Drost

Truchsess/Drost auf einem mittelalterlichen Kartenspiel

Truch­sess/Drost auf ei­nem mit­tel­al­ter­li­chen Kar­ten­spiel

Drost(e) (von mit­tel­nie­der­deutsch dros­se­te), auch Dross­art be­zeich­ne­te seit dem spä­ten Mit­tel­al­ter vor al­lem in Nord­west­deutsch­land (am Nie­der­rhein, in West­fa­len, in Ost­fries­land), aber auch in Meck­len­burg, Schles­wig-Hol­stein und in den Nie­der­lan­den ei­nen Be­am­ten, der für ei­nen de­fi­nier­ten Ver­wal­tungs­be­zirk in mi­li­tä­ri­scher, ju­ris­dik­tio­nel­ler und po­li­zei­li­cher Be­zie­hung die Stel­le des Lan­des­herrn ver­trat. Die Funk­ti­on ist in etwa mit dem Amt­mann, Amts­haupt­mann, Re­gie­rungs­prä­si­den­ten oder Land­rat ver­gleich­bar.

Wortursprung

Be­zü­ge rei­chen bis ins 10. Jahr­hun­dert zu­rück: Mit­tel­hoch­deutsch truh(t)säze, bzw. Alt­hoch­deutsch truh(t)sazo, truh(t)sezzo und Mit­tel­nie­der­deutsch dros­te, drot­se­te. Das Wort ist zu­sam­men­ge­setzt aus druh­ti "Schar (haupt­säch­lich das Ge­fol­ge ei­nes Fürs­ten)" bzw. truht, bzw. druht "Ge­folg­schaft leis­ten" und säze "sit­zen" (vgl. "Sas­se" wie etwa in Frei­sas­se). Be­deu­tung: "je­mand, der in der Ge­folg­schaft sitzt" - mög­li­cher­wei­se schon ur­sprüng­lich "der der Ge­folg­schaft vor­steht".

Funktionen

Das Dros­ten­amt war ein Syn­onym des Hof­amts des Truch­sess. Im Hoch­stift Müns­ter wur­de das Amt des Erb­d­ros­ten u. a. seit 1170 jahr­hun­der­te­lang von der Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring und das Erb­amt des Dros­ten des Dom­ka­pi­tels Müns­ter seit 1266 von der Fa­mi­lie der Dros­te zu Hüls­hoff be­klei­det. Auch das Amt des Erb­landd­ros­ten im Bis­tum Os­na­brück war ein stän­di­sches Erb­amt, das seit 1366 von der Fa­mi­lie von Bar auf Was­ser­burg Alt Ba­renaue aus­ge­übt wur­de. Der Erb­landd­rost war erb­li­cher Vor­sit­zen­der und Spre­cher der Os­na­brü­cker Rit­ter­schaft, er hat­te die Auf­ga­be, das Sie­gel der Rit­ter­schaft zu ver­wah­ren, in de­ren Ver­samm­lun­gen den Vor­sitz zu füh­ren und sie am Hof des Bi­schofs so­wie spä­ter auf den Land­ta­gen zu ver­tre­ten. Sei­ne Amts­funk­tio­nen wa­ren ver­gleich­bar mit de­nen ei­nes Erb­mar­schalls. Auch in der Graf­schaft Mark wa­ren die Dros­ten in der Mit­te des 14. Jahr­hun­derts rit­ter­bür­tig. Auch das Amt des Landd­ros­ten im kur­köl­ni­schen Her­zog­tum West­fa­len, wo die ge­sam­te, in Arns­berg re­si­die­ren­de, Re­gie­rung die glei­che Be­zeich­nung führ­te, be­klei­de­ten aus­schließ­lich Ade­li­ge.

Dros­tei hieß so­wohl der Ver­wal­tungs­be­zirk selbst wie auch der Wohn- und Amts­sitz des Dros­ten. His­to­ri­sche Amts­sit­ze der Dros­ten, auch Dros­ten­hö­fe oder -häu­ser ge­nannt, wa­ren z.B. die Dros­tei in Pin­ne­berg und die Dros­ten­hö­fe in Wol­beck und Ne­heim; Ge­bäu­de mit die­ser Be­zeich­nung gab bzw. gibt es auch z.B. in Bad Iburg, Bad Dri­burg, Es­sen, Ex­ter­tal, Ha­gen, Hald­ern, Rhe­da, Plet­ten­berg (Dro­s­te­haus der Burg Schwar­zen­berg), wäh­rend der Erb­d­ros­ten­hof in Müns­ter das Stadt­pa­lais der Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring war.

Seit Be­ginn der Neu­zeit ist die Be­zeich­nung Drost auch ein Ti­tel des mit po­li­zei­li­chen und mi­li­tä­ri­schen Be­fug­nis­sen aus­ge­stat­te­ten Ad­li­gen. In Han­no­ver hie­ßen die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten noch bis 1885 Landd­ros­te.

Vom Amt des Dros­ten lei­tet sich der in Nord­deutsch­land und den Nie­der­lan­den häu­fi­ge Fa­mi­li­en­na­me Dros­te ab, der ins­be­son­de­re durch die Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff be­kannt ist.

Drost in Dänemark und Schweden

Ober­landd­rost war der Ti­tel, den die meis­ten kö­nig­lich dä­ni­schen Statt­hal­ter in den Graf­schaf­ten Ol­den­burg und Del­men­horst wäh­rend der Zeit der Per­so­nal­uni­on mit dem Kö­nig­reich Dä­ne­mark (1667–1773) führ­ten. In Hol­stein dem süd­li­chen Lan­des­teil von Schles­wig-Hol­stein war der (Ober)Landdrost der höchs­te kö­nig­lich-dä­ni­sche Be­am­te, der für die Er­hal­tung der öf­fent­li­chen Ruhe und Si­cher­heit zu­stän­dig war. Er war auch zu­stän­dig für Recht­spre­chung und be­auf­sich­ti­ge alle Amts­sa­chen. Sein di­rek­ter Ver­tre­ter in Ab­we­sen­heit war der Haus-, Wald- bzw. Amts­vogt als Lo­kal­be­am­ter mit Sta­tus ei­nes Amt­manns, die eben­falls sämt­li­che Auf­ga­ben über­nah­men. Auch der Prä­si­dent der dä­ni­schen Re­gie­rung für das mit Dä­ne­mark von 1815 bis 1864 in Per­so­nal­uni­on ver­bun­de­ne Her­zog­tum Sach­sen-Lau­en­burg mit Sitz in Rat­ze­burg trug den Ti­tel Landd­rost.

Auch in Schwe­den gab es (Reichs)droste (drots, riks­d­rots). Die ers­ten schrift­li­chen Be­le­ge da­tie­ren aus dem Jahr 1276 und be­zie­hen sich auf ei­nen kö­nig­li­chen Amts­trä­ger. Im 14. Jahr­hun­dert war der Drost Stell­ver­tre­ter des Kö­nigs bei des­sen Ab­we­sen­heit oder wenn der Kö­nig noch un­mün­dig war. Ei­ner der mäch­tigs­ten Dros­te die­ser Zeit war Bo Jons­son. Im 15. Jahr­hun­dert war das Amt nur zwi­schen 1435 und 1442 be­setzt und wur­de durch den Reichs­vor­ste­her (riks­fö­res­tån­da­re) ab­ge­löst. Als Eh­ren­ti­tel tauch­te der Drost Ende des 16. Jahr­hun­derts wie­der kurz auf.

Un­ter Kö­nig Gus­tav II. Adolf wur­de 1612 das Amt des Reichs­d­rost ge­schaf­fen: Ma­gnus Bra­he hat­te 1612–1633 das Amt inne. Zu­erst Prä­si­dent des höchs­ten Ge­richts wur­de der Reichs­d­rost in der Ver­fas­sung von 1634 mit der Auf­sicht über das Jus­tiz­we­sen im Reich be­auf­tragt – Amts­in­ha­ber Ga­bri­el Gustafs­son Oxen­s­tier­na 1634–1640, ein Bru­der Axel Oxen­s­tier­nas. Sein Nach­fol­ger wur­de Per Bra­he der Jün­ge­re (Per Bra­he den yng­re), der von Ma­gnus Ga­bri­el de la Gar­die als Reichs­d­rost ("riks­d­rots") bis 1684 ab­ge­löst wur­de. Zwi­schen 1686 und 1720 war das Amt nicht be­setzt, und am Be­ginn der Frei­heits­zeit wur­de es ab­ge­schafft. 1787 wur­de der Ti­tel „Drost“ wie­der auf­ge­grif­fen und dem Jus­tiz­kanz­ler Carl Axel Wacht­meis­ter, der Chef über das ge­sam­te Rechts­we­sen war, ver­lie­hen. Mit der neu­en Ver­fas­sung von 1809 wur­de der Ti­tel je­doch wie­der ab­ge­schafft. Carl Axel Wacht­meis­ter war bis zu sei­nem Tod 1810 im Amt als Schwe­dens ers­ter Jus­tiz­staats­mi­nis­ter (neu­er Ti­tel für den Chef des Rechts­we­sens, 1876 in Jus­tiz­mi­nis­ter um­ge­wan­delt).

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Drost aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/begriffe/drost/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll Up