Aborterker

Der Ab­ort­er­ker (auch: Ab­trit­ter­ker) ist ein Er­ker, der im Mit­tel­al­ter in ei­ner Burg oder an ei­nem Wohn­ge­bäu­de als Toi­let­te dien­te. Der Ab­ort­er­ker wird oft mit dem Wehr­erker ver­wech­selt.

Eine bau­li­che Va­ri­an­te stell­te der Ab­ort­schacht dar. Die­se wa­ren auch manch­mal auf Schif­fen ge­bräuch­lich; ein Bei­spiel da­für lie­fert das in den 1960er Jah­ren ge­ho­be­ne, kon­ser­vier­te und aus­ge­stell­te Wrack der Vasa, auf de­ren Vor­der­deck zwei Ab­ort­schäch­te vor­han­den sind, die un­ter die Was­ser­li­nie des Schif­fes rei­chen.

Ausführung

Es gab so­wohl ge­mau­er­te als auch höl­zer­ne Ab­ort­er­ker; sie wa­ren meist recht­eckig, konn­ten aber in Ein­zel­fäl­len auch halb­rund sein. Sie ruh­ten auf seit­li­chen Krag­stei­nen oder Kon­so­len. In ei­ner Burg führ­te un­ter­halb des Er­kers oft ein lan­ger höl­zer­ner – ge­le­gent­lich auch ge­mau­er­ter – Schacht die Ex­kre­men­te in den Burg­gra­ben ab.

Abortanlagen im mittelalterlichen Wehrbau

Die ein­fachs­te Art ei­nes Ab­trit­tes be­stand aus ei­ner Gru­be im Erd­reich, die oft nur etwa 30 Zen­ti­me­ter tief ge­we­sen zu sein scheint. In Mit­tel­eu­ro­pa wur­den die­se pri­mi­ti­ven Ab­or­te meist aus­ge­mau­ert oder in den Fels ge­schla­gen. Sol­che An­la­gen ha­ben sich nur noch sel­ten er­hal­ten. Otto Pi­per er­wähn­te in sei­ner Bur­gen­kun­de etwa die Ab­trit­te in den Berg­frie­den der Burg Steins­berg in Ba­den und der würt­tem­ber­gi­schen Burg Mor­stein.

Et­was fort­schritt­li­che­re An­la­gen die­ser Art la­gen in­ner­halb der Au­ßen­mau­er und wa­ren durch ei­nen kur­zen Gang mit dem Ge­bäu­de­in­nen­raum ver­bun­den (Burg Gu­ten­fels, Rhein­land, Burg Spes­burg im Was­gau).

Eine deut­li­che Ver­bes­se­rung der hy­gie­ni­schen Ver­hält­nis­se brach­ten Ab­or­te in Mau­er­ni­schen, de­ren Fall­schäch­te schräg nach au­ßen führ­ten. Die Fä­ka­li­en konn­ten so in den Burg­gra­ben oder ins freie Ge­län­de fal­len, der Schacht muss­te nicht mehr re­gel­mä­ßig ent­leert wer­den.

In ei­ner nächs­ten Ent­wick­lungs­stu­fe sprin­gen die Aus­fluss­öff­nun­gen der Ab­ort­schäch­te über die Mau­er­flä­che vor, der ei­gent­li­che Ab­tritt liegt aber noch in der Mau­er. Am Pa­las der Burg Lie­ben­zell hat sich etwa eine Aus­tritts­öff­nung in der Form ei­nes hal­ben Bie­nen­kor­bes er­hal­ten.

Im Spät­mit­tel­al­ter setz­te sich all­ge­mein der voll aus­ge­bil­de­te Ab­ort­er­ker durch, bei dem der Sitz voll­stän­dig im Er­ker un­ter­ge­bracht ist. Bei vie­len Bur­gen fin­den sich der­ar­ti­ge An­la­gen in über­ra­schen­der An­zahl. Nach Otto Pi­per soll die gro­ße Gan­er­ben­burg Eltz an der Mo­sel gar 14 Ab­ort­er­ker be­ses­sen ha­ben.

Gro­ße Gar­ni­sons­bur­gen wie die An­la­gen des Deut­schen Or­dens be­nö­tig­ten ne­ben den be­schrie­be­nen klei­ne­ren Ab­ort­an­la­gen manch­mal ei­ge­ne Ab­ort­tür­me, die von der ei­gent­li­chen Burg­an­la­ge ab­ge­son­dert wa­ren. Ide­al war hier die An­la­ge ei­nes sol­chen „Dans­kers“ über ei­nem Fließ­ge­wäs­ser. Das auf­wän­digs­te Bei­spiel ei­nes sol­chen Ab­ort­tur­mes ist der Dans­ker in Ma­ri­en­wer­der, der aber in sei­ner er­hal­te­nen Form eine Re­kon­struk­ti­on des 19. Jahr­hun­derts ist.

Sonstiges

Eine un­güns­tig ge­le­ge­ne mit­tel­al­ter­li­che oder früh­neu­zeit­li­che Ab­ort­an­la­ge konn­te ein ge­fähr­li­cher Schwach­punkt der Be­fes­ti­gungs­an­la­gen sein. So dran­gen an­geb­lich 1204 ei­ni­ge Be­la­ge­rer durch den Ab­ort­schacht in den Ka­pel­len­bau der in­ne­ren Vor­burg der Burg Gail­lard an der Sei­ne ein. Der un­glück­li­che Her­zog Gott­fried der Buck­li­ge von Loth­rin­gen wur­de 1076 gar auf dem Ab­tritt er­mor­det. Sein Mör­der stieß ihm an­geb­lich (nach Lam­pert von Hers­feld) ein Schwert durch die Öff­nung des Ab­ort­er­kers in den Un­ter­leib.

Abortanlagen im Wohnbau

In städ­ti­schen Wohn­quar­tie­ren führ­ten Ab­ort­er­ker ent­we­der, auf die Rück­sei­te ei­nes pri­va­ten Grund­stücks, in ei­nen Fluss oder in eine von Fuß­gän­gern nicht oder nur sel­ten ge­nutz­te Gas­se zwi­schen zwei Häu­sern. Dar­aus er­klärt sich auch der Spitz­na­me „Köt­tel­gang“ für enge Gas­sen.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Ab­ort­er­ker aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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