Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff, Gemälde von Johann Joseph Sprick

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff,
Ge­mäl­de von Jo­hann Jo­seph Sprick (1838)

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff (* 12. Ja­nu­ar 1797, nach an­de­ren Quel­len 10. Ja­nu­ar 1797, auf Burg Hüls­hoff bei Müns­ter als Anna Eli­sa­beth Fran­zis­ca Adol­phi­na Wil­hel­mi­na Lu­do­vi­ca Frei­in von Dros­te zu Hüls­hoff; † 24. Mai 1848 auf der Burg Meers­burg in Meers­burg) war eine deut­sche Schrift­stel­le­rin und Kom­po­nis­tin. Sie gilt als eine der be­deu­tends­ten deut­schen Dich­te­rin­nen.

Leben

Herkunft und Bildung

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff stamm­te aus ei­nem der äl­tes­ten Adels­ge­schlech­ter West­fa­lens und ge­hör­te der 20. Ge­nera­ti­on ih­rer Fa­mi­lie an. Sie wur­de als zwei­tes von vier Kin­dern von Cle­mens-Au­gust II. von Dros­te zu Hüls­hoff (1760–1826) und The­re­se von Haxt­hau­sen (1772–1853) am 12. Ja­nu­ar 1797 auf der west­fä­li­schen Was­ser­burg Hüls­hoff zwi­schen Ha­vix­beck und Ro­x­el bei Müns­ter ge­bo­ren. Ih­ren El­tern hat die Dich­te­rin in ih­rem Frag­ment Bei uns zu­lan­de auf dem Lan­de ein li­te­ra­ri­sches Denk­mal ge­setzt. Ihre äl­te­re Schwes­ter Jen­ny war ihre engs­te Ver­trau­te und mal­te meh­re­re Por­traits der Dich­te­rin. Ihr jün­ge­rer Bru­der Wer­ner-Con­stan­tin wur­de der Nach­fol­ger des Va­ters auf dem Guts­be­sitz und der jüngs­te Bru­der Fer­di­nand, ge­ra­de Forst­meis­ter ge­wor­den, ver­starb jung, nach­dem An­net­te ihn hin­ge­bungs­voll ge­pflegt hat­te.

Die Dros­te zu Hüls­hoff wa­ren als Mit­glie­der ei­ner Erb­män­ner­fa­mi­lie nicht nur Rit­ter und Guts­be­sit­zer ge­we­sen, son­dern vie­le hat­ten schon im Mit­tel­al­ter Äm­ter als Bür­ger­meis­ter und Rats­her­ren be­klei­det und trie­ben Han­del in der Han­se­stadt Müns­ter. Zahl­rei­che un­ver­hei­ra­te­te Ver­wand­te wa­ren Dom- und Stifts­her­ren bzw. -da­men. Wäh­rend die männ­li­chen Fa­mi­li­en­mit­glie­der meist Uni­ver­si­täts­bil­dung be­sa­ßen, er­fuhr die weib­li­che Ver­wandt­schaft ihre Bil­dung meist in Ka­no­nis­sen­stif­ten. So hat­te auch An­net­tes Mut­ter seit ih­rem drei­zehn­ten Le­bens­jahr im Ka­no­nis­sen­stift St. Bo­ni­fa­ti­us (Fre­cken­horst) ge­lebt und un­ter der Äb­tis­sin Fran­cis­ca Lu­cia von Korff zu Har­kot­ten und Stör­me­de eine her­vor­ra­gen­de Er­zie­hung er­fah­ren. Wäh­rend ihre Schwes­ter Jen­ny noch Stifts­da­me wer­den konn­te, war die­se Art der Er­zie­hung und ma­te­ri­el­len Ab­si­che­rung we­gen der Auf­he­bung die­ser Ein­rich­tun­gen nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on für An­net­te nicht mehr mög­lich.

An­net­tes El­tern rag­ten aus dem Stifts­adel durch ihre li­te­ra­ri­sche und mu­si­ka­li­sche Bil­dung her­aus – sie hat­ten vor ih­rer Ge­burt in der Stadt Müns­ter ge­lebt, wo sie dem Müns­ter­schen Kreis im Kon­text der ka­tho­li­schen Auf­klä­rung an­ge­hört hat­ten. Zu die­sem Kreis ge­hör­te auch Bern­hard Over­berg; sei­ner – für die da­ma­li­ge Zeit „mo­der­nen“ – Päd­ago­gik, wel­che auch die Bil­dung von Frau­en för­der­te, folg­te die Er­zie­hung der Ge­schwis­ter Dros­te-Hüls­hoff. Die Ver­bin­dung ih­rer Fa­mi­lie zur Li­te­ra­tur üb­ri­gens war be­reits im 16./17. Jahr­hun­dert durch den Hu­ma­nis­ten Ever­win Dros­te und das Mit­glied der frucht­brin­gen­den Ge­sell­schaft, Ever­win von Dros­te zu Möl­len­beck, ent­stan­den. Auch gab es in ih­rer Fa­mi­lie be­reits seit Ge­nera­tio­nen eine Mu­sik­tra­di­ti­on. An­net­te selbst wur­de – zu­sam­men mit ih­ren Ge­schwis­tern – zu­nächst von ih­rer ge­bil­de­ten Mut­ter, dann von ei­nem Haus­ka­plan, der spä­ter Pro­fes­sor am Gym­na­si­um Pau­li­num (Müns­ter) wur­de, und von ei­ner fran­zö­si­schen Kin­der­frau un­ter­rich­tet. Auf die­se Wei­se er­warb das sehr wiss­be­gie­ri­ge Kind eine Bil­dung, die für die da­ma­li­ge Mäd­chen­er­zie­hung au­ßer­ge­wöhn­lich war und z.B. Li­te­ra­tur in la­tei­ni­scher, grie­chi­scher, fran­zö­si­scher und eng­li­scher Spra­che so­wie ge­schicht­li­che, geo­gra­fi­sche und na­tur­kund­li­che Kennt­nis­se um­fass­te.

Lebensstationen

Die Le­bens­span­ne von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff fiel in eine Zeit der po­li­ti­schen Um­brü­che und wirt­schaft­li­cher Ein­schrän­kun­gen, wel­che als Bie­der­mei­er in die Ge­schich­te ein­ging. Auf die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on des Fürst­bis­tums Müns­ter (1803) folg­ten in ih­rer Hei­mat die po­li­ti­schen Herr­schafts­wech­sel zu Preu­ßen (1803–1806 und ab 1815) – un­ter­bro­chen durch das In­ter­mez­zo des na­po­leo­ni­schen Groß­her­zog­tums Berg (1806–1815). Ihr wei­te­res Le­ben ver­brach­te sie in den preu­ßi­schen Pro­vin­zen West­pha­len und Rhein­land, so­wie dem Groß­her­zog­tum Ba­den, wo sie im Re­vo­lu­ti­ons­jahr 1848 starb.

Seit ih­rer Kind­heit und Ju­gend war An­net­te kränk­lich, be­dingt durch ihre frü­he Ge­burt; sie war nur 1,50 m groß und zier­lich ge­wach­sen. Au­ßer­dem war sie ex­trem kurz­sich­tig, hat­te auf­fäl­lig wir­ken­de Au­gen und litt oft un­ter ra­sen­den Kopf­schmer­zen. An­ders als ihre Schwes­ter Jen­ny konn­te sie da­her nur mä­ßig zeich­nen, för­der­te aber Ma­ler und mach­te selbst Sche­ren­schnit­te in be­acht­li­cher Qua­li­tät. Ihre Kurz­sich­tig­keit be­fä­hig­te sie an­de­rer­seits zu ei­ner mi­kro­sko­pisch-ex­ak­ten Nah­be­trach­tung und -be­schrei­bung der Na­tur. Schon seit ih­rer Kind­heit stan­den die ge­sund­heit­li­chen und auch ge­sell­schaft­li­chen Ein­schrän­kun­gen und ihre geis­ti­gen Tä­tig­kei­ten in gro­ßer Span­nung zu ih­rer leb­haf­ten Vor­stel­lungs­kraft und Un­ter­neh­mungs­lust, der „Sehn­sucht in die Fer­ne“.

Schon früh sah An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff ihre Be­ru­fung als Dich­te­rin und ließ sich dar­in nicht be­ir­ren. Auf In­itia­ti­ve ih­rer El­tern wur­de sie in den Jah­ren 1812 bis 1819 von An­ton Mat­thi­as Sprick­mann un­ter­rich­tet und ge­för­dert. Be­son­ders ihre päd­ago­gisch in­ter­es­sier­te Mut­ter er­kann­te ihre Be­ru­fung und un­ter­stütz­te ihre Toch­ter, in­dem sie bei­spiels­wei­se ver­such­te, den Kon­takt mit dem et­was jün­ge­ren Phi­lo­so­phie- und Phi­lo­lo­gie­pro­fes­sor Chris­toph Bern­hard Schlü­ter her­zu­stel­len, was aber zu­nächst miss­lang, da die­ser die zu­ge­sand­ten Ma­nu­skrip­te für nicht aus­rei­chend er­ach­te­te. Schlü­ter wur­de ihr le­bens­lan­ger Men­tor und Freund.

Mit ih­rer Mut­ter und ih­rer Schwes­ter Jen­ny be­such­te An­net­te mehr­fach für län­ge­re Zeit die müt­ter­li­che Fa­mi­lie von Haxt­hau­sen (Adels­ge­schlecht) in Ost­west­fa­len. Dort bil­de­ten ihre da­mals in Göt­tin­gen stu­die­ren­den Stief­on­kel, Wer­ner von Haxt­hau­sen und sein Bru­der Au­gust von Haxt­hau­sen u. a. mit den Brü­dern Grimm den Mit­tel­punkt des Bö­ken­dor­fer Ro­man­ti­ker­kreis. We­der von ih­ren dor­ti­gen Ver­wand­ten, noch von de­ren Freun­den be­kam die jun­ge Dich­te­rin An­er­ken­nung. Zwar fas­zi­nier­te sie, doch schreck­te ihre geis­ti­ge Über­le­gen­heit die­se auch ab, so dass sie kein gu­tes Haar an ih­rer Dich­tung lie­ßen. An­net­te er­litt dort ihre sog. Ju­gend­ka­ta­stro­phe – eine Lie­bes­in­tri­ge, wel­che sie tief er­schüt­ter­te, zu­gleich aber ihre geist­li­chen Ge­dich­te rei­fen ließ. Da­nach ver­brach­te sie ihre Ju­gend­jah­re zu­rück­ge­zo­gen in ih­rem El­tern­haus Hüls­hoff.

Annette von Droste-Hülshoff, Daguerreotypie. Eine

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff, Da­guer­reo­ty­pie. Eine von zwei 1845 ent­stan­de­nen Fo­to­gra­fi­en der Dich­te­rin.

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff war eine geist­rei­che, hu­mor­vol­le und un­ter­hal­ten­de Ge­sprächs- und Kor­re­spon­denz­part­ne­rin, führ­te je­doch meist ge­zwun­ge­ner­ma­ßen ein zu­rück­ge­zo­ge­nes und ein­ge­eng­tes Le­ben. We­gen ih­rer ge­sund­heit­li­chen Ein­schrän­kun­gen und der nö­ti­gen Ruhe für ihre Ar­beit wich sie zu­neh­mend Rei­se­plä­nen ih­rer Mut­ter aus, wel­che haupt­säch­lich aus­ge­dehn­te Fa­mi­li­en­be­su­che zum Ziel hat­ten. Zwar konn­te die Dich­te­rin bei ih­ren Rei­sen ent­lang des Rhei­nes schon die ers­ten Dampf­schif­fe und Ei­sen­bah­nen be­nut­zen, doch muss­ten die üb­ri­gen Stre­cken auf teil­wei­se schlech­ten Stra­ßen müh­sam mit der Kut­sche zu­rück­ge­legt wer­den. Eine ers­te grö­ße­re und län­ge­re Rei­se al­lein führ­te sie 1825, ein Jahr vor dem Tod ih­res Va­ters, an den Rhein nach Köln, wo sie die Bi­blio­thek ih­res Stief­on­kels Wer­ner von Haxt­hau­sen ord­ne­te und von wo aus sie Tanz­bäl­le be­such­te – ihre Fa­mi­lie hoff­te nach der Schlie­ßung der Da­men­stif­te, sie durch eine Ver­hei­ra­tung ma­te­ri­ell ab­zu­si­chern, doch er­gab sich das nicht. Von Köln aus be­such­te sie – län­ger, als mit ih­rer Fa­mi­lie ver­ein­bart war – Bonn und Ko­blenz. In Bonn, wo ihr Lieb­lings-Vet­ter Cle­mens-Au­gust von Dros­te zu Hüls­hoff leb­te, lern­te sie Si­byl­le Mer­tens-Schaaff­hau­sen ken­nen; zu de­ren Freun­des­kreis zähl­ten au­ßer An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff Jo­han­na und Ade­le Scho­pen­hau­er so­wie Goe­thes Schwie­ger­toch­ter Ot­ti­lie. In Bonn, das sie bis 1842 mehr­fach be­such­te, be­geg­ne­te An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff au­ßer­dem Au­gust Wil­helm Schle­gel, des­sen sprich­wört­li­che Ei­tel­keit sie je­doch ab­stieß.

Nach dem Tod ih­res Va­ters 1826 wur­de der Fa­mi­li­en­be­sitz von ih­rem Bru­der Wer­ner-Con­stan­tin über­nom­men, so­dass sie und ihre äl­te­re Schwes­ter Jen­ny mit ih­rer Mut­ter auf de­ren Wit­wen­sitz über­sie­del­ten, das Haus Rüsch­haus bei Gie­ven­beck. Dort be­wohn­te An­net­te mit ih­rer Amme, wel­che die Dich­te­rin per­sön­lich bis zu de­ren Tode dort pfleg­te, eine klei­ne Woh­nung, wel­che sie ihr „Schne­cken­haus“ nann­te. An­net­te be­zog, wie ihre Mut­ter und ihre Schwes­ter Jen­ny, eine Apa­na­ge von ih­rem Bru­der Wer­ner-Con­stan­tin, von wel­cher sie al­ler­dings ein Kost­geld an ihre Mut­ter so­wie Rei­se­kos­ten be­zah­len muss­te. Ihre Ver­sor­gung, die – über­tra­gen auf heu­ti­ge Ver­hält­nis­se – un­ge­fähr dem Ge­halt ei­nes Volkschul­leh­rers ent­sprach, reich­te bei spar­sa­mer Le­bens­wei­se zu ih­rem Un­ter­halt und auch zu ei­ner ge­wis­sen Wohl­tä­tig­keit aus. Auch konn­te An­net­te ihre Lieb­ha­be­rei, das Sam­meln von Fos­si­li­en, Mün­zen und An­ti­qui­tä­ten be­tä­ti­gen, die in der Ver­wandt­schaft ge­tauscht wur­den. In dem da­mals ab­ge­le­ge­nen, noch von Hei­de (Land­schaft) um­ge­be­nen Ge­höft ent­stand z. B. ihre be­rühm­te Ju­den­bu­che.

Be­deu­tend für ihr li­te­ra­ri­sches Wir­ken wa­ren ihre Rei­sen an den Bo­den­see, wo sie zu­nächst zu­sam­men mit der Mut­ter ihre Schwes­ter Jen­ny be­such­te, die den Frei­herrn Jo­seph von Laß­berg („Sepp von Ep­pis­hu­sen“) ge­hei­ra­tet hat­te, ei­nen Samm­ler und Er­for­scher mit­tel­al­ter­li­cher Li­te­ra­tur und Freund zahl­rei­cher Phi­lo­lo­gen und Dich­ter. 1835/36, wäh­rend der Schwan­ger­schaft ih­rer Schwes­ter, leb­te sie fast ein Jahr in der Schweiz auf dem da­ma­li­gen Be­sitz ih­res Schwa­gers, Schloss Ep­pis­hau­sen. Ab 1841 wohn­te sie vor­wie­gend bei ih­nen auf Schloss Meers­burg am Bo­den­see, sah ihr Zu­hau­se aber bis 1846 im Rüsch­haus bei Nien­ber­ge, wo sie bei ih­rer Mut­ter wohn­te, die­se auch ge­le­gent­lich in der Haus­hal­tung un­ter­stütz­te und im­mer wie­der ihre Nef­fen und Nich­ten in Burg Hüls­hoff und Haus Sta­pel un­ter­rich­te­te.

Auf Schloss Meers­burg hat­te die Dich­te­rin eine ab­ge­trenn­te Woh­nung, zu der auch ein Turm ge­hör­te, von dem aus sie ei­nen wei­ten Blick über den Bo­den­see ge­noss. Dort hielt ihr ihre Schwes­ter den Rü­cken frei von ge­sell­schaft­li­chen Ver­pflich­tun­gen, an­de­rer­seits war sie in de­ren Fa­mi­lie ge­bor­gen, zu der auch zwei Zwil­lings­kin­der ge­hör­ten. Sie und ihr Schwa­ger Jo­seph von Laß­berg schätz­ten sich zwar, er und die bei ihm ver­keh­ren­den Ger­ma­nis­ten und His­to­ri­ker leb­ten al­ler­dings geis­tig „in ei­ner an­de­ren Welt“.

Durch die Ver­mitt­lung ih­res jün­ge­ren Freun­des und För­de­re­rers Le­vin Schücking konn­te An­net­te vom Ho­no­rar der Cotta’schen Ver­lags­buch­hand­lung für den Ab­druck der Ju­den­bu­che bei ei­ner Ver­stei­ge­rung am 17. No­vem­ber 1843 ein Haus, das Fürs­ten­häus­le er­wer­ben, in Aus­sichts­la­ge ober­halb der Stadt Meers­burg mit ei­nem klei­nen da­zu­ge­hö­ri­gen Wein­berg. Sie freu­te sich sehr dar­über, konn­te es aber we­gen ih­rer ab­neh­men­den Ge­sund­heit kaum mehr rich­tig ge­nie­ßen. Am Nach­mit­tag des 24. Mai 1848 ver­starb An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff in ih­rer Woh­nung auf Schloss Meers­burg am Bo­den­see, ver­mut­lich an ei­ner schwe­ren Lun­gen­ent­zün­dung. Ihr Grab be­fin­det sich auf dem Fried­hof Meers­burg in Meers­burg nahe der al­ten Fried­hofs­ka­pel­le.

Droste-Hülshoff als Schriftstellerin

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff las seit frü­her Ju­gend viel und war gut über die deutsch-, eng­lisch- und fran­zö­sisch­spra­chi­ge Li­te­ra­tur und die ak­tu­el­len li­te­ra­ri­schen Dis­kur­se in­for­miert. Sie war eine eif­ri­ge Kun­din der Bü­cher­ver­lei­her und Mit­glied ei­nes li­te­ra­ri­schen Sa­lons in Müns­ter, der sog. He­cken­schrift­stel­ler-Ge­sell­schaft, den ihre enge Freun­din Eli­se Rü­di­ger ge­grün­det hat­te und dem auch ihr li­te­ra­ri­scher Zieh­sohn Le­vin Schücking an­ge­hör­te. Zwar stand sie in brief­li­chem Kon­takt mit in­tel­lek­tu­el­len Zeit­ge­nos­sen, sie ent­zog sich aber nie­mals den An­for­de­run­gen ih­rer Fa­mi­lie, etwa wenn sie im­mer wie­der als Kran­ken­pfle­ge­rin her­an­ge­zo­gen wur­de. Ihr Brief­wech­sel in­ner­halb und au­ßer­halb ih­rer Fa­mi­lie ent­hält vie­le li­te­ra­ri­sche Kost­bar­kei­ten. Da sie stän­dig selbst krän­kel­te, stan­den für sie ein Bruch mit der Fa­mi­lie oder der Ver­such, durch ihre Schrift­stel­le­rei ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu ver­die­nen, nie zur De­bat­te. Sie lehn­te die An­pas­sung an Mo­de­strö­mun­gen und Be­mü­hun­gen um Be­kannt­heit ab, sie war selbst­be­wusst ge­nug, ih­ren Nach­ruhm vor­aus­zu­se­hen.

Als An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff 1838 bei Aschen­dorff ih­ren ers­ten Ge­dicht­band – aus Rück­sicht auf ihre Fa­mi­lie halb an­onym – ver­öf­fent­lich­te, war dies ein Miss­erfolg. Sie blieb je­doch ih­rer Be­ru­fung treu, nahm ihre li­te­ra­ri­sche Ar­beit sehr ernst und war sich be­wusst, gro­ße Kunst zu schaf­fen. Ihre Bal­la­den wur­den be­rühmt (Der Kna­be im Moor) wie auch ihre No­vel­le Die Ju­den­bu­che, die in vie­le Welt­spra­chen über­setzt und ver­filmt wur­de. Noch heu­te be­deu­tend ist auch ihre Ly­rik. Die Na­tur des Müns­ter­lan­des, der Bo­den­see mit den Al­pen und die ge­schichts­träch­ti­gen Orte, an de­nen ihr Schaf­fen statt­fand, wirk­ten in­spi­rie­rend auf die Dich­te­rin und wur­den oft von ihr li­te­ra­risch ver­ar­bei­tet. Durch ihre ein­dring­li­chen Na­tur­schil­de­run­gen wird sie noch heu­te als „die“ Dich­te­rin West­fa­lens und auch des Bo­den­sees wahr­ge­nom­men.

Sie gilt zwar seit dem Kul­tur­kampf als ka­tho­li­sche Dich­te­rin, je­doch war ihr kon­fes­sio­nel­le Enge ein Gräu­el – vie­le ih­rer na­hen Be­kann­ten und auch Ver­wand­ten wa­ren evan­ge­lisch. Sie setz­te sich auch mit re­li­gi­ons­kri­ti­schen Schrif­ten z. B. von Lud­wig Feu­er­bach aus­ein­an­der. Ein wich­ti­ges Do­ku­ment tie­fer Re­li­gio­si­tät ist ihr Ge­dicht­zy­klus Das geist­li­che Jahr, in dem aber – ty­pisch für die Zeit – auch die Zer­ris­sen­heit des Men­schen zwi­schen auf­ge­klär­tem Be­wusst­sein und re­li­giö­ser Gläu­big­keit ge­stal­tet wird. An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff legt dort für je­den Tag des Kir­chen­jah­res ein Ge­dicht vor, was sie als eine ernst­haft um ih­ren Glau­ben rin­gen­de prak­ti­zie­ren­de Ka­tho­li­kin zeigt. Sie wid­me­te den ers­ten Teil die­ses Wer­kes ih­rer Mut­ter mit ei­ner Wid­mung, wel­che vor­her­sah, dass ihre in­ne­ren Kämp­fe von die­ser nicht voll ver­stan­den wer­den wür­den. Man­che An­deu­tun­gen in die­sem Werk wer­den heu­te auch als au­to­bio­gra­phisch er­ach­tet, da sie über 20 Jah­re lang an dem ge­sam­ten Zy­klus ar­bei­te­te.

Mit dem o. g. we­sent­lich jün­ge­ren Li­te­ra­ten und Li­te­ra­tur­kri­ti­ker Le­vin Schücking ver­band sie seit 1837 eine Dich­ter­freund­schaft. Er war der Sohn der Dich­te­rin und Freun­din ih­rer El­tern Ka­tha­ri­na Si­byl­la Schücking, die starb, als Schücking ca. 17 Jah­re alt war. An­net­te ver­half dem Ju­ra­stu­den­ten zum Durch­bruch, in­dem sie ihm an­onym ihre Tex­te für das von ihm mit Frei­li­grath ver­fass­te Werk Das ma­le­ri­sche und ro­man­ti­sche West­pha­len über­ließ. Durch An­net­te von Dros­te-Hüls­hoffs Ver­mitt­lung wur­de er 1841 bei ih­rem Schwa­ger auf Burg Meers­burg Bi­blio­the­kar. Ins­be­son­de­re un­ter der In­spi­ra­ti­on ih­rer müt­ter­li­chen Lie­be und sei­ner li­te­ra­ri­schen Kennt­nis­se, die zu der sog. „Dich­ter­wet­te“ führ­ten, ent­stand in Meers­burg ein Groß­teil der „welt­li­chen“ Ge­dich­te. Die Ab­rei­se von Schücking 1842, der wei­te­re be­ruf­li­che Ent­wick­lung such­te und die Dich­te­rin Loui­se von Gall hei­ra­te­te, traf sie eben­so emp­find­lich, wie In­dis­kre­tio­nen über den Adel, die er in sei­nem Werk Die Rit­ter­bür­ti­gen ver­ar­bei­te­te. So kam es – auch auf Druck ih­rer Fa­mi­lie – zum Bruch der Be­zie­hung mit ih­rem Freund und För­de­rer.

Das Werk von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff ge­hört li­te­ra­tur­ge­schicht­lich an­fangs noch der Ro­man­tik, z. B. mit der Ju­den­bu­che aber schon dem Rea­lis­mus an. Die gro­ße Dich­te­rin woll­te nicht zu ih­ren Leb­zei­ten be­rühmt wer­den, son­dern „nach hun­dert Jah­ren noch ge­le­sen“. In ih­rer – fast mo­dern zu nen­nen­den – See­len­schau, in ih­rer Op­fer­be­reit­schaft, in ih­rem Selbst­be­wusst­sein und in ih­rer ge­stal­te­ri­schen Kraft über­traf sie vie­le Zeit­ge­nos­sen und -ge­nos­sin­nen und wur­de so bis heu­te zum Vor­bild vie­ler Frau­en. Bis in die heu­ti­ge Zeit wird sie (nicht nur im Schul­un­ter­richt) ge­le­sen, son­dern ihr Le­ben und Werk in­spi­riert zeit­ge­nös­si­sche Au­toren und be­son­ders Au­torin­nen. Die Viel­schich­tig­keit ih­rer Per­sön­lich­keit und ih­res Wer­kes bie­tet An­satz­punk­te für psy­cho­lo­gi­sche und pa­ra­psy­cho­lo­gi­sche In­ter­pre­ta­tio­nen, aber auch für Fehl­deu­tun­gen im Licht zeit­ge­nös­si­scher Ideo­lo­gi­en. Die Dros­te bleibt letzt­lich ein nie ganz aus­schöpf­ba­res ge­nia­les Dich­ter­phä­no­men.

Droste-Hülshoff als Musikerin und Komponistin

An­net­tes Wer­de­gang zu ei­ner der be­deu­tends­ten Schrift­stel­le­rin­nen ging zu­nächst mit dem ei­ner Mu­si­ke­rin und Kom­po­nis­tin ein­her. Ihr Wir­ken als Kom­po­nis­tin wur­de lan­ge Zeit ver­drängt oder ver­ges­sen. Da­bei stan­den ihre Mu­sik und ihr Dich­ten zu­nächst mit­ein­an­der in Wech­sel­wir­kung.

An­net­tes El­tern wa­ren of­fen für Mu­sik, ihr Va­ter war selbst pas­sio­nier­ter Vio­li­nist. Im Stamm­sitz der Dros­te-Hüls­hoffs auf Burg Hüls­hoff be­fin­det sich noch heu­te eine an­sehn­li­che No­ten- und Mu­sik­ma­te­ria­li­en-Samm­lung, die für das häus­li­che Mu­si­zie­ren im Fa­mi­li­en­kreis un­er­läss­lich war. Die Kin­der der Fa­mi­lie wur­den oft in Kon­zert- und Mu­sik­thea­ter­ver­an­stal­tun­gen mit­ge­nom­men und mit der zeit­ge­nös­si­schen Mu­sik ver­traut ge­macht. An­net­tes On­kel Ma­xi­mi­li­an-Fried­rich von Dros­te zu Hüls­hoff war selbst Kom­po­nist und Freund Jo­seph Haydns. Ab 1809 er­hielt An­net­te Kla­vier- und Or­gel­un­ter­richt. Sie wur­de oft ge­be­ten, vor­zu­spie­len oder an­de­re am Kla­vier zu be­glei­ten – so per­fek­tio­nier­te sie nach und nach ihr Kön­nen. 1812 schrieb ihre Mut­ter The­re­se be­geis­tert, dass sich die Toch­ter „mit al­ler Hef­tig­keit ih­res Cha­rak­ters auf’s Com­po­nie­ren ge­wor­fen“ habe.

1820 gab An­net­te ihr ers­tes öf­fent­li­ches ge­sang­li­ches Kon­zert in Höx­ter. Erst spät, zwi­schen 1824 und 1831, er­hielt An­net­te auch Ge­sangs­un­ter­richt. Über ihre Stim­me wur­de be­rich­tet, sie sei „voll, aber oft zu stark u. grell, geht aber sehr tief, u. ist dann am an­ge­nehms­ten“. Aus Köln wird be­rich­tet, dass sie eine bes­se­re Stim­me als An­ge­li­ca Ca­ta­la­ni (1780–1849) ge­habt habe, die als eine der bes­ten So­pra­nis­tin­nen ih­rer Zeit galt. An­net­te gab auch an­de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­dern Un­ter­richt in Ge­sang und am Kla­vier.

1821 be­kam An­net­te von ih­rem On­kel Ma­xi­mi­li­an eine Aus­ga­be sei­ner Kom­po­si­ti­ons­leh­re Ei­ni­ge Er­klä­run­gen über den General=Baß und die Ton­setz­kunst über­haupt ge­schenkt, wor­über sie freu­dig schreibt: „Was folgt dar­aus? Dass ich aus Dank­bar­keit das gan­ze Werk von An­fang bis zu Ende durch­stu­die­re und aus­wen­dig ler­ne!“ Op­ti­mal vor­be­rei­tet – auch durch das Stu­di­um zeit­ge­nös­si­scher Mu­sik­schrif­ten und Kom­po­si­tio­nen – be­gann An­net­te zu kom­po­nie­ren. Zu vier Opern­pro­jek­ten ent­stan­den mehr oder we­ni­ger aus­ge­führ­te Li­bret­ti und Mu­sik. 1836 wur­de sie wäh­rend ei­nes Auf­ent­hal­tes im Schwei­ze­ri­schen Ep­pis­hau­sen auf das Loch­a­mer Lie­der­buch auf­merk­sam ge­macht und an­ge­regt, die dar­in ent­hal­te­nen Lie­der für Sing­stim­me und Kla­vier zu be­ar­bei­ten. So ha­ben sich rund 74 Lie­der aus ih­rer Fe­der er­hal­ten, die sich ganz auf die Ge­bo­te der da­ma­li­gen Lie­der­schu­len be­ru­fen und sich durch ihre leich­te und ein­gän­gi­ge Sang­bar­keit aus­zeich­nen.

Denkmal für Annette von Droste-Hülshoff im Garten von Burg Hülshoff

Denk­mal für An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff im Gar­ten von Burg Hüls­hoff

Mit Cla­ra Schu­mann und Ro­bert Schu­mann stand An­net­te in brief­li­chem Kon­takt: 1845 bat die be­rühm­te Pia­nis­tin und Kom­po­nis­tin An­net­te um ein Li­bret­to, da­mit es ihr Mann ver­to­nen kön­ne. Ro­bert selbst hat­te be­reits ein Ge­dicht von An­net­te (Das Hir­ten­feu­er, op. 59,5) in Mu­sik ge­setzt, das 1844 in ei­ner Ge­dicht­samm­lung er­schie­nen war, die er sehr schätz­te.

An­net­te spiel­te ihre ei­ge­nen Wer­ke nie öf­fent­lich. Erst 1877 kam ihr Wir­ken als Kom­po­nis­tin ans Licht, als Chris­toph Bern­hard Schlü­ter (1801–1884) ei­ni­ge Wer­ke aus dem Nach­lass der Dich­te­rin ver­öf­fent­li­chen ließ (Lie­der mit Pia­no­for­te-Be­glei­tung. Com­po­nirt von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff). Er setz­te ihr auch im Ne­kro­log von 1848 ein Denk­mal, in­dem er „ihr gro­ßes Ta­lent für Ge­sang und Mu­sik“ her­vor­hob und auch, dass sie die „sel­tens­te Gabe“ be­saß, „Poe­sie in Mu­sik und Mu­sik in Poe­sie zu über­set­zen“. Erst im 20. Jahr­hun­dert wur­de ihr Nach­lass kom­plett ge­sich­tet und so­mit auch ihre Mu­sik ein­ge­hen­der un­ter­sucht.

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff ver­knüpf­te ihre mu­si­ka­li­sche Be­ga­bung mit ei­nem ho­hen An­spruch, was aber auch zu ei­nem Kon­flikt mit ih­ren li­te­ra­ri­schen Am­bi­tio­nen führ­te: „… das Opern­text­schrei­ben ist et­was gar zu Kläg­li­ches und Hand­werks­mä­ßi­ges.“ Letzt­lich hat sich An­net­te für die Poe­sie ent­schie­den – die Mu­sik trat in den Hin­ter­grund. Ihr (mu­si­ka­li­scher) Nach­lass be­fin­det sich heu­te als Dau­er­leih­ga­be in der Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Müns­ter.

Porträts und Fotografien

Ihre Schwes­ter Jen­ny mal­te meh­re­re Por­träts der Dich­te­rin. Eine Mi­nia­tur, die 1820 von Jen­ny ge­schaf­fen wor­den war, dien­te spä­ter als Vor­la­ge für die Ge­stal­tung der vier­ten Se­rie der 20-DM-Bank­no­te mit ih­rer be­rühm­ten Schwes­ter. Als Ju­gend­li­che war An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff um 1818 auch von C. H. N. Op­per­mann ge­malt wor­den.

Ne­ben ei­ner Zeich­nung von Ade­le Scho­pen­hau­er aus dem Jahr 1840 exis­tie­ren vie­le Ge­mäl­de von Jo­hann Jo­seph Sprick (1808–1842), den sie häu­fi­ger fi­nan­zi­ell un­ter­stütz­te.

Fo­to­gra­fisch por­trä­tiert wur­de sie von Fried­rich Hundt, durch den Da­guer­reo­ty­pi­en von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff der Nach­welt er­hal­ten blie­ben.

Ehrungen

Vorderseite des 20 DM-Scheins

Vor­der­sei­te des 20 DM-Scheins

Ne­ben der be­reits er­wähn­ten 20-DM-Bank­no­te war An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff auch als Mo­tiv auf zwei deut­schen Brief­mar­ken-Dau­er­se­ri­en zu se­hen: ab 1961 im Rah­men der Se­rie Be­deu­ten­de Deut­sche so­wie ab 2002 im Rah­men der Se­rie Frau­en der deut­schen Ge­schich­te.

Der An­net­te-von-Dros­te-Hüls­hoff-Preis, der As­te­ro­id (12240) Dros­te-Hüls­hoff so­wie der Dros­te-Preis der Stadt Meers­burg wur­den nach ihr be­nannt. Meh­re­re Schu­len füh­ren ih­ren Na­men.

Im Gar­ten von Burg Hüls­hoff be­fin­det sich ein Denk­mal von An­ton Rül­ler und Hein­rich Flei­ge aus dem Jahr 1896. Das Denk­mal dien­te als Vor­la­ge für eine Büs­te, die sich heu­te in der Nähe der Burg Meers­burg be­fin­det. Sie wur­de kurz da­nach von Emil Sta­del­ho­fer ge­fer­tigt.

Annette von Droste-Hülshoff in ihrem 32. Lebensjahre

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff in ih­rem 32. Le­bens­jah­re

Der Dros­te-Stein im Kö­nigs­lau ei­nem Wald in der Nähe von Bö­ken­dorf wur­de im Jahr 1964 zur Er­in­ne­rung an An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff er­rich­tet. Der Hin­weis auf den Stand­ort der Ju­den­bu­che be­ruht auf ei­nem Irr­tum. Der Mord an dem Ju­den Soist­mann Be­rend aus Oven­hau­sen am 10. Fe­bru­ar 1783, der die Dros­te zu ih­rer No­vel­le Die Ju­den­bu­che an­reg­te, ge­schah am Süd­hang des Ber­ges auf dem Wald­weg von Bö­ken­dorf nach Oven­hau­sen.

Im Müns­te­ra­ner Tat­ort brin­gen die Au­toren im­mer wie­der eine Hom­mage an Dros­te-Hüls­hoff un­ter, etwa in Fol­ge 511 (Der dunk­le Fleck, 2002), an de­ren An­fang die Bal­la­de Der Kna­be im Moor ge­bracht wird, oder in Fol­ge 659 (Ruhe sanft!, 2007), in der in ei­ner nächt­li­chen Fried­hofs­sze­ne Die tote Ler­che re­zi­tiert wird. Der Kon­stan­zer Tat­ort wid­me­te 2015 die 935. Fol­ge Châ­teau Mort dem Hoch­zeits­wein der An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff

In Ro­x­el wur­de eine Stra­ße nach An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff be­nannt. Zu­dem wird der Stadt­teil Müns­ters am Orts­ein­gangs­schild als Ge­burts­ort der Dich­te­rin be­wor­ben. Im Juni 2012 wur­de be­kannt, dass die Ge­mein­de Ha­vix­beck, der nach der kom­mu­na­len Neu­ord­nung im Jah­re 1975 die Burg Hüls­hoff zu­ge­schla­gen wur­de, pla­ne, ihre Orts­ein­gangs­schil­der mit dem Zu­satz „Ha­vix­beck – Ge­burts­ort der An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff“ zu ver­se­hen, was in Ro­x­el als „Ge­schichts­ver­fäl­schung“ kri­ti­siert wur­de.

Literarische Rezeption

Die Dros­te“ war und ist Ge­gen­stand zahl­rei­cher li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­li­cher Stu­di­en, die ins­be­son­de­re durch die An­net­te-von-Dros­te-Ge­sell­schaft und die Dros­te-For­schungs­stel­le des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe ge­för­dert wer­den. Ihr li­te­ra­ri­sches und mu­si­ka­li­sches Werk so­wie ihre Kor­re­spon­denz sind durch eine his­to­risch-kri­ti­sche Werk­aus­ga­be und die Dros­te-Jahr­bü­cher gut er­schlos­sen. Ihr An­denken als be­deu­tends­te Dich­te­rin des 19. Jahr­hun­derts und eine der frü­hes­ten und wich­tigs­ten deutsch­spra­chi­gen Dich­te­rin­nen wird auch durch die Dros­te-Mu­se­en an ih­ren Wir­kungs­stät­ten, durch Dros­te-Li­te­ra­tur­prei­se, durch die An­net­te von Dros­te zu Hüls­hoff-Stif­tung mit ih­rem cen­ter for li­te­ra­tu­re auf Burg Hüls­hoff, durch zahl­rei­che Schu­len mit ih­rem Na­men und durch Ro­ma­ne und Fil­me mit Be­zug zu ih­rem Le­ben und Schaf­fen ak­tu­ell ge­hal­ten.

Schrift­stel­ler wie z. B. Ger­trud von le Fort, Rein­hold Schnei­der und Wer­ner Ber­gen­gru­en, schätz­ten An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff.

Sa­rah Kirsch drückt in ih­rem Ge­dicht Der Dros­te wür­de ich ger­ne Was­ser rei­chen ihre Be­wun­de­rung für die Kol­le­gin aus, mit der sie, die „Spät­ge­bo­re­ne“, „gluck­send übers Moor“ geht, und in­ter­pre­tiert die Be­zie­hung Dros­te-Hüls­hoffs zu Le­vin Schücking (Ihr Le­win, Bei­de lie­ben wir den Küh­nen).

Mit dem Le­ben der Dros­te be­fas­sen sich meh­re­re bio­gra­fi­sche Ro­ma­ne. Ka­ren Duve z. B. er­zählt mit Fräu­lein Net­tes kur­zer Som­mer, er­schie­nen 2018, in Ro­man­form mit de­tail­rei­chem Blick auf das fa­mi­liä­re Um­feld und das Mi­lieu der jun­gen Spät­ro­man­ti­ker von ei­ner kur­zen Pha­se im Le­ben der 20-jäh­ri­gen Dros­te-Hüls­hoff, die sich als tief­grei­fen­de Zä­sur prä­gend auf ihr wei­te­res Le­ben und Werk aus­wirk­te.

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff reg­te auch das schrift­stel­le­ri­sche Ta­lent spä­te­rer Mit­glie­der ih­rer Fa­mi­lie an: Ihr Nef­fe Fer­di­nand von Dros­te zu Hüls­hoff, ihr Pa­ten­kind Eli­sa­beth von Dros­te zu Hüls­hoff, ihre Nich­te The­re­se Dahn, ihr Groß­nef­fe Hein­rich von Dros­te zu Hüls­hoff, des­sen Toch­ter Ma­ria An­nun­zia­ta und ihr Ur-Ur­groß­nef­fe Wil­de­rich von Dros­te zu Hüls­hoff (u. a. Ver­fas­ser des Bu­ches An­net­te v. Dros­te-Hüls­hoff im Span­nungs­feld ih­rer Fa­mi­lie) pu­bli­zier­ten bzw. pu­bli­zie­ren bel­le­tris­tisch.

Droste-Museen

  • Burg Hüls­hoff bei Ha­vix­beck
  • Haus Rüsch­haus, Müns­ter
  • Fürs­ten­häus­le, Meers­burg
  • Burg Meers­burg, Meers­burg

Archive und Stiftungen

Im West­fä­li­schen Li­te­ra­tur­ar­chiv des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe (LWL) wer­den Ar­beits­ma­nu­skrip­te und Rein­schrif­ten aus dem „Meers­bur­ger Nach­lass“ der An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff auf­be­wahrt und di­gi­ta­li­siert.

Am 28. Sep­tem­ber 2012 wur­de die An­net­te von Dros­te zu Hüls­hoff-Stif­tung of­fi­zi­ell an­er­kannt. Sie will das Ge­burts­haus der Dich­te­rin auf Burg Hüls­hoff bei Ha­vix­beck dau­er­haft für die öf­fent­li­che Nut­zung er­hal­ten. Dar­über hin­aus wer­den li­te­ra­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen, Aus­stel­lun­gen und For­schungs­vor­ha­ben ge­för­dert.

Werke

Dichtungen

  • Ge­dich­te. Aschen­dorff­sche Buch­hand­lung, Müns­ter 1838.
    • Hos­piz auf dem gro­ßen Sankt Bern­hard (Epos, 1828–1833)
    • Des Arz­tes Ver­mächt­nis (Epos, 1834)
    • Die Schlacht vom Loe­ner Bruch A. 1623 (Epos, 1837/38)
    • Der Sän­tis
    • Am Wei­her
    • Der Graf von Thal
    • Frag­ment
  • Die Ju­den­bu­che. (No­vel­le er­schie­nen in der Zeit­schrift Mor­gen­blatt für ge­bil­de­te Le­ser.) 1842.
  • Ge­dich­te. Cot­ta, Stutt­gart und Tü­bin­gen 1844. (Di­gi­ta­li­sat und Voll­text im Deut­schen Text­ar­chiv; Voll­text nach der Aus­ga­be Liech­ten­stein­ver­lag, Va­duz 1948 auf Gu­ten­berg-DE)
    • Zeit­bil­der (1841–1843)
    • Hai­de­bil­der (1842)
      • Der Kna­be im Moor (Bal­la­de, 1842)
    • Fels, Wald und See (1841–1843)
      • Am Thur­me
      • Das öde Haus
      • Im Moo­se
    • Ge­dich­te ver­schie­de­nen In­halts
      • Die Ta­xus­wand (1841)
      • Das Spie­gel­bild (1842)
      • Al­ten Pfar­rers Wo­che
      • Das Ese­lein
      • Die bes­te Po­li­tik
    • Scherz und Ernst
    • Bal­la­den (1840–1842)
      • Die Ver­gel­tung
      • Die Ven­det­ta
      • Der Fun­d­a­tor
      • Die Schwes­tern
      • Der Tod des Erz­bi­schofs En­gel­bert von Köln
      • Das Fe­ge­feu­er des west­fä­li­schen Adels
      • Die Stif­tung Cap­pen­bergs
      • Kurt von Spie­gel
      • Das Fräu­lein von Ro­den­schild
      • Der Spi­ri­tus des Roß­täu­schers
  • Mon­des­auf­gang (Ge­dicht, 1844)
  • Im Gra­se (Ge­dicht, 1844)
  • West­fä­li­sche Schil­de­run­gen. (1845)
  • Das geist­li­che Jahr. (Ge­dicht-Zy­klus), 1818–1820 / 1839–1840 (gutenberg.spiegel.de).
    • Am letz­ten Tag des Jah­res (Sil­ves­ter)
  • Letz­te Ga­ben. Nach­ge­las­se­ne Blät­ter. Hrsg. v. Le­vin Schücking. Rümp­ler; Grim­pe, Han­no­ver 1860. (Di­gi­ta­li­sat und Voll­text im Deut­schen Text­ar­chiv; Voll­text nach der Aus­ga­be Liech­ten­stein­ver­lag, Va­duz 1948 auf Gu­ten­berg-DE)
  • Jo­seph. Eine Kri­mi­nal­ge­schich­te. Frag­ment, ge­schrie­ben 1845, ver­öf­fent­licht 1886.
  • Bei uns zu Lan­de auf dem Lan­de. (Frag­ment, Nach­lass), 1862.
  • Brie­fe von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff und Phil­ipp W..
  • Win­fried Woes­ler (Hrsg.): His­to­risch-kri­ti­sche Aus­ga­be. Wer­ke, Brief­wech­sel. 13 Bän­de in 25 Teil­bän­den. Nie­mey­er, Tü­bin­gen 1978–2000.

Musikwerke (Auswahl)

Annette von Droste-Hülshoff mit Heinrich Straube und August von Arnswaldt, zeitgenössische Karikatur

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff mit Hein­rich Strau­be und Au­gust von Arns­waldt, zeit­ge­nös­si­sche Ka­ri­ka­tur

  • 15 Lie­der für Sing­stim­me und Kla­vier (etwa bis Herbst 1838), in Rein­schrift zu­sam­men­ge­fasst.
  • Min­ne­lie­der, 5 Lie­der für das­sel­be (vor 1834)
  • 8 Ein­zel­lie­der für dass.
  • 4 Lied­frag­men­te für dass.
  • 4 mehr­stim­mi­ge Lie­der
  • Loch­a­mer Lie­der­buch für Sing­stim­me und Kla­vier (1836, Be­ar­bei­tung)
  • Mat­thi­as Bo­nitz: Was bleibt für So­pran, Cel­lo Kla­vier (U.A. 2015 Müns­ter)
  • Mat­thi­as Bo­nitz: Der Wei­her für Mez­zo­so­pran und Cel­lo­quar­tett (U.A. 2014, Dros­te Tage Burg Hüls­hoff)
  • Mat­thi­as Bo­nitz: Mon­des­auf­gang für Mezzosopran,Violine,Cello,Harfe (U.A.2015, Dros­te Tage Burg Hüls­hoff)
  • Mat­thi­as Bo­nitz: Durch­wach­te Nacht für Mezzosopran,Violine,Cello,Harfe (U.A. 2016, Dros­te Tage Burg Hüls­hoff)

Musikalische Bühnenwerke

  • Ba­bi­lon (nach Ba­by­lon von Fried­rich de la Mot­te Fou­qué), 3 Idyl­len aus dem Frau­en­ta­schen­buch für das Jahr 1820, S. 1–38 (zwi­schen 1820 und 1837), Vor­spiel und Mu­sik für 6 Text­pas­sa­gen als Or­ches­ter- und/oder Kla­vier­fas­sung
  • Der blaue Che­rub (nach Der blaue Che­rub, Sing­spiel von Adam Oeh­len­schlä­ger, dt. Kas­sel 1823, 1828) (zwi­schen 1823 und 1837), An­mer­kun­gen für die ge­plan­te Kom­po­si­ti­on, Ver­zeich­nis der Stimm­la­gen für die han­deln­den Per­so­nen er­hal­ten; Arie für Singst. und Kl. Einst zogs mich nach Süd­lands Auen
  • Der Ga­lee­ren­skla­ve (nach Der Ga­lee­ren-Sklav von M. Fernouil­lot de Fal­bai­re, dt. Müns­ter 1777) (1820er Jah­re), Li­bret­to als Pro­sa-Ent­wurf, kei­ne Mu­sik er­hal­ten
  • Die Wie­der­täu­fer (etwa zwi­schen 1837 und 1839), nur mu­si­ka­li­sche Mo­ti­ve er­hal­ten

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