner­fa­mi­li­en Kercke­rinck wa­ren von An­fang an Mit­füh­rer der Pro­zess­ge­mein­schaft. Ber­told Kercke­rinck (zu Gies­king) und Jo­hann Kercke­rinck (zur Borg) ver­tra­ten 1597 mit elf an­de­ren Fa­mi­li­en (dar­un­ter Schenck­inck so­wie Dros­te zu Hüls­hoff) den Pro­zess er­folg­reich ge­gen Rit­ter­schaft und Stift, nach­dem die rö­mi­sche Rota 1573 zwar er­neut zu ih­ren Guns­ten ent­schie­den hat­te, die Ge­gen­sei­te aber nicht nach­ge­ben woll­te und Re­vi­si­on ver­lang­te. 1607 muss­ten die Erb­män­ner ih­rer­seits er­neut kla­gen und auch der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg (1618–1648) brach­te den Streit nicht zum Er­lie­gen. 1681 ging es wie­der zur Sa­che und am 30. Ok­to­ber 1685 ent­schied das Reichs­kam­mer­ge­richt zu Spey­er nach 88 Jah­ren al­lein vor die­ser In­stanz er­neut zu­guns­ten der Erb­män­ner. Je­doch gin­gen ihre Geg­ner da­ge­gen in Re­vi­si­on. Um die den­noch mög­li­che vor­läu­fi­ge Voll­stre­ckung des Ur­teils zu er­rei­chen, ver­pfän­de­ten zur Si­cher­heits­leis­tung 1686 zwölf Erb­män­ner alle ihre Gü­ter für den Fall des Un­ter­lie­gens. Die Re­vi­si­on des „Kur­fürst­li­chen Kol­le­gi­ums“ wur­de schließ­lich 1707/1708 auf dem Reichs­tag zu Re­gens­burg be­han­delt, al­ler­dings ohne Er­geb­nis, so­dass Kai­ser Jo­seph I. als höchst­rich­ter­li­che In­stanz am 19. De­zem­ber 1709 in Wien die Sa­che vor­ge­legt be­kam und am 10. Ja­nu­ar 1710 – un­ter Mit­wir­kung von Prinz Eu­gen – end­gül­tig zu­guns­ten der Erb­män­ner ent­schied. Da­bei wur­de z. B. die Fa­mi­lie Dros­te zu Hüls­hoff auch in­ner­halb des Stifts­adels un­ter­stützt durch die Fa­mi­li­en von der Horst, Plet­ten­berg, Dros­te zu Vi­sche­ring, von der Re­cke-Stein­furt, Be­vern, Dumm­stoff, Be­ver­för­de zu Wer­ries, Na­gel, Asche­berg, Ket­te­ler, Val­ke und Mal­linck­rodt. Der Kai­ser wies den neu­en Kö­nig in Preu­ßen un­ter An­dro­hung der Reichs­acht an, für die Voll­stre­ckung des Ur­teils zu sor­gen. Erst als zwei preu­ßi­sche Re­gi­men­ter Rich­tung Müns­ter mar­schier­ten, war die Rit­ter­schaft be­reit, die An­er­ken­nung der Erb­män­ner als stifts­fä­hig und rit­ter­bür­tig zu ak­zep­tie­ren. Trotz des Sie­ges der Erb­män­ner stell­te der Stifts­adel für die Auf­schwö­rung ih­nen die Be­din­gung, dass die Erb­män­ner die Kos­ten voll­stän­dig über­neh­men muss­ten.

Historische Bedeutung des Erbmännerstreits

Der Pro­zess, der in der his­to­ri­schen Rechts­li­te­ra­tur so­wohl hin­sicht­lich sei­nes In­halts als auch sei­ner zeit­li­chen Län­ge als „ein­ma­lig“ be­zeich­net wird, ist voll von in­ter­es­san­ten De­tails aus den da­ma­li­gen Zeit­läuf­ten (Drei­ßig­jäh­ri­ger und Spa­ni­scher Erb­fol­ge­krieg, Papst- und Kai­ser­wech­sel usw.). Er gibt Ein­blick in die da­ma­li­gen Rechts­we­ge und das Be­mü­hen des „Al­ten Reichs“ um loya­le Ge­richts­ur­tei­le, zeigt aber auch die Pro­ble­me bei de­ren tat­säch­li­cher Durch­set­zung auf, ge­spie­gelt an der Ent­wick­lung der „Bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft“ und dem Wi­der­stand der „Al­ten Stän­de“, wel­che die auf­zie­hen­den Ge­fah­ren aus dem Bür­ger­tum durch­aus er­kann­ten. Das zu­stän­di­ge Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er ging im Mai 1689 in­fol­ge der fran­zö­si­schen Ein­fäl­le in Flam­men auf, ar­bei­te­te dann aber ab Mai 1693 in Wetz­lar wei­ter. Die Pro­zess­ak­ten über­stan­den den Um­zug, nicht aber das „Müns­ter­sche Bür­ger­buch“, das auch heu­te noch von In­ter­es­se wäre.

Die De­le­ga­tio­nen der Erb­män­ner (vor al­lem Kercke­rinck und von der Tin­nen), die von den Erb­män­ner-Fa­mi­li­en „ge­spon­sert“ wur­den, reis­ten im Ver­lauf des Pro­zes­ses des Öf­te­ren nach Rom zum Papst, zum Reichs­tag nach Re­gens­burg oder di­rekt zum Kai­ser nach Wien, aber auch an die Höfe nach Mainz, Ber­lin und Düs­sel­dorf. Bern­hard III. von Dros­te zu Hüls­hoff (1634–1700) muss­te, weil der Pro­zess ver­schleppt wur­de, 1661 selbst beim Reichs­kam­mer­ge­richt in Spey­er die Sa­che vor­an­trei­ben. Bei­de Sei­ten wa­ren mit viel Ein­flüs­te­run­gen und In­tri­gen am Werk; ne­ben Bar­geld sol­len „west­phä­li­sche Schincken“ da­bei auch eine ge­wis­se Rol­le ge­spielt ha­ben. In der End­pha­se des Ver­fah­rens war Jo­hann Lud­wig Kercke­rinck zu Sta­pel (1672–1750) „der eif­rigs­te Ver­fech­ter der Sa­che“ und hin­ter­ließ auch ein „Pro­to­koll­buch“ über die Zeit von 1685 bis 1709, das im Ar­chiv Haus Sta­pel (bei Ha­vix­beck nahe Müns­ter) heu­te noch vor­han­den ist. Er selbst konn­te sei­nen „Sieg“ mit dem Ein­zug auch sei­nes En­kels Jo­hann Franz Kercke­rinck ins Dom­ka­pi­tel im Jah­re 1760 al­ler­dings nicht mehr er­le­ben.

Von den zwi­schen­zeit­lich etwa drei­ßig Erb­män­ner­fa­mi­li­en (drei­zehn wa­ren es zu Streit­be­ginn) konn­ten nur die Kercke­rinck und die Dros­te zu Hüls­hoff noch am Er­folg teil­ha­ben und mit je­weils vier Mit­glie­dern – bis zum Ende des Hoch­stifts Müns­ter im Jahr 1806 – ins Dom­ka­pi­tel ein­zie­hen. 1717 fand bei der Rit­ter­schaft des Hoch­stifts z. B. die Auf­schwö­rung des Hein­rich-Jo­hann von Dros­te zu Hüls­hoff (1677–1739) als ers­tem Fa­mi­li­en­mit­glied nach 150 Jah­ren statt. Mit­glie­der der Dros­te zu Hüls­hoff er­reich­ten auch die hoch­do­tier­ten Äm­ter des Dom­props­tes bzw. des Dom­de­chan­ten. Die meis­ten an­de­ren Erb­män­ner­fa­mi­li­en wa­ren in der Zwi­schen­zeit aus­ge­stor­ben.

Mit dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss (1803) und dem Ende des Al­ten Reichs (1806) wur­den die Erb­män­ner-Pri­vi­le­gi­en dann oh­ne­hin ob­so­let. Sie wirk­ten noch nach über das Tes­ta­ment des Erb­manns Ru­dolf von der Tin­nen (1612–1702), des­sen im­mer noch in Müns­ter be­stehen­de Stif­tung vor­zugs­wei­se Geist­li­che und „ver­schämt arme“ Mit­glie­der aus die­sen Fa­mi­li­en för­dern soll­te.

Im deut­schen Adel exis­tie­ren noch die Frei­her­ren Dros­te zu Hüls­hoff, die Frei­her­ren von Kercke­rinck zu Borg so­wie die von Bi­scho­pinck. Die Jon­kher­ren van der Wyck ge­hö­ren dem nie­der­län­di­schen Adel an. Fer­ner gibt es bür­ger­li­che Nach­fah­ren der Cle­vorn, der Schenck­inck (Schencking) und der Kercke­rinck (Ker­ke­rinck, Ker­ke­ring, Sprick­mann Ker­ke­rinck).

In Müns­ter exis­tiert seit dem 18. Jahr­hun­dert die durch den na­mens­ge­ben­den Erb­mann ge­grün­de­te Stif­tung Gott­fried von der Tin­nen, die ur­sprüng­lich eine Fa­mi­li­en­stif­tung zu­guns­ten der Nach­kom­men von Erb­män­ner­fa­mi­li­en war, die Geist­li­che wer­den woll­ten oder die ver­armt wa­ren. Im 20. Jahr­hun­dert wur­de sie in eine ge­mein­nüt­zi­ge Stif­tung um­ge­wan­delt.

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