Adolf I. Graf von der Mark

Adolf I. Graf von der Mark (* vor 1182; † 28. Juni 1249), bis 1226 auch Adolf I. Graf von Al­te­na-Mark ge­nannt, war der Sohn von Fried­rich von Berg-Al­te­na und der Al­ve­ra­dis von Kriecken­beck (* um 1155; † nach 1220, ur­kund­lich er­wähnt zwi­schen 1173 und 1220), Toch­ter des Gra­fen Rei­ner von Kriecken­beck-Mil­len­donk (* um 1110; † nach 1164, ur­kund­lich er­wähnt 1164, Sohn von Hein­rich von Kriecken­beck).

Adolf ge­hör­te zu den Gra­fen von Berg und Al­te­na und war der Be­grün­der ei­nes neu­en Adels­ge­schlechts, der Gra­fen von der Mark. Er ver­ei­nig­te ab 1226 die Gü­ter der Gra­fen von Berg-Al­te­na, die sich seit der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung ab 1180 im Be­sitz ver­schie­de­ner Sei­ten­li­ni­en die­ses Ge­schlechts be­fan­den, in ei­ner Hand und form­te aus ih­nen die Graf­schaft Mark mit ih­rer Haupt­stadt Hamm, die durch ihn ge­grün­det wor­den ist. Da­ne­ben war Adolf von der Mark auch Graf von Kri­cken­beck (bis 1243) und Vogt des Klos­ters Cap­pen­berg und des Klos­ters Wer­den.

Geburtsjahr

Das Ge­burts­jahr von Adolf I. von der Mark ist nicht über­lie­fert, doch er­mög­li­chen die Le­bens­da­ten sei­ner El­tern und die Be­trach­tung zeit­ge­nös­si­scher Ur­kun­den zu­min­dest eine un­ge­fäh­re Da­tie­rung.

Bei Ge­nea­lo­gie Mit­tel­al­ter wird un­ter Be­ru­fung auf ver­schie­de­ne Quel­len das Jahr 1199 als Adolfs Ge­burts­jahr ge­nannt. Zu die­ser Zeit muss Adolf I. von der Mark aber be­reits auf der Welt ge­we­sen sein, da sein Va­ter Fried­rich be­reits im Jah­re 1198 auf der zum Ober­hof Mark ge­hö­ren­den Hü­gel in der Mark bei Hamm die Burg Mark zu­guns­ten sei­nes Soh­nes er­rich­tet hat­te. Ver­mut­lich geht die­se An­ga­be auf eine Ver­wechs­lung zwi­schen Adolfs Le­bens- mit sei­ner Amts­zeit zu­rück, wie man sie in Se­kun­där­quel­len des Öf­te­ren fin­det. Das Jahr 1199 (nach an­de­ren Quel­len 1198) ist das To­des­jahr von Adolfs Va­ter Fried­rich. Adolf trat in die­sem Jahr die Nach­fol­ge sei­nes Va­ters an und wur­de in die­ser Funk­ti­on erst­mals als co­mes de Al­te­na, also Graf von Al­te­na, be­zeich­net.

Sei­ne ers­te ur­kund­li­che Er­wäh­nung fin­det Adolf im Jah­re 1194. Aus die­sem Grund wird in der Se­kun­där­li­te­ra­tur re­gel­mä­ßig das Jahr 1194 als sein Ge­burts­jahr ge­nannt.

Be­trach­tet man den In­halt der Ur­kun­de von 1194, zeigt sich, dass die­se An­ga­be nicht den Tat­sa­chen ent­spre­chen kann. Die Ur­kun­de wur­de von Adolf I. von Al­te­na aus­ge­stellt, dem On­kel von Adolf I. von der Mark, der zu die­ser Zeit Erz­bi­schof von Köln war. Adolf von Al­te­na be­kun­det hier, dass sein Bru­der, Graf Fried­rich von Berg-Al­te­na – der Va­ter von Adolf I. von der Mark – dem Klos­ter zu Cap­pen­berg, des­sen Vogt er ist, für 160 Mark ei­nen Hof na­mens Lo­hu­sen (Lo­hau­sen im Kreis Rees) ver­kauft hat. Zu­dem hat Fried­rich im Wege der Schen­kung die Vog­tei über den Hof auf das Klos­ter über­tra­gen. Zum Dank da­für ha­ben die Mön­che das gräf­li­che Ehe­paar, Fried­rich und sei­ne Frau Al­ve­ra­dis, in ihre Bru­der­schaft auf­ge­nom­men. Adolf I. von Al­te­na be­stä­tigt, dass die Schen­kung zu­nächst in An­we­sen­heit des Abts Her­mann, des Kon­vents und der ihm bei­pflich­ten­den Mi­nis­te­ria­len aus­ge­spro­chen wor­den ist. Der Erz­bi­schof be­stä­tigt aber auch, dass die Schen­kung zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt un­ter Zeu­gen wie­der­holt wur­de. Die­se Zeu­gen wa­ren Fried­richs Bru­der Ar­nold von Al­te­na, sei­ne Frau Al­ve­ra­dis, aber auch sei­ne Söh­ne Fried­rich und Adolf (Adolf I. von der Mark); der Erz­bi­schof be­stä­tigt die Schen­kung nun­mehr ein drit­tes Mal.

Es ist un­mit­tel­bar er­sicht­lich, dass ein ge­ra­de neu­ge­bo­re­ner Sohn des Gra­fen Fried­rich nicht als Zeu­ge ei­nes Rechts­ge­schäfts auf­tre­ten kann. Graf Adolf I. von der Mark muss also zu ei­nem we­sent­lich frü­he­ren Zeit­punkt ge­bo­ren wor­den sein. Wur­de das sei­ner­zeit gel­ten­de Recht kor­rekt an­ge­wen­det – und es gibt kein An­zei­chen, war­um dies hier nicht der Fall sein soll­te – muss Adolf im Jahr 1194 be­reits das Sta­di­um der Mün­dig­keit er­reicht ha­ben, er hät­te an­sons­ten gar nicht als Zeu­ge auf­tre­ten dür­fen. Denn ein Un­mün­di­ger konn­te nach da­mals gel­ten­dem Recht nicht be­ei­digt wer­den, doch wur­de die Be­ei­di­gung als Teil der Glaub­wür­dig­keit ei­nes Zeu­gen an­ge­se­hen. Folg­lich soll­te ein Un­mün­di­ger nicht als Zeu­ge her­an­ge­zo­gen wer­den.

Frag­lich ist des­halb, in wel­chem Al­ter Adolf I. von der Mark mün­dig ge­wor­den ist. Eine ein­deu­ti­ge Re­ge­lung, wann jun­ge Män­ner rechts­fä­hig wur­den oder be­stimm­te Äm­ter be­klei­den durf­ten, gab es im Mit­tel­al­ter nicht. Im Mit­tel­al­ter war das Mün­dig­keits­al­ter eng an die Waf­fen­fä­hig­keit ge­knüpft. Die­se be­gann re­gel­mä­ßig im Al­ter zwi­schen zwölf und fünf­zehn Jah­ren. Da­nach muss Adolf im Jahr 1194 min­des­tens zwölf Jah­re alt ge­we­sen sein, er wäre so­mit spä­tes­tens 1182 ge­bo­ren wor­den.

Auf ein solch frü­hes Ge­burts­jahr weist auch die Tat­sa­che hin, dass Adolf nach dem Tod sei­nes Va­ters Fried­rich von Berg-Al­te­na im Jahr 1198 oder 1199 als des­sen Nach­fol­ger die Re­gie­rungs­ge­schäf­te als Graf von Al­te­na über­nahm. Wäre er zu die­sem Zeit­punkt un­mün­dig ge­we­sen, hät­te er ei­nen Vor­mund be­nö­tigt, und zwar, da er frü­hes­tens mit zwölf Jah­ren mün­dig ge­wor­den wäre, min­des­tens bis zum Jahr 1206. Doch ge­ben die Ur­kun­den kei­nen Hin­weis auf eine sol­che Vor­mund­schaft, viel­mehr tritt Graf Adolf in wei­te­ren Ur­kun­den als Zeu­ge auf und un­ter­zeich­net von ei­ge­ner Hand. Auch dies deu­tet dar­auf hin, dass Graf Adolf spä­tes­tens 1198/1199 mün­dig ge­wor­den ist und so­mit in den 80er Jah­ren des 12. Jahr­hun­derts ge­bo­ren wor­den sein muss.

Die­se An­nah­me be­stä­ti­gen auch zwei Ur­kun­den aus den Jah­ren 1202 und 1205. In der Ur­kun­de aus 1202 wird Adolf als „Adol­fus puer co­mes de Mar­ke“ be­zeich­net (sinn­ge­mäß Jung­graf von der Mark). Das la­tei­ni­sche Wort puer kommt im Mit­tel­al­ter in meh­re­ren Be­deu­tun­gen vor. All­ge­mein be­deu­tet es Kna­be oder Jüng­ling, im Be­son­de­ren weist es je­doch auf die Pa­gen- be­zie­hungs­wei­se Knap­pen­zeit ei­nes an­ge­hen­den Rit­ters hin. Adolf, der spä­ter die Isen­ber­ger Wir­ren für sich ent­schei­den konn­te, hat ge­wiss eine krie­ge­ri­sche Aus­bil­dung ge­nos­sen; wird er im Jah­re 1202 als puer be­zeich­net, ist dies ein deut­li­cher Hin­weis, dass zu die­sem Zeit­punkt sei­ne Knap­pen­zeit noch nicht be­en­det war. 1205 tritt Adolf er­neut als Zeu­ge auf, hier je­doch als Adol­phus com. de Mar­ka, ohne den Zu­satz puer. Sei­ne Knap­pen­zeit muss so­mit zwi­schen 1202 und 1205 ge­en­det ha­ben. Be­ach­tet man nun­mehr, dass die Knap­pen­zeit ohne das Hin­zu­tre­ten be­son­de­rer Um­stän­de re­gel­mä­ßig mit dem 21. Le­bens­jahr des an­ge­hen­den Rit­ters en­de­te, er­gibt sich hier­aus ein mög­li­ches Ge­burts­jahr Adolfs zwi­schen 1181 und 1184. Da Graf Adolf nach den obi­gen Fest­stel­lun­gen spä­tes­tens 1182 ge­bo­ren wor­den sein muss, lässt sich sein Ge­burts­jahr so­mit auf die Zeit zwi­schen 1181 und 1182 ein­gren­zen. Zu er­wäh­nen wäre noch, dass Adolfs Mut­ter mit 39 Jah­ren schon re­la­tiv alt für ihr ers­tes Kind ge­we­sen wäre, soll­te das Jahr 1194 das kor­rek­te Ge­burts­jahr sein.

Fol­ge­rich­tig nimmt ein Teil der Li­te­ra­tur an, dass Graf Adolf be­reits vor dem Jahr 1194 ge­bo­ren wor­den ist.. Da­bei ver­legt Ru­dolf Schul­ze in sei­nem Buch Die Land­stän­de der Graf­schaft Mark bis zum Jah­re 1510: Mit Ur­kundl. Beil. die Ge­burt des Gra­fen Adolf ohne nä­he­re Be­grün­dung so­gar in das Jahr 1164. Die­se An­ga­be deckt sich aber nicht mit den Le­bens- und Ehe­da­ten von Adolfs El­tern. Zu­dem stützt sich Schul­ze wei­test­ge­hend auf Levold von Nor­t­hof, so dass ins­ge­samt von ei­nem Zah­len­dre­her aus­zu­ge­hen ist und auch Schul­ze tat­säch­lich das Jahr 1194 an­ge­ben woll­te.

Leben

Der Konflikt zwischen der altenaisch-märkischen und der altenaisch-isenbergischen Linie des Hauses Berg

Eine auf den vier­ten Ja­nu­ar des Jah­res 1200 da­tie­ren­de Ur­kun­de des Köl­ner Erz­bi­schofs Adolf I. von Al­te­na, die auch Graf Adolf und sein Bru­der Fried­rich un­ter­zeich­net ha­ben, gibt Aus­kunft dar­über, dass Adolfs Va­ter Fried­rich von Berg-Al­te­na zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­stor­ben war. Das ge­naue To­des­da­tum ist al­ler­dings un­be­kannt. Teils wird das Jahr 1199 als sein To­des­jahr an­ge­nom­men, teils schon das Jahr 1198, da Fried­rich seit­her nicht mehr ur­kund­lich er­wähnt wird. Ir­gend­wann in die­ser Zeit trat Adolf das vä­ter­li­che Erbe als Graf von Al­te­na an.

Adolfs Va­ter Fried­rich, der aus dem Hau­se Berg stamm­te, hat­te die­sen Ti­tel im Rah­men der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung von 1175/1180 er­hal­ten. Al­ler­dings war Fried­rich nicht al­lei­ni­ger Graf von Al­te­na. So wie auch Ti­tel und Rech­te in der al­ten Graf­schaft Al­te­na nach ganz un­ter­schied­li­chen Tei­lungs­prin­zi­pi­en un­ter den Brü­dern und da­mit zwi­schen den Li­ni­en Al­te­na-Isen­berg und Al­te­na-Mark des Hau­ses Berg auf­ge­teilt wur­den, er­war­ben Fried­rich und sein Bru­der Ar­nold von Al­te­na ihre Stamm­burg Al­te­na zu­nächst als ge­mein­schaft­li­ches Le­hen. Ar­nold von Al­te­na zog sich je­doch bald dar­aus zu­rück. Sei­nen An­teil ver­kauf­te er nicht an sei­nen Bru­der, son­dern an sei­nen Lehns­herrn, den Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp I. von Heins­berg. Nach Phil­ipps Tod ge­lang­te der An­teil der Burg wie­der zu­rück an Ar­nold, bis die­ser ihn um 1200 er­neut an den Erz­bi­schof von Köln und Her­zog von West­fa­len ver­äu­ßer­te. Zu die­ser Zeit war das Adolf I. von Al­te­na, ein Bru­der von Ar­nold und Fried­rich.

Burg Al­te­na ver­lor da­durch so­wohl für die al­te­na­isch-mär­ki­sche Li­nie (Fried­rich von Berg-Al­te­na und Adolf I. von der Mark) als auch für die al­te­na­isch-isen­ber­gi­sche Li­nie (Ar­nold von Al­te­na und Fried­rich von Isen­berg) an Be­deu­tung. Ar­nold und sei­ne Fa­mi­lie hat­ten sich aus Burg Al­te­na zu­rück­ge­zo­gen und re­si­dier­ten auf ih­rer Burg Nien­brüg­ge, der auch eine klei­ne Stadt an­ge­glie­dert war, die Vor­gän­ger­sied­lung der heu­ti­gen Groß­stadt Hamm. Fried­rich und Adolf hin­ge­gen hat­ten ih­ren Köl­ner Lehns­herrn als un­be­que­men Mit­ver­wal­ter auf Burg Al­te­na und schu­fen sich des­halb Al­ter­na­ti­ven zu ih­rem al­te­nai­schen Be­sitz.

In der Um­schrift sei­ner bei­den Rei­ter­sie­gel wird Graf Adolf als co­mi­tis de Al­te­na (Graf von Al­te­na) be­zeich­net, auch in der des zwei­ten Sie­gels von 1220. In Ur­kunds­tex­ten er­scheint er da­ge­gen ab dem Jahr 1202 auch als co­mes de Mar­ca (Graf von der Mark). Die bei­den Ti­tel wur­den von Graf Adolf ab­wech­selnd und un­re­gel­mä­ßig ver­wen­det. Ein Zu­sam­men­hang mit dem In­halt der je­wei­li­gen Ur­kun­de lässt sich nicht er­ken­nen. Auch Adolfs Cou­sin Fried­rich von Isen­berg nann­te sich in dem frag­li­chen Zeit­raum ab­wech­selnd co­mes de Al­te­na und co­mes de Isen­berg. Fried­richs Rei­ter­sie­gel ist nicht er­hal­ten, es gibt le­dig­lich ein ein­zi­ges schwer be­schä­dig­tes Sie­gel­frag­ment aus dem Jah­re 1220. Die we­ni­gen les­ba­ren Buch­sta­ben der Sie­gel­um­schrift er­lau­ben je­doch eine Auf­lö­sung des Tex­tes in „+(F)RID(ERICUS COMES) DE A(LTENA)“. Ob­wohl Graf Adolf den Ti­tel co­mes de Alt(h)ena (Graf von Al­te­na) noch bis 1225 führ­te, ver­zich­te­te er doch mehr und mehr auf die Nen­nung die­ses Bei­na­mens und un­ter­zeich­ne­te statt­des­sen mit de Mar­ca (auch: de Mar­ka) be­zie­hungs­wei­se von der Mark.

Adolfs Bei­na­me von der Mark lei­tet sich von der am Flüss­chen Geit­he ge­le­ge­nen Burg Mark im heu­ti­gen Hamm ab, die nach dem an­gren­zen­den Dorf Mark be­nannt wor­den ist, des­sen Name wie­der­um auf die um­lie­gen­de Feld­mark zu­rück­geht. Adolfs Va­ter Fried­rich hat­te die Burg spä­tes­tens im Jah­re 1198, mög­li­cher­wei­se aber auch be­reits zu ei­nem we­sent­lich frü­he­ren Zeit­punkt er­rich­ten las­sen; den Ober­hof Mark und das zu­ge­hö­ri­ge Ge­län­de auf dem Burg­hü­gel hat­te Fried­rich be­reits um das Jahr 1170 von den Edel­her­ren von Rü­den­berg be­zie­hungs­wei­se dem Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp I. von Heins­berg er­wor­ben. Für die Ent­schei­dung, Burg Mark zu bau­en, dürf­te die ein­ge­schränk­te Nut­zungs­mög­lich­keit für Burg Al­te­na eben­so eine Rol­le ge­spielt ha­ben wie die stra­te­gi­sche Lage der Burg­an­la­ge in der Mark, die sich in un­mit­tel­ba­rer Nähe der isen­ber­gi­schen Stamm­burg Nien­brüg­ge er­hob und die Aus­brei­tung des kon­kur­rie­ren­den isen­ber­gi­schen Ter­ri­to­ri­ums be­hin­der­te (1217 sie­del­te Fried­rich von Isen­berg dann auf die Isen­burg bei Hat­tin­gen um).

Nach dem Tod des Fried­rich von Berg-Al­te­na wur­de Burg Mark, die wohl oh­ne­hin pri­mär zu sei­nen Guns­ten er­baut wor­den war, zum Stamm­sitz des Gra­fen Adolf, an der er al­lei­ni­ge und un­ge­teil­te Rech­te hielt. Es war des­halb kon­se­quent, dass er sich auch nach ihr be­zeich­ne­te.

Ne­ben dem Ti­tel des Gra­fen von Al­te­na über­nahm Graf Adolf von sei­nem Va­ter auch die Vog­tei der Klös­ter Wer­den und Cap­pen­berg.

Auch im Jah­re 1220 hat­ten die mär­ki­sche und die isen­ber­gi­sche Li­nie der Fa­mi­lie noch ge­mein­sa­me Rechts­po­si­tio­nen inne. So tausch­ten die Gra­fen Adolf von Al­te­na (Adolf von der Mark) und Fried­rich von Isen­berg in die­sem Jahr eine Hufe in Bluts­nep­pe (Berg­bos­sen­dorf bei Hal­tern am See im Kreis Reck­ling­hau­sen), die sie selbst vom Erz­bi­schof von Köln zu Le­hen be­kom­men und ge­mein­schaft­lich wei­ter­ver­lehnt hat­ten, ge­gen ein Haus in Lul­lisheim (Lü­su­mer Mark im Kreis Reck­ling­hau­sen). Die­ses hat­te zu­vor dem Klos­ter Cap­pen­berg ge­hört und wur­de nun von bei­den Gra­fen ge­mein­schaft­lich wei­ter­ver­lehnt. In der zu­ge­hö­ri­gen Ur­kun­de sind kei­ne Rechts­ab­gren­zun­gen ver­zeich­net, so dass da­von aus­zu­ge­hen ist, dass bei­de Gra­fen das Gut ge­mein­sam ver­äu­ßern muss­ten, weil ih­nen je­weils die glei­chen Rech­te dar­an ge­mein­schaft­lich zu­stan­den. Selbst für das Jahr 1261 sind noch der­ar­ti­ge ge­mein­sa­me Rechts­po­si­tio­nen be­ur­kun­det; hier ver­fü­gen Graf En­gel­bert I. von der Mark und Graf Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg über ein ge­mein­sa­mes Le­hen. Es han­delt sich bei den Gü­tern von 1220/1261 um ge­mein­sa­men Lehns- und ver­mut­lich auch Al­lo­di­al­be­sitz, der aus der Zeit vor 1175 stam­men muss, da an­ge­sichts der Span­nun­gen zwi­schen den bei­den Fa­mi­li­en­zwei­gen kaum da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass ihre je­wei­li­gen Ver­tre­ter nach 1175 den wei­te­ren Er­werb ge­mein­sa­men Be­sit­zes an­ge­strebt ha­ben.

Aber es gab auch Be­sit­zun­gen mit ähn­li­cher be­sitz­recht­li­cher Lage wie auf der Burg Al­te­na. So ver­füg­te Graf Adolf von der Mark 1213 al­lei­ne über ein mit Bäu­men und Sträu­chern be­pflanz­tes Grund­stück in Bro­ke bei Herz­feld, wäh­rend sein Vet­ter Fried­rich von Isen­berg zur sel­ben Zeit den Zehn­ten über das an die­ses Grund­stück an­gren­zen­de Haus be­saß. Schließ­lich ver­äu­ßer­ten bei­de ih­ren Be­sitz und ihre Rech­te an das Klos­ter Ma­ri­en­feld, dem das Haus be­reits ge­hör­te.

Ins­ge­samt war die Tei­lung je­doch um 1200 fak­tisch so weit voll­zo­gen, dass an eine Ver­ei­ni­gung bei­der Ge­bie­te nicht mehr zu den­ken war, je­den­falls nicht vor dem Jahr 1225, als Adolf I. von der Mark die Er­mor­dung des Köl­ner Erz­bi­schofs En­gel­bert durch eine Adels­ver­schwö­rung im Um­kreis sei­nes Vet­ters Fried­rich von Isen­berg zum An­lass nahm, die al­te­nai­schen Be­sitz­tü­mer wie­der in (s)einer Hand zu ver­ei­ni­gen. Die Rech­te und Be­sit­zun­gen des isen­ber­gi­schen Fa­mi­li­en­zwei­ges (Ar­nold von Al­te­na und Fried­rich von Isen­berg) häuf­ten sich da­bei um Nien­brüg­ge an der Lip­pe, im Raum zwi­schen Len­ne und Ruhr und an der mitt­le­ren und un­te­ren Ruhr zwi­schen Isen­berg und Styrum mit der Es­se­ner Vog­tei. In Fried­richs be­zie­hungs­wei­se Adolfs Hand wa­ren in­des um die­se Zeit der Raum um Al­te­na, um Unna und um Bo­chum, die spä­ter auch die Kern­räu­me mär­ki­scher Ent­fal­tung wur­den.

Deutscher Thronstreit

Wie die ge­sam­te Fa­mi­lie Berg-Al­te­na wur­de Adolf von der Mark in den Deut­schen Thron­streit hin­ein­ge­zo­gen. Rein­hold Stirn­berg hat sich trotz dürf­ti­ger Quel­len­la­ge um den Nach­weis be­müht, dass der Kon­flikt zwi­schen der al­te­na­isch-isen­ber­gi­schen und der al­te­na­isch-mär­ki­schen Li­nie maß­geb­lich durch die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Wel­fen und Stau­fern be­ein­flusst, wenn nicht gar ver­ur­sacht oder zu­min­dest an­ge­sto­ßen wor­den ist. Je­des Fa­mi­li­en­mit­glied muss­te sich für eine der bei­den Sei­ten ent­schei­den. Durch die Po­si­tio­nie­rung in un­ter­schied­li­chen La­gern ging zeit­wei­se ein Riss durch die ge­sam­te Fa­mi­lie, der bis zu of­fe­ner Feind­schaft rei­chen konn­te. Hin­zu kommt, dass sich die Fa­mi­li­en­mit­glie­der ge­gen­sei­tig be­ein­flusst und auf die­se Wei­se Po­si­ti­ons­wech­sel ih­rer Ver­wandt­schaft zu­min­dest mit ver­ur­sacht ha­ben; so soll Ar­nold von Al­te­na, der Stamm­va­ter der Isen­ber­ger, maß­geb­li­chen An­teil dar­an ge­habt ha­ben, dass sein Bru­der, Erz­bi­schof Adolf I. von Al­te­na, schließ­lich auf die stau­fi­sche Sei­te ge­wech­selt ist.

Schon die El­tern­ge­nera­ti­on war in die stau­fisch-wel­fi­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in­vol­viert. So scheint Fried­rich von Berg-Al­te­na, der Va­ter von Graf Adolf, sich im Kampf zwi­schen Fried­rich Bar­ba­ros­sa und Her­zog Hein­rich dem Lö­wen auf die Sei­te des da­ma­li­gen Köl­ner Erz­bi­schofs Phil­ipp I. von Heins­berg ge­stellt zu ha­ben, der auf kai­ser­li­cher und da­mit stau­fi­scher Sei­te stand. Da­bei tritt er 1174 als Ober­be­fehls­ha­ber der Köl­ni­schen Trup­pen in Er­schei­nung. Auch 1177 muss sich Fried­rich in Ita­li­en auf­ge­hal­ten ha­ben, dies­mal als Ge­folgs­mann Fried­rich Bar­ba­ros­sas. Mög­li­cher­wei­se stellt be­reits die Be­leh­nung Fried­richs mit dem Burg­hü­gel in der Mark, auf dem dann die Stamm­burg der Mär­ker er­rich­tet wur­de, eine Ent­loh­nung dar für Fried­richs treue Diens­te.

Der Sieg über Hein­rich den Lö­wen brach­te 1180 ge­ra­de für die west­fä­li­schen Gra­fen be­deut­sa­me Ver­än­de­run­gen mit sich. Bis­lang hat­ten sie der Herr­schaft Her­zog Hein­richs un­ter­stan­den, der in Nord­deutsch­land eine kö­nig­glei­che Stel­lung in­ne­hat­te. Der Sieg über Hein­rich den Lö­wen er­zeug­te ein Macht­va­ku­um, in das die Gra­fen nun vor­zu­drin­gen ver­such­ten. Die Be­stre­bun­gen gin­gen da­hin, sich selbst zu Ter­ri­to­ri­al­her­ren auf­zu­schwin­gen, so wie es Adolf I. von der Mark und sei­nen Nach­fol­gern mit der Graf­schaft Mark ge­lin­gen soll­te. Die in der Geln­häu­ser Ur­kun­de pro­to­kol­lier­te Auf­tei­lung von Hein­richs Her­zog­tum Sach­sen, zu dem auch West­fa­len ge­hör­te, führ­te dazu, dass der Köl­ner Erz­bi­schof zum Her­zog von West­fa­len er­ho­ben wur­de und da­durch als welt­li­cher Lan­des­herr mit durch­aus welt­li­chen Macht­in­ter­es­sen in Kon­kur­renz zu den üb­ri­gen Mäch­ti­gen West­fa­lens trat.

Mit ei­ni­ger Wahr­schein­lich­keit hat dies auch den Ver­lauf der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung ab 1175 ent­schei­dend be­ein­flusst. Der Lehns­herr der bei­den strei­ten­den Brü­der Fried­rich von Berg-Al­te­na und Ar­nold von Al­te­na, Erz­bi­schof Phil­ipp I. von Heins­berg, hat­te ge­ra­de in sei­ner Ei­gen­schaft als welt­li­cher Herr­scher ein mas­si­ves In­ter­es­se dar­an, ein Er­star­ken des ber­gisch-al­te­nai­schen Hau­ses als mäch­ti­gen Wi­der­part zum Her­zog­tum West­fa­len zu un­ter­bin­den. Die Erb­tei­lung ver­hin­der­te nach­hal­tig die Her­aus­bil­dung ei­ner ein­heit­li­chen al­te­nai­schen Herr­schaft, wes­halb sich ver­mu­ten lässt, dass der Erz­bi­schof die pe­ni­ble Auf­tei­lung der einst­mals im ge­mein­sa­men Be­sitz ste­hen­den Gü­ter maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben hat. Uta Vah­ren­hold-Hu­land ver­mu­tet zu­dem, dass vor al­lem Graf Fried­rich von Berg-Al­te­na ein In­ter­es­se an ei­ner un­ab­hän­gi­gen Herr­schaft hat­te. Da Graf Ar­nold sich dem auf Dau­er nicht wi­der­set­zen konn­te, nut­ze er sei­ne in­ten­si­ve­ren Be­zie­hun­gen zum Erz­bi­schof und un­ter­stütz­te des­sen Po­li­tik. Dies hat­te zum Ziel, die al­te­nai­sche Erb­tei­lung nach Fried­richs Tod wie­der auf­zu­he­ben oder we­nigs­tens die Le­hen aus sei­nem Hau­se zu er­hal­ten. Die­se Hoff­nung er­wies sich al­ler­dings als trü­ge­risch; so zog sich Graf Ar­nold bald aus Burg Al­te­na zu­rück und leg­te mit Nien­brüg­ge ei­nen wei­te­ren Grund­stein zu ei­ner ei­gen­stän­di­gen Herr­schaft. Of­fen­sicht­lich leg­ten bei­de Sei­ten Wert dar­auf, über be­nach­bar­te Be­sit­zun­gen zu ver­fü­gen, die ein­an­der kon­trol­lier­ten. So sticht nicht nur die un­mit­tel­ba­re Nach­bar­schaft zwi­schen Nien­brüg­ge und Burg Mark ins Auge, auch die isen­ber­gi­sche Fes­te Vol­mar­stein lag ganz in der Nähe der mär­ki­schen Be­fes­ti­gung Wet­ter. Fried­rich ver­such­te au­ßer­dem, über die im Samt­le­hen do­ku­men­tier­te Mit­re­gent­schaft Un­ab­hän­gig­keit von Ar­nold zu er­zwin­gen. Es ge­lang Fried­rich noch vor sei­nem Tod, die völ­li­ge Tei­lung zu er­rei­chen. Da die­ses ganz im erz­bi­schöf­li­chen In­ter­es­se lag, fand er da­bei auch die Un­ter­stüt­zung des ge­mein­sa­men Bru­ders, Adolf I. von Al­te­na, der mög­li­cher­wei­se na­mens­ge­ben­der Pate des Adolf I. von der Mark war.

Die köl­ni­sche Po­li­tik, die sich um eine Vor­macht­stel­lung in West­fa­len be­müh­te, stand da­bei im Span­nungs­feld der stau­fisch-wel­fi­schen Aus­ein­an­der­set­zung; ei­ner­seits durch Stauf­er­freund­schaft und Stauf­er­feind­schaft, an­de­rer­seits durch das Be­stre­ben der west­fä­li­schen Gro­ßen, sich aus den über­kom­me­nen Lehns­bin­dun­gen zu lö­sen und da­mit die Vor­aus­set­zung für eine Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft zu schaf­fen. Dies ließ in West­fa­len zwei feind­li­che La­ger ent­ste­hen. Bei­de such­ten ein­fluss­rei­che An­hän­ger und gin­gen da­bei weit über die Gren­zen West­fa­lens hin­aus. Ver­wandt­schaft­li­che Bin­dun­gen si­cher­ten über­dies das ge­mein­sa­me po­li­ti­sche Vor­ge­hen, wie es sich etwa 1225 im Zuge des Bünd­nis­ses von Lim­burg, Isen­berg und wei­te­rer Part­ner ge­gen den Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert I. von Köln ge­zeigt hat.

Schwie­ri­ger ist die Fra­ge zu be­ant­wor­ten, wel­cher west­fä­li­sche Ade­li­ge sich in wel­chem Jahr auf wel­cher Sei­te be­fun­den hat. Stirn­berg ver­sucht an­hand der Wap­pen der bei­den al­te­nai­schen Gra­fen die Zu­ge­hö­rig­keit zum stau­fi­schen be­zie­hungs­wei­se wel­fi­schen La­ger zu re­kon­stru­ie­ren. In der Zeit vor 1200 ging der Adel erst­mals dazu über, Wap­pen zu füh­ren; die ver­schie­de­nen Zwei­ge des ber­gi­schen Hau­ses schei­nen ihre Wap­pen etwa zeit­gleich an­ge­nom­men zu ha­ben. Da­bei wähl­te Ar­nold eine mehr­blätt­ri­ge Rose; Fried­rich da­ge­gen ei­nen „stei­gen­den, ein­schwän­zi­gen Lö­wen“. Stirn­berg sieht Fried­rich des­halb im wel­fi­schen La­ger. Das Lö­wen­wap­pen habe wie alle an­de­ren Wap­pen in dem na­mens­ge­ben­den Wap­pen­tier Hein­richs des Lö­wen sei­nen Ur­sprung, der selbst al­ler­dings gar kein Wap­pen ge­führt hat. Hein­rich habe je­doch 1166 vor sei­ner Burg Dank­war­de­ro­de in Braun­schweig das Lö­wen­stand­bild er­rich­ten las­sen, „eine Skulp­tur von un­ge­heu­rer Sym­bol­kraft. Wie der Ad­ler, der Kö­nig der Lüf­te, und Sym­bol des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches, des über­ge­ord­ne­ten Im­pe­ri­ums, so stand der Löwe, der Kö­nig der Land­tie­re, für den Macht­an­spruch der deut­schen Lan­des­fürs­ten, als gleich­be­rech­tig­te Part­ner des Rö­mi­schen Kai­sers, als deut­schem Kö­nig, des Pri­mus in­ter pa­res, des Ers­ten un­ter Glei­chen.“ Ei­nen An­spruch, den ge­ra­de Hein­rich der Löwe kon­se­quent ver­tre­ten habe. Ent­spre­chend sieht er Graf Ar­nold im stau­fi­schen La­ger und be­müht sich um den Nach­weis, dass die von ihm ge­wähl­te Rose in stau­fi­schen Zu­sam­men­hän­gen vor­kommt, etwa den Ro­sen­dena­ren Bar­ba­ros­sas und auf ei­ner Mi­nia­tur des Stauf­erkö­nigs Phil­ipp von Schwa­ben, des­sen Sym­bol die Rose nach Stirn­bergs Über­zeu­gung war. Fried­rich von Berg-Al­te­na und sein Bru­der Ar­nold von Al­te­na sol­len folg­lich ihre Wap­pen nach der je­wei­li­gen La­ger­zu­ge­hö­rig­keit ge­wählt ha­ben.

Auch Thie­le kommt zu dem Er­geb­nis, dass die Fa­mi­li­en­mit­glie­der zu­min­dest zeit­wei­lig in un­ter­schied­li­chen La­gern ge­stan­den ha­ben, al­ler­dings un­ter um­ge­kehr­ten Vor­zei­chen. Ge­mäß sei­nen For­schun­gen stand Ar­nold von Al­te­na bis 1198 im wel­fi­schen La­ger, wech­sel­te dann auf Sei­ten der Stau­fer und über­re­de­te 1204 sei­nen Bru­der, den Erz­bi­schof Adolf von Al­te­na, eben­falls auf stau­fi­sche Sei­te zu wech­seln. Fried­rich hin­ge­gen sieht er im Jah­re 1198 klar auf Sei­ten der Stau­fer. Thie­le ver­liert kein Wort dar­über, dass er zu­vor auf wel­fi­scher Sei­te ge­stan­den hät­te. Dass Fried­rich durch­ge­hend auf stau­fi­scher Sei­te stand, wird schon al­lein da­durch plau­si­bel, dass er be­reits zu­vor dem Köl­ner Erz­bi­schof im Kampf ge­gen Hein­rich den Lö­wen bei­gestan­den hat. Stirn­bergs Ver­such, die La­ger­zu­ge­hö­rig­keit von der Wahl des Wap­pens ab­zu­lei­ten, wird da­durch ne­giert, und zwar un­ab­hän­gig von der Fra­ge, ob die ver­schie­de­nen Zwei­ge der ber­gi­schen Fa­mi­lie ihre Wap­pen bis oder erst nach 1198 an­ge­nom­men ha­ben. Al­ler­dings be­stä­tigt auch Thie­le Stirn­bergs An­nah­me, dass die El­tern­ge­nera­ti­on zu­min­dest zeit­wei­lig in un­ter­schied­li­chen La­gern ge­stan­den hat. Erst 1198 tra­fen sich bei­de auf stau­fi­scher Sei­te wie­der. Es mag also durch­aus sein, dass die Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Fa­mi­li­en­zwei­gen durch den stau­fisch-wel­fi­schen Kon­flikt mo­ti­viert wor­den sind. Zwei­fel­los ist das Ver­hält­nis der bei­den Fa­mi­li­en­zwei­ge je­den­falls in­so­weit durch den Streit zwi­schen Wel­fen und Stau­fern be­ein­flusst wor­den, als die­ser die In­ter­es­sen des Köl­ner Erz­bi­schofs be­traf.

Auch Graf Adolf von der Mark und sein Cou­sin Fried­rich von Isen­berg fan­den sich im Deut­schen Thron­streit auf un­ter­schied­li­chen Sei­ten wie­der; Fried­rich ist mit ei­ni­ger Wahr­schein­lich­keit dem wel­fi­schen La­ger zu­zu­rech­nen, und zwar min­des­tens von 1209–1212, even­tu­ell bis 1214. In den ent­schei­den­den Jah­ren des Deut­schen Thron­streits stan­den Adolf und Fried­rich so­mit auf un­ter­schied­li­chen Sei­ten, was die Geg­ner­schaft der isen­ber­gi­schen und der mär­ki­schen Li­nie wei­ter an­ge­facht ha­ben dürf­te. Spä­tes­tens als die Aus­ein­an­der­set­zung in der Schlacht bei Bou­vi­nes zu­guns­ten des Stau­fers Fried­rich II. ent­schie­den wur­de, stell­te sich Fried­rich von Isen­berg auf die stau­fi­sche Sei­te. Die­se vor­über­ge­hen­de An­nä­he­rung der isen­ber­gi­schen und mär­ki­schen Li­nie än­der­te je­doch nichts dar­an, dass bei­de sich nach der Er­mor­dung des Köl­ner Erz­bi­schofs En­gel­bert er­neut als Geg­ner ge­gen­über­stan­den.

Frag­lich ist, ob Adolf von der Mark von An­fang an auf stau­fi­scher Sei­te ge­stan­den hat. Hier­zu gibt es un­ter­schied­li­che An­ga­ben. Nach Stirn­berg stand Graf Adolf von An­fang an auf Sei­ten der Stau­fer. Nach Thie­le schwank­te Adolf im deut­schen Thron­fol­ge­streit und stell­te sich erst 1212 end­gül­tig auf Sei­ten des Stau­fers schlug.

Be­reits am 2. Au­gust 1215 tre­ten Adolf von der Mark und sein Cou­sin Fried­rich, der sich nach der Schlacht bei Bou­vi­nes auf die Sei­te Fried­richs II. ge­stellt hat­te, zu­sam­men mit Hein­rich IV. von Lim­burg, Wil­helm I. von Hol­land, Graf Adolf V. von Berg und des­sen Bru­der, dem Köl­ner Dom­propst En­gel­bert von Berg, ge­mein­schaft­lich als Zeu­gen in ei­ner Ur­kun­de Kö­nig Fried­richs II. auf. In die­ser nimmt Fried­rich die Ab­tei Al­ten­berg un­ter sei­nen Schutz und ver­leiht ihr Zoll­frei­heit auf den Flüs­sen Rhein und Main.

Nach dem Sieg Kö­nig Fried­richs II. im Deut­schen Thron­streit war Graf Adolfs On­kel Adolf I. von Al­te­na, der den Thron­streit 1198 aus­ge­löst hat­te, auf dem Sitz des Köl­ner Erz­bi­schofs, der Ka­the­dra, nicht mehr er­wünscht. Kö­nig Fried­rich be­vor­zug­te den Köl­ner Dom­propst En­gel­bert von Berg, ei­nen Vet­ter des Erz­bi­schofs Adolf, der so­mit weit­läu­fig auch mit Graf Adolf von der Mark ver­wandt war. En­gel­bert war längst zur be­herr­schen­den Ge­stalt im Erz­bis­tum Kölns auf­ge­stie­gen. Schluss­end­lich konn­te Adolf von Al­te­na dazu be­wo­gen wer­den, vom Amt des Erz­bi­schofs zu­rück­zu­tre­ten und so den Weg für En­gel­bert frei­zu­ma­chen. Ver­ein­ba­rungs­ge­mäß re­si­gnier­te Adolf von Al­te­na An­fang des Jah­res 1216 auf Amt und Wür­den; an­schlie­ßend wur­de der da­mals 31-jäh­ri­ge En­gel­bert von Berg zum Köl­ner Erz­bi­schof ge­wählt. En­gel­bert be­stell­te Adolf von Al­te­na zum Weih­bi­schof, bis die­ser sich spä­ter von Amt und Wür­den zu­rück­zog und sei­nen Le­bens­abend im Stift St. Qui­ri­nus in Neuß ver­brach­te, wo er 1220 starb. Von En­gel­bert von Berg er­war­te­te man eine star­ke Hand, die die Ver­hält­nis­se im Erz­bis­tum Köln und im Her­zog­tum West­fa­len nach Ende der Kriegs­wir­ren wie­der in ge­ord­ne­te Bah­nen len­ken soll­te.

Bis 1225 scheint sich Adolf von der Mark als treu­er Ge­folgs­mann des Stauf­erkai­sers und des Köl­ner Erz­bi­schofs eta­bliert zu ha­ben. Ins­ge­samt drei­und­zwan­zig Ur­kun­den be­le­gen sein Wir­ken am Hofe des En­gel­bert I. von Köln.

Die Ermordung des Erzbischofs Engelbert von Köln durch die Adelsverschwörung um Friedrich von Altena-Isenberg

Im Jahr 1225 kam der Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert I. von Köln durch eine Adels­ver­schwö­rung un­ter der maß­geb­li­chen Be­tei­li­gung des Gra­fen Fried­rich von Isen­berg zu Tode (zu den Hin­ter­grün­den der Ver­schwö­rung sie­he Fried­rich von Isen­berg so­wie Nien­brüg­ge (Hamm)). Der Auf­ent­halt oder eine mög­li­che Be­tei­li­gung des Gra­fen Adolf von der Mark an den Er­eig­nis­sen von 1225 in Soest und Ge­vels­berg ist bis heu­te un­ge­klärt.

Ob­wohl die Ver­schwö­rung weit­rei­chen­de Krei­se zog und vie­le der mäch­tigs­ten Män­ner West­fa­lens um­fass­te, scheint Graf Adolf von der Mark nicht dar­in ver­wi­ckelt ge­we­sen zu sein. An Mo­ti­ven hät­te es ihm al­ler­dings nicht ge­fehlt. Adolfs Ge­biet scheint durch das Vor­drin­gen En­gel­berts in das Sauer­land und den Hell­weg­raum weit mehr als Fried­richs Ho­heits­be­rei­che in der ter­ri­to­ria­len Ent­wick­lung ge­hin­dert ge­we­sen zu sein. Die zeit­ge­nös­si­schen Quel­len ge­ben kei­nen ein­deu­ti­gen Hin­weis dar­auf, war­um aus­ge­rech­net Graf Adolf nicht an der Ver­schwö­rung be­tei­ligt ge­we­sen oder auch be­tei­ligt wor­den ist. Die un­ter­schied­li­che Po­si­tio­nie­rung der bei­den Gra­fen Adolf und Fried­rich im zu­rück­lie­gen­den Thron­streit scheint hier als Er­klä­rungs­an­satz nicht aus­zu­rei­chen, da sich bis zum Jahr 1225 bei­de Gra­fen im Um­feld des stau­fi­schen Kai­sers eta­bliert hat­ten.

Mög­li­cher­wei­se ha­ben hier ver­wandt­schaft­li­che Be­zie­hun­gen und po­li­ti­sche In­ter­es­sen eine Rol­le ge­spielt. Adolf von der Mark war in zwei­ter Ehe mit Irm­gard von Gel­dern ver­hei­ra­tet (nach Uta Vah­ren­hold-Hu­land war Adolf von der Mark nur ein­mal ver­hei­ra­tet; die bei­den Frau­en des Gra­fen Adolf sind für sie eine ein­zi­ge Per­son, Lut­gar­dis-Irm­gard von Gel­dern). Die­se Ehe hat­te die alte ber­gisch-al­te­nai­sche Ver­bin­dung durch ein zwei­tes ver­wandt­schaft­li­ches Band ge­stärkt; auch Erz­bi­schof En­gel­bert war Sohn ei­ner Gelde­rin. Adolfs Frau Irm­gard war die Nich­te des er­mor­de­ten Erz­bi­schofs. Die­se ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen mö­gen Graf Adolf be­wo­gen ha­ben, mit dem köl­nisch-geld­i­schen Bünd­nis zu sym­pa­thi­sie­ren oder we­nigs­tens eine ab­war­ten­de Hal­tung an den Tag zu le­gen. Wo­mög­lich hat Graf Adolf aber auch le­dig­lich im rich­ti­gen Au­gen­blick Zu­rück­hal­tung ge­übt, um dann ziel­stre­big und rück­sichts­los die ge­än­der­ten Ver­hält­nis­se zu sei­nem Vor­teil zu nut­zen. Über ent­spre­chen­des Selbst­be­wusst­sein muss der Graf ver­fügt ha­ben, nann­te er sich doch zu die­sem Zeit­punkt be­reits per Dei gra­ti­am co­mes de Al­te­na, Graf von Al­te­na durch Got­tes Gna­de.

Der schwe­len­de Kon­flikt zwi­schen den west­fä­li­schen Ade­li­gen und Erz­bi­schof En­gel­bert hat­te vie­le Ur­sa­chen, er es­ka­lier­te je­doch an En­gel­berts Ver­such, Fried­rich von Isen­berg die Vog­tei­rech­te am Stift Es­sen zu ent­zie­hen, was für Fried­rich den Ver­lust wei­ter Tei­le sei­nes Ver­mö­gens be­deu­tet hät­te. Die an­de­ren west­fä­li­schen Herr­scher muss­ten be­fürch­ten, dass ih­nen Ähn­li­ches wi­der­fuhr. Mög­li­cher­wei­se war Graf Adolf auch aus die­sem Grund nicht an der Adels­ver­schwö­rung be­tei­ligt. Er ver­folg­te in die­sem Punkt ge­gen­über den Köl­ner Erz­bi­schö­fen eine nach­gie­bi­ge­re Po­li­tik als die an der Ver­schwö­rung be­tei­lig­ten Ade­li­gen. So hat­te er sich be­reits von sei­nem On­kel, Erz­bi­schof Adolf I. von Al­te­na, dazu über­re­den las­sen, ei­ner Neu­re­ge­lung der Vog­tei­rech­te der gräf­li­chen Fa­mi­lie über das Klos­ter Cap­pen­berg zu­zu­stim­men. Die­ses soll­te künf­tig nicht mehr auf dem Erbrecht, son­dern auf ei­ner frei­en Über­tra­gung durch das Stift an den Gra­fen be­ru­hen. Eine Re­ge­lung, die ihn viel­leicht eher als den we­gen Be­drü­ckun­gen des Stif­tes Es­sen an­ge­zeig­ten Fried­rich von Isen­berg vor Be­stre­bun­gen sei­tens des Kai­sers, des Paps­tes oder des Erz­bi­schofs be­wahr­te, auch ihm die Vog­tei­rech­te weg­zu­neh­men.

Graf Adolf kon­zen­trier­te sich zu­nächst auf die Si­che­rung und Fes­ti­gung sei­nes Ter­ri­to­ri­ums. Ein Zu­sam­men­ge­hen mit dem isen­ber­gi­schen Ver­wand­ten, ins­be­son­de­re bei des­sen Vor­ge­hen ge­gen den Erz­bi­schof, hät­te an­ge­sichts der star­ken isen­ber­gi­schen Ko­ali­ti­on und der noch ver­hält­nis­mä­ßig schwach ent­wi­ckel­ten mär­ki­schen Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft die Ge­fahr mit sich ge­bracht, dass die mär­ki­sche Po­li­tik er­neut in isen­ber­gi­sche Ab­hän­gig­keit ge­rät. Adolf und Fried­rich ver­folg­ten also eine sehr un­ter­schied­li­che Po­li­tik, die al­ler­dings bis zu­letzt nicht dazu führ­te, dass sie den Kon­takt zum Hof des Erz­bi­schofs und Reichs­ver­we­sers ver­lo­ren, mit dem sie bei­de ver­wandt wa­ren.

Erst nach­dem die Ko­ali­ti­on um Fried­rich von Isen­berg im Jahr 1225 den Tod des Köl­ner Erz­bi­schofs En­gel­bert I. her­bei­ge­führt hat­te, sah Graf Adolf den Zeit­punkt für ein ak­ti­ves Han­deln ge­kom­men, denn jetzt schien die isen­ber­gi­sche Macht völ­lig zer­schla­gen. Graf Adolf nutz­te das ent­stan­de­ne Macht­va­ku­um, um die süd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Be­sit­zun­gen der al­te­nai­schen Gra­fen an sich zu brin­gen. Er strich sei­ne köln­freund­li­che Hal­tung be­son­ders her­aus, stell­te sich de­mons­tra­tiv auf die Sei­te Kölns und leg­te sym­bo­lisch den Na­men von Al­te­na ab, den auch Fried­rich von Isen­berg ge­tra­gen hat­te; aus die­sem Grund er­scheint Adolf seit 1226 nur noch als Graf Adolf von der Mark. Zur Stra­fe für die Mord­tat schleif­ten die Köl­ner und ihre Ver­bün­de­ten die Fried­rich von Isen­berg ge­hö­ren­den Fes­tungs­an­la­gen, dar­un­ter auch die Isen­burg bei Hat­tin­gen. Adolf von der Mark über­nahm es da­bei, Nien­brüg­ge zu zer­stö­ren, ei­nen aus Burg und Stadt be­stehen­den Brü­cken­kopf, mit des­sen Hil­fe Fried­rich von Isen­berg in sei­ner Funk­ti­on als Graf von Hö­vel die Herr­schaft über sei­ne Län­de­rei­en im Lip­p­ebe­reich ge­si­chert hat­te, Er­satz für Burg Al­te­na als Stamm­burg der Isen­ber­ger bis zu de­ren Um­zug auf die Isen­burg im Jah­re 1217. Im Ge­gen­zug ge­stat­te­te ihm En­gel­berts Nach­fol­ger Hein­rich I. von Köln, ei­nen gro­ßen Teil der Gü­ter sei­nes Vet­ters Fried­rich von Isen­berg zu über­neh­men. Auf die­se Wei­se nut­ze Graf Adolf sein köln­treue Hal­tung ge­schickt aus, um den größ­ten Teil der al­te­nai­schen Be­sit­zun­gen und Rech­te, die sein Groß­va­ter Graf Ever­hard von Al­te­na vor der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung be­ses­sen hat­te, für sein Haus zu ret­ten und in sei­ner Hand wie­der zu ver­ei­ni­gen.

Die Grundlagen der Grafschaft Mark

Den Ein­woh­nern der zer­stör­ten Stadt Nien­brüg­ge bot Adolf von der Mark auf ei­nem na­he­ge­le­ge­nen Flur­stück im Win­kel zwi­schen Lip­pe und Ahse eine neue Heim­statt. Mit ih­rer Hil­fe grün­de­te Adolf von der Mark Ascher­mitt­woch im März des Jah­res 1226 die Stadt Hamm im Win­kel zwi­schen Lip­pe und Ahse, dem Ham­me, und ver­lieh ihr das Ham­mer Stadt­recht. Des Wei­te­ren ließ er an­stel­le der zer­stör­ten Isen­burg im Go Hat­tin­gen durch sei­nen Dros­ten und Heer­füh­rer Lu­dolf von Bö­nen schon am 1. Mai 1226 den Grund­stein zu der neu­en Haupt­fes­te des Goes le­gen, der Burg Blan­ken­stein an der Ruhr, ei­ni­ge Ki­lo­me­ter öst­lich von Hat­tin­gen. Sie soll­te Graf Adolf als ein wei­te­res Macht­zen­trum zur Kon­trol­le des Isen­bur­ger Be­sit­zes die­nen.[

Da­mit war die Grund­la­ge für sei­ne Graf­schaft ge­legt, die Graf­schaft Mark. Wäh­rend Graf Adolf auf Burg Mark re­si­dier­te, wa­ren sei­ne Mi­nis­te­ria­len, mit de­ren Hil­fe er die Graf­schaft re­gier­te, in Hamm an­säs­sig, das die Haupt­stadt der neu­en Graf­schaft wer­den soll­te.

Zu Be­ginn wa­ren die Be­sit­zun­gen des Gra­fen Adolfs al­ler­dings kaum ein­grenz­bar ge­nug, um als tat­säch­li­ches, ter­ri­to­ri­al klar um­ris­se­nes Herr­schafts­ge­biet gel­ten zu kön­nen. Mit Hamm/Mark und Altena/Blankenstein hielt Graf Adolf im­mer­hin zwei Macht­zen­tren in der Hand, wenn die­se auch räum­lich von­ein­an­der ge­trenn­te wa­ren. Sein üb­ri­ger Be­sitz lag über halb West­fa­len ver­streut. Die Macht­stel­lung des Gra­fen Adolf als Va­sall der Köl­ner Kir­che be­ruh­te al­lein auf sei­nem Al­lo­di­al- und Lehns­be­sitz, den er durch sei­ne Bur­gen si­cher­te.

Bei den Graf Adolf un­ter­stell­ten Co­mi­ta­ten Al­te­na, Hö­vel und Bo­chum han­del­te es sich um Frei­graf­schaf­ten, Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­zir­ke. So­fern sie in­ner­halb des Erz­bis­tums Köln la­gen, konn­te Adolf von der Mark dort in der Re­gel die Go­ge­richts­bar­keit an sich brin­gen. Die­se soll­te spä­ter zur Grund­la­ge sei­ner Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft wer­den. Doch ge­lang es ihm nicht, sich auch die Go­ge­richts­bar­keit der im Bis­tum Müns­ter ge­le­ge­nen Be­sit­zun­gen zu si­chern. Hier­zu ge­hör­ten der gro­ße Nord­teil der Graf­schaft Hö­vel und die sie um­ge­ben­den zahl­rei­chen al­te­na­isch-mär­ki­schen Frei­graf­schaf­ten nörd­lich der Lip­pe. Hier hat­ten be­reits die Fürst­bi­schö­fe von Müns­ter ih­ren Ein­fluss gel­tend ge­macht und die Go­ge­richts­bar­keit an sich ge­zo­gen. So­mit be­schränk­te sich die zu­künf­ti­ge Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft Graf­schaft Mark, die Graf Adolf I. von der Mark wohl schon an­ge­strebt ha­ben mag, von vorn­her­ein nur auf die Goe, die in­ner­halb des Erz­bis­tums Köln la­gen.

Die Eta­blie­rung ei­nes Ter­ri­to­ri­ums Mark voll­zog sich erst all­mäh­lich und in meh­re­ren wich­ti­gen Zwi­schen­schrit­ten, un­ter an­de­rem durch den Frie­dens­schluss mit den Isen­ber­gern vom 1. März 1243, durch den die Mark be­zie­hungs­wei­se Hamm und Al­te­na zu ei­nem zu­sam­men­hän­gen­den Ge­biet ver­schmol­zen, den An­kauf der Krum­men Graf­schaft von Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg durch Graf Eber­hard I. von der Mark, der eine Ver­bin­dung zwi­schen der Graf­schaft Al­te­na und dem mär­ki­schen Go Unna schuf, und den Er­werb des vol­len Be­fes­ti­gungs­rechts durch die Schlacht von Wor­rin­gen im Jah­re 1288. In der Graf­schaft Mark gin­gen auf die­se Wei­se wei­te Tei­le der frü­he­ren Graf­schaft Al­te­na und Tei­le Hö­vels und an­de­rer Län­de­rei­en auf, die Adolf im Lau­fe der Zeit er­wer­ben konn­te.

Rea­li­siert wur­de der von Köln un­ab­hän­gi­ge Ter­ri­to­ri­al­staat „Graf­schaft Mark“ erst un­ter Graf Adolfs En­kel Eber­hard I. von der Mark durch den Sieg über den Köl­ner Erz­bi­schof Sieg­fried von Wes­ter­burg in der Schlacht von Wor­rin­gen 1288.

We­ni­ger er­folg­reich war Graf Adolf im Be­zug auf die ehe­mals isen­ber­gi­schen Vog­tei­en. So ging der Mär­kern auf zu­nächst un­ab­seh­ba­re Zeit die Vog­tei über die Reichs­ab­tei Es­sen und dem zu­ge­hö­ri­gen Stift Rel­ling­hau­sen ver­lo­ren. Es han­del­te sich hier­bei im­mer­hin um Ein­künf­te aus ins­ge­samt 22 Cu­ri­en (Hof­hal­tun­gen) mit 1062 Hu­fen­hö­fen in 698 Ort­schaf­ten West­fa­lens Nicht ge­win­nen konn­te er au­ßer­dem die Vog­tei über die fünf Cu­ri­en der Ab­tei Wer­den mit ih­ren 164 Man­sen in 110 Or­ten. Die Vog­tei über ihre 59 Man­sen in 23 Or­ten ver­gab die Äb­tis­sin der dem Stift Kau­fun­gen ge­hö­ren­den gro­ßen cur­tis Her­be­de 1226/27 eben­falls nicht an Graf Adolf, son­dern an Ar­nold von Di­dinck­ho­ven. Un­klar ist zu­dem, wer die Vog­tei­en über die west­fä­li­schen Gü­ter der Klös­ter Sieg­burg, Fisch­beck und Möl­len­beck er­hal­ten hat.

Be­zeugt ist Graf Adolf hin­ge­gen als Vogt über die Cu­ria Ekelo der Ab­tei St. Pan­ta­le­on zu Köln (24 Man­sen in 16 Ort­schaf­ten). Ganz in der Tra­di­ti­on sei­ner Vor­gän­ger scheint er sich als ein Be­drü­cker des Ho­fes Ekelo er­wie­sen zu ha­ben. In ei­ner Ur­kun­de aus dem Jahr 1227 gibt Erz­bi­schof Hein­rich I. von Köln al­ler­dings zu er­ken­nen, dass Adolf sich be­reit­erklärt habe, ge­gen eine jähr­li­che Zah­lung von 2 Mark auf wei­te­re „un­ge­rech­te For­de­run­gen“ zu ver­zich­ten.

Isenberger Wirren

Da der in­zwi­schen sieb­zehn­jäh­ri­ge Sohn des Fried­rich von Isen­berg, Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg, eben­falls sei­ne An­sprü­che gel­tend mach­te, kam es ab 1232, sie­ben Jah­re nach Er­mor­dung En­gel­berts von Köln, zum Erb­krieg, der bis 1243 an­dau­er­te (so­ge­nann­te Isen­ber­ger Wir­ren). In die­sem Zu­sam­men­hang lehn­te Adolf von der Mark sich zeit­wei­se an Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp I. von Heins­berg be­zie­hungs­wei­se des­sen Nach­fol­ger Kon­rad von Hoch­sta­den an und ge­wann schließ­lich Al­te­na-Isen­burg. Diet­rich hin­ge­gen hat­te für sich (le­dig­lich) das klei­ne Land­stück Ho­hen-Lim­burg und eine Mit­herr­schaft in Bo­chum erstrit­ten. Dar­über hin­aus muss­te Adolf von der Mark auf die nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Län­de­rei­en ver­zich­ten (etwa die Kirch­spie­le Bockum, Hö­vel und Hees­sen). Die­se gin­gen teil­wei­se an Diet­rich von Isen­berg; die Lan­des­herr­schaft in die­sem Ge­biet je­doch ging der Li­nie Al­te­na an das Fürst­bis­tum Müns­ter ver­lo­ren. Da­von aus­ge­nom­men blieb die Nor­den­feld­mark der Stadt Hamm, ein klei­ner Strei­fen am rech­ten, das heißt nörd­li­chen Ufer der Lip­pe, zu dem auch die Fel­der und Wei­den von Nien­brüg­ge ge­hör­ten. Die­ser wur­de in dem Ver­gleich Adolf von der Mark zu­ge­spro­chen. So kommt es, dass sich die Mark an die­ser Stel­le über den Fluss hin­aus aus­dehn­te, ob­wohl sonst der Lip­pe­fluss mit we­ni­gen Aus­nah­men die Gren­ze der Mark nach Müns­ter mar­kier­te. Die­ser Be­reich wird heut­zu­ta­ge Hamm-Nor­den ge­nannt und ist 1975 im Zuge der zwei­ten Pha­se der Ge­mein­de­ge­biets­re­form im Zuge der Ein­ge­mein­dung Bockum-Hö­vels und Hes­sens nach Hamm auf die bei­den neu ent­stan­de­nen Stadt­be­zir­ke auf­ge­teilt wor­den.

Adolf von der Mark nann­te nun­mehr „die Höfe Bre­men und Schwer­te; Ge­richt, Vog­tei und Kir­che zu Unna; das Ge­richt und den Hof zu Kauf­bo­chum; die Ge­rich­te an der Ruhr und zu Hat­tin­gen; die Höfe Hal­ver und Kier­s­pe; die Burg­man­nen der Schlös­ser Mark, Al­te­na und Blan­ken­stein mit al­len ih­ren Le­hen; die Ge­bie­te von Blan­ken­stein und Lü­nen; end­lich die Lehns­herr­lich­keit über die Häu­ser Dah­le, Lahr“ sein ei­gen. Da­durch wa­ren die bis­lang ge­trenn­ten Ge­bie­te im Nor­den (Mark/Hamm) und im Sü­den (Altena/Blankenstein) fort­an mit­ein­an­der ver­bun­den. Da­mit be­gann sich für die Graf­schaft Mark ein fes­tes Ter­ri­to­ri­um her­aus­zu­bil­den.

Zeit nach den Isenberger Wirren

1243 wur­de Adolf vom Köl­ner Erz­bi­schof mit ei­ner Hälf­te von Bo­chum be­lehnt; die zwei­te Hälf­te kam durch Tausch und Kauf im Jah­re 1392 an die Mark. Das Klos­ter Ma­ri­en­feld ver­zich­te­te auf sei­ne An­sprü­che an Uen­trop. Vom Gra­fen von Arns­berg er­warb Graf Adolf die Frei­ge­schaf­ten Hol­te (ein­schließ­lich Flie­rich) und Pent­link (mit Hil­beck).

In der Fol­ge­zeit ge­wan­nen Adolf I. von der Mark und sei­ne Nach­fol­ger die Krum­me Graf­schaft bei Dort­mund (An­kauf von Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg im Jah­re 1282 durch Graf Eber­hard I. von der Mark) und Tei­le von Rü­den­berg. Ihr Ter­ri­to­ri­um soll­te zu ei­nem der stärks­ten in West­fa­len wer­den und ge­riet des­halb mehr und mehr in Kon­kur­renz zu den Erz­bi­schö­fen von Köln. Für Teil­ge­bie­te al­ler­dings war Adolf von der Mark erz­bi­schöf­li­cher Va­sall. Erst sei­ne Nach­fol­ger lös­ten sich mehr und mehr von der Her­zog­li­chen und Erz­bi­schöf­li­chen Ge­walt der Köl­ner. 1288 nach der Schlacht von Wor­rin­gen konn­ten sie die her­zog­li­chen Rech­te usur­pie­ren und sich von Köln lö­sen.

Tod

Adolf von der Mark starb am 28. Juni 1249. Er ist in der Stifts­kir­che des ehe­ma­li­gen Prä­mons­tra­ten­ser­klos­ters Cap­pen­berg bei­gesetzt.

Familie

Adolfs Mutter Alveradis von Krickenbeck – Adolf I. von der Mark als Graf von Krickenbeck

Adolfs Va­ter, Graf Fried­rich von Berg-Al­te­na, war mit Al­ve­ra­dis von Kri­cken­beck ver­hei­ra­tet, Toch­ter des Gra­fen Rei­ner von Kriecken­beck-Mil­len­donk. Da Rei­ner um 1164 oder kurz da­nach ver­stor­ben ist, muss be­reits Fried­rich über Al­ve­ra­dis den Ti­tel ei­nes Gra­fen von Kri­cken­beck ge­erbt ha­ben. Ent­spre­chend wird er in ei­ni­gen Quel­len als Graf von Al­te­na und Kri­cken­beck be­zeich­net. Im Wege des Erb­gangs ging der krickenbeck´sche Be­sitz (bona de Cri­ken­be­ke) mit Fried­richs Tod auf Graf Adolf über.

Die Graf­schaft Kri­cken­beck lag im Net­te­tal am Nie­der­rhein in der Nähe von Ven­lo. Nach alt­ger­ma­ni­scher Ein­tei­lung ge­hör­te das Ge­biet zum Mühl­gau. Nach­dem die Fran­ken, die nach Ver­trei­bung der Rö­mer in so­zia­ler Hin­sicht die Ein­tei­lung des Lan­des in Gaue bei­be­hiel­ten, es in po­li­ti­scher Hin­sicht je­doch in Graf­schaf­ten ein­teil­ten, an de­ren Spit­ze ein vom Kö­nig aus den Be­gü­ter­ten des Ge­bie­tes ge­wähl­ter Be­am­ter stand, der Graf ge­nannt wur­de, bil­de­ten sich im Müh­len­gau meh­re­re Graf­schaf­ten her­aus. Auch Kri­cken­beck wur­de so zur Graf­schaft er­ho­ben. Die­se wur­de nach der in ihr ge­le­ge­nen Burg Kri­cken­beck be­nannt.

Zu un­ter­schei­den sind da­bei das Amt Kri­cken­beck und das Land Kri­cken­beck. Zum Land Kri­cken­beck (alinges lan­de van Kry­ke­n­be­ke) ge­hör­ten die Kirch­spie­le Gref­rath, He­ron­gen, Hins­beck, Leuth, Lob­be­rich und Wankum. Das Amt zu Ven­lo und Vier­sen wa­ren nicht Teil des Lan­des Kri­cken­beck, wohl aber des Am­tes Kri­cken­beck.

Graf Adolf und sei­ne Söh­ne ver­äu­ßer­ten Kri­cken­beck am 3. März 1243 an Graf Otto II. von Gel­dern, der so­mit zum Lan­des­herr von Kri­cken­beck wur­de. Der von dem Gra­fen von Gel­dern 1243 an­ge­kauf­te Kom­plex ist wahr­schein­lich iden­tisch mit dem Land Kri­cken­beck, also dem Amt Kri­cken­beck ohne Ven­lo und Vier­sen. Land be­zeich­net im Fal­le von Kri­cken­beck nicht den en­ge­ren Ho­heits­be­reich des Gra­fen (be­zie­hungs­wei­se Her­zogs) von Gel­dern zu­züg­lich der durch Le­bens­ban­de ver­bun­de­nen Herr­schafts­be­rei­che, son­dern le­dig­lich ei­nen Ge­biets­kom­plex, in dem der Lan­des­herr die Herr­schaft über Land und Leu­te in­ne­hat­te. Wie be­reits Dohms auf­ge­zeigt hat, war die Herr­schaft Gel­derns in die­sem Raum nicht un­mit­tel­bar auf lan­des­herr­li­chen Grund­be­sitz ge­stützt, son­dern auf die Va­sal­li­tät zahl­rei­cher Rich­ter und Mi­nis­te­ria­len­fa­mi­li­en. Eine Ur­kun­de von Juni 1251 legt nahe, dass zum Zeit­punkt des Ver­kau­fes eine Burg exis­tiert ha­ben muss. Aus der Ur­kun­de geht her­vor, dass Graf Otto mit dem Köl­ner Erz­bi­schof sei­nen Be­sitz De­vers­dunch in der Pfar­rei Graf­rath ge­gen eine area in Kri­cken­beck tausch­te, wo zu­vor eine Burg (cas­trum) ge­stan­den hat­te. Auf die­sem Ge­län­de woll­te Otto ein Klos­ter grün­den.

In sei­nem Mit­te des 13. Jahr­hun­derts ver­fass­ten Wirt­schafts­buch be­rich­tet Abt von St. Trond Wil­helm von Ryckel, Graf Adolf habe die Props­tei ge­walt­sam zur Über­las­sung der hal­ben Zehn­ten in Gref­rath und Lob­be­rich ge­zwun­gen und die­se mit­samt dem ihm dort ge­hö­ren­den Grund und Bo­den so­wie den zu­ge­hö­ri­gen Rech­ten dem Gra­fen von Gel­dern ver­kauft, der sie in­fol­ge­des­sen zu Un­recht be­sit­ze. („Ver­merkt wer­den muss, dass der Graf Adolf von Berg eins­tens dort die welt­li­che Herr­schaft (do­mi­num tem­po­ra­le) in­ne­hat­te und durch ver­schie­de­nes Un­recht, das er der Kir­che von Alem zu­füg­te, Propst und Ka­no­ni­ker von Alem dazu zwang, ihm die hal­ben Zehn­ten zu Gref­rath und Lob­be­rich auf Zeit zu ver­pach­ten. Je­ner Graf aber ver­kauf­te spä­ter das Land (ter­ra), das er dort be­saß, samt dem Recht, das er an je­nen Zehn­ten hat­te, dem Gra­fen von Gel­dern, und so­mit hält die­ser die Zehn­ten auf höchst un­rech­te Wei­se in Be­schlag.“)

Wahr­schein­lich irrt der Abt über das Be­stehen der frag­li­chen Rech­te. In dem am 3. März 1243 zwi­schen Graf Adolf und dem Graf von Gel­dern ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag wird aus­drück­lich ge­sagt, dass die Herr­schaft Kri­cken­beck dem Gra­fen Adolf erbrecht­lich über sei­ne Mut­ter zu­ge­fal­len ist. Dies dürf­te eben­so für die Lob­be­ri­cher und Gref­ra­ther Zehn­ten gel­ten, die ver­mut­lich zum ehe­ma­li­gen Herr­schafts- und Be­sitz­kom­plex der Kri­cken­be­cker ge­hör­ten. Der An­spruch auf den hal­ben Zehn­ten in Lob­be­rich und Gref­rath dürf­te nicht „will­kür­lich“, son­dern erbrecht­lich be­grün­det sein.

Ne­ben Kri­cken­beck ver­kauf­te Graf Adolf auch an­de­re links­rhei­ni­sche Be­sit­zun­gen (Al­lo­de und Le­hen, al­lo­dia sive geo­da) an den Gra­fen Otto. Un­ge­klärt ist, was Graf Adolf zu dem Ver­kauf be­wo­gen hat. In die­sem Zu­sam­men­hang ist die Ab­stam­mungs­li­nie der Gra­fen von Kri­cken­beck in­ter­es­sant, da sie eine dop­pel­te Ver­wandt­schaft des Gra­fen Adolf mit Graf Otto II. von Gel­dern auf­zeigt.

  1. Ger­hard I. Fla­mens (* spä­tes­tens um 985; † nach 1033), ver­mut­lich zur Fa­mi­lie des Gra­fen Ar­nold von Valecijn/Valenciennes ge­hö­rig. Ver­wand­ter der Her­ren von An­to­ing bei Doornick/Tournai auf dem rech­ten Ufer der Schel­de. Bru­der des Rut­ger, des Stamm­va­ters der Gra­fen von Kle­ve (1368 im Man­nes­stamm er­lo­schen). Im Jah­re 1021 durch Kai­ser Hein­rich II. mit Was­sen­berg aus­ge­stat­tet. Nach ei­ner Ver­mu­tung sei­tens von Boe­ren war Ger­hard mit ei­ner na­ment­lich nicht be­kann­ten Toch­ter des Pfalz­gra­fen Her­mann Pu­s­il­lus von Nie­der-Loth­rin­gen ver­hei­ra­tet. J. M. van Wit­ner hält eine na­ment­lich nicht be­kann­te Toch­ter des Gra­fen Gott­fried von Verdun/Wirten und der Mat­hil­de von Bil­lung für die mög­li­che Ehe­frau.
    1. Ger­hard II. von Was­sen­berg (* um 1010; † 1082), Graf Ger­hardus Fla­mens, 1053 Graf in der Be­tau (Be­tu­we) und im Teis­terbant, 1057 Graf im Ruhr­gau, 1067 Graf im Hat­tua­ri­er­gau. Ehe­frau un­be­kannt J. M. van Win­ter geht auf­grund der un­ge­wöhn­lich lan­gen Le­bens­span­ne von zwei Per­so­nen aus. Der Ers­te (Ger­hard II a) wäre mit ei­ner un­be­kann­ten Toch­ter des Gra­fen Theoderich/Dirk von Ha­ma­land ver­hei­ra­tet ge­we­sen, ei­ner Ur­en­ke­lin des Stif­ters des Klos­ters El­ten. Die Ehe­frau des zwei­ten (Ger­hard II b) sei mög­li­cher­wei­se die Toch­ter des Gra­fen Hein­rich I. von Lö­wen ge­we­sen, Bru­der des Stamm­va­ters der Her­zö­ge von Bra­bant. Nach die­ser The­se wäre Bi­schof Wil­helm von Ut­recht (1054–1076) ein Bru­der von Ger­hard III. Fla­mens.
      1. Hein­rich von Was­sen­berg (* um 1035; † 4. De­zem­ber vor 1085), 1082 bei der Schen­kung der Ab­tei St. Hu­bert er­wähnt. Nach der Tra­di­ti­on ver­hei­ra­tet mit Adel­heid von Gel­dern († 1083), Toch­ter des Vog­tes Wi­chard III. von Gel­dern aus dem Hau­se der Her­ren von Pont.
        1. Ger­hard III. von Was­sen­berg (Ger­hard I. von Gel­dern) (* um 1060; † vor dem 8. März um 1129) (1085 Graf von Was­sen­berg, 1096 erst­mals als Graf von Gel­dern er­wähnt. Land­graf 1096). Ur­ur­ur­groß­va­ter von Otto II. von Gel­dern. Nach al­ter­na­ti­ver Auf­fas­sung ist Ger­hard der Sohn von Diet­rich I. Fla­mens
        2. Hein­rich Kriecken­beck (* nach 1063; † 1138) (1096–1118: Graf von Kri­cken­beck, frü­her ver­wech­selt mit Hein­rich von Kes­sel, dem Stamm­va­ter der Gra­fen von Kes­sel)
          1. Rei­ner Graf von Kriecken­beck-Mil­len­donk (* um 1110; † nach 1164, ur­kund­lich er­wähnt 1164)
            1. Al­ve­ra­dis von Kri­cken­beck (* um 1155; † nach 1220, ur­kund­lich er­wähnt zwi­schen 1173 und 1220), ver­hei­ra­tet mit Fried­rich von Berg-Al­te­na
              1. Graf Adolf I. von der Mark, ver­hei­ra­tet mit Irm­gard von Gel­dern, Toch­ter von Otto I. von Gel­dern, dem Groß­va­ter Ot­tos II. von Gel­dern.
      2. Ger­hard (1082 Graf im Ha­ma­land, 1085 Graf im West­fa­len­gau).
      3. Diet­rich I. Fla­mens (* um 1035; † 19. Ok­to­ber 1082), Stamm­va­ter der Her­ren von Val­ken­burg und Heins­berg. 1058 Ut­rech­ter Ur­kun­den­zeu­ge, 1076 Graf in der Velu­we, 1078 Graf im Teis­terbant, 1079 Vogt im Be­zirk Bree. Ver­hei­ra­tet ver­mut­lich mit Hed­wig von Men­tai­gu (Scher­pen­heu­vel), Toch­ter des Gra­fen Gon­zelo von Man­tai­gu und der Irm­gard von As­pel, ei­ner Base Kö­nig Hein­richs III.
        1. Ger­hard von Heins­berg
        2. Gos­win I. von Heins­berg
        3. Al­ter­na­tiv: Ger­hard III. von Was­sen­berg (s.o.) nach dem For­schungs­stand Thie­les.

Die­se ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen könn­ten beim Ver­kauf Kri­cken­becks eine Rol­le ge­spielt ha­ben. Adolfs Ehe­frau Irm­gard von Gel­dern war eine Toch­ter von Otto I. von Gel­dern, dem Groß­va­ter des jetzt am­tie­ren­den Gra­fen Otto II. von Gel­dern. Dar­über hin­aus war Al­ve­ra­dis von Kri­cken­beck, die Mut­ter des Gra­fen Adolf, eine En­ke­lin von Hein­rich Krie­ken­beck, der wie­der­um der Bru­der von Ger­hard III. von Was­sen­berg war, dem ers­ten Gra­fen von Gel­dern und Ur­ur­ur­groß­va­ter von Otto II. von Gel­dern. Nach ei­ner heu­te stark um­strit­te­nen Auf­fas­sung stam­men so­wohl das Haus Berg, dem Graf Adolf I. von der Mark an­ge­hört, als auch das Haus Was­sen­berg von Adolf II., Graf im Kel­dach­gau, ab, so dass hier mög­li­cher­wei­se noch eine drit­te ver­wandt­schaft­li­che Be­zie­hung be­steht.

Es sind aber auf mär­ki­scher Sei­te auch an­de­re Grün­de für den Ver­kauf denk­bar. Mög­li­cher­wei­se soll­te die­ser dazu bei­tra­gen, die fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen des mär­ki­schen Gra­fen durch die Isen­ber­ger Wir­ren zu mil­dern; nur zwei Mo­na­te spä­ter er­folg­te in die­sem Kon­flikt der Frie­dens­schluss auf dem Ver­hand­lungs­we­ge. Ver­mu­ten kann man auch eine wie auch im­mer ge­ar­te­te Un­ter­stüt­zung Gel­derns in die­sem Kampf des Gra­fen Adolf ge­gen das Haus Isen­berg-Lim­burg und sei­ne Ver­bün­de­ten, für die der Ver­kauf Kri­cken­becks im Zuge der Bei­le­gung der Feh­de eine Form der Ent­schä­di­gung dar­stell­te. Dass Adolf von der Mark und die Gra­fen von Gel­dern ge­mein­sa­me In­ter­es­sen ver­folg­ten, fällt auch in an­de­ren Zu­sam­men­hän­gen auf. So war es Ger­hard IV. Graf von Gel­dern, Vogt der Kir­che von Köln, und Va­ter von Graf Otto II., der Fried­rich von Isen­berg ge­fan­gen­ge­setzt und nach Köln ver­bracht hat­te, wo er zur Stra­fe für die Er­mor­dung Erz­bi­schof En­gel­berts aufs Rad ge­floch­ten wor­den ist. Durch den Tod des Isen­ber­gers wur­de der Weg für Graf Adolf frei, die isen­ber­gi­schen Gü­ter an sich zu neh­men.

Adolfs Bruder Friedrich

In der oben be­reits er­wähn­ten Ur­kun­de aus dem Jah­re 1194, das Klos­ter Cap­pen­berg be­tref­fend, wird ein zwei­ter Sohn des Fried­rich von Berg-Al­te­na na­mens Fried­rich ge­nannt, der dem­zu­fol­ge Adolfs Bru­der ge­we­sen wäre. Da Fried­rich, wie auch Adolf, im Jahr 1194 als Zeu­ge ei­ner Schen­kung sei­nes Va­ters an das Klos­ter Cap­pen­berg auf­trat, muss auch er in die­sem Jahr be­reits das Mün­dig­keits­al­ter er­reicht ha­ben. Er war so­mit ent­we­der ein äl­te­rer Bru­der des Ga­fen Adolf, der vor dem Tod des ge­mein­sa­men Va­ters Fried­rich von Berg-Al­te­na ge­stor­ben ist (an­sons­ten wäre er als Erst­ge­bo­re­ner an­stel­le Adolfs in den Rang des Gra­fen von Al­te­na ein­ge­rückt) oder ein jün­ge­rer, nicht erb­be­rech­tig­ter Bru­der Adolfs, der als sein Zwil­lings­bru­der oder spä­tes­tens ein Jahr nach ihm ge­bo­ren wor­den ist (ein spä­te­rer Ge­burts­ter­min kommt nicht in Fra­ge, da Fried­rich an­sons­ten 1194 noch nicht mün­dig ge­we­sen wäre). Ge­gen die ers­te An­nah­me spricht, dass Graf Adolf, der 1202 als puer co­mes be­zeich­net wur­de (Graf und Knap­pe), of­fen­sicht­lich eine Rit­ter­aus­bil­dung ge­nos­sen hat. Dies wäre für den Zweit­ge­bo­re­nen ei­nes Mit­glie­des des Hau­ses Berg eher un­ge­wöhn­lich; da der Zweit­ge­bo­re­ne nicht für die Thron­fol­ge vor­ge­se­hen war, er­hielt er in der Re­gel eine ge­lehr­te Aus­bil­dung, die ihn für ein Kir­chen­amt qua­li­fi­zier­te.

Au­ßer der Ur­kun­de von 1194 lässt sich Fried­rich kei­ne wei­te­re Ur­kun­de ein­deu­tig zu­ord­nen. Dies hängt da­mit zu­sam­men, dass Fried­rich als „Fried­rich von Al­te­na“ hät­te sie­geln müs­sen, ein Name, un­ter dem al­ler­dings in der frag­li­chen Zeit vor al­lem Fried­rich von Isen­berg auf­tritt. Ob­wohl ver­schie­dent­lich ver­sucht wur­de, mit Fried­rich von Al­te­na ge­sie­gel­te Ur­kun­den Fried­rich, dem Bru­der Adolfs, zu­zu­schrei­ben oder dies zu­min­dest plau­si­bel wäre (dar­un­ter Ur­kun­den aus den Jah­ren 1213, 1215, 1216 und 1222), ist bei kei­ner die­ser Ur­kun­den ein ab­schlie­ßen­der Be­weis er­bracht wor­den, dass die­se tat­säch­lich von Fried­rich stam­men; bei den meis­ten Ur­kun­den ist in­zwi­schen er­wie­sen, dass auch sie von Fried­rich von Isen­berg ge­sie­gelt wur­den. Nach dem Jahr 1222 gibt es kei­ne Ur­kun­den mehr, die sich Fried­rich zu­wei­sen lie­ßen, so dass – so­fern man nicht oh­ne­hin ein frü­hes To­des­da­tum an­nimmt – von sei­nem Tod in die­sem Jahr oder we­nig spä­ter aus­zu­ge­hen ist.

Ehefrauen

Es ist nicht ein­deu­tig ge­klärt, ob Graf Adolf zwei Ehe­frau­en oder nur eine hat­te. Be­legt ist, dass Graf Adolf mit ei­ner Irm­gard von Gel­dern ver­hei­ra­tet war. Es wird an­ge­nom­men, dass es sich da­bei um die Schwes­ter des Gra­fen Ger­hard IV. von Gel­dern (Graf von Gel­dern zwi­schen 1207 und 1229) und da­mit um die Toch­ter des Gra­fen Otto I. von Gel­dern-Züt­phen (Graf von Gel­dern zwi­schen 1182 und 1207) han­delt. Ge­stor­ben ist sie nach 1230.

Schlech­ter zu­ord­nen lässt sich hin­ge­gen die ur­kund­li­che Er­wäh­nung ei­ner Lut­gar­dis, Gat­tin des Gra­fen Adolf von der Mark, vom 7. April 1210. Zu die­sem Da­tum über­trägt Graf Adolf dem Klos­ter Kap­pen­berg, zum See­len­heil sei­nes ver­stor­be­nen Va­ters Fried­rich, den Hof zu Lan­gen. Dies ge­schah in An­we­sen­heit sei­ner Mut­ter Al­ve­ra­dis und sei­ner Frau Lu­th­gar­dis. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich bei Lu­th­gar­dis so­mit um eine ers­te Ehe­frau des Gra­fen Adolf, auf die Levold von Nor­t­hof, der Chro­nist der Gra­fen von der Mark, kei­nen Hin­weis gibt. Teil­wei­se wird die­se Lut­gar­dis mit Lut­gar­dis von Ri­en­eck iden­ti­fi­ziert, Toch­ter des Gra­fen Ger­hard II. von Looz. De­ren To­des­da­tum wird teil­wei­se mit 1201, teil­wei­se mit 1210 an­ge­ge­ben, was zu den hier an­ge­nom­me­nen Le­bens­da­ten des Gra­fen Adolf pas­sen wür­de.

Stirn­berg hin­ge­gen iden­ti­fi­ziert Lut­gar­dis mit Luit­gar­dis II. von Ar­dey, der Toch­ter des Jo­na­thas I. von Ar­dey (1176–1221 ur­kund­lich be­legt) und der Luit­gar­dis I. von Rü­den­berg-Ar­dey. Die­se soll die Mut­ter von Eber­hard und En­gel­bert sein, Irm­gard hin­ge­gen die Mut­ter von Otto und Ger­hard. Durch das Erbe der Luit­gard II. von Ar­dey, das etwa die Hälf­te des Ar­dey­ischen Samt­be­sit­zes aus­ge­macht habe (die an­de­re Hälf­te stand im Be­sitz Ever­hards II. von Ar­dey, Bru­der des Jo­na­thas), sei Graf Adolf I. von der Mark und sei­nem Sohn En­gel­bert nach dem Tod von Luit­gards Va­ter, Jo­na­thas I. von Ar­dey, im Jah­re 1221 das Ge­biet des zur Ur­pfar­re Men­den ge­hö­ren­den, spä­ter ab­ge­pfarr­ten Kirch­spiels Dell­wig a. d. Ruhr mit Al­ten­dorf, Lang­sche­de und Westar­dey zu­ge­fal­len. Das neu­erwor­be­ne Ge­biet habe als Go­ge­richt Lang­sche­de fort­an un­ter mär­ki­scher Ver­wal­tung ge­stan­den. Mit­ten im Herr­schafts­ge­biet der Ar­dey­er, in Frön­den­berg, am Fuße des Ber­ges Haß­lei, das mög­li­cher­wei­se eben­falls zum Erbe der Luit­gard ge­hört habe, hät­ten Graf Adolf und sei­ne Söh­ne 1210 das Zis­ter­zi­en­se­rin­nen­klos­ter Frön­den­berg fun­diert, das spä­te­re Haus­klos­ter und die Grab­le­ge der mär­ki­schen Gra­fen. Sei­ne ei­ge­ne Theo­rie zieht Stirn­berg al­ler­dings da­durch in Zwei­fel, dass er selbst ein­räumt, dass nicht En­gel­bert, den er als Sohn der Luit­gart an­sieht, son­dern viel­mehr Jung­graf Otto von Al­te­na als Haupt­stif­ter des Klos­ters in Er­schei­nung tritt.

Die Tat­sa­che, dass Lut­gar­dis bei Levold von Nor­t­hof kei­ne Er­wäh­nung fin­det, und die feh­ler­haf­te Da­tie­rung von Graf Adolfs Ge­burts­jahr auf das Jahr 1994 ver­an­las­sen Uta Vah­ren­hold-Hu­land zu der An­nah­me, dass es sich in Wirk­lich­keit nur um eine ein­zi­ge Per­son han­delt, Lut­gar­dis-Irm­gard von Gel­dern. In die glei­che Rich­tung zielt Jahn, der die Hoch­zeit Adolfs mit Irm­gard von Gel­dern vor den 7. April 1210 da­tiert, dem Tag, für den Lut­gar­dis ur­kund­lich er­wähnt wird.

Kinder

Adolf von der Mark hat­te acht Kin­der:

Aus ers­ter Ehe: (hier­bei wird den For­schungs­er­geb­nis­sen Thie­les ge­folgt)

  • Irm­gard, Äb­tis­sin von Ber­sen­brück.

Aus zwei­ter Ehe:

  • Eine Toch­ter, ver­hei­ra­tet mit Diet­her IV. Graf von Kat­zeneln­bo­gen († um 1249).
  • Eber­hard von Al­te­na, Mit­re­gent zur Mark (um 1218; † Mai 1241). Nach Levold von Nor­t­hof war Eber­hard Graf Adolfs äl­tes­ter Sohn und ist bei ei­nem Tur­nier bei Neuß ums Le­ben ge­kom­men. Ge­mäß der Kom­men­tie­rung von Her­mann Fleb­be aus dem Jahr 1954 han­delt es sich da­bei ver­mut­lich um das Tur­nier im Mai 1241, bei dem vie­le Rit­ter und Knap­pen ums Le­ben ka­men.
  • Otto Graf von Al­te­na († 14. Au­gust 1262 be­zie­hungs­wei­se 1269), Propst in Aa­chen und Maas­tricht, seit 1249 Graf von Al­te­na, ent­we­der im Wege der Erb­tei­lung oder (wahr­schein­li­cher) durch ge­mein­sa­me Ver­wal­tung des vä­ter­li­chen Er­bes mit sei­nem Bru­der En­gel­bert. Nach Eber­hards Tod ließ sich der viel­leicht ge­ra­de 17-jäh­ri­ge Otto, der ver­mut­lich noch kei­ne geist­li­chen Wei­hen emp­fan­gen hat­te, aus dem geist­li­chen Stand in den Rit­ter­stand zu­rück­ver­set­zen. Otto wur­de vom Va­ter in die Erb­fol­ge ein­ge­bun­den und wie sein Halb­bru­der En­gel­bert zum Mit­re­gen­ten er­nannt. Er wur­de spä­ter zum Gra­fen von Al­te­na und sie­gel­te mit dem al­te­nai­schen Wap­pen mit Löwe und Schach­bal­ken.
  • Ger­hard von der Mark (* 1220; † 1272), Bi­schof von Müns­ter (1261–1272).
  • En­gel­bert I. von der Mark (* um 1225; † 16. No­vem­ber 1277), Nach­fol­ger des Va­ters als Graf von der Mark. Wie sein Bru­der Otto wur­de er nach dem Tod Eber­hards von sei­nem Va­ter zum Mit­re­gen­ten er­ho­ben. Er si­gel­te spä­ter mit dem mär­ki­schen Schach­bal­ken.
  • Ri­char­da (Ri­char­de), Äb­tis­sin des Klos­ters Frön­den­berg und spä­ter des Klos­ters Ken­trop († 1270), die ver­hei­ra­tet war mit Graf Otto I. von Dale († vor 1257).
  • Adel­heid († 1233), ver­hei­ra­tet mit Jo­hann I. von Spon­heim Graf von Sayn († 1266).

Es fällt an die­ser Stel­le auf, dass Adolf I. von der Mark kei­nen ur­kund­lich über­lie­fer­ten Sohn na­mens Adolf hat­te, ob­wohl der Erst­ge­bo­re­ne im Hau­se Berg ei­gent­lich so gut wie im­mer die­sen Na­men trägt, und zwar so­wohl vor Adolf von der Marks Leb­zei­ten als auch da­nach. Die­ses legt die, al­ler­dings un­be­weis­ba­re, Ver­mu­tung nahe, dass Adolf I. von der Mark sehr wohl ei­nen Sohn na­mens Adolf hat­te, der al­ler­dings nach der Ge­burt sei­nes zwei­ten Soh­nes ver­stor­ben ist (wäre er vor des­sen Ge­burt ver­stor­ben, hät­te man den zwei­ten Sohn eben­falls wie­der Adolf ge­nannt).

Siegel und Wappen

Von Graf Adolf I. von der Mark lie­gen meh­re­re Sie­gel vor. Sein Wap­pen ist seit 1220 nach­weis­bar, und zwar als Be­stand­teil sei­nes zwei­ten Rei­ter­sie­gels. Es han­delt sich um ein aus zwei Wap­pen zu­sam­men­ge­setz­tes, kom­bi­nier­tes Wap­pen. Dar­in führt er den be­kann­ten mär­ki­schen Schach­bal­ken. Über dem Schach­bal­ken, im obe­ren rang­hö­he­ren Feld, fin­det sich ein hal­ber, ein­schwän­zi­ger, so­ge­nann­ter „wach­sen­der“ Löwe.

Fleb­be mut­maßt in ei­ner An­mer­kung zu Levold von Nor­t­hofs Chro­nik der Gra­fen von der Mark, dass Adolf von der Mark 1198 die Burg Mark von den Edel­her­ren von Rü­den­berg er­wor­ben und in die­sem Rah­men von ih­nen das mär­ki­sche Wap­pen mit dem Schach­bal­ken über­nom­men habe. Die­se An­nah­me wi­der­spricht in vie­ler­lei Hin­sicht dem heu­ti­gen For­schungs­stand. So ist der Burg­hü­gel in der Mark wohl schon weit frü­her in den Be­sitz der Fa­mi­lie ge­langt, und zwar be­reits in die Hän­de von Adolfs Va­ter Fried­rich. Eine Burg­an­la­ge aus der Zeit der Rü­den­ber­ger lässt sich auf dem Ge­län­de we­der aus Ur­kun­den noch durch ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de nach­wei­sen; die Burg ist viel­mehr mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit von Fried­rich von Berg-Al­te­na er­baut wor­den. Auch war Ra­bo­do von Rü­den­berg, der letz­te männ­li­che Erbe des Hau­ses Rü­den­berg, im Jah­re 1198 be­reits lan­ge tot. Zu­dem kann er in sei­nem To­des­jahr um 1170 noch gar kein Wap­pen ge­führt ha­ben; die Ver­wen­dung sol­cher Wap­pen ka­men erst ab dem Ende des 12. Jahr­hun­derts auf. Stirn­berg hat des­halb eine ein­fa­che­re Er­klä­rung für den Schach­bal­ken. Er hält ihn für eine Ad­ap­ti­on des ber­gi­schen Wap­pens mit den bei­den dop­pelt ge­zinn­ten Bal­ken.

Den wach­sen­den Lö­wen wie­der­um hält Stirn­berg für eine Fort­ent­wick­lung des äl­te­ren und rang­hö­he­ren al­te­nai­schen Wap­pens, das wohl schon von Fried­rich von Berg-Al­te­na ge­stif­tet wur­de und ei­nen gan­zen stei­gen­den Lö­wen zeig­te. Als Graf Adolf I. das Lö­wen­wap­pen um den Schach­bal­ken er­wei­ter­te, hat man den gan­zen Lö­wen zu ei­nem wach­sen­den Lö­wen „ge­stüm­melt“.

Wo­mög­lich war Graf Adolf spä­ter dazu ge­zwun­gen, das Lö­wen­wap­pen zu ver­än­dern. Spä­tes­tens seit An­fang des zwei­ten Jahr­zehnts des drei­zehn­ten Jahr­hun­derts blieb nach der Heer­schild­ord­nung der Wap­pen­schild mit dem stei­gen­den Lö­wen den welt­li­chen Reichs­fürs­ten als Er­ken­nungs­sym­bol vor­be­hal­ten. Das wa­ren jene Herr­scher, die ihr Le­hen aus­schließ­lich vom deut­schen Kö­nig er­hal­ten hat­ten. Die Gra­fen von Al­te­na, die vom Erz­bi­schof von Köln be­lehnt wur­den, zähl­ten nicht dazu. Un­klar bleibt je­doch, ob sie dem 4. Stand (Freie Her­ren) oder dem 5. Stand (Freie Va­sal­len) an­ge­hör­ten. Des­sen Wap­pen­zei­chen wa­ren zwei Quer­bal­ken, ähn­lich de­nen, die in dop­pel­ge­zinn­ter Form bei den Gra­fen von Berg zu fin­den sind.

In ei­ner Ur­kun­de aus dem Jah­re 1213 be­zeugt der Köl­ner Erz­bi­schof Adolf I. von Al­te­na, der 1212 wie­der in sein Amt ein­ge­setzt wor­den war, dass sein Nef­fe Graf Adolf das zu dem Ae­gi­diik­los­ter zu Müns­ter ge­hö­ri­ge Gut Kla­ve­win­ke­le von al­len Diens­ten und Ab­ga­ben be­freit hat. Be­sie­gelt wur­de die Ur­kun­de durch den Erz­bi­schof, Graf Adolf und sei­nem con­s­an­gui­neus Fried­rich von Isen­berg. Ur­sprüng­lich wa­ren der Ur­kun­de drei Sie­gel bei­gefügt, von de­nen nur noch das (ers­te) Rei­ter­sie­gel des Gra­fen Adolf er­hal­ten ist. Es zeigt den Gra­fen in vol­ler Rüs­tung, mit ein­ge­leg­ter, er­ho­be­ner Lan­ze. In Ab­wei­chung zu den üb­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten ist die Schau­sei­te sei­nes Schil­des da­bei dem Be­trach­ter ab­ge­kehrt.

Un­ge­fähr zeit­gleich mit der Er­mor­dung En­gel­berts von Köln än­der­te Graf Adolf sei­nen Na­men. Er ver­zich­te­te ab 1225/26 voll­stän­dig auf den Ti­tel Graf von Al­te­na und nann­te sich fort­an nur noch Co­mes de Mar­cha – Graf von der Mark. Den Na­men „ALTENA“ ließ er aus sei­ner al­ten Mes­sing­pet­schaft her­aus­schlei­fen und durch „MARCHA“ er­set­zen. Die alte Um­schrift und der neue Name wie­sen eine un­ter­schied­li­che Schrift­hö­he auf. Um die­se aus­zu­glei­chen, wur­de der ge­sam­te Sie­gel­stock ab­ge­schlif­fen. Da­durch ver­lor das Bild­re­li­ef an Plas­ti­zi­tät. Der fei­ne, netz­ar­tig ge­rau­te­te Hin­ter­grund des Bild­fel­des wur­de zer­stört. Zeit­gleich ar­bei­te­te man den Topf­helm des Rei­ters zu ei­nem mo­der­ner wir­ken­den Kü­bel­helm mit Seh­schlitz um. Bei­be­hal­ten wur­den da­ge­gen das Wap­pen mit dem wach­sen­den Lö­wen und dem Schach­bal­ken.

In vie­len Quel­len fin­det sich die An­ga­be, Graf Adolf habe den Na­men und Ti­tel ei­nes Gra­fen von Al­te­na durch Fried­rich von Al­te­na-Isen­berg als ent­ehrt be­trach­tet. Stirn­berg hält dies für eine Le­gen­de, weil Adolfs jüngs­ter Sohn Otto (1249–1264) wie­der den Ti­tel ei­nes Gra­fen von Al­te­na trug und mit dem al­ten kom­bi­nier­ten Wap­pen, Löwe und Schach, sie­gel­te, wäh­rend der äl­te­re Bru­der En­gel­bert I. von der Mark (1249–1277) den Ti­tel ei­nes „Gra­fen von der Mark“ in­ne­hat­te und erst­mals nur mit dem mär­ki­schen Schach sie­gel­te. Stirn­berg schluss­fol­gert dar­aus, dass Graf Adolf mit dem von ihm an­ge­nom­me­nen Ti­tel ei­nes Gra­fen von der Mark nur den hö­he­ren Rang, also vor dem Ti­tel ei­nes Gra­fen von Al­te­na, ein­räu­men woll­te.

Wirk­lich plau­si­bel ist das nicht, zu­mal auch Stirn­berg ein­räumt, dass er kei­ne Grün­de für ein sol­ches Ver­hal­ten nen­nen kann. Die Tat­sa­che, dass eine sys­te­ma­ti­sche und ent­schie­de­ne Di­stan­zie­rung von der Mord­tat und ih­ren Ur­he­bern Adolf von der Mark ge­gen­über dem neu­en Köl­ner Erz­bi­schof Vor­tei­le ein­brin­gen konn­te und ein­ge­bracht hat, lässt Adolfs Ver­hal­ten er­klär­lich er­schei­nen, und sei es auch nur als sym­bo­li­scher Akt, ganz un­ab­hän­gig da­von, ob der Ti­tel Graf von Al­te­na tat­säch­lich als ent­ehrt an­ge­se­hen wur­de oder nicht. Als Adolfs Sohn Otto Graf von Al­te­na wur­de, wa­ren die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se in­zwi­schen ganz an­de­re, zu­mal die Mark da be­reits be­gon­nen hat­te, sich ein Stück­weit aus der Be­vor­mun­dung durch die Köl­ner Erz­bi­schö­fe zu lö­sen.

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