Jan 112017
 

Agnes von der Vier­be­cke, auch Agne­ta, (* um 1341 in Heng­sen (heu­te Holzwi­cke­de); † 4. Ok­to­ber 1378 in Dort­mund) ist eine Per­son der Holzwi­cke­der und Dort­mun­der Ge­schich­te.

Agnes (auch Nyse ge­nannt) wur­de auf dem Hengser Adels­hof Haus Vier­be­cke ge­bo­ren und wuchs dort auf. Sie hei­ra­te­te – ver­mut­lich um 1360 – den Dort­mun­der Pa­tri­zi­er Su­der­mann und hat­te mit ihm zu­sam­men ei­nen Sohn, Ar­nold (oder Arnt) Su­der­mann.

Zur Per­son der Ge­schich­te wur­de sie durch eine Feh­de der Dort­mun­der mit dem Gra­fen Diet­rich von Dins­la­ken, ei­nem Bru­der des Gra­fen von der Mark. Die ver­wit­we­te Agnes war mit Diet­rich be­freun­det. Am 4. Ok­to­ber 1378, dem Sonn­tag nach Mi­chae­lis, soll­te sie Be­waff­ne­ten des Gra­fen Zu­gang zur stark be­fes­tig­ten Stadt ver­schaf­fen. Zu die­sem Zweck ver­steck­te sich ein Trupp mär­ki­scher Sol­da­ten in ei­nem ih­rer Heu­wa­gen, die Agnes – zu­sam­men mit ei­ner Fuh­re Holz – zum Dort­mun­der Wiß­stra­ßen­tor lenk­te. Ins­ge­samt kam sie mit zwei Wa­gen. Das eine Ge­spann fuhr sie, das an­de­re wohl ihr Sohn. Vor dem Tor war­te­ten ver­steckt im Ge­büsch der Graf Con­rad von Dort­mund und der Rest sei­ner Man­nen. Ge­gen­über den Tor­wa­chen be­haup­te­te Agnes, das Heu und das Holz sei­en für sie selbst, um auf die­se Wei­se die Be­waff­ne­ten in die Stadt zu schmug­geln. Den ers­ten Wa­gen stell­te sie so in das äu­ße­re Tor, dass die­ses nicht mehr ge­schlos­sen wer­den konn­te. Den Tor­wäch­ter Her­mann Rü­ben­kamp, der die schö­ne Wit­we per­sön­lich kann­te und nichts Bö­ses ahn­te, lenk­te sie ab, in­dem sie ihn bat, ihr ei­nen Topf Pfef­fer­pott­hast von den Fleisch­bän­ken zu ho­len. Rü­be­kamp ver­ließ pflicht­wid­rig sei­nen Pos­ten und ging zu den Fleisch­bän­ken. Da Agnes an­nahm, auch das in­ne­re Tor sei schon ge­öff­net, er­stieg sie den Wiß­stra­ßen­tor­turm und gab mit ei­nem wei­ßen Ta­schen­tuch das ver­ein­bar­te Zei­chen. Alle feind­li­chen Trup­pen stürm­ten mit lau­tem Ge­schrei los, aber das in­ne­re Tor war wi­der Er­war­ten doch noch ge­schlos­sen. Durch den Lärm der An­grei­fer wur­de die­se von den Dort­mun­dern als Ver­rat ge­brand­mark­te List je­doch ent­deckt. Sämt­li­che an­grei­fen­den Sol­da­ten wur­den von den Wa­chen und der Bür­ger­wehr er­schla­gen. Agnes und zwei ih­rer Hel­fer, ihr Sohn Ar­nold und der jun­ge Graf Con­rad von Dort­mund, wur­den auf dem Wiß­stra­ßen­tor­turm fest­ge­nom­men. Sie wur­den noch am sel­ben Tage an­ge­klagt, ver­ur­teilt und in Dort­mund auf dem Al­ten Markt hin­ge­rich­tet. Das glei­che Schick­sal er­eil­te auch die all­zu hilfs­be­rei­te Tor­wa­che Her­mann Rü­ben­kamp. Ar­nold, Con­rad und Rü­ben­kamp wur­den ent­haup­tet, Agnes an­geb­lich auf dem für die List be­nutz­ten Holz­wa­gen ver­brannt.

Graf Diet­rich und die mit ihm in der Feh­de Ver­bün­de­ten be­schwo­ren Agnes‘ Un­schuld. Ihr Bru­der Jo­hann von Wi­cke­de und der Graf von Dort­mund be­zich­tig­ten den Rat der Reichs­stadt ei­ner Un­rechts­tat und ver­brei­te­ten dies ge­gen­über an­de­ren Stadt­rä­ten. Die­sen Schluss lässt je­den­falls ein Schrei­ben der Dort­mun­der an den Rat von Dan­zig zu, wor­in noch ein­mal die Recht­mä­ßig­keit der Ver­ur­tei­lung dar­ge­stellt wird. Zehn Jah­re spä­ter nahm Graf En­gel­bert III. von der Mark die, wie er er­klär­te, un­ge­recht­fer­tig­te Hin­rich­tung als An­lass für die Gro­ße Dort­mun­der Feh­de. Erst mit dem Frie­dens­schluss der Gro­ßen Feh­de söhn­ten sich Agnes‘ Fa­mi­lie und der Dort­mun­der Rat 1392 aus.

Die Er­in­ne­rung an den Sieg über den lis­ti­gen Gra­fen Diet­rich von Dins­la­ken und den „Ver­rat“ der Agnes von der Vier­be­cke ist bis heu­te in Dort­mund le­ben­dig. All­jähr­lich Ende Sep­tem­ber, An­fang Ok­to­ber, lebt das Ge­den­ken beim Pfef­fer­pott­hast­fest auf dem Al­ten Markt wie­der auf.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Agnes von der Vier­be­cke aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.
 Veröffentlicht von am 10:01 über 11. Januar 2017

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