Bergfried

Sche­ma ei­nes Berg­frieds nach Otto Pi­per

Der Aus­druck Berg­fried (auch Berch­frit, fälsch­lich auch Burg­fried) be­zeich­net in der deutsch­spra­chi­gen Bur­gen­li­te­ra­tur den un­be­wohn­ten Haupt­turm (Wehr­turm) ei­ner mit­tel­al­ter­li­chen Burg, der seit dem 12. Jahr­hun­dert in Mit­tel­eu­ro­pa wei­te Ver­brei­tung fand. Ist der Haupt­turm ei­ner Burg für eine dau­er­haf­te Wohn­nut­zung ein­ge­rich­tet, wird er hin­ge­gen als Wohn­turm be­zeich­net.

Die Bezeichnung „Bergfried“

Der Be­griff kommt als per­frit, berch­frit, ber­fri­de und zahl­rei­chen ähn­li­chen Ab­wand­lun­gen in mit­tel­al­ter­li­chen Schrift­quel­len vor, be­zeich­net dort aber nicht nur den Burg­turm, son­dern über­wie­gend an­de­re Turm­ar­ten wie Be­la­ge­rungs­tür­me, Glo­cken­tür­me (vgl. Bel­fried) oder Spei­cher­bau­ten. Der Haupt­turm ei­ner Burg wird häu­fig schlicht als „Turm“ oder „gro­ßer Turm“ be­zeich­net. In spät­mit­tel­al­ter­li­chen nie­der­deut­schen Schrift­quel­len taucht al­ler­dings die Be­zeich­nung berch­frit, berch­v­re­de und ähn­li­che Va­ri­an­ten oft im Zu­sam­men­hang mit klei­ne­ren Bur­gen auf.

Die Bur­gen­kun­de des 19. Jahr­hun­derts führ­te Berg­fried oder Berch­frit als all­ge­mei­ne Be­nen­nung für den un­be­wohn­ten Haupt­turm ein, die sich ab dann in der deutsch­spra­chi­gen Li­te­ra­tur ein­bür­ger­te.

Die ety­mo­lo­gi­sche Her­kunft des Wor­tes ist un­klar. Es gibt The­sen über eine mit­tel­hoch­deut­sche, eine la­tei­ni­sche und eine über die Kreuz­zü­ge ver­mit­tel­te grie­chi­sche Wort­her­kunft. Die in der äl­te­ren Li­te­ra­tur oft ver­tre­te­ne Mei­nung, der Berg­fried habe sei­nen Na­men da­her, weil er „den Frie­den ber­ge“ (das heißt, die Si­cher­heit der Burg be­wah­re), konn­te hin­ge­gen nicht be­stä­tigt wer­den.

Entwicklung und Formen

Der Berg­fried eta­blier­te sich als ein neu­er Bau­typ im Ver­lauf des 12. Jahr­hun­derts und präg­te von un­ge­fähr 1180 bis in das 14. Jahr­hun­dert hin­ein das Bild der mit­tel­eu­ro­päi­schen Bur­gen­land­schaft. Aus die­ser Zeit sind zahl­rei­che Ex­em­pla­re in na­he­zu voll­stän­di­ger Höhe er­hal­ten. Die Ent­ste­hung der Bau­form ist je­doch noch nicht völ­lig ge­klärt, da Tür­me aus der Zeit vor dem 12. Jahr­hun­dert fast aus­schließ­lich ar­chäo­lo­gisch er­gra­ben und le­dig­lich die un­ters­ten Par­ti­en er­hal­ten sind. Ein­zel­ne Bei­spie­le (wie der Berg­fried der Habs­burg) fin­den sich auch schon in der zwei­ten Hälf­te des 11. Jahr­hun­derts. Der Vor­läu­fer des Berg­frieds ist der wehr­haf­te Wohn­turm, der in sei­ner west­eu­ro­päi­schen, re­prä­sen­ta­ti­ven Aus­prä­gung auch als Don­jon be­zeich­net wird. Wohn­tür­me wa­ren vor dem Auf­kom­men des Berg­frieds auch im deutsch­spra­chi­gen Raum üb­lich, ein Vor­läu­fer fin­det sich bei­spiels­wei­se im höl­zer­nen Turm der Mot­te. Don­jons ver­bin­den die bei­den ent­ge­gen­ge­setz­ten Be­rei­che des herr­schaft­li­chen, kom­for­ta­blen Woh­nens und des Wehr­baus mit­ein­an­der. Beim Bau­typ des Berg­frieds wur­de nun auf die Wohn­nut­zung zu­guns­ten der Wehr­haf­tig­keit ver­zich­tet. Gleich­zei­tig fan­den neue Ty­pen un­be­fes­tig­ter Wohn­bau­ten Ver­brei­tung, so wur­de bei­spiels­wei­se der Pa­las in den Bur­gen­bau über­nom­men. Die Ent­ste­hung des Berg­frieds steht also of­fen­bar im Zu­sam­men­hang mit der Aus­dif­fe­ren­zie­rung von Wohn- und Wehr­bau in­ner­halb der Burg­an­la­ge. In West­eu­ro­pa bleibt hin­ge­gen auch im wei­te­ren Ver­lauf des Mit­tel­al­ters der Don­jon mit sei­ner Ver­bin­dung von Wehr- und Wohn­funk­tio­nen der vor­herr­schen­de Bau­typ.

Häu­fig be­fin­det sich der Berg­fried als Haupt­turm im Mit­tel­punkt der Burg­an­la­ge oder in der Po­si­ti­on ei­nes Mau­er­turms an der Haupt­an­griffs­sei­te der Burg (Letz­te­res ins­be­son­de­re bei Sporn­bur­gen). Er kann als so­li­tä­rer Bau­kör­per ne­ben den üb­ri­gen Ge­bäu­den der Burg ste­hen oder mit die­sen zu ei­nem bau­li­chen Ge­fü­ge ver­bun­den sein. Da­bei ist es je­doch cha­rak­te­ris­tisch, dass der Berg­fried ei­nen in sich ab­ge­schlos­se­nen Bau­teil dar­stellt, der im In­nern nicht mit den üb­ri­gen Ge­bäu­den ver­bun­den ist und über ei­nen ei­ge­nen Zu­gang ver­fügt. In al­ler Re­gel ist dies ein so ge­nann­ter Hoch­ein­gang, d. h. der Ein­gang liegt in ei­nem Ober­ge­schoss des Tur­mes und ist über eine ei­ge­ne Brü­cke, Trep­pe oder Lei­ter er­reich­bar.

Im Grund­riss sind qua­dra­ti­sche und run­de Berg­frie­de am häu­figs­ten, da­ne­ben sind auch oft fünf­ecki­ge und sel­te­ner acht­ecki­ge Tür­me an­zu­tref­fen. Auch für un­re­gel­mä­ßig po­ly­go­na­le Grund­ris­se gibt es ei­ni­ge Bei­spie­le. Der Berg­fried in der öst­li­chen Ober­burg der Rui­ne Bran­den­burg hat ei­nen Secks­ecki­gen Quer­schnitt mit Bu­ckel­qua­der­mau­er­werk und ei­nen run­den Auf­bau mit glat­ten Stei­nen. Un­ge­wöhn­lich ist auch der er­hal­te­ne run­de Berg­fried der ge­schleif­ten Burg Tann­ro­da mit ei­nem qua­dra­ti­schem So­ckel und ab­ge­schräg­ten Ecken. Der Grund für die­se Bau­wei­se ist un­klar. Eine sta­ti­sche Ver­stär­kung ist hier an­zu­neh­men.

Eine sel­te­ne Form ist der drei­ecki­ge Berg­fried der Burg Grenzau bei Höhr-Grenz­hau­sen oder der der Burg Rau­hen­eck nahe Ba­den bei Wien. Tür­me mit drei­ecki­gen und fünf­ecki­gen Grund­ris­sen wa­ren mit ei­ner Ecke der Haupt­an­griffs­sei­te der Burg zu­ge­wandt.

Berg­fried­grund­ris­se mit Prall­keil

Berg­frie­de sind durch­schnitt­lich 20 bis 30 Me­ter hoch, so­wohl je­ner der Burg Forch­ten­stein im Bur­gen­land als auch des Schlos­ses Frei­stadt er­rei­chen 50 Me­ter. Im Ver­gleich zum Don­jon, der we­gen sei­nes auf­wän­di­gen In­nen­aus­baus (Wohn­räu­me, Saal, Kü­che usw.) re­la­tiv gro­ße Grund­flä­chen in An­spruch nimmt, ver­fügt der Berg­fried meist über eine we­sent­lich klei­ne­re Grund­flä­che, was bei ähn­li­cher Höhe zu ei­ner schlan­ke­ren Form des Tur­mes führt.

Als Bau­ma­te­ri­al dien­te meist der an­ste­hen­de Fels, der in un­mit­tel­ba­rer Nähe des Bau­plat­zes ge­bro­chen wur­de. In stein­ar­men Ge­bie­ten wur­den Zie­gel- oder Feld­stei­ne ver­wen­det. Das Mau­er­werk ist oft sehr sorg­fäl­tig aus­ge­führt, Kan­ten kön­nen durch Bu­ckel­qua­der ak­zen­tu­iert wer­den. Der Berg­fried konn­te ver­putzt sein oder auch Sicht­mau­er­werk zei­gen. Letz­te­res war bei­spiels­wei­se bei den voll­stän­dig aus Bu­ckel­qua­dern ge­mau­er­ten stau­fer­zeit­li­chen Tür­men der Fall. Eine sel­te­ne Bau­wei­se zei­gen die bei­den er­hal­te­nen Berg­frie­de (letz­te Drit­tel 12. Jh. und ers­te Hälf­te 13. Jh.) der Burg Mil­den­stein, de­ren Un­ter­tei­le aus Feldsteinen/Buckelquadern und die Ober­tei­le je­doch aus ge­brann­ten Zie­geln be­stehen. Der Turm­schaft (also der Haupt­teil des Tur­mes zwi­schen So­ckel und dem ab­schlie­ßen­den Ober­ge­schoss) ver­füg­te in der Re­gel über kei­ne oder nur sehr we­ni­ge Fens­ter, oft wa­ren es nur ei­ni­ge schma­le senk­rech­te Licht­schlit­ze.

Die teil­wei­se enor­men Mau­er­stär­ken der Un­ter­ge­schos­se neh­men im In­nern des Turms in den Ober­ge­schos­sen meist deut­lich ab. Auf den da­durch ent­ste­hen­den Mau­er­ab­sät­zen lie­gen Holz­de­cken, die der Ge­schoss­auf­tei­lung die­nen. Das un­ters­te Ge­schoss so­wie das Ober­ge­schoss wer­den häu­fig von ei­nem Stein­ge­wöl­be ab­ge­schlos­sen. Ge­le­gent­lich sind schma­le Trep­pen­auf­gän­ge ins Mau­er­werk ein­ge­ar­bei­tet, die ei­ner ein­zel­nen Per­son den Auf­stieg er­mög­li­chen. Häu­fi­ger sind die Ge­schos­se je­doch durch höl­zer­ne Trep­pen oder Lei­tern mit­ein­an­der ver­bun­den. Ei­ni­ge Berg­frie­de wa­ren ein­ge­schränkt be­wohn­bar, es fin­den sich so­gar klei­ne Ka­min­an­la­gen in den Ober­ge­schos­sen. Die­se be­heiz­ba­ren Stu­ben dien­ten in der Re­gel dem Auf­ent­halt des Tür­mers.

Die ur­sprüng­li­che Ge­stal­tung des Turm­ab­schlus­ses lässt sich bei vie­len Berg­frie­den nicht mehr ge­nau re­kon­stru­ie­ren. Ei­ner­seits weil bei Burg­rui­nen die obers­ten Mau­er­schich­ten ver­fal­len und höl­zer­ne Bau­tei­le ver­rot­tet sind, an­de­rer­seits weil Berg­frie­de bei in der Neu­zeit wei­ter be­wohn­ten Bur­gen oft mit ei­nem neu­en Turm­ab­schluss aus­ge­stat­tet wur­den (Bei­spie­le: Burg Stein, Schloss Rochs­burg). Zu­dem sind man­che Tür­me, die auf den ers­ten Blick viel­leicht mit­tel­al­ter­lich er­schei­nen, in Wirk­lich­keit his­to­ris­ti­sche Neu­schöp­fun­gen des 19. Jahr­hun­derts (z. B. bei der Wart­burg, 1850er Jah­re), manch­mal auch freie Re­kon­struk­tio­nen nach den da­ma­li­gen Vor­stel­lun­gen über mit­tel­al­ter­li­che Burg­ar­chi­tek­tur (Hoh­kö­nigs­burg, 1909). Spät­mit­tel­al­ter­li­che Turm­ab­schlüs­se (die oft selbst be­reits aus ei­ner Um­ge­stal­tung des ur­sprüng­li­chen Bau­zu­stands her­vor­ge­gan­gen sind) ha­ben sich ver­gleichs­wei­se öf­ter er­hal­ten, be­zie­hungs­wei­se las­sen sich manch­mal an­hand von Zeich­nun­gen (vor al­lem aus dem 16. u. 17. Jh.) re­kon­stru­ie­ren.

Die den Berg­fried ab­schlie­ßen­de Wehr­platt­form war ur­sprüng­lich wohl oft mit ei­nem Zin­nen­kranz um­ge­ben. Ge­le­gent­lich ha­ben sich Zin­nen im Ori­gi­nal er­hal­ten, be­son­ders wenn sie durch spä­te­re Über­bau­un­gen ge­schützt wer­den (Burg Well­heim). Die Wehr­platt­form konn­te ent­we­der of­fen sein oder wur­de von ei­nem Dach be­zie­hungs­wei­se ei­nem Turm­helm über­deckt. Ent­spre­chend der Grund­riss­for­men der Tür­me wa­ren Zelt­dä­cher und Ke­gel­dä­cher am häu­figs­ten. Das Dach konn­te aus ei­nem höl­zer­nen Dach­stuhl mit Zie­gel- oder Schie­fer­de­ckung be­stehen, oder auch mas­siv ge­mau­ert sein. Es über­deck­te oft die ge­sam­te Wehr­platt­form, so dass das Dach auf dem Zin­nen­kranz auf­setz­te, war in an­de­ren Fäl­len aber auch zu­rück­sprin­gend kon­stru­iert, so dass ein of­fe­ner Um­gang zwi­schen Dach und Zin­nen frei blieb (Bei­spie­le: Ru­dels­burg, Os­ter­burg). Bei über­dach­ten Wehr­platt­for­men konn­ten an Stel­le der Zin­nen­lü­cken auch ähn­lich an­ge­ord­ne­te Fens­ter­öff­nun­gen den Rund­blick auf die Um­ge­bung und den Ge­brauch von Fern­waf­fen er­mög­li­chen (Burg Id­stein, Burg Sayn). Teil­wei­se er­hal­te­ne Kon­so­len oder Bal­ken­lö­cher am Turm­ab­schluss wei­sen in ei­ni­gen Fäl­len auf höl­zer­ne Auf­bau­ten hin. Im Spät­mit­tel­al­ter wur­den die Turm­dä­cher ger­ne mit klei­nen Eck­türm­chen und ähn­li­chen Auf­bau­ten aus­ge­stat­tet.

Grö­ße­re Wurf­ma­schi­nen oder Ka­ta­pul­te ha­ben si­cher­lich nur sel­ten auf den Wehr­plat­ten ge­stan­den.

Gro­ße Burg­an­la­gen (z. B. Burg Mün­zen­berg) und Gan­er­ben­bur­gen be­sit­zen manch­mal meh­re­re Berg­frie­de. Die aus ei­ner Kern­burg und zwei Vor­bur­gen be­stehen­de sehr gro­ße Neu­en­burg der Land­gra­fen von Thü­rin­gen bei Frey­burg (Un­strut), be­saß ehe­mals in je­dem Burg­teil (Kern­burg, Vor­burg 1 und Vor­burg 2) ei­nen Berg­fried, ins­ge­samt so­mit drei Berg­frie­de. Die eben­falls un­ge­wöhn­lich gro­ße kö­nig­li­che Reichs­burg Kyff­hau­sen auf dem Kyff­häu­ser­ge­bir­ge be­stand aus ei­ner Ober­burg, ei­ner Mit­tel­burg und ei­ner Un­ter­burg. In Ober­burg und Mit­tel­burg sind die bei­den be­kann­ten Berg­frie­de er­hal­ten bzw. in Res­ten er­hal­ten. Von der säch­si­schen Burg Mil­den­stein sind bei­de Berg­frie­de er­hal­ten (der ehe­ma­li­gen Vor­burg und der er­hal­te­nen Kern­burg). Aber auch klei­ne­re Bur­gen be­sit­zen manch­mal zwei Berg­frie­de, so die Burg Koh­ren in Koh­ren-Sah­lis oder die sehr be­kann­te Burg Saal­eck bei Bad Kö­sen. Dies wird oft da­mit er­klärt, dass es zeit­gleich meh­re­re Ei­gen­tü­mer der Bur­gen gab (ähn­lich den Gan­er­ben­bur­gen), die dann je­weils aus Re­prä­sen­ta­ti­ons- oder Si­cher­heits­grün­den ei­nen ei­ge­nen Berg­fried er­rich­ten lie­ßen.

In ei­ni­gen Re­gio­nen wur­den prak­tisch fast aus­nahms­los nur run­de Berg­frie­de er­rich­tet. So sind in Sach­sen nur we­ni­ge Bei­spie­le recht­ecki­ger Berg­frie­de be­kannt: Burg Wal­den­burg, Burg Lich­ten­stein (2016 Grund­mau­ern er­gra­ben), Burg­rui­ne Re­chen­berg (Berg­fried auf dem Burg­fel­sen im 19.Jh. ab­ge­ris­sen zum Bau ei­ner Schu­le, heu­te Ge­mein­de­amt). Dies kann mit den spä­ten Bau­zeit­punk­ten der meis­ten Bur­gen in Sach­sen er­klärt wer­den, de­ren Berg­frie­de üb­li­cher­wei­se ins 13.Jh da­tiert wer­den. Mit vor­an­schrei­ten­der Be­la­ge­rungs­tech­nik er­wies sich die run­de Bau­form als die sta­tisch sta­bils­te und wur­de da­her fast aus­nahms­los in Sach­sen an­ge­wen­det. Drei­ecki­ge oder viel­ecki­ge Berg­frie­de sind in Sach­sen nicht be­kannt. Für Burg Wal­den­burg hin­ge­gen ist ein un­ge­wöhn­lich frü­her Bau­zeit­raum (um 1165) be­legt und die am er­hal­te­nen recht­ecki­gen Berg­fried vor­han­de­nen Bu­ckel­qua­der ver­wei­sen eben­falls auf die stau­fi­sche Pe­ri­ode (12.Jh.).

Achteckige Bergfriede

Eine sel­te­ne Form ist der Berg­fried auf ok­to­go­na­lem Grund­riss. Zu­nächst tre­ten ok­to­go­na­le Berg­frie­de an ei­ni­gen stau­fer­zeit­li­chen Bur­gen in Ba­den-Würt­tem­berg, im El­sass und in Un­ter­ita­li­en auf. Am be­kann­tes­ten ist der Berg­fried von Burg Steins­berg. Beim Turm Fried­richs II. in Enna kommt zu dem acht­ecki­gen Berg­fried eine sym­me­trisch an­ge­leg­te acht­ecki­ge Ring­mau­er hin­zu. Als Son­der­form ei­nes acht­ecki­gen Berg­frieds kann der Turm von Burg Grä­fen­stein an­ge­se­hen wer­den, bei dem die Schen­kel an der An­griffs­sei­te zu ei­nem Drei­eck ver­län­gert sind, wo­mit der Turm sie­ben­eckig wird.

In nachs­tau­fi­scher Zeit tre­ten ok­to­go­na­le Berg­frie­de an Bur­gen der Back­stein­go­tik auf. Die acht­ecki­ge Form ist hier auch durch die Back­stein­bau­wei­se be­dingt, die kan­ti­ge For­men ge­gen­über run­den be­vor­zugt. Eine Va­ri­an­te ist ein acht­ecki­ger Turm über qua­dra­ti­schem Un­ter­ge­schoss, bei­spiels­wei­se bei Burg We­sen­berg in Meck­len­burg. Aus­ge­hend von den Bur­gen des Deut­schen Or­dens ver­brei­tet sich die­se Turm­form auch in Zen­tral­po­len (Bei­spie­le: Rui­ne Burg Stras­burg in Brod­ni­ca, Rui­ne Burg Schlochau, Burg Heils­berg). Ge­le­gent­lich ha­ben auch Or­dens­bur­gen sol­che Tür­me, die nicht in Back­stein aus­ge­führt sind (z. B. Pai­de in Li­tau­en).

Funktionen

Der Berg­fried war ein mul­ti­funk­tio­na­ler Bau­teil, der ver­schie­de­ne Wehr­funk­tio­nen über­neh­men konn­te, aber auch re­prä­sen­ta­ti­ven Wert hat­te. Über die ein­zel­nen Funk­tio­nen ent­stand im letz­ten Drit­tel des 20. Jahr­hun­derts in der Bur­gen­for­schung eine Dis­kus­si­on, die sich am ehes­ten auf die Kurz­for­mel „Wehr­bau oder (eher) Sta­tus­sym­bol“ ver­knap­pen lässt.

Schildfunktion

Durch sei­ne enor­me Mau­er­mas­se – das So­ckel­ge­schoss ist in ei­ni­gen Fäl­len so­gar mas­siv aus­ge­mau­ert – bot der Turm pas­si­ven Schutz für die da­hin­ter lie­gen­den Be­rei­che der Burg. Aus die­sem Grund be­fand sich der Berg­fried bei vie­len An­la­gen an der Haupt­an­griffs­sei­te, oft ein­ge­stellt in die vor­de­re Wehr­mau­er. Da­mit konn­te der Berg­fried eine ähn­li­che Funk­ti­on wie eine Schild­mau­er über­neh­men. Ins­be­son­de­re war dies der Fall bei Bur­gen, bei de­nen Schild­mau­er und Berg­fried mit­ein­an­der zu ei­ner bau­li­chen Ein­heit ver­bun­den sind (Bei­spiel: Burg Lie­ben­zell im Schwarz­wald). So ge­nann­te Dop­pel­berg­frie­de wie je­ner der Burg Grei­fen­stein in Hes­sen und Schloss Roch­litz (die so­ge­nann­ten Ju­pen) in Sach­sen stel­len ge­wis­ser­ma­ßen eine Zwi­schen­stu­fe zwi­schen Berg­fried und Schild­mau­er dar. Die bei­den nahe bei­ein­an­der ste­hen­den Tür­me sind durch ein schma­les Schild­mau­er­stück mit­ein­an­der ver­bun­den. Eben­so ist der Be­fund bei den be­nach­bar­ten nie­der­ös­ter­rei­chi­schen ehem. Bur­gen Pot­ten­dorf (bei­de Berg­frie­de mit Bu­ckel­qua­dern) und Eben­furth.

Dass Berg­frie­de mit fünf- oder drei­ecki­gem Grund­riss meis­tens mit ei­ner Ecke auf die Haupt­an­griffs­sei­te der Burg aus­ge­rich­tet sind, wird eben­falls mit der Schild­funk­ti­on in Ver­bin­dung ge­bracht: durch den schrä­gen Auf­prall­win­kel konn­ten durch Ka­ta­pul­te ge­schleu­der­te Stein­ge­schos­se seit­lich ab­ge­lenkt wer­den. In ei­ni­gen Fäl­len wur­de ein sol­cher „Prall­keil“ auch erst nach­träg­lich an den Turm an­ge­fügt, und er fin­det sich auch an Tür­men mit an­sons­ten run­dem Grund­riss (Bei­spie­le: Klin­gen­berg in Böh­men und Burg Forch­ten­stein in Ös­ter­reich). Auch ein über Eck ge­stell­ter qua­dra­ti­scher Berg­fried konn­te die­sen Zweck er­fül­len. In an­de­ren Fäl­len ist der spitz­wink­li­ge Grund­riss je­doch ein­fach durch die na­tür­li­che Form des Fels­un­ter­grunds be­dingt.

Warte

Da der Berg­fried das höchs­te Ge­bäu­de der Burg war, kam ihm meist auch die Funk­ti­on ei­nes Wart­tur­mes (Be­ob­ach­tungs­turm) zu. Vom Ober­ge­schoss oder der Wehr­platt­form aus konn­ten das Vor­feld und das Um­land der Burg be­ob­ach­tet wer­den. Turm­wäch­ter (Tür­mer) konn­ten früh­zei­tig ei­nen her­an­na­hen­den Feind sich­ten und Alarm ge­ben, und auch bei Be­la­ge­run­gen war der er­höh­te Aus­sichts­punkt zur Be­ob­ach­tung des Vor­felds wich­tig. Ein be­son­ders gu­tes er­hal­te­nes Bei­spiel stellt hier­zu die Os­ter­burg in Wei­da dar, un­ter de­ren ge­mau­er­tem Turm­helm des Berg­frie­des sich eine Türm­er­woh­nung be­fin­det und kurz un­ter der Spit­ze des Turm­hel­mes be­fin­det sich noch heu­te eine ori­gi­na­le klei­ne ge­mau­er­te Aus­sichts­platt­form (in fast 58 m Höhe) für den Tür­mer. Eine in die Berg­fried­wand in­te­grier­te klei­ne Tür­mer­stu­be mit go­ti­schem Tür­ge­wän­de, in­te­grier­tem Ka­min und Ab­ort­er­ker mit Fens­ter hat sich di­rekt un­ter der zin­nen­be­krön­ten Platt­form des Berg­frie­des der Burg Gn­and­stein er­hal­ten.

Erhöhte Wehrplattform

Schnitt durch den So­ckel­be­reich des He­xen­turms in Id­stein. Der Kel­ler­raum ist nur über eine Öff­nung im Schei­tel des Ge­wöl­bes zu­gäng­lich.

Bei Sporn­bur­gen und Hang­bur­gen konn­ten sich An­grei­fer ober­halb des Burg­are­als po­si­tio­nie­ren. Durch die Höhe des Berg­frieds konn­te die­ser Hö­hen­nach­teil zu­min­dest teil­wei­se wie­der aus­ge­gli­chen wer­den. Von der hoch­ge­le­ge­nen Wehr­platt­form konn­te der Berg­hang bes­ser kon­trol­liert wer­den als von den tie­fer ge­le­ge­nen Wehr­gän­gen aus. Ab­ge­se­hen da­von über­nimmt der Berg­fried meist auch all­ge­mein die Funk­ti­on ei­nes Wehr­turms. Bei­spie­le sehr ho­her Berg­frie­de wa­ren bzw. sind die der Burg Rhein­fels (54 m) und der Os­ter­burg (53 m). Zu­sätz­li­che Wehr­gän­ge konn­ten auf der Ebe­ne ei­nes nied­ri­ge­ren Stock­werks an den Turm an­ge­baut sein (Bei­spiel: Burg Bi­schofstein an der Mo­sel).

Sicherer Verwahrungsort und Nutzung als Gefängnis

Die mas­si­ve Bau­wei­se und der un­zu­gäng­li­che Hoch­ein­gang des Berg­frieds mach­ten ihn zu ei­nem re­la­tiv si­che­ren Ver­wah­rungs­ort in­ner­halb der Burg. Hier konn­ten Wert­ge­gen­stän­de auf­be­wahrt wer­den, so dass der Turm die Rol­le ei­nes Tre­sor­baus über­nahm.

Zu­min­dest in der frü­hen Neu­zeit wur­den Berg­frie­de auch als weit­ge­hend aus­bruch­si­che­rer Ver­wah­rungs­ort für Ge­fan­ge­ne ge­nutzt. Ins­be­son­de­re der schacht­ar­ti­ge Kel­ler­raum im So­ckel des Turms wird oft als Ver­lies in­ter­pre­tiert, das nur durch eine schma­le De­cken­öff­nung zu­gäng­lich war. Die Form die­ses auch als Loch­kel­ler be­zeich­ne­ten Raums war al­ler­dings nicht zwangs­läu­fig mit ei­ner sol­chen Nut­zung ver­bun­den, son­dern er­gibt aus der sta­ti­schen Ge­samt­kon­struk­ti­on des Berg­frieds: Die im So­ckel­ge­schoss am dicks­ten aus­ge­führ­ten Mau­ern las­sen ei­nen schma­len, ca. vier bis acht Me­ter ho­hen In­nen­raum üb­rig, der meis­tens von ei­nem sta­bi­li­sie­ren­den Ge­wöl­be ab­ge­schlos­sen wird und dann nur über ein Kup­pelau­ge im Schei­tel des Ge­wöl­bes zu­gäng­lich ist. Letz­te­res er­gibt sich wie­der­um aus dem Um­stand, dass der Hoch­ein­gang des Turms in ei­nem der Ober­ge­schos­se liegt. Das Kup­pelau­ge wird in die­sem Zu­sam­men­hang auch als „Angst­loch“ be­zeich­net, durch das man über eine Lei­ter oder Seil­win­de in den Loch­kel­ler ge­lan­gen konn­te. Mau­er­trep­pen wie im al­ten Berg­fried des Schlos­ses Lan­ge­nau sind eine sel­te­ne Aus­nah­me (wei­te­re Bei­spie­le hier­für: Os­ter­burg, "Di­cker Wil­helm" der Neu­en­burg, Berg­fried der Burg Plau).

Der Kel­ler­raum im Turm­so­ckel konn­te un­ter­schied­lich ge­nutzt wer­den. In ei­ni­gen Fäl­len wur­de er als La­ger­raum oder Ma­ga­zin ver­wen­det, so fand man hier bei­spiels­wei­se Stein­hau­fen, die als Wurf­ge­schos­se für eine Be­la­ge­rung vor­ge­hal­ten wur­den. Im Ein­zel­fall ist auch die Nut­zung als Zis­ter­ne be­legt, und oft blieb der Raum auch un­ge­nutzt. Eine pau­scha­le Deu­tung des Loch­kel­lers als das „Burg­ver­lies“, wie sie in der äl­te­ren Bur­gen­kun­de und ger­ne auch im tou­ris­ti­schen Kon­text er­folgt, ist in­so­fern miss­ver­ständ­lich.

Die meis­ten Be­rich­te über die Ein­ker­ke­rung von Ge­fan­ge­nen im So­ckel­ge­schoss des Berg­frieds stam­men aus dem Spät­mit­tel­al­ter und der frü­hen Neu­zeit, in­wie­weit dies vor­her schon üb­lich war, ist un­ge­wiss. Oft han­delt es sich wohl erst um spä­te­re Um­nut­zun­gen, wie sie auch für zahl­rei­che Stadt­mau­er­tür­me (vergl. Hun­ger­turm) und so­gar gan­ze Burg­an­la­gen (Bas­til­le) be­kannt sind. Bei der Ein­ker­ke­rung in den oft klaus­tro­pho­bisch en­gen, schlecht be­lüf­te­ten und be­lich­te­ten, manch­mal völ­lig dunk­len Kel­ler­räu­men (Dun­kel­haft) han­del­te es sich nicht um ei­nen blo­ßen Ar­rest, son­dern um eine Lei­bes­stra­fe, die eine schwe­re psy­chi­sche und phy­si­sche Miss­hand­lung der Ge­fan­ge­nen dar­stell­te.

Der Bergfried als Wohnturm

Die Tat­sa­che, dass in vie­len Berg­frie­den di­rekt beim Bau Ka­mi­ne (manch­mal auch meh­re­re) und zum Teil gleich meh­re­re Ab­ort­er­ker in­te­griert wur­den, zeigt, dass Berg­frie­de oft auch re­gu­lär zu Wohn­zwe­cken dien­ten. Die ak­tu­el­le For­schung be­trach­tet den Berg­fried III („Di­cker Wil­helm“) der Vor­burg II der hoch­herr­schaft­li­chen Neu­en­burg heu­te als ei­nen haupt­säch­lich zu Wohn­zwe­cken er­rich­te­ten Berg­fried. Sei­ne un­ge­wöhn­li­che In­nen­grund­flä­che, die in die Mau­er­di­cke ver­leg­ten Trep­pen­an­la­gen und vor­han­de­ne Ka­mi­ne und et­li­che schma­le „Fens­ter“ (Schar­ten) le­gen die­sen Schluss nahe. Der ge­wal­ti­ge Berg­fried „Grütz­pott“ der Burg Stol­pe wur­de eben­falls als Wohnturm/Donjon konzipiert/errichtet. Die­ses Ob­jekt wird auch als Turm­burg (Turm­hü­gel mit ur­sprüng­lich nur dem Bergfried/Wohnturm als ein­zi­gem Ge­bäu­de) be­trach­tet. Auch be­son­ders kunst­voll ge­stal­te­te Ka­mi­ne in Berg­frie­den, bei­spiels­wei­se auf der Burg Schön­burg (Berg­fried und Ka­min um 1230), le­gen die re­gu­lä­re Wohn­nut­zung von Berg­frie­den nahe. Auch auf der Run­ne­burg, wur­de der er­hal­te­ne, mit dem Pa­las di­rekt ver­bun­de­ne, fünf­ge­schos­si­ge berg­friedar­ti­ge Wohn­turm (Wohn­turm mit Hoch­ein­gang) ur­sprüng­lich für Wohn­zwe­cke kon­zi­piert: mit Ka­mi­nen, Ab­ort­er­ker und in die Mau­er ver­leg­ten meh­re­ren Trep­pen­an­la­gen. (Der ei­gent­li­che Berg­fried der Run­ne­burg, der "Streit­turm", war um 1750 we­gen Bau­fäl­lig­keit ab­ge­ris­sen wor­den.) Das Al­lein­stel­lungs­merk­mal - so­weit über­haupt vor­han­den - des Berg­frie­des bleibt im Ver­gleich zu den meis­ten Wohn­tür­men sei­ne un­ge­wöhn­li­che Mau­er­stär­ke.

Statussymbol

Eben­so wie den frü­he­ren Wohn­tür­men des Adels und an­de­ren Turm­bau­ten kam dem Berg­fried auch eine be­deu­ten­de Re­prä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on zu. Von ei­ni­gen Bur­gen­for­schern wird die Rol­le des Sta­tus­sym­bols be­son­ders be­tont, wo­bei sich al­ler­dings aus den mit­tel­al­ter­li­chen Quel­len bis­her nicht ab­lei­ten lässt, wel­cher Sym­bol­ge­halt ei­gent­lich von den Zeit­ge­nos­sen be­ab­sich­tigt be­zie­hungs­wei­se wahr­ge­nom­men wur­de. Das Sym­bol des Tur­mes ist viel­deu­tig und nicht in je­dem Fall po­si­tiv be­setzt, so stand bei­spiels­wei­se der Turm zu Ba­bel für Hoch­mut und Maß­lo­sig­keit des Men­schen. Da sich im Mit­tel­al­ter die welt­li­che Herr­schaft und ge­ra­de auch das Rit­ter­tum (in sei­nem Selbst­ver­ständ­nis als mi­li­tia chris­tia­na) vor ei­nem christ­li­chen Hin­ter­grund le­gi­ti­mier­te, gibt es in der For­schung auch die The­se, dass der Berg­fried mög­li­cher­wei­se eine christ­li­che Kon­no­ta­ti­on als Ma­ri­en­sym­bol hat­te. Ma­ria wur­de in der Lau­re­ta­ni­schen Li­ta­nei als „el­fen­bei­ner­ner Turm“ und als „Turm Da­vids“ be­zeich­net. Aber auch die­ser Sym­bol­ge­halt konn­te bis­her durch die Quel­len nicht hin­rei­chend für den Burg­turm be­legt wer­den.

Der Haupt­turm wird bei zeit­ge­nös­si­schen Be­schrei­bun­gen ei­ner Burg oft als ers­tes ge­nannt, als Ab­bre­via­tur (also als bild­li­che Ab­kür­zung) ist er oft auf Wap­pen und Sie­geln zu se­hen, wo er die Burg als Gan­zes sym­bo­li­siert. Dem Berg­fried in sei­ner Sta­tus­sym­bo­lik viel­leicht ver­gleich­bar sind die mit­tel­al­ter­li­chen Ge­schlech­ter­tür­me in ei­ni­gen nord­ita­lie­ni­schen und deut­schen Städ­ten, de­ren teils bi­zar­re Hö­hen sich nicht mehr wehr­tech­nisch er­klä­ren las­sen (zu­dem gab es bei­spiels­wei­se in Re­gens­burg kei­ne be­waff­ne­ten Kon­flik­te zwi­schen den städ­ti­schen Pa­tri­zi­er­fa­mi­li­en, so dass hier die Sta­tus­funk­ti­on von An­fang an vor­herrsch­te). Für die Rol­le als Sta­tus­sym­bol spre­chen un­ter an­de­rem auch die teil­wei­se spä­ter ge­bau­ten „But­ter­fas­s­auf­sät­ze“, die kei­nen zu­sätz­li­chen Nut­zen für die Wehr­funk­ti­on, son­dern le­dig­lich Höhe brach­ten.

Für die Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­deu­tung von Berg­frie­den spre­chen auch ori­gi­na­le ar­chi­tek­to­ni­sche Ver­zie­run­gen an mit­tel­al­ter­li­chen Berg­frie­den. So fin­det sich an der Au­ßen­sei­te des Berg­frie­des der Schön­burg der ver­zier­te Rauch­ab­zug (Aus­laß­öff­nung) der beim Turm­bau in den Turm in­te­grier­ten (auch in­nen kunst­his­to­risch be­deut­sa­men) Ka­min­an­la­ge (um 1230). Am er­hal­te­nen So­ckel des Berg­frie­des II (Mit­te 12.Jh.) der Vor­burg I der hoch­herr­schaft­li­chen Neu­en­burg be­fin­den sich vier fast dia­go­nal an­ge­ord­ne­te ge­mau­er­te "Eck­spor­ne". Da eine mi­li­tä­ri­sche Be­deu­tung die­ser ein­zig­ar­ti­gen Eck­spor­ne aus­ge­schlos­sen wer­den kann, muß es sich um eine rei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Ver­schö­ne­rung zum Zwe­cke der Re­prä­sen­ta­ti­on ge­han­delt ha­ben. Eben­so dürf­te es sich mit den an den Ecken des Da­ches oder Platt­form­be­rei­ches an vie­len Burg­tür­men und Berg­frie­den (vor al­lem seit der Go­tik) an­ge­brach­ten Schar­wacht­türm­chen han­deln, de­ren prak­ti­scher Nut­zen als Wet­ter­schutz für Turm­wäch­ter wohl eher nicht als Grund für de­ren Er­rich­tung an­zu­se­hen sein wird (meist wur­den vier die­ser Türm­chen er­rich­tet, ganz sel­ten nur ein ein­zel­nes). Bei­spiel: die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Burg Pot­ten­dorf. Ein wei­te­res Bei­spiel für Re­prä­sen­ta­ti­ons­ar­chi­tek­tur an den Dä­chern der Berg­frie­de und Burg­tür­me sind Zwerch­häu­ser, bei­spiels­wei­se am Eu­len­spie­gel­turm der Burg Bern­burg.

Am Über­gang vom Spät­mit­tel­al­ter zur Neu­zeit, als durch die Ent­wick­lung der Feu­er­waf­fen eine Um­wäl­zung in der Mi­li­tär­tech­nik statt­fand, ver­lor der Berg­fried all­mäh­lich sei­ne Wehr­funk­ti­on, da über­höh­te Bau­tei­le ge­gen Ka­no­nen­be­schuss und Spren­gung be­son­ders an­fäl­lig wa­ren. Bei Bur­gen, die in Re­ak­ti­on auf die­se Ent­wick­lun­gen zu Fes­tun­gen neu­er Art aus­ge­baut wur­den, wur­de der Berg­fried des­halb oft ab­ge­ris­sen oder zu­rück­ge­baut, so bei­spiels­wei­se bei der Ves­te Co­burg oder der Burg Wil­den­stein.

Er­hal­ten blieb der Berg­fried in der Neu­zeit hin­ge­gen bei ei­ni­gen Bur­gen, die auf Be­fes­ti­gung zu­neh­mend ver­zich­te­ten und zu Schlös­sern um­ge­stal­tet wur­den. Oft ist der Berg­fried hier der ein­zi­ge weit­ge­hend in sei­ner ur­sprüng­li­chen Form über­nom­me­ne Bau­teil der mit­tel­al­ter­li­chen Burg, was wie­der­um als In­diz für sei­ne Rol­le als (nun­mehr tra­di­tio­nel­les) Herr­schafts­sym­bol ge­wer­tet wer­den kann. Bei­spie­le hier­für sind das Schloss Bad Hom­burg (Wei­ßer Turm) oder das Schloss Wil­deck (Di­cker Hein­rich) bei Zscho­pau. Beim Schloss Jo­han­nis­burg in Aschaf­fen­burg, dem letz­ten gro­ßen Re­nais­sance-Schloss­bau vor Aus­bruch des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges, wur­de der go­ti­sche Berg­fried der Vor­gän­ger­burg in die an­sons­ten ganz re­gel­mä­ßi­ge An­la­ge in­te­griert, ob­wohl er in auf­fäl­li­ger Wei­se aus de­ren Sym­me­trie aus­bricht.

Im Schloss­bau der Re­nais­sance (und in ge­rin­ge­rem Maß auch noch im Ba­rock) spie­len Tür­me wei­ter­hin als Be­stand­tei­le herr­schaft­li­cher Ar­chi­tek­tur eine wich­ti­ge Rol­le, auch wenn sie nun meist kei­ne Wehr­funk­ti­on mehr be­sit­zen (Mo­ritz­burg, Schloss Meß­kirch).

Der Bergfried als Zufluchtsort

Die neue­re Bur­gen­for­schung, ins­be­son­de­re die Grup­pe um den baye­ri­schen Mit­tel­al­ter­ar­chäo­lo­gen Joa­chim Zeu­ne, stellt je­doch die Funk­ti­on des Berg­frie­des als Zu­fluchts­ort im Fal­le ei­ner Be­la­ge­rung in Zwei­fel. Der Rück­zug in den Turm sei ein „Tod auf Ra­ten“ ge­we­sen, der al­len­falls in Er­war­tung ei­nes Ent­satz­hee­res sinn­voll ge­we­sen sei. Als Be­leg für die­se The­se wird das weit­ge­hen­de Feh­len ent­spre­chen­der Be­fun­de und Über­lie­fe­run­gen an­ge­führt. Auch dem Hoch­ein­gang wird hier mehr eine sym­bo­lisch-psy­cho­lo­gi­sche Be­deu­tung bei­gemes­sen.

Kri­ti­ker wer­fen die­ser An­sicht, die sich im Zu­sam­men­hang mit Zeu­nes „Macht­sym­bol-Theo­rie“ her­aus­bil­de­te, das völ­li­ge Au­ßer­acht­las­sen der hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Feu­dal­ord­nung und des Ge­folg­schafts­we­sens vor. Hier wäre ein­fach die Me­tho­dik Gün­ther Band­manns auf die Pro­fan­ar­chi­tek­tur über­tra­gen wor­den.

Vie­le Bur­gen wa­ren Le­hens­bur­gen, die ei­nem mäch­ti­ge­ren Feu­dal­her­ren oder ei­nem Hoch­stift un­ter­stan­den. Die da­ma­li­gen Ter­ri­to­ri­en wa­ren durch ein dich­tes Netz sol­cher klei­ne­rer und mitt­le­rer Wehr­an­la­gen ge­si­chert, das noch durch die be­fes­tig­ten Höfe der Un­ter­va­sal­len er­gänzt wur­de. Im An­griffs­fall hät­ten die Ver­tei­di­ger sich nach die­ser Auf­fas­sung durch­aus auf den Bei­stand ih­res Lehns­her­ren und der zu­ge­hö­ri­gen oder ver­bün­de­ten Rit­ter­schaft ver­las­sen kön­nen. Um­ge­kehrt ver­trau­te der Lan­des­herr selbst­ver­ständ­lich auf die Hil­fe sei­ner Va­sal­len.

Die Un­ter­ge­schos­se der Berg­frie­de ste­cken häu­fig meh­re­re Me­ter im Bo­den. Eine Un­ter­mi­nie­rung war des­halb nicht zu be­fürch­ten. Auch eine Brand­le­gung war durch die Stein­ar­chi­tek­tur nur schwer mög­lich, Die we­ni­gen Licht­öff­nun­gen konn­ten rasch ver­schlos­sen wer­den, so dass auch ein Aus­räu­chern ver­hin­dert wer­den konn­te. Die „kon­ser­va­ti­ve“ His­to­ri­ker­grup­pe sieht den Berg­fried des­halb als Mit­tel der pas­si­ven Ver­tei­di­gung, als Zu­fluchts­ort für ei­ni­ge Tage, bis der Ent­satz ein­traf. Aus die­sem Grund fin­den sich an die­sen Bau­wer­ken nur we­ni­ge Ein­rich­tun­gen der ak­ti­ven Ver­tei­di­gung. Man woll­te of­fen­bar haupt­säch­lich ein Ein­drin­gen des An­grei­fers ver­hin­dern. Die Er­stür­mung ei­nes sol­chen Tur­mes in­ner­halb we­ni­ger Tage ist na­he­zu un­mög­lich. Vie­le Berg­frie­de ent­gin­gen we­gen ih­rer mas­si­ven Bau­wei­se so­gar den spä­te­ren Ab­bruchs­ver­su­chen der um­lie­gen­den Land­be­völ­ke­rung, die das sons­ti­ge Bau­ma­te­ri­al ver­las­se­ner Bur­gen ger­ne ab­trans­por­tier­te und wie­der­ver­wer­te­te.

Ein An­griff auf eine sol­che in ein funk­tio­nie­ren­des Feu­dal­sys­tem ein­ge­bun­de­ne Burg­an­la­ge war also na­he­zu aus­sichts­los. Hier war es we­sent­lich ri­si­ko­lo­ser, die Höfe und Müh­len des Fein­des aus­zu­plün­dern. Tat­säch­lich wur­de ein gro­ßer Teil der mit­tel­eu­ro­päi­schen Bur­gen im Mit­tel­al­ter nie­mals ernst­haft an­ge­grif­fen. Fol­ge­rich­tig kann es des­halb auch nicht vie­le Nach­wei­se ei­nes Rück­zu­ges in ei­nen Berg­fried ge­ben, das Bau­werk hat­te sei­ne ab­schre­cken­de Funk­ti­on ja be­reits er­füllt.

Eine Er­folg ver­spre­chen­de Be­la­ge­rung war nur sinn­voll, wenn man sich vor­her recht­lich ab­si­cher­te und den Lan­des­her­ren oder gar den Kai­ser um Er­laub­nis bat. Dies war nur bei tat­säch­li­chen oder fin­gier­ten Rechts­brü­chen mög­lich, etwa We­ge­la­ge­rei, Falsch­mün­ze­rei oder Tot­schlag. Den Ver­bün­de­ten des Burg­her­ren wa­ren dann die Hän­de ge­bun­den, sie konn­ten dem An­ge­grif­fe­nen ja aus recht­li­chen Grün­den nicht zu Hil­fe kom­men. In sol­chen Fäl­len war eine letz­te Zu­flucht im Haupt­turm ei­gent­lich sinn­los.

Die Berg­frie­de der Bur­gen des 12./13. Jahr­hun­derts wur­den ur­sprüng­lich nur von ein­fa­chen Ring­mau­ern um­ge­ben. Flan­kie­rungs­tür­me und Zwin­ger­an­la­gen wur­den erst in spä­te­ren Bau­pha­sen hin­zu­ge­fügt. Vie­le Ne­ben­ge­bäu­de be­stan­den da­mals aus Holz oder Fach­werk, der stei­ner­ne Wohn­bau war meist nicht be­son­ders wehr­haft. Im Hoch­mit­tel­al­ter war ein mas­si­ver Berg­fried im Be­la­ge­rungs­fall zwei­fel­los das si­chers­te Ge­bäu­de, in dem be­reits wäh­rend der Kampf­hand­lun­gen die Frau­en, Al­ten und Kin­der Zu­flucht su­chen konn­ten.

Solch ein Turm war si­cher­lich auch ein wirk­sa­mer Schutz ge­gen die Über­ra­schungs­an­grif­fe klei­ne­rer ma­ro­die­ren­der Ban­den und der an­hän­gi­gen Be­völ­ke­rung. Ge­ra­de wäh­rend der Ab­we­sen­heit der oft nur we­ni­gen wehr­fä­hi­gen Män­ner wäh­rend der Jagd oder Feld­ar­beit war eine Burg be­son­ders ge­fähr­det. Auch ohne Vor­rä­te konn­ten die ver­blie­be­nen Burg­be­woh­ner bis zur Rück­kehr der Män­ner im Berg­fried aus­har­ren und wa­ren vor Miss­hand­lun­gen und Ver­ge­wal­ti­gun­gen ge­schützt. Ein sol­cher si­che­rer Rück­zugs­ort war in ei­ner Zeit, in der sich die staat­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Struk­tu­ren erst zu kon­so­li­die­ren be­gan­nen, si­cher­lich hoch­will­kom­men.

Bei spä­te­ren Aus­bau­ten wur­den die hin­zu­ge­füg­ten Wehr­tür­me oft als Scha­len­tür­me aus­ge­führt. Die Rück­sei­te war also of­fen, um ei­nem ein­ge­drun­ge­nen Geg­ner kei­ne De­ckungs­mög­lich­keit zu bie­ten. Sol­che halb­run­den oder recht­ecki­gen Turm­bau­ten ha­ben sich an zahl­lo­sen Bur­gen und Stadt­be­fes­ti­gun­gen er­hal­ten. Sie sind ein wei­te­res In­diz da­für, dass eine Wehr­an­la­ge auch nach der Er­stür­mung der Ring­mau­ern noch nicht auf­ge­ge­ben wur­de.

Im Spät- und Nach­mit­tel­al­ter ent­stan­den noch ei­ni­ge Burg­neu­bau­ten, de­ren Haupt­tür­me zwei­fel­los nie­mals als Rück­zugs­or­te ge­plant wa­ren. So ließ Fried­rich von Frey­berg ab 1418 di­rekt ne­ben sei­ner Stamm­burg Ei­sen­berg im All­gäu ei­nen der letz­ten gro­ßen Burg­neu­bau­ten des deut­schen Mit­tel­al­ters er­rich­ten. Die Burg Ho­hen­frey­berg ent­stand im Stil ei­ner stau­fi­schen Hö­hen­burg, auch ein „Berg­fried“ durf­te hier nicht feh­len. Die bei­den Burg­rui­nen bil­den heu­te eine der be­deu­tends­ten Bur­gen­grup­pen Zen­tral­eu­ro­pas. Der Frey­ber­ger woll­te wohl am Ende des Mit­tel­al­ters noch­mals ein Sym­bol rit­ter­li­chen Selbst­be­wusst­seins er­schaf­fen.

Im 16. Jahr­hun­dert er­war­ben die Augs­bur­ger Fug­ger die Ma­ri­en­burg in Nie­der­al­fin­gen im heu­ti­gen Ost­alb­kreis in Ba­den-Würt­tem­berg. In der Zeit der Hoch­re­nais­sance ent­stand hier in der Fol­ge eine „hoch­mit­tel­al­ter­li­che“ Hö­hen­burg aus Bu­ckel­qua­dern mit ei­nem mäch­ti­gen Haupt­turm. Die aus ein­fachs­ten Ver­hält­nis­sen auf­ge­stie­ge­nen Fug­ger woll­ten ih­ren frisch er­wor­be­nen Adels­stand hier of­fen­bar durch eine „an­ti­ke“ Stamm­burg le­gi­ti­mie­ren.
Die Burg im Be­la­ge­rungs­fall

An­grif­fe auf mit­tel­al­ter­li­che Burg­an­la­gen wur­den in Mit­tel­eu­ro­pa in der Re­gel nicht von gro­ßen Be­la­ge­rungs­hee­ren durch­ge­führt. Oft blo­ckier­ten nur zwan­zig bis hun­dert Mann die Zu­gän­ge zur Burg und de­mo­ra­li­sier­ten die Be­sat­zung durch ge­le­gent­li­che An­grif­fe. Ger­ne schleu­der­te man Tier­ka­da­ver oder Un­rat in den Burg­hof. Eine blo­ckier­te Burg brauch­te ei­gent­lich nur aus­ge­hun­gert zu wer­den, al­ler­dings stell­te sich auch für die Be­la­ge­rer das Pro­blem der Ver­sor­gung dar. Die Bau­ern der Um­ge­bung hat­ten ihr Ge­trei­de meist in Erd­stäl­len ver­steckt und das Vieh in die Wäl­der ge­trie­ben.

Die Be­sat­zung der be­la­ger­ten Burg be­stand in der Re­gel aus noch we­ni­ger waf­fen­fä­hi­gen Män­nern. Im Fal­le ei­ner ab­seh­ba­ren Be­la­ge­rung war die in Frie­dens­zei­ten nur aus etwa drei bis zwan­zig Mann be­stehen­de Burg­mann­schaft ver­dop­pelt oder ver­drei­facht wor­den. Zu­min­dest die hö­he­ren Rän­ge konn­ten im Not­fall im Haupt­turm Zu­flucht fin­den. Eine Burg galt da­mals erst als er­obert, wenn auch der Berg­fried ge­fal­len war. Dies konn­te noch ei­ni­ge Wo­chen in An­spruch neh­men. In die­ser Zeit muss­te der An­grei­fer sei­ne Män­ner wei­ter­hin ver­pfle­gen und be­sol­den. Manch­mal lie­fen die Söld­ner des Be­la­ge­rers des­halb ein­fach da­von oder stell­ten sich gar ge­gen ih­ren Auf­trag­ge­ber, falls der Er­folg zu lan­ge auf sich war­ten ließ.

Es las­sen sich gar re­gel­rech­te Ab­kom­men zwi­schen den Be­fehls­ha­bern nach­wei­sen, die sich oft per­sön­lich kann­ten und die glei­che ge­sell­schaft­li­che Po­si­ti­on ein­nah­men. Man han­del­te eine Frist aus, die of­fen­bar meist um die 30 Tage be­trug. Falls der Lehns­herr oder die Ver­bün­de­ten der Be­la­ger­ten nicht in­ner­halb die­ses Zeit­rau­mes vor der Burg er­schie­nen, über­ga­ben die Ver­tei­di­ger die Be­fes­ti­gungs­an­la­ge kampf­los. Im Ge­gen­zug er­hielt man frei­es Ge­leit und durf­te manch­mal auch den Haus­rat mit­neh­men. Durch ei­nen der­ar­ti­gen Ver­trag konn­te man auf bei­den Sei­ten Le­ben scho­nen und un­nö­ti­ge Kos­ten ver­mei­den. Ein sol­ches Ab­kom­men setzt si­cher­lich eine ge­wis­se Wehr­haf­tig­keit der Burg­an­la­ge und des Haupt­tur­mes vor­aus. Eine "Ver­tei­di­gung bis zum Ende" konn­te sehr ris­kant wer­den. So wur­den etwa die hö­he­ren Rän­ge der Be­sat­zung des eng­li­schen Bed­ford Cast­le nach der Spren­gung des Haupt­tur­mes durch die Trup­pen Kö­nig Hein­richs III. vor der Burg auf­ge­hängt (1224). In Mit­tel­eu­ro­pa wur­den noch wäh­rend des Deut­schen Bau­ern­krie­ges Bur­gen ge­gen die Zu­si­che­rung frei­en Ab­zu­ges auf­ge­ge­ben.

Zum Schutz vor Aus­räu­che­rung ei­ner in den Berg­fried zu­rück­ge­zo­ge­nen Burg­be­sat­zung (nach ei­nem Mau­er­duch­bruch z.B. am Bo­den des Berg­frie­des) wur­den in man­che Berg­frie­de eine oder meh­re­re ge­mau­er­te Zwischendecken/Rundgewölbe ein­ge­baut. Die Trep­pen wur­den ent­we­der in die Mau­er­di­cke des Berg­frie­des ver­legt (Bei­spiel: Os­ter­burg) oder es be­fan­den sich nur klei­ne, im Be­la­ge­rungs­fall ver­schließ­ba­re Durch­stiegs­lu­ken, ähn­lich dem Angst­loch in der ge­mau­er­ten Ge­wöl­be­de­cke (Bei­spiel: Burg Eh­ren­stein). In letz­te­rem Fal­le war eine Wohn­nut­zung des Berg­frie­des in Frie­dens­zei­ten prak­tisch aus­ge­schlos­sen. Die Lu­ken muß­ten dann müh­se­lig von Eta­ge zu Eta­ge mit Lei­tern er­reicht wer­den.

Die Burg im Belagerungsfall

An­grif­fe auf mit­tel­al­ter­li­che Burg­an­la­gen wur­den in Mit­tel­eu­ro­pa in der Re­gel nicht von gro­ßen Be­la­ge­rungs­hee­ren durch­ge­führt. Oft blo­ckier­ten nur zwan­zig bis hun­dert Mann die Zu­gän­ge zur Burg und de­mo­ra­li­sier­ten die Be­sat­zung durch ge­le­gent­li­che An­grif­fe. Ger­ne schleu­der­te man Tier­ka­da­ver oder Un­rat in den Burg­hof. Eine blo­ckier­te Burg brauch­te ei­gent­lich nur aus­ge­hun­gert zu wer­den, al­ler­dings stell­te sich auch für die Be­la­ge­rer das Pro­blem der Ver­sor­gung dar. Die Bau­ern der Um­ge­bung hat­ten ihr Ge­trei­de meist in Erd­stäl­len ver­steckt und das Vieh in die Wäl­der ge­trie­ben.

Die Be­sat­zung der be­la­ger­ten Burg be­stand in der Re­gel aus noch we­ni­ger waf­fen­fä­hi­gen Män­nern. Im Fal­le ei­ner ab­seh­ba­ren Be­la­ge­rung war die in Frie­dens­zei­ten nur aus etwa drei bis zwan­zig Mann be­stehen­de Burg­mann­schaft ver­dop­pelt oder ver­drei­facht wor­den. Zu­min­dest die hö­he­ren Rän­ge konn­ten im Not­fall im Haupt­turm Zu­flucht fin­den. Eine Burg galt da­mals erst als er­obert, wenn auch der Berg­fried ge­fal­len war. Dies konn­te noch ei­ni­ge Wo­chen in An­spruch neh­men. In die­ser Zeit muss­te der An­grei­fer sei­ne Män­ner wei­ter­hin ver­pfle­gen und be­sol­den. Manch­mal lie­fen die Söld­ner des Be­la­ge­rers des­halb ein­fach da­von oder stell­ten sich gar ge­gen ih­ren Auf­trag­ge­ber, falls der Er­folg zu lan­ge auf sich war­ten ließ.

Es las­sen sich gar re­gel­rech­te Ab­kom­men zwi­schen den Be­fehls­ha­bern nach­wei­sen, die sich oft per­sön­lich kann­ten und die glei­che ge­sell­schaft­li­che Po­si­ti­on ein­nah­men. Man han­del­te eine Frist aus, die of­fen­bar meist um die 30 Tage be­trug. Falls der Lehns­herr oder die Ver­bün­de­ten der Be­la­ger­ten nicht in­ner­halb die­ses Zeit­rau­mes vor der Burg er­schie­nen, über­ga­ben die Ver­tei­di­ger die Be­fes­ti­gungs­an­la­ge kampf­los. Im Ge­gen­zug er­hielt man frei­es Ge­leit und durf­te manch­mal auch den Haus­rat mit­neh­men. Durch ei­nen der­ar­ti­gen Ver­trag konn­te man auf bei­den Sei­ten Le­ben scho­nen und un­nö­ti­ge Kos­ten ver­mei­den. Ein sol­ches Ab­kom­men setzt si­cher­lich eine ge­wis­se Wehr­haf­tig­keit der Burg­an­la­ge und des Haupt­tur­mes vor­aus. Eine "Ver­tei­di­gung bis zum Ende" konn­te sehr ris­kant wer­den. So wur­den etwa die hö­he­ren Rän­ge der Be­sat­zung des eng­li­schen Bed­ford Cast­le nach der Spren­gung des Haupt­tur­mes durch die Trup­pen Kö­nig Hein­richs III. vor der Burg auf­ge­hängt (1224). In Mit­tel­eu­ro­pa wur­den noch wäh­rend des Deut­schen Bau­ern­krie­ges Bur­gen ge­gen die Zu­si­che­rung frei­en Ab­zu­ges auf­ge­ge­ben.

Zum Schutz vor Aus­räu­che­rung ei­ner in den Berg­fried zu­rück­ge­zo­ge­nen Burg­be­sat­zung (nach ei­nem Mau­er­duch­bruch z.B. am Bo­den des Berg­frie­des) wur­den in man­che Berg­frie­de eine oder meh­re­re ge­mau­er­te Zwischendecken/Rundgewölbe ein­ge­baut. Die Trep­pen wur­den ent­we­der in die Mau­er­di­cke des Berg­frie­des ver­legt (Bei­spiel: Os­ter­burg) oder es be­fan­den sich nur klei­ne, im Be­la­ge­rungs­fall ver­schließ­ba­re Durch­stiegs­lu­ken, ähn­lich dem Angst­loch in der ge­mau­er­ten Ge­wöl­be­de­cke (Bei­spiel: Burg Eh­ren­stein). In letz­te­rem Fal­le war eine Wohn­nut­zung des Berg­frie­des in Frie­dens­zei­ten prak­tisch aus­ge­schlos­sen. Die Lu­ken muß­ten dann müh­se­lig von Eta­ge zu Eta­ge mit Lei­tern er­reicht wer­den.

Wehrspeicher und Kirchenburgen

Deut­li­che Par­al­le­len zur an­ge­nom­me­nen Zu­fluchts­funk­ti­on der Berg­frie­de zei­gen die Wehr­spei­cher der leicht be­fes­tig­ten Höfe des Nie­der­a­dels und auch die stei­ner­nen Kirch­tür­me der Dör­fer und Kir­chen­bur­gen.

Die Be­völ­ke­rung hat­te im Kriegs­fall am meis­ten zu lei­den. Na­he­zu je­des grö­ße­re Dorf war des­halb schwach be­fes­tigt. Nicht sel­ten war die Kir­che wehr­haft zur Wehr­kir­che aus­ge­baut oder gar zur Kir­chen­burg er­wei­tert wor­den. Dem mas­si­ven Kirch­turm, im spe­zi­el­len Fall der Rund­kir­che dem ge­sam­ten Bau­werk, kam hier die Funk­ti­on ei­nes Berg­frie­des zu, in dem die Be­völ­ke­rung not­falls kurz­fris­tig Schutz fin­den konn­te. Oft zo­gen die An­grei­fer nach kur­zer Zeit wie­der ab, eine ak­ti­ve Ver­tei­di­gung war hier zweit­ran­gig.

Die Ver­nach­läs­si­gung des Fak­tors "Zeit­ge­winn" in der Ar­gu­men­ta­ti­on Joa­chim Zeu­nes be­merk­te etwa auch der For­scher Hans Jür­gen Hes­sel in ei­nem Auf­satz über be­fes­tig­te Kir­chen im "Fes­tungs­jour­nal 32" der "Deut­schen Ge­sell­schaft für Fes­tungs­for­schung" (2008).

Die Höfe des Klein­adels und der Groß­bau­ern be­sa­ßen oft klei­ne­re Wehr­spei­cher, die meist auf In­seln in Wei­hern stan­den. Auf ei­nem mas­si­ven Un­ter­ge­schoss saß ein her­vor­ra­gen­des Ober­ge­schoss, das die Be­woh­ner auf­neh­men konn­te. Die meis­ten Bei­spie­le sol­cher be­fes­tig­ter Spei­cher­tür­me ha­ben sich in West­fa­len er­hal­ten. Für Fran­ken hat Joa­chim Zeu­ne ei­nen der we­ni­gen ge­si­cher­ten Nach­wei­se ei­nes sol­chen „Mi­nia­tur­berg­frie­des“ er­bracht (Dürrn­hof).

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Berg­fried aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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